Depression oder Dysthymie

Allgemeine Diskussion über psychische Störungen, ihre Behandlung und alles Verwandte.

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Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ricarda » Samstag, 31.01.09, 15:11

Hallo,

mir ist da was merkwürdiges passiert. Im November stellte der Nervenarzt zum wiederholten Male eine schwere depressive Episode und eine schwere Belastungsstörung fest. Diese Diagnose wurde vom MDK der Krankenkasse nicht nur bestätigt, wegen seines Gutachtens wurde ich aufgefordert Rehaantrag zu stellen. Als ich mich Anfang Dezember aus wichtigen Gründen nicht weiter arbeitsunfähig schreiben ließ, schrieb der Nervenarzt an meine Hausärztin die Diagnose Dysthymie. Das hat mich sehr irritiert, ich habe keine Dyshymie und schon gar nicht aktuell. Die Diagnose ist um so erstaunlicher da ich seit Dezember Amitryptylin nehme. Mein Psychotherapeut hat auch keine Dysthymie festgestellt, erwundert sich über die Diagnose. Was meint Ihr dazu? Ich habe mich gefragt ob vielleicht der Gesundheitsfond da eine Rolle spielt.

Ricarda

Vielleicht noch eine Erklärung warum ich ein Medikament nehme (hatte mich eigentlich vor Wochen wiedervorgestellt aber der Beitrag ist verschwunden).Ich lese ja schon seit Jahren hier und kann Eure Erfahrungen mit SSRI nur bestätigen. Nie wieder werde ich von dieser Gruppe Mittel nehmen. Seit Monaten geht es mir aber sehr schlecht und ich beginne ohne es zu wollen in unmöglichen Situationen zu weinen. Monatelang wachte ich nachts spätestens um 3:00 Uhr auf und konnte nicht mehr einschlafen. Nachdem auch mein Blutdruck trotz Medikamente immer öfter entgleiste entschied ich mich dann dieses alte AD zu nehmen.Übrigens habe ich damit im Unterschied zu den SSRI nicht zugenommen sondern abgenommen.
Ricarda
 
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Marsupilami » Samstag, 31.01.09, 16:22

Hallo,

wieso sollst Du einen Antrag auf Reha-Maßnahme stellen, wenn Du wieder arbeitsfähig bist?
Über unterschiedliche psychiatrische Diagnosen würde ich mich nicht wundern. Es gibt ja nun mal keine wirklich nachprüfbaren Kriterien, so dass einem im Prinzip fast jede Diagnose angehängt werden kann, ohne dass man groß Möglichkeiten hat, sich zu wehren.
Lass doch Deine Hausärztin mal bei dem Nervenarzt anrufen und nachfragen, das wäre mal das Einzige, was mir als konkreter Tip einfällt. Einen Kollegen wird man sicher nicht so leicht abservieren wie z.B. wenn Du anrufen würdest. Es muss ja erlaubt sein nachzufragen, weshalb Du plötzlich eine komplett andere Diagnose verpasst bekommen hast, vielleicht ist da einfach eine Verwechslung passiert.
Noch eine Frage: Neurologen sind doch eigentlich für psychische Sachen nicht wirklich ausgebildet, oder? Ich bin da immer unsicher, weil ich öfter höre, dass Leute nicht zum Psychiater, sondern zum Neurologen gehen? Kann mich da mal wer aufklären, wie das genau ist?
Marsupilami
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ricarda » Samstag, 31.01.09, 17:50

Hallo,

Neurologe sagen wohl viele lieber als Psychiater weil es nicht so negativ behaftet ist (ich gestehe,ich mache das auch wenn ich mir eine Überweisung schreiben lasse). Nervenärzte decken nach meinem Kenntnisstand mindestens das Gebiet Neurologie ab, sind in der Regel auch zusätzlich Psychiater. Vielleicht können da andere weiter helfen.

