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Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Freitag, 26.01.18, 18:10
von Taramtamtam
Hallo liebe Mitglieder,

aufgrund der derzeitigen Situation, möchte ich an dieser Stelle kurz die Geschichte meiner Freundin vorstellen und natürlich auch um Rat fragen:

Vor 4 Jahren wurden wir Eltern eines tollen Sohnes, aber wegen Schlafmangel und Überforderung als junge, neuer Eltern (studierend) wurde meiner Freundin von einer Bekannten (mit Arztausweis) die erste Packung Citalopram 20mg mit den Worten „Probier’s mal aus, kann nichts schaden und hat keine Nebenwirkungen“ ausgehändigt.
Das war leider der Beginn einer bis heute anhalten Horror-Story!!!

Die ersten drei Wochen nach Beginn der Einnahme waren psychisch schlimm. Sie fühlte sich depressiv, ein Gefühl, dass sie vorher in ihrem Leben noch nie gefühlt hat, aber - immerhin - nach dieser Eingewöhnung ging es ihr ein ganzes Jahr richtig gut bzw. eigentlich wie früher auch immer.
Erst im Nachhinein haben wir festgestellt, dass der spontane Durchfall, das „wie Sonnenbrand“ und Schlaflosigkeit immer dann auftraten, wenn sie mal tageweise die tägliche Dosis von 20mg vergessen hatte (Urlaub etc.)

Nach Anraten ihrer Psychiaterin damals, hat sie dann nach ca. einem Jahr das Citalopram in 4 Wochen ausgeschlichen. Bei jeder Dosis-Reduktion um 5mg pro Woche kamen unbegründete Aggressionen und Wut, Unruhe, Schlafprobleme vor. Laut Psychiaterin hätte es aber nichts mit dem Absetzen zu tun, sie solle weiter reduzieren, für den Schlaf gab es Opipramol (nur sehr selten).

Die ersten 4 Wochen nach 0mg waren eigentlich wunderbar, aber dann kam von jetzt auf gleich sehr krasser Drehschwindel, der sie ins Krankenhaus brachte, Befund: Schwindel sichtbar, Lumbalpunktion o.B., kleinere Läsionen im Hirn aber nichts Dramatisches.

Nach zwei Wochen Schwindel erklärte mir die Psychiaterin, dass wäre alles die Angst meiner Freundin und sie solle doch wieder Medikamente nehmen, am besten dieses Mal Escitalopram 20mg und mit alle drei Tage 3mg mehr wieder einschleichen. Gesagt - Getan:
Leider kaum bis keine Verbesserung der Symptome. Aussage der Psychiaterin: „Dann kommt es nicht von der Psyche“ aber eine Idee habe sie auch nicht.

Das Escitalopram hat sie dann ein halbes Jahr genommen, Symptome wie Migräne, Schwindel, Übelkeit, Zittern, Brain-Zaps waren aber bis auf wenige Wochen in dieser Zeit vorhanden.

Nach aufmerksam werden auf die Problematik beim Absetzen von SSRI hat sie beschlossen, dass Escitalopram über einen Zeitraum von mehreren Monaten auszuschleichen. 0mg erreichte sie letztes Jahr im März. Tja, und seit dem wird alles immer Schlimmer: Die anfängliche Hoffnung, dass solche Symptome auch mehrere Wochen oder Monate anhalten können, hat sie stark gemacht Symptome auszuhalten. Wir waren aktiv, sehr viel mit unserem Sohn in der Natur etc. aber nach nun 11 Monaten auf 0mg ist von meiner Familie nichts mehr übrig:

Jeder Tag ist willkürlich abwechselnd voll von Kopfdruck, Schwindel, Hirn Hin- und Herschwappen, Migräne, Durchfall, Brain-Zaps durch den ganzen Körper, nächtliches Schwitzen, „Wie-krank-Gefühl“ etc. begleitet.
Nur ganz wenige Tage (an einer Hand zählbar) in dieser Zeit sind symptom-arm. An „besseren“ Tagen sind wir viel im Wald spazieren, gehen mit unserem Sohn ins Schwimmbad etc. an den leider häufig beschi**enen Tage, kann sie vor Symptomen sich kaum auf den Beinen halten bzw. aufrecht sitzen.

Ich selbst bin zur Zeit von meiner Arbeit freigestellt um mich um meine Familie kümmern zu können. Keiner hilft uns!!! Neurologe A sagt: Schwindel und Kopfschmerzen seien die Leitsymptome beim Absetzen, Neurologe B hätte noch nie davon gehört, ihr kennt das ja.

Folgende Diagnosen wurden von Ärzten und KH gestellt:
seit vielen Jahren Schilddrüsenunterfunktion - täglich 125mg L-Thyrox
Drehschwindel, Läsionen im Hirn
Borrelien-Test beim Hausarzt positiv - 4 Wochen Antibiotika
leichte Nebennierenschwäche nach längerer Cortisoneinnahme wegen Neurodermitis
Vitamin B12-Mangel - regelmäßige Infusionen

Heutige Ansicht ihres Arztes: Sie sei kerngesund, Blutwerte alle i.O., Schilddrüse sei gut eingestellt, Vitamin B12 bräuchte sie auch keines mehr, Borreliose hält er für unwahrscheinlich, alles die Psyche!!!

