Realitätsabgleich: Suizidzahlen + Antidepressiva

Allgemeine Diskussion über psychische Störungen, ihre Behandlung und alles Verwandte.

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Realitätsabgleich: Suizidzahlen + Antidepressiva

Beitragvon PhilRS » Sonntag, 14.03.10, 11:54

Liebe Leute,

2 Jahre nach der sachlich unwiderlegt gebliebenen Kirsch-Metaanalyse und den unsachlichen Behauptungen deutscher Psychiater kann man sich jetzt selbst ein Bild machen - anhand neuerer statistischer Daten.

Wie schrieb Tep damals:
Und gleich darf sich Prof Hegerl melden...

Süddeutsche Zeitung vom 27.04.2008

http://www.sueddeutsche.de/,ra16m1/wiss ... 89/160551/

Wir merken uns mal, was er da gesagt hat....


Er hat folgendes gesagt:
Hegerl SZ April 2008 hat geschrieben:Hegerl: Die Berichterstattung wird die Betroffenen verunsichern. Und ich befürchte, dass sie einige Menschenleben kosten wird.

sueddeutsche.de: Sie meinen, die Selbstmordrate wird steigen?

Hegerl: Ja. Ob die Suizidrate signifikant nach oben geht, wird sich zeigen. Aber manche Patienten werden die Mittel absetzen, wieder krank werden und sich das Leben nehmen.


Das statistische Bundesamt hat jetzt die Todesursachenstatistik 2008 in voller Breite veröffentlicht, und die Zeitreihen sehen so aus:

Suizide (Tod durch vorsätzliche Selbstbeschädigung) nach Altersgruppen
Jahr: 1-15 J. / 15-20 J. / 20-25 J. / Insgesamt
2005: 26 / 214 / 382 /10.260
2006: 29 / 202 / 364 / 9.765
2007: 24 / 196 / 362 / 9.402
2008: 17 / 210 / 376 / 9.451

Hatte Hegerl also recht? Er selbst sieht das bestimmt so. Niedermeier hat im InKompetenznetz auch schon behauptet, die Suizidzahlen seien gestiegen. Signifikant sind sie selbstredend nicht gestiegen, in einigen Altersgruppen sind sie etwas gesunken, meist gleich geblieben, insgesamt sind sie weiterhin deutlich niedriger als in den Vorjahren.

Das Problem liegt ohnehin ganz woanders: Solche Statistiken sagen reinweg nichts über die Ursachen aus. Wenn man anhand der Selbstmordraten den Antidepressiva irgendeine positive Wirkung anzudichten versucht, dann ist das einfach Unfug - das wissen alle ernsthaften Fachleute.

Die Antidepressiva-Verschreibungen sind im gleichen Zeitraum weiterhin gestiegen: in 2008 um 11 Prozent. Aber wie gesagt, Antidepressiva beeinflussen die Suizidrate nicht...

MfG
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Re: Realitätsabgleich: Suizidzahlen + Antidepressiva

Beitragvon PhilRS » Sonntag, 14.03.10, 20:00

...noch ein Nachschlag: Mein Lieblingsspezialist Prof. FRITZE hat eine schöne Präsentation (zu einem anderen Thema) online, mit bunten Geldgebern und vor allem mit einem hammerharten Detail aus dem Arzneiverordnungsreport 2009.

Die deutschen Antidepressiva-Verordnungen haben Ende 2008/Anfang 2009 erstmals die 1-Milliarden-Grenze überschritten.

D.h. rein rechnerisch hat jeder Deutsche vom Neugeborenen bis zum Greis an 12 Tagen im Jahr ein Antidepressivum genommen.

Was für ein Irrsinn.

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