Du hast das mit der Reha falsch verstanden. Ich war AU und wurde mit der Androhung aus der Kasse zu fliegen aufgefordert bis zu einem bestimmten Termin Reha-Antrag zu stellen. Der Reha-Antrag wäre auch gleichzeitig Rentenantrag gewesen und hätte nicht mehr zurückgezogen werden können. Praktisch hätte das bedeuten können ab der Antragstellung als erwerbsgemindert eingestuft zu werden und EU-Rente zu beziehen. Wenn man nicht AU gechrieben ist,braucht man auch keinen Antrag stellen. Denen ist völlig egalwie Du damit klar kommst.

Der Nervenarzt meinte zu seiner Diagnose nur,es sei chronisch.

Ricarda
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ulrich » Samstag, 31.01.09, 22:06

Hallo Ricarda!

Erstmal bei lang andauender Krankheit bekommst Du 72 Wochen
Krankengeld von Deiner Krankenkasse. In dieser Zeit hatt die Krankenkasse das Recht Dir einen Antrag zur Reha-Kur ausfüllen zu lassen. Du hast 10Wochen Zeit diesen Antrag auszufüllen.
Nach 10 Wochen, und Du hast keine Reha beantragt, kann de Krankenkasse das Krankengeld streichen.

Das ist aber auf keinen Fall ein Rentenantrag. Solch einen Rentenantrag wegen EU- Rente muß man auf jeden Fall
getrennt einreichen. Habe das selbst alles schon hinter mir!

Lg Uli
Ulrich
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ricarda » Sonntag, 01.02.09, 8:25

Hallo Ulrich,

das ist nicht ganz richtig. Die Krankenkasse hatte auch eine Rechtsbelehrung dabei. Wird während einer Reha-Maßnahme festgestellt, dass der Zusatnd sich nicht durch die Rehamaßnamhe verbessert hat dann war das automatisch schon das Einleiten der Rente. Darauf bin aich ausdrücklich hingewiesen worden. Eine Kollege von mir war zur Kur und hatte nicht die Absicht in Rente zu gehen. In der Kur wurde er als dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig betrachtet und kam von der Kur direkt in Rente. Natürlich war nach der Kur erst einmal weiter AU geschrieben bis alle Formalien erledigt waren.

Du kannst mir glauben, ich habe ganz schön gestaunt was es gibt.

Ricarda
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ulrich » Sonntag, 01.02.09, 9:50

Hallo Ricarda!

Du kannst mir auch glauben, es gibt hier ein Gerichtsurteil dagegen das bindend ist! Könnte höchstens sein, daß Dein Fall schon länger zurück liegt!


siehe: http://www.ra-kotz.de/rentenantrag.htm


Lg Uli
Ulrich
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ulrich » Sonntag, 01.02.09, 9:54

Hallo Admins kann mal jemand den Link von mir aktivieren, irgendwie mach ich immer mal einen Fehler beim reinsetzen!

Welcher Fehler?

Lg Uli
Ulrich
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon pajes » Sonntag, 01.02.09, 11:01

Hallo Uli
Ich nehm an, du musst zwischen dem Doppelpunkt und http ein Leerzeichen setzen.
Liebe Grüße, pajes
Seit 2009 Entzug von 2,0mg Rivotril (Clonazepam), 0,01mg pro Monat, bei 0,34 mg zur Zeit (0,01 mg alle 2 Monate derzeit)
2008: ca. 13 Tropfen Atosil zum Einschlafen, ausgeschlichen 2014
Opipramol
Mai 2011: Einschleichen von 150mg Opipramol (beruflicher Streß)
April 2012, schneller Absetzversuch auf 75mg, gescheitert.
24.4. 125 mg, Entzug: anschließend 4 Wochen erkältet
10.05. 100mg
24.05. 75mg, Entzug: 3 Wochen Zyklusstörung, massive Hassgefühle, Depression. Behandlung durch Homöopathie, abwarten
19.07. auf ca. 88,5mg Opipramol
2014: 67,47 mg Opipramol
pajes
 
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ricarda » Sonntag, 01.02.09, 11:49

Hallo Ulrich,

die Aufforderung der KK war im November, den Antrag haben sie mir mit einem roten Vermerk gleich mitgeschickt. Das von Dir zitierte Urteil war leider nicht vom Bundessozialgericht, es ist also immer noch in anderen Fällen ein anderes Urteilmöglich. Nach der Aufforderung der KK ging es mir noch schlechter als vor dem Gutachten des MDK. Meine HAusärztin riet mir mich sofort arbeitsfähig schreiben zu lassen, das konnte ich machne weilich noch viel Urlaub offen hatte und es Jahresende war. Tatsächlich bin ich bis heute nicht arbeitsfähig.