Nun zu meinen Fragen:
Für wie wahrscheinlich haltet ihr, dass es sich um Absetzsymptome handelt, oder würdet ihr weiter nach anderen Dingen suchen lassen?

Sollte sie die Medikamente niedrig dosiert wieder nehmen?

Wird ihr und damit auch unser Leben irgendwann wieder normal? Wie hält man diese Zeit aus?

Habe in diesem Forum auch schon von einer jungen Frau gelesen, der es ein ganzes Jahr sehr schlecht ging und dann quasi von heute auf morgen wieder gesund wurde, das gab mir Hoffnung:
Meiner Freundin reicht verständlicherweise „Das wird schon wieder“ nicht mehr. Sie ist verzweifelt, fragt sich, wie es so weitergehen soll und ob es jemals überhaupt wieder aufhört, oder Ihr Leben mit Anfang 30 jetzt vorbei ist.

Histaminarme Diät haben wir auch probiert und dabei bleiben wir auch erstmal. Sonstige Nahrungsergänzungsmittel (Vitamin C, Magnesium, Fischöl, Zink etc.) lassen wir zur Zeit komplett weg, weil wir nicht das Gefühl hatten, es würde helfen. Auch 5-HTP oder CBD-Öl hatten wir schon für wenige Tage ausprobiert, ohne Erfolg.

Ich danke für jede Art der Hilfe!!!

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Freitag, 26.01.18, 18:49
von Eva
Hallo, und herzlich willkommen hier.

Du hast es mir Deiner kleinen Familie gerade nicht leicht.

Die Geschichte Deiner Freundin liest sich leider typisch, zum weiteren Verlauf wird sich hier sicher noch ein mit dem betreffenden Medikament erfahreneres Mitglied des Forums äußern.

Ich wollte Dich nur schon einmal meiner Teilnahme versichern; Du bist hier im Forum gut aufgehoben. :group:

Alles Gute für Euch!
Eva

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Freitag, 26.01.18, 18:54
von padma
hallo Taramtatam, :)

willkommen im ADFD.

Es tut mir sehr leid, was deine Freundin und du durchmachst.
Was du beschreibst klingt nach einem schweren protahierten SSRI Entzugssyndrom.
Nach Anraten ihrer Psychiaterin damals, hat sie dann nach ca. einem Jahr das Citalopram in 4 Wochen ausgeschlichen. Bei jeder Dosis-Reduktion um 5mg pro Woche kamen unbegründete Aggressionen und Wut, Unruhe, Schlafprobleme vor.
Das war viel zu schnell und sie hatte typische Absetzsymptome.
Die ersten 4 Wochen nach 0mg waren eigentlich wunderbar, aber dann kam von jetzt auf gleich sehr krasser Drehschwindel, der sie ins Krankenhaus brachte
Das zeitverzögerte Auftreten von Entzugssymptomen ist nichts Ungewöhnliches. Schwindel ist ein häufiges Entzugssymptom. Da andere Ursachen ausgeschlossen wurden, könnt hr davon ausgehen, dass es ein Entzugssymptom ist.