Du wirst Dir aber vorstellen können wie sich ein solcher Druck von außen mitten in einer depressiven Phase anfühlt.Ich wußte erst einmal nicht mehr ein noch aus. Natürlich habe ich versucht Unterstützung zu bekommen, vergebens. Letztendlich habe ich mich dann entschieden Tryzylika zu nehmen um leben zu können.

Ricarda
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon mücke » Sonntag, 01.02.09, 13:23

Hallo Ulrich

Welcher Fehler?

Du hast ein Leerzeichen vergessen, so wie pajes schon geschrieben hat.
Ich habs nachgeholt.

Gruss Mücke
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Marsupilami » Sonntag, 01.02.09, 15:22

Hallo,

mal folgende Frage: Wenn man mal EU-Rente bezogen hat, ist es doch extrem unwahrscheinlich, dass man jemals nochmal auf dem sog. ersten Arbeitsmarkt von jemand eingestellt werden wird, für den Fall, dass es einem doch wieder besser gehen sollte nach einer Weile, oder? Demnach ist die EU-Rente doch so ziemlich das totale Aus und lässt einem doch gar keine Chance mehr, jemals nochmal ne Perspektive auf ein eigenständiges, finanziell gesichertes Leben aufbauen zu können, oder? Kann jemand was dazu sagen?
Irgendwie hab ich den starken Eindruck, dass diese ganzen Sachen auch total willkürlich gehandhabt werden.
Noch ene Frage: Gibt es denn für Menschen, die nicht mehr voll einsatzfäig sind, aber schon noch arbeiten wollen, gar keine Hilfe, einen für sie geeigneten Arbeitsplatz zu finden? Da muss es doch eigentlich bei der ARGE auch einen speziellen Zuständigen geben, oder? Weiß da jemand Bescheid?
Wäre für Infos dankbar.

Marsu
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon mücke » Sonntag, 01.02.09, 16:17

Hallo Ricarda

Wird während einer Reha-Maßnahme festgestellt, dass der Zustand sich nicht durch die Rehamaßnahme verbessert hat dann war das automatisch schon das Einleiten der Rente.

So war das bei meinem Mann auch.
Er war viele Mon. krank und wurde dann von der KK aufgefordert einen Rehaantrag zu stellen.
Das hat er gemacht. Er wurde von dort als gesund entlassen.
Danach folgte die Wiedereingliederung in seinen Beruf, erst 2 Wo. mit 2 Std. dann 4 Std., dann 6 Std.
Ab Montag, also morgen, ist er wieder voll dabei.
Wäre er weiter krank geschrieben worden so wäre das auch gleichzeitig sein Antrag auf Rente gewesen.

Mein Psychotherapeut hat auch keine Dysthymie festgestellt, er wundert sich über die Diagnose. Was meint Ihr dazu?

Bei meinem Mann war das ähnlich. Nur hat er diese Diagnose zusätzlich bekommen.
Ich war auch sehr erstaunt darüber, so wie du.
Ich würde mir nicht so viele Gedanken darüber machen.
Welche Diagnose man bekommt hängt doch hauptsächlich von der Wahrnehmung und der Berwertung des Arztes ab.
Sie kann zutreffen, aber auch total falsch sein.

Gruss Mücke
mücke
 
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Marsupilami » Sonntag, 01.02.09, 16:35

Hallo nochmal,

ist das also tatsächlich so, dass man ja dann praktisch davon ausgeht, dass bei einer psychischen Krankheit innerhalb weniger Wochen Reha-Maßnahme ein totaler Durchbruch erzielt wird oder aber -wenn nicht- dass man als unheilbar gilt und in die Rente abgeschoben wird? Das ist doch der totale Irrsinn, jeder weiß doch, dass bei psychischen Krankheiten eine jahrelange Therapie nötig ist und man nicht innerhalb weniger Wochen im Hauruckverfahren jemanden heilen kann? Das widerspricht doch jedem medizinischem Kenntnisstand! Ich kapier das nicht...

:?: :?: :?: Marsu
Marsupilami
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon mücke » Sonntag, 01.02.09, 17:18

Hallo Marsu

Bei mir war es so:
Nach langem Kranksein schrieb mich die KK an, einen Rehaantrag zu stellen und mich arbeitslos zu melden.
Letzteres habe ich nicht gemacht, weil ich ja gar nicht gekündigt hatte, also noch in Arbeit war, halt nur krank.
Ich stellte einen Antrag auf eine Reha und kurz darauf den Rentenantrag.
Letzteres machte ich weil der Rehaantrag abgelehnt worden war, laut Auskunft der KK.
Das stimmte aber gar nicht.
Ich kann nur sagen: Welch ein Durcheinander. Das hat mich ganz kirre gemacht.
Etwas später mußte ich zum Vertrauensarzt, der dann die Reha ablehnte und meinte, daß meine Erkrankung ambulant vor Ort gut behandelbar sei.
Bei der KK erkundigte ich mich dann wieso ich zum Arbeitsamt sollte. Als Antwort erhielt ich, damit ich weiterhin krankenversichert sei.
Mein Mann machte das für mich. Zur Überprüfung schickte dann das Arbeitsamt noch einen Mitarbeiter zu uns um die Angaben zu überprüfen.
Ab da erhielt ich Arbeitslosengeld, welches dann später mit der Rente verrechnet wurde.

Ich denke auch wie du, daß schwere psychische Erkrankungen seine Zeit brauchen um sich zu bessern, manchmal Mon., manchmal sogar J.
Ich denke nur bei leichten oder mittelschweren Erkrankungen kann eine Reha helfen wieder ins Berufsleben einsteigen zu können.
Meine erste psychosomatische Kur war vor gut 20 J. Ich blieb 3 Mon., war danach voll fit. Damals hatte ich in einem Altenheim gearbeitet, war einfach "nur ausgebrannt". Diese Auszeit tat mir gut, gab mir neue Kraft, physisch wie auch psychisch.
Das hielt allerdings nur ein J. Danach war ich genauso erschöpft wie vorher.
Heute würde ich sagen, ich hätte eine Umschulung machen müssen. Ich glaube, dann würde ich heute noch arbeiten.

Bei meinem Mann war es ähnlich. Er hat zu viel malocht, hatte zu wenig Freizeit und wurde unter anderem dadurch krank.
Die Kur hat ihm sehr gut getan. Er war mit Begeisterung dabei. Was ich nie für möglich gehalten hätte.
Heute ist er soweit fit daß er wieder arbeiten kann. Für ihn hat sich die Kur auf jeden Fall gelohnt.

Gruss Mücke
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ricarda » Sonntag, 01.02.09, 18:52

Hallo Alle,

die Diagnose Dysthymie weckt bei mir den Verdacht, dass es möglicherweise im Zusammenhang mit einer möglichen besseren Abrrechenbarkeit wegen des Gesundheitsfond zu tun hat. Daher meine Frage hier, ich hoffte hierwüßte vielleicht jemand mehr über solche Vorgänge.

Die RV macht in der Regel ganz andere Gutachten als die KK und auch die Bundesagentur für Arbeit hat ihre eigenen Interessen, blöd wenn man mit solchen gesundheitlichen Problemen wie ich sie habe in diesen Kreislauf gerät. Da werden von mir Dinge verlangt die schon einen nicht angeschlagenen Menschen in größte Schwierigkeiten bringen.

Gut das es das Internet gibt und wir damit Informationen bekommen die uns sonst wohl eher verborgen blieben. Irgentwo hatte ich das mit der Dysthymie und der besseren Abrechenbarkeit gelesen. Möglicherweise kann eine solche Information mal sehr nützlich sein.

Um dem Mißbrauch von KK und Ärzten vorzubeugen denkt man jetzt daran nur dann chronische Erkrankungen anzunehmen, wenn entsprechende Medikamente verordnet wurden, ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Ricarda

Bei mir geht es schon Jahrzehnte so, also eine Heilung durch eine Rehamaßnahme könnte nur eine Wunder sein.
Ricarda
 
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ulrich » Sonntag, 01.02.09, 21:07

Der Irrsinn!