Gut wäre allerdings, sich die Wirbelsäule mal anzuschauen. Entzugsbedingt kommt es oft zu starkan Muskelverspannungen, die zu Blockaden z.B. im HWS und BWS Bereich führen können. Und die können Schwindel auslösen. Dafür reichen schon mimimale Verschiebungen, z.B. im Bereich des Atlas.
Nach zwei Wochen Schwindel erklärte mir die Psychiaterin, dass wäre alles die Angst meiner Freundin und sie solle doch wieder Medikamente nehmen,
Das ist völliger Blödsinn. :frust:
am besten dieses Mal Escitalopram 20mg und mit alle drei Tage 3mg mehr wieder einschleichen. Gesagt - Getan:
Escitalopram ist chemisch Citalopram ähnlich, allerdings doppelt so stark. Richtig wäre gewesen, eine Minidosis Citalopram einzuschleichen.
Das Escitalopram hat sie dann ein halbes Jahr genommen, Symptome wie Migräne, Schwindel, Übelkeit, Zittern, Brain-Zaps waren aber bis auf wenige Wochen in dieser Zeit vorhanden.
Ihr Nervensystem ist offensichtlich mit dieser sehr hohen Dosis überhaupt nicht mehr fertig geworden.
Nach aufmerksam werden auf die Problematik beim Absetzen von SSRI hat sie beschlossen, dass Escitalopram über einen Zeitraum von mehreren Monaten auszuschleichen. 0mg erreichte sie letztes Jahr im März. Tja, und seit dem wird alles immer Schlimmer:
Das ist ein Dilemma, das immer wieder vorkommt, es geht nicht mit dem AD aber ohne aufgrund der Entzugssymptomatik auch nicht.
Läsionen im Hirn
Das ist nicht so selten und oft ein Zufallsbefund. Ohnne die AD Problematik hätte sie wahrscheinlich keine Symptome
Borrelien-Test beim Hausarzt positiv - 4 Wochen Antibiotika
leichte Nebennierenschwäche nach längerer Cortisoneinnahme wegen Neurodermitis
Vitamin B12-Mangel - regelmäßige Infusionen
Antibiotika, Cortison und B 12 sind alles mögliche Symptomverstärker und können die Entzugssymptomatik angeheizt haben.
Eine Borrelioseninfektion kann allerdings auch vielfältige Symptome auslösen.
Heutige Ansicht ihres Arztes: Sie sei kerngesund, Blutwerte alle i.O., Schilddrüse sei gut eingestellt, Vitamin B12 bräuchte sie auch keines mehr, Borreliose hält er für unwahrscheinlich, alles die Psyche!!!
Wenn Ärzte nicht mehr weiter wissen, ist angeblich alles psychisch.
Für wie wahrscheinlich haltet ihr, dass es sich um Absetzsymptome handelt, oder würdet ihr weiter nach anderen Dingen suchen lassen?
Bei den Symptomen, dem willkürlichen Auftreten etc. halte ich es für eindeutig, dass ein Entzugssyndrom vorliegt. Zusätzlich können erschwerend weitere Faktoren hinzu kommen, wie eben Probleme mit der Wirbelsäule oder Borreliose.
Sollte sie die Medikamente niedrig dosiert wieder nehmen?
Das ist sehr schwierig zu beantworten. Sie hat Escitalopram nicht gut vertragen, die letzte Einnahme ist bereits 1 Jahr her. Das ist es sehr fraglich, ob eine Wiedereindosierung selbst einer Kleinstmenge noch greifen würde.
Ich würde eher sagen, dass es nicht sinnvoll ist, jetzt noch eine Wiedereindosierung zu versuchen. Andere Erfahrene werden dir auch noch eine Einschätzung geben.
Wird ihr und damit auch unser Leben irgendwann wieder normal? Wie hält man diese Zeit aus?
Das ZNS ist aufgrund seiner Neuroplastizität in der Lage sich selbst wieder zu heilen. Leider kann es wirklich lange dauern.
Hier unsere Heilungsgeschichten: viewtopic.php?f=18&t=7526
Tipps/Erfahrungen zum Umgang mit diesen Symptomen findet ihr in den Bereichen "Gesundheit" und "Umgang mit dem Entzug".

Es braucht viel Zeit und Geduld, aber auch diese schlimmen Verläufe bessern sich wieder.

liebe Grüsse,
padma

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Freitag, 26.01.18, 23:01
von Katharina
Lieber Tamtarm !

ich kann nicht viel schreiben gerade
ich tue dies über Diktierfunktion

ich möchte dir etwas und deiner Freundin,deiner kleinen Familie zumindest einen großen Mut zu sprechen

ich habe Escitalopram bekommen
Citalopram bekommen
Cipralex bekommen

angeblich alles ein und das gleiche über eine sehr lange Zeit

ich habe es dann langsam reduziert

ich hatte eine Zeit lang unangenehme Symptome

was ich hauptsächlich sagen und dick unterstreichen möchte ist:

Heute habe ich zwar noch andere Medikamente zu reduzieren
jedoch habe ich keinerlei dieser Escitalopram-reduzier - Entzugssymptome mehr!!!

keines
nicht eines
nie wieder gehabt.

ich weiß wie schlimm es ist
wie schlimm es war das nur allzu gut

ich habe keine Symptome dieser Art wie du sie von deiner Freundin beschreibst heutzutage mehr keines

das bedeutet dass es besser wird, haltet durch, bleibt tapfer, hier findet ihr große und Stärke Unterstützung die Mut machen kann und trost geben, das man zumindest
nicht allein ist.



Bitte grüße deine Freundin herzlich wenn du möchtest

viel Kraft viel Mut

Katharina

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 29.01.18, 10:53
von Taramtamtam
Hallo und vielen Dank für eure Rückmeldungen,

ich muss sagen, ich bin einfach nur schockiert und traurig, dass wahrscheinlich ein Medikament unser Leben so kaputt machen kann.
In den letzten Tagen ist vor allem der Schwindel sehr heftig, sie kann kaum das Bett verlassen, weil bei jeder Bewegung des Kopfes sich entweder der ganze Raum, oder das "Hirn sich selbst" dreht. An Selbstversorgen ist gar nicht zu denken!!!

Sie liegt auf dem Sofa und in einem Moment "blitzt" es durch den ganzen Körper, im nächsten dreht und wackelt alles, sie spürt dieses Drücken und Ziehen im und um den Kopf, die Haut kribbelt, ihr wird abwechselnd heiß und kalt usw.
Vor einiger Zeit noch waren die Symptome eher noch langfristiger, bis es sich mit dem nächsten abgewechselt hat, aber gerade ist es nur grausam!!!

Immerhin lässt sie z. Zt. die Migräne in Ruhe, nachdem sie dieses quasi mehrere Wochen dauerhaft hatte.

Bessere Tage gab es in letzter Zeit gar nicht und das nach 11 Monaten?!?!

Sie hat eher das Gefühl, dass es immer noch alles schlimmer wird und wir überlegen, doch noch mal in die Uni-Klinik zu fahren und sie "auf den Kopf stellen zu lassen". Zumindest dafür, dass wir andere Ursachen oder Trigger-Faktoren ausschließen können.

Ich hoffe immer nur auf "das große Finale" aber leider ist keiner im Internet in der Lage zu deuten, was der Körper da gerade macht und ob es sich dabei um Heilung handelt.

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 29.01.18, 11:41
von Jamie
Hallo taramtaram, :)

das ist wirklich schlimm zu lesen :(.

Die Symptome, insbesondere die Blitze, sind wirklich sowas von typisch für einen SSRI-Entzug; dass sie allerdings schon so lange auf Null ist und immer noch so heftige Stromstoßempfindungen hat, das ist schon krass. Also es ist nicht ungewöhnlich, aber normalerweise ist es so, dass viele im Langzeitentzug diese Brain Zaps vor allem zu Beginn haben, es sich dann bessert bzw. sie verschwinden, aber dafür tauchen andere, sehr unangenehme weitere Symptome auf.

Es gibt aber auch das Phänomen, dass Ursprungssymptome ganz zu Beginn des Entzugs im Verlauf der chronifizierten Form durch Trigger oder auch schlichtweg ohne Grund wellenartig reaktiviert werden können und man sich so fühlt, als hätte man gerade erst vor wenigen Tagen das Zeug kalt auf Null gesetzt.

Ich glaube nicht, dass man im Krankenhaus eine Ursache finden wird, höchstens ein paar banale Beidiagnosen, die eben immer mal auftreten können, wenn man intensiv durchgescheckt wird, die aber nicht ursächlich für die Heftigkeit der Beschwerden sein können.
Dennoch verstehe ich die Intention völlig, es doch noch mal überprüfen zu lassen - und sei es, dass man danach seinen Frieden damit schließt und weiß, das kommt alles vom Entzug.

Vielleicht, mit großer Vorsicht und großem Fragezeichen, sollte man doch noch mal überlegen einen Krümel, evtl. 0,1 mg, einzudosieren und zu schauen, ob sich etwas am zustand deiner Freundin ändert?

Wir sind leider sehr unterbesetzt, ich werde aber intern bitten, dass sich jemand von den Versierten auch noch mal bei euch einklinkt und mit überlegt.
Würde deine Freundin denn bereit sein, dieses Experiment noch mal zu wagen?
Passieren wird nicht viel. Entweder es wird nicht mehr vertragen, dann hat sie ein paar weitere miese Tage und man lässt es weg, oder aber es gibt Reaktionen, die man dann interpretieren müsste.

Grüße
Jamie

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 29.01.18, 12:45
von Taramtamtam
Hallo Jamie,

naja die Blitze waren das letzte mal in der Form da, als sie damals das Citalopram abgesetzt hatte und bevor sie das Escitalopram begann. Das ist schon fast zwei Jahre her.
Und man kann auch sagen, dass das noch das am wenigsten störende Symptom ist.
Es ist eher so, dass ihr Körper sämtliche bis dato dagewesenen Symptome "feuerwerkartig" im ständigen Wechsel auffährt, wobei der Schwindel und das "Drücken, Brennen" im Kopf z. Zt. immer da ist.

Das letzte Mal, als sie sich für drei Tage fast normal gefühlt hatte bzw. kaum Symptome hatte war Anfang Dezember...

Über das Wiedereindosieren einer minimalen Dosis haben wir natürlich auch schon mehr als einmal nachgedacht, aber welches? Das Citalopram hatte sie wenigstens zu Zeit der Einnahme "vertragen", das Escitalopram quasi nie.

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 29.01.18, 21:21
von Julysunflower
Lieber Taramtamtam!
Ich weiß nicht, ob es Euch hilft, aber vielleicht ist ja jedes kleine bißchen Mutmachen hilfreich ... Ich bin bei weitem nicht so bewandert , was die Medikamente betrifft, wie unsere erfahrenen Team-Mitglieder. Doch da ich jahrelang Citalopram in verschiedenen Dosen genommen und mehrere "Anläufe" gebraucht habe, um davon wegzukommen, bin ich überzeugt, daß die Symptome Deiner Freundin fast alle mit dem Medikament in Zusammenhang stehen.
Die völlige Schwäche, das Nichtaufstehen- und sich Versorgenkönnen, der ständige Schwindel, das merkwürdige Gefühl im Gehirn (als ob es sich bewegt, sich im Kopf dreht), Aggressivität und Wut, schreckliche Unruhe, Nichtschlafenkönnen trotz riesengroßer Müdigkeit usw. kenne ich aus eigenem Erleben sehr gut, siehe auch meine Signatur.
Ich hoffe, Du bist nicht enttäuscht, daß ich Euch keinen "handfesten" Rat geben kann. Doch Eure Geschichte und was Deine Freundin durchmacht, hat mich so erschüttert, daß ich einfach schreiben mußte. Es tut mir so unendlich leid und ich möchte auch von Herzen weiterhin viel Kraft wünschen. Gebt nicht auf! Ich bin in Gedanken bei euch und drücke ganz fest die Daumen, daß sich die guten Phasen wie Anfang Dezember recht bald wieder und dann immer öfter sehen lassen.
Viele liebe Grüße, July

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 29.01.18, 22:00
von Katharina
( Liebe July,

ich finde gerade der Mut, wenn man ihm selbst nicht fühlt
den dann die anderen für einen übernehmen, ist wie eine Brücke
über einen sonst nicht zu überquerenden Fluss.