Ich bin ja seit 1995 bipolar2 diagnostiziert. Mit sehr schweren
Depressionen und Hypomanien. Aus den Depressionen kam ich nur mit der EKT ( Elektrokrampftherapie ) wieder heraus. Muß auch mein Leben lang Medikamente nehmen, und meine Stressschwelle ist sehr herabgesetzt. Nun nach meiner letzten schweren Depression ( 2005/2006 habe ich einen Rentenantrag gestellt, der von der RV für 9 Monate genehmigt wurde.(1997-99 auch schon mal 2 Jahre berentet) Doch in der ganzen
Zeit und darüber hinaus hatte ich ja den brutalen Benzoentzug und war absolut nicht fähig wieder zu arbeiten. Also stellte ich einen Verlängerungsantrag für die Rente. Nun mußte ich wieder zum Gutachter und bei der Begrüßung sagte der zu mir wortwörtlich. Sie haben ja schon einiges hinter sich Herr .....
Nach ein paar Wochen kam die Ablehnung der Rentenverlängerung
mit der Begründung: Verdacht auf schizoide Persönlichkeitsstörung
und Phobische Störung. So das bedeutet mit dieser Diagnose bist Du absolut 8 Std abeitsfähig. Obwohl ich das Krankengeld 72 Wochen gar nicht ausgeschöpft hatte weil ich ja 9 Monate Rente hatte weigerte sich die Krankenkasse Juni 2007 Krankengeld zu bezahlen, war ja weiterhin vom Arzt krankgeschrieben. Die Begründung der KK war ihr Arbeitgeber muß erst wieder 6 Wochen
Lohnfortzahlung leisten. Dann habe ich mir einen Rechtsanwalt genommen und die KK mußte rückwirkend bezahlen, war halt 3 Monate ohne Geld.Auch wurde durch meinen Rechtsanwald Wiederspruch gegen das Gutachten der RV eingelegt! So nun bekam ich von der KK im Sept.2007 einen Antrag für eine Reha-Kur innerhalb von 10 Wochen beantragen sonnst fällt das Krankengeld weg. So nun geht der Antrag zur Rentenversicherung die ja Kostenträger einer Reha ist.
Dem Antrag wurde zugestimmt und ich ging Nov- Dez.2007 in die Eifel für 4 Wochen. In der Kur sollte ich ja noch mal Diazepam nehmen und das AD ( Trevilor von 75mg auf 225mg ) ums dreifache erhöhen laut Cheffarzt damit ich ruhiger werde, obwohl ich zum damaligen Zeitpunkt schon 18 Monate absolut Benzofrei war, habe das aber sofort abgelehnt weil ich mich ja mit Medikamente gut auskenne. Der Abschlussbericht an die RV war, daß ich 3-6Std
arbeiten könne und keinen Stressoren ausgesetzt werden dürfe.
Januar 2008 Ende des Krankengeldes und Antrag von ALg 1 da ich ja immer noch ein festes Arbeitsverhältnis habe das halt ruht. Antrag abgelehnt mit der Begründung: Ihr Rentenantrag wurde ja schon negativ beschieden, doch ich stellte klar, daß ich Wiederspruch eingelegt hatte. Auch gegen diese Ablehnung erhob ich Wiederspruch mit der Begründung von zwei Sozialgerichturteilen über genau solche Fälle und siehe da auf einmal wurde ALg1 für 450 Tage genehmigt. Leider war ich halt auch fast wieder 3 Monate ohne Geld.
Meine momentane Lage ist die, daß mein Arzt einen Krankenbericht
der das Gericht anforderte als Zeuge schrieb. Doch die RV stüzt sich nur auf Ihren bezahlten Gutachter. Jetzt wird vom Gericht ein unabhängiger Gutachter eingesetzt!
Zum Schluss möchte ich nur noch sagen, ich würde gerne wieder arbeiten, doch wenn ich in einem Arbeitsprozess stehe ist eine Phase wieder vorprogramiert, das habe ich bisher vier mal erleben müssen leider!
Leider haben solche Praktiken in unserm Gesundheitssystem überhand genommen, es zählt halt nur noch das Geld der Mensch bleibt dabei auf der Strecke. Und gerade im psychischen Bereich
wissen die genau, daß viele Betroffene sich absolut nicht wehren
können, doch wenn es irgendwie geht, ich lasse mir nichts mehr gefallen! :evil:

Lg Uli
Ulrich
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Marsupilami » Montag, 02.02.09, 12:00

Hi Uli und Co,

es ist skandalös! Ich habe bisher noch von der ARGE ALG II bekommen und nebenher in einem Verein gejobbt, bin dahin gekrochen, weil ich Geld für Therapien brauche, denn der Kassenkram bringt mir nix. Jetzt steigen die mir aber auch aufs Dach, weil die mir von dem Geld, das ich für die Vereinstätigkeit kriege, nix anrechnen dürfen. Ich habe panische Angst vorm EU-Verfahren, ich wäre derzeit auch gar nichtin der Lage, in irgendeine blöde Reha-Kur zu gehen, ich packe den Tagesablauf da gar nicht. Aber eine normale Arbeit kann ich auch nicht machen. Es ist wirklich Wahnsinn, welchen Druck man kriegt und vor Allem, wie dumm und willkürlich diese Gutachter sind. Ich habe noch keinen Psychiater kennengelernt, der wirklich verstanden hat, was mit mir los ist. Man bekommt ja quasi unterstellt, dass man nicht arbeiten will. Dabei würde ich nichts lieber als das! In dem Zustand, noch Anwälte und Prozesse ausfechten zu müssen, wäre ich jedenfalls nicht, so wie Du, Ulrich, wobei mir klar ist, dass es auch Dich sicher voll an den Rand gebracht hat, bzw. da ist man ja eh schon, also noch drüber... Mann, dabei bekäme ich ja so gut wie keine Rente, ich bin noch zu jung und hab kaum eingezahlt, weil ich immer krank war. Was soll die Scheiße also, nur, weil keiner wirklich zahlen will, muss man sowas über sich ergehen lassen. Und im Grunde kennt sich keine Sau aus, die Behörden dürfen in diesem Land machen, was sie wollen, es gibt keinen, den man fragen kann, ob das Alles korrekt ist. Ja, nen Anwalt vielleicht, klar, man hat als schwerkranker Mensch ja noch Kraft, sich nen Anwalt zu suchen, und welche, die von dem Sozial"recht" Ahnung haben, gibt es ja auch kaum. Zum :vomit:
Marsupilami
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon chiara63 » Dienstag, 03.02.09, 6:45

Hallo

zur Erwerbsminderungsrente: Ich kenne es so, dass man sehr wohl wieder auf dem Arbeitsmarkt 1 beginnen kann, zu arbeiten. Jedenfalls wird es bei uns so gehandhabt und ist auch schon durchgeführt worden: Wir können ein Praktikum in einer Firma auf dem 1. Arbeitsmarkt machen, auch MIT EU-Rente. Sollte sich herausstellen, dass wir das durchstehen und wir dort übernehmen weden, wird die Rente nach einer gewissen Zeit wieder in das "normale Gehalt" umgewandelt. Allerdings gibt es dann eine Sperre von meines Wissens 5 Jahren, bevor erneut eine Erwerbsminderungsrente beantragt werden kann.

Übrigens: Bei mir ist die EU-Rente, die ich seit 2 Jahren beziehe, keinesfalls das "absolut Aus": Ich arbeite in einer Einrichtung für psychisch Kranke, habe dort zwar andere Rahmenbedingungen wie auf dem "normalen Arbeitsmarkt", aber ich bspw. gehe knapp 6 Stunden in einer Schneiderei arbeiten, normalerweise sollten die meisten dort Vollzeit arbeiten.