Danke, gute Nacht, Katharina )

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 29.01.18, 22:11
von gioia
Lieber Taramtamtam

Eure Geschichte berührt mich sehr!!
Ich habe letztes Jahr Escitalopram verschrieben bekommen und war nach nur zwei Monaten Einnahme bettlägrig. Ich hatte auch schreckliche Zustände während der Einnahme und musste sofort weg davon.

Es ist sehr schwer oder eigentlich unmöglich zu wissen was das richtige ist, aber rein gefühlsmäßig würde ich nichts mehr eindosieren davon, auch weil ja auch die letzte Einnahme schon lang her ist.
Ich denk das würde das ZNS deiner Freundin erneut reizen, das ohnehin schon total überfordert ist.

Alles Gute für eure kleine Familie und wünsche euch dass es deiner Freundin bald besser geht!
Gioia

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Dienstag, 30.01.18, 11:42
von Taramtamtam
Hallo und vielen Dank für eure Anteilnahme,

meine Freundin ist sehr gerührt, aber diese Symptome im Kopf sind zu stark, als das sie denkt, dass es je noch mal besser wird und obwohl sie schon so lange kämpft, oder gerade weil, kann sie nicht mehr. Seit diesen drei guten Tagen Anfang Dezember ist jeder Tag eine Höllenqual für sie! Kein Tag, keine Stunde, nicht mal eine Minute in der sie ihr Körper in Ruhe lässt bzw. sie spüren lässt, dass es irgendwie weiter/ bergauf geht.
Sie ist auch bei einer ganz tollen Therapeutin, jedoch meistens körperlich schon nicht in der Lage in der Praxis zu sitzen oder sich von mir dahin fahren zu lassen. Die Therapeutin ist wenigstens die einzige, die an die Entzugssymptomatik glaubt und alles tun würde, damit es meiner Freundin irgendwie besser geht.
Und zu allem Überfluss kehrt gerade auch die Neurodermitis zurück, die vorher mit Hilfe von TCM (Akupunktur, spezielle Tee's) sehr gut behandelt wurde. Aber wegen der Angst vor Symptom-Triggern führen wir die Behandlung gerade nicht fort.

Ich hatte ja geschrieben, dass wir schon einige NEM's und anderes probiert haben aber sie im Moment nur das Schilddrüsenhormon nimmt. Nun wollen wir einzelne Dinge noch mal isoliert ausprobieren und überlegen, womit wir anfangen (TCM wegen der Neurodermitis oder hochdosiert OMEGA-3).
Zu der Zeit der TCM-Behandlung ging es ihr ja von der Intensität der Symptome her noch deutlich besser.

Ich selbst bin noch bis Ende Februar von meiner Arbeit freigestellt, aber ich werde wohl kündigen müssen, damit ich mich weiterhin um sie und unseren Sohn kümmern kann.

Euch ebenfalls alles Gute und Danke, dass ihr euch unsere Geschichte durchlest!!!

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Dienstag, 30.01.18, 12:06
von Leni
Hallo,

ich bin erst heute über eure/deine Geschichte gestolpert und vieles kommt mir darin sehr bekannt vor, Stichworte sind Schilddrüsenunterfunktion und Nebennierenschwäche. Ich denke, dass ev. auch weitere Stoffwechselstörungen vorliegen könnten, z.B. eine HPU/KPU, weil du den B12-Mangel erwähnst. Das alles zusammen verursacht höchstwahrscheinlich diese Hölle.

Die gute Nachricht zuerst: Ich bin mir ziemlich sicher, dass man deiner Freundin helfen kann. Gut ist, dass sie keine Pp mehr nimmt. Für eine adäquate Therapie braucht es aber einen Arzt, der sich mit all dem auskennt. Den Namen schicke ich euch bei Interesse per PN. Ich selbst bin seit einem Jahr bei ihm in Behandlung und habe mein Leben inzwischen zurück.

Es wird Zeit brauchen, aber ich denke, dass es eine Menge physiologischer Gründe für das schlechte Befinden deiner Freundin gibt, die man aber behandeln kann.

LG Leni

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Dienstag, 30.01.18, 13:54
von lakeSonne1
hallo,

das mit dem Drehschwindel könnte auch ein "gutartiger Lagerungsschwindel" (einfach mal gugeln) sein.
Das hab ich auch ab und zu im Citalopram Entzug. Der ganze Raum dreht sich; das kann einem echt fertig machen.
Anscheinend lösen sich im Entzug diese Ortholitensteinchen im Ohr einfacher und kullern dann lustig im Ohr herum (was sie nicht tun sollten!!!) und verursachen somit den Drehschwindel (vorallem im Liegen bei Kopfdrehung / Aufstehen).
Es gibt aber Abhilfe via Selbsttherapie, das klappt ganz gut und hilft innerhalb 1/2Tagen. Ich hab 2 Dokumente dazu in den Anhang gestellt.

gruß,
lake

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Dienstag, 30.01.18, 16:54
von Taramtamtam
Danke Lake und danke, dass du dir die Mühe mit den Schwindelübungen gemacht hast.
Als wir damals wegen der Schwindelsymptomatik im Krankenhaus waren, war genau dieser paroxysmale Lagerungsschwindel die Diagnose, mit der sie wieder entlassen wurde. Das hat damals aber leider niemand mit dem Citalopram in Verbindung gesetzt.
Auch diese Übungen haben wir dann zuhause durchgeführt aber da hat sich dann wahrscheinlich alles mit dem Eindosieren von Escitalopram überschnitten.

Ich hoffe, dass auch dir das Absetzen irgendwann ganz gelingt, wie ich dabei helfen kann, weiß ich nur leider nicht. Aber ich bin froh und unglaublich dankbar darüber, wie ich mit meiner Partnerin hier von euch aufgenommen werde und wie ihr alles versucht uns zu helfen!! Danke dafür!!!

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Dienstag, 30.01.18, 18:45
von Katharina
Lieber Taramtamtam !

Weißt Du, wie gut es tut, einen liebevollen Angehörigen wie Dich hier zu begegnen?

Ahnst Du, was viele mit ihrem Angehörigen aushalten müssen?
Denen ist es zu schwer, - ich weiß es nicht, weshalb
sich auch nur hier einmal zu informieren -

Manch' einer schickt seinen Partner weg -



herzliche Grüße an Deine Freundin,

Katharina

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Mittwoch, 31.01.18, 17:53
von padma
lieber Taramtatam, :)
Nun wollen wir einzelne Dinge noch mal isoliert ausprobieren und überlegen, womit wir anfangen (TCM wegen der Neurodermitis oder hochdosiert OMEGA-3).
Zu der Zeit der TCM-Behandlung ging es ihr ja von der Intensität der Symptome her noch deutlich besser.
Akupunktur könnte zu heftig sein, evtl. wäre es eine Möglichkeit, es mit TCM Kräutern (vom HP zusammengestellt und zunächst sehr niedrig dosiert) zu versuchen.
Mit Omega 3 gibt es viele gute Erfahrungen, auch da könntet ihr es zunächst niedrig dosiert testen.
Hier Erfahrungen damit http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=15&t=9653

liebe Grüsse,
padma

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 05.02.18, 16:50
von Taramtamtam
Hallo ihr Lieben,
hier meldet sich jetzt mal die Betroffene selbst zu Wort: Vielen Dank an alle für eure mitfühlenden Worte!!! Ohne dieses Forum hier würde ich an meinem Verstand zweifeln.
Ich selbst bin Psychologin und das Wort Absetz-Syndrom kam in meinem Studium nicht vor. Sollte ich jemals in die Lage kommen wieder zu arbeiten, werde ich dafür sorgen, diese Problematik sehr ernst zu nehmen und dafür Sorgen, dass Patienten und meine Kollegen dieses Forum hier kennen.

Ich bin von einem starken Zusammenhang mit dieses Medikamenten überzeugt, da ich diese Probleme vorher nie in meinem Leben hatte und bis auf ein Problem mit meiner Haut ein kerngesunder Mensch war. Nichts desto trotz sind in dieser Zeit mehrere Dinge zusammen gekommen und deshalb bitte ich um eine realistische Einschätzung meiner Situation:
Wegen Schwangerschaft und Geburt wurde ca. ein Jahr vor AD-Einnahme mein SD-Hormon geändert und hochdosiert. Zu dieser Zeit hatte ich allerdings keinerlei körperliche Symptome. Zudem bekam ich wegen Wiederausbruch der Neurodermitis nach der Geburt hochdosiert Kortison und beim ausschleichen dieses Medikaments begann die AD-Einnahme. Mir ging es in der Zeit weitestgehend gut, allerdings hatte ich immer wieder vereinzelt Tage mit Schwindel, Kopfschmerzen und starker Benommenheit (was ich zuvor nie in meinem Leben hatte) und im Nachhinein darauf zurückführe, dass ich das Citalopram manchmal unregelmäßig genommen habe, da ich zu diesem Zeitpunkt nichts über ein Absetzsyndrom gewusst habe (Ich habe es manchmal einige Tage vergessen, ohne mir was dabei zu denken). Ab dem Zeitpunkt des endgültigen Absetzens, wurde diese Symptome immer schlimmer. Sechs Wochen nach 0mg, bekam ich ein heftiges, inneres Zittern, Drehschwindel und eine nicht mehr enden wollende Migräne.

Meine Psychiaterin dosierte daraufhin Escitalopram ein, welches ich ein Jahr lang nahm. Von da an begannen zu den Symptomen zusätzlich Fieberschübe, ein starkes Krankheitsgefühl und Übelkeit mit Erbrechen. Dies war während des gesamten Jahres der Escitalopram-Einnahme bis auf wenige Wochen mein Dauerzustand. Ich war/ bin krank, arbeitsunfähig und seitdem nicht in der Lage, mich um mein Kind zu kümmern.