Diese Einrichtigungen gibt es mittlerweile sehr viel in Deutschland und man muss sich einfach erkundigen, wenn man zwar für den Arbeitsmarkt 1 nicht mehr zur Verfügung steht, aber trotzdem noch arbeiten gehen möchte.
Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich es - weder bei einem unserer Mitarbeiter, noch irgendwo anders bei Bekannten oder Freunden, erlebt habe, dass einem die Rente "aufgezwungen" wird. Im Gegenteil: oftmals dauert es sehr lange, wenn man von selbst einen Rentenantrag stellt und meist erfolgt zunächst eine Ablehnung.
Ein freund von mir kämpfte bspw. trotz schwerer körperlicher Behinderung über 5 Jahre, bis seine Rente endlich durch wr.

Eher kenne ich es auch aus Reha-Einrichtungen so, dass die Arbeitsfähigkeit eher zu schnell wieder von dort bescheinigt wird, und man kämpfen muss, um zu beweisen, dass das (noch) nicht wieder der Fall ist, als dass man als nicht mehr arbeitsfähig oder gar berentet wird. Das ist eigentlich sogar ziemlich "unlogisch", dass der Staat freiwillig ohne irgendwelche Probleme ein Leben lang eher Rente zahlt, als den Betroffenen lieber viel zu schnell wieder als "gesund" und "arbeitsfähig" zu entlassen. Ihr hat es so erlebt - das stell ich sicher keinesfalls in Frage - mir kommt das, was Ihr erlebt habt, nur sehr außergewöhnlich vor, denn ich kenn es von vielen andren Leuten aus meinem Bekanntenkreis anders.


Gruß
chiara
Diagnose: redidivierende Depressionen, gen. Angststörung!

- Seit 1996 immer wieder auftretende, mitunter sehr starke Angstepisoden.
- 1996 erster Klinikaufenthalt, Einstellung auf saroten und Tavor.
- 1998 Tavorabhängigkeit, stat. Entzug.
- Von 1998 bis 2003 versch. Antidepressiva (Saroten, Zoloft, Fluoxetin, Remergil, Trevilor)
- Von 2003 bis 2006 ohne Psychopharmaka
- 2006 extremer Rückfall, erneut Einstellung auf AD, Trevilor und Lyrika.
- 2008 Umstellung von Trevilor (Nebenwirkungen) auf Cipralex. Von Ende 2008 bis 2010 ohne ADs.
- 2010 schlimmster Rückfall bisher. Stat. Aufenthalt von Aug/Ende Nov. Extreme NEbenwirkungen bei Cipralex (Angst, Übelkeit, Erbrechen), Umstellung auf Cymbalta, Remergil und Lyrika.
- Im Lauf von 2011 Reduzierung von Lyrika und Remergil, schließlich Absetzung von Remergil ohne Probleme.
- 2013 Versuch "cold Turkey" von Cymbalta, aber extreme Entzugserscheinungen (Übelkeit, Schwindel, Zittern, Träume, usw.) deshalb wieder Rückgang auf die vorige Dosis. Jetzt langsamer Entzug.
Stand: Anfang Juli 2013
chiara63
 
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Marsupilami » Dienstag, 03.02.09, 12:17

Hallo Chiara,

danke für die Erklärungen!
Marsupilami
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ulrich » Dienstag, 03.02.09, 13:11

Ja Anja genau so isses, die Krankenkassen wollen daß man einen Rentenantrag stellt wobei daß sie das gesetzlich gar nicht dürfen.
Und derjenige der Rente beantragt wird die Rente verweigert mit Gefälligkeitsgutachten. Und wenn man nicht dagegen ankämpfen kann bleibt in der Regel bei Harz iV hängen!
Seit 2001 nach der Rentenreform wird überwiegend nur noch die befristete Rente ( 2-3 Jahre ) gewährt. Anschließend wenn man keinen Verlängerungsantrag stellt kann man auch wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt natürlich arbeiten, wenn das gesundheitlich möglich ist. Aber es kann auch eine zeitlich unbefristete Rente
ausgesprochen werden, wenn auf Grund einer chronisch verlaufender Erkrankung mit negativer Zukunftsperspektive, und man nicht über 3 Std arbeiten kann. Nur in der Regel wird das von Sozialgerichten entschieden wie bei mir!