Ich nehme nun seit 11 Monaten kein AD mehr und war der festen Überzeugung, dass mein Zustand durch die Medikamente bedingt ist und die Zeit mir Heilung bringen wird.
Erst hatte ich das Gefühl, dass sich mein Zustand seit dem Absetzen stätig verbessert. Nach ca. drei Monaten verschwanden Schwindel, Wahrnehmungsstörungen, Übelkeit und das schwere Krankheitsgefühl und es blieben "nur" mehre Symptome im Kopf zurück, die sich leider jeglicher Beschreibungsfähigkeit entziehen (Hirn-Drehen, wackelig ...) und Migräne.

Nach sieben Monaten bekam ich die ersten besseren Tage mit kaum Symptomen. Zeitgleich damit veränderte sich aber auch die gesamte Symptomatik und "alte" Symptome wie Schwindel etc. kamen wieder.
Seither hatte dann zwar erstmals gute Tage, aber auch häufiger Tage, an denen ich nur noch liegen konnte.

Die guten Tage wurden allerdings immer mehr und besser und ich war überzeugt, es fast geschafft zu haben.

Seit Mitte Dezember 2017 jedoch liege ich komplett flach und hatte nicht eine einzige gute Stunde mehr. Ich habe die unterschiedlichsten Symptome, die sich fast alle in meinem Kopf abspielen (Drücken, reissen, brennen, Kopf wie eingeschlafen, Hirn dreht sich und vieles mehr, was sich jeglicher Beschreibung entzieht) und diese wechseln teilweise halbstündlich, aber irgendwas ist immer da.
Jeden Morgen wache ich auf und fühle mich, als hätte ich ein Flasche Whiskey alleine getrunken gepaart mit einer Magen-Darm-Grippe. Mein Kopf brennt von außen wie Feuer, drückt mit unbeschreiblicher Übelkeit von Innen und mein Hirn fühlt sich an, als wackelt es im Kopf hin und her. Dies bleibt für ca. eine Stunde, in der ich nicht in der Lage bin aufzustehen und dann kommt es zu den beschriebenen Symptomen, die sich halbstündlich abwechseln.

Nun zu meiner Frage: Ein solchen Verlauf, mit diesen starken Kopfsymptomen und einer Problematik, die eher schlimmer statt besser wird, habe ich hier im Forum noch nie gelesen. Deshalb bitte ich um eine realistische Einschätzung. Kennt ihr solche Verläufe, die nach einem halben Jahr nach 0mg und stätiger Verbesserung plötzlich immer schlimmer werden und eben nicht diesen Fenster-Wellen-Verlauf haben? Und was hat es zu bedeuten, dass, nachdem meine Symptome über Monate dieselben waren, diese nun permanent wechseln und sich gegenseitig ablösen? Mein Kopf ist immer dabei irgendetwas zu tun, außer mich in Ruhe zu lassen.

Kann das noch am Absetzen liegen, oder ratet ihr mir noch weiter nach anderen Ursachen zu suchen?

Ich danke für eure Antworten, da ich täglich überlege, ob ich hier umsonst warte und auf den Heilungsfaktor Zeit setze. Ich habe das Gefühl, ein ganz schwerer Fall zu sein und Angst davor, nie mehr zu werden. Wie ist eure Erfahrung mit solch schweren Verläufen, werden alle Menschen mit der Zeit wieder gesund?

Liebe Grüße
Sarah

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 05.02.18, 18:33
von neuling
Liebe Sarah,

es tut mir leid zu lesen ,wie schlecht es dir geht.

Ich kann deine Symptome alle nachvollziehen. Stecke auch seit 1,5 Jahren in der Hölle durch diese Medikamente.

Bei mir kommt noch eine starke Akathisie dazu. Kann das Haus auch nicht mehr verlassen. Bin komplett aus dem Leben katapultiert worden.

Ich war in meiner Not in der Psychatrie und dort wurde ich dann komplett fehldiagnostiziert.

Ja , ich kann mir vorstellen das alles von den Medikamenten kommt. Ich steck täglich in den selben Überlegungen. Warten oder Intensivstation?

So fühlt es sich an.

Habe auch ein Kind und kann mich nicht mehr kümmern. Habe dazu Gedächtnisstörungen. ......

Kennst du die Absetzsymptomliste?

Ich hoffe, genau wie du ,aus dieser Hölle zu entkommen.
War vorher ein gesunder Mensch und hatte nie mit Psychopharmaka und Psychatrie zu tun.

Das ist der Wahnsinn ,was hier mit diesem Zeug passiert.

Alles Gute
Mary

Und durchhalten!

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 05.02.18, 19:54
von Ululu 69
Liebe Sarah,

Kennst du schon den Erfahrungsbericht unserer Forumsmitbegründerin Linda? Ihre Tochter Jessica hatte auch sehr schlimme Reaktionen auf ein Antidepressivum durchgemacht.
Ihr geht es heute wieder gut.

Ich lasse dir Mal den Link da.

viewtopic.php?f=51&t=3016

LG Ute

Re: Vorstellung/ Angehöriger / Citalopram / Escitalopram / Hilfe!!!

Verfasst: Montag, 05.02.18, 21:01
von carlotta
Liebe Sarah,

nach langjähriger Erfahrung mit der Thematik (eigener und Kenntnis mittlerweile unzähliger Verläufe aus dem In- und Ausland) kann ich Dir sagen, dass nichts von dem, was Du schilderst, für mich ungewöhnlich klingt für einen heftigeren AD-Entzug.

Es kommt nicht so selten vor, dass sich die Symptomatik erst viele Monate nach null (auch erst nach einem Jahr und drüber) noch mal richtig anheizt. Natürlich kannst Du alles noch mal medizinisch checken lassen, wenn Du diese Beruhigung brauchst. Allerdings würde ich auf invasive Untersuchungsmethoden verzichten, da Triggergefahr.

Und klar, ein Entzug findet nicht nur im Kopf statt, das gesamte Nervensystem ist involviert, somit sämtliche Körperfunktionen, die schließlich alle damit in Verbindung stehen. So können sich bei Untersuchungen durchaus auch "schräge" Werte ergeben, bspw. bezüglich Blutdruck, Schilddrüse, auch u. U. Mangelzustände von gewissen Vitalstoffen etc. All das heißt aber eben NICHT, dass es nicht mit dem Entzug zusammenhängt. Denn solche Ergebnisse können infolge desselben auftreten. Der Körper ist schließlich ein komplexes Gesamtsystem, alles läuft Hand in Hand, ist miteinander verbunden.

Sicher können Medikamentierungen, die bereits vor der AD-Geschichte stattfanden (bzw. Änderungen daran), auch einen Einfluss auf den späteren Verlauf haben. Zentral wirksame Medikamente hinterlassen immer Spuren im Körper, auf vielerlei Art. Allein die Darmflora verändert sich und sie steht in enger Verbindung mit zahlreichen anderen Funktionen. So greift eins ins andere.

Die Cortison-Geschichte hat mit Sicherheit Spuren hinterlassen und sich vermutlich nicht gerade günstig auf das folgende Geschehen ausgewirkt. Entzug, auch AD-Einnahme, wirken sich ordentlich auf die SD aus. Du warst ja schon vor den AD diesbezüglich medikamentiert, wenn ich das richtig verstanden habe? Die Frage ist, ob die aktuelle Hormondosis noch passend ist. Allerdings ist es im Entzug auch eine Herausforderung, diese richtig anzupassen, da die Werte extrem schwanken können. Auch häufige Wechsel zwischen Unter- und Überfunktion kommen vor.

Escitalopram und Citalopram sind ja sehr ähnlich; Escitalopram hat nur einen kleinen Dreher im Molekül und wirkt doppelt so potent wie Citalopram. Dass Du so ungünstig darauf reagiert hast (vorsichtig ausgedrückt), könnte zum einen an der gesteigerten Potenz liegen. Es könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass Du nach dem ersten Entzug eine Unverträglichkeit gegenüber beiden Wirkstoffen entwickelt hast; denn es kommt vor, dass eine Wiedereindosierung (ich nenne das jetzt mal so, da die Wirkstoffe eben sehr ähnlich sind) nicht mehr vertragen wird. Allerdings kann eine Wiedereindosierung auch einfach an zu hohen Einstiegsdosen scheitern. Und Du hast das Escitalopram vermutlich nicht im Bereich um die 0,xx mg eindosiert, was nach dem vorherigen Entzug und den Reaktionen vernünftig gewesen wäre (konntest Du ja nicht wissen). Von daher ist es jetzt extrem schwierig zu beurteilen, ob eine weitere Eindosierung (die m. E. auch ruhig Citalopram betreffen kann) noch funktionieren könnte. Allerdings kann da - wie gesagt - die Dosishöhe wirklich enorm viel ausmachen bzw. das Zünglein an der Waage sein.

Warum es ausgerechnet im Dezember so schlimm wurde, lässt sich schwerlich beantworten. Es kann schlicht eine plötzlich auftretende heftigere Welle sein, die länger andauert. Es kann Trigger gegeben haben (derer gibt es unendlich viele), etwa Nahrungsmittel (Intoleranzen können sich auch erst mitten im Entzug zeigen), Stress (auch positiver), irgendwelche Veränderungen in Deinem Umfeld, Medikamente, NEM etc. Es gibt ja tausende Möglichkeiten. Hier eine Liste möglicher Trigger, sicher nicht vollständig:
viewtopic.php?t=6442

Wie gesagt, Dein Verlauf ist so oder so nicht ungewöhnlich. Menschen erholen sich immer wieder (auch schwerst und lang Betroffene) von derartigen Entzugszuständen. Leider kann niemand mit einer Quote aufwarten, dazu ist das Thema noch zu "neu"; gibt ja kaum Forschung bislang. Aber bisher gibt es keinen Grund anzunehmen, dass es nicht vorbeigeht. Du weißt ja selbst um