Lg Uli
Ulrich
 

Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Ricarda » Dienstag, 03.02.09, 19:47

Leider scheint keine bzw. keiner etwas über die merkwürdigen Diagnosen meines Arztes zu wissen. Gestern konnte ich einige seiner Arztbriefe an die Hausärztin lesen,mir hat es die Schuhe ausgezogen. Da drohte mir wegen Mobbing, ja wirklich Mobbing,über Jahre der Verlust meiner Existenzgrundlage und er bezeichnete das als unbegründete Ängste (übrigens habe ich meine Arbeit tatsächlich verloren). Als mein Arbeitgeber mich vor Jahren auffordete zu gehen bezeichnte der Arzt das in seinem Arztschreiben als Angebot zur Umsetzung, wirklich eine solche Sicht der Dinge ist nicht uninteressant.

Als ich das gestern alles so las habe ich mich schon gefragt wie das gehen soll da noch zu vertrauen oder sich überhaupt zu öffnen. Die meisten Menschen würden sich in meiner Situation überfodert fühlen, wenn ich depressiv werde sehe ich das als normale Reaktion auf kaumzu ertragende Zustände an. Mir scheint die Depression auch ein Selbstschutz zu sein, sie sagt mir "Pass auf, hier ist etwas nicht in Ordnung" und sie bewahrt mich vor aggressiven Ausbrüchen die eigentlich der Situation entsprechen würden.

Natürlich fiel mir auch das ausführliche intensive Gespräch von knappen 2 Minuten nach 2 1/2 stündiger Wartezeit ein. Das war das erste Gespräch in diesem Quartal und wohl auch das Letzte. Letzte Woche beklagte eine Nervenärztin die schlechte Bezahlung ihrer Zunft, also so ca. 40 € für zwei Minuten und vielleicht 8 Minuten Verwaltungskram ist ja so schlecht nicht. Und überhaupt werden die psychiatrischen Fälle ja ganz schlecht honoriert und sind auch noch so zeitintensiv. Ja, ich habe die Botschaft verstanden und mache sobald es geht einen großen Bogen um diese Herrschaften.

Wie seht bin ich ganz schlecht drauf und ein bisschen zu viel ohne Hoffnung.

Ricarda
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Re: Depression oder Dysthymie

Beitragvon Marsupilami » Dienstag, 03.02.09, 20:56

Hallo Ricarda,

ich verstehe Dich sehr gut. Die zweifelhafte Behandlung bei Psychiatern und die völlig unzureichenden Gespräche für eine Diganosestellung sind auch der Grund, weshalb ich so eine panische Angst davor habe, nochmal zu so einem Typen zu müssen, wenn die Rente nicht mehr abzuwenden ist. Ich vertraue denen auch überhaupt nicht, die schreiben, was sie wollen.
wenn ich depressiv werde sehe ich das als normale Reaktion auf kaumzu ertragende Zustände an.
Du hast vollkommen recht!!!! Psychiater sind meiner Meinung nach durch ihre komische Ausbildung, die Menschen ja nur als Stoffwechselprodukt sehen, selbst emotionale Krüppel, von Gefühlen haben sie keinerlei Ahnung. Wahrscheinlich fühlt man sich deshalb auch so schlecht und unverstanden bei ihnen. Eine Diagnose nach 2 Minuten ist ja leider die Regel, aber für eine wichtige Entscheidung, die über die weitere finanzielle und sonstige Lebensgrundlage entscheidet, mit Sicherheit nicht akzeptabel. Tja, würde Dir gerne was Hilfreiches sagen, aber wir sind dieser Zunft ausgeliefert. Denn Therapeuten, die sich viel mehr Zeit nehmen, die gelten ja nicht als Fachleute, komischerweise. Dabei haben die wenigstens noch halbwegs Ahnung von Gefühlen und sind dafür ausgebildet, sich ein halbwegs rundes Bild machen zu können, das den ganzen Menschen mit seiner Lebensgeschichte sieht und nicht nur aus zwei drei Äußerungen schnell ne zweifelhafte Diagnose zusammenschustert... Tja, das hilft Dir jetzt auch nicht weiter... Wollte Dir nur sagen, dass Du nicht alleine bist.
Marsupilami
 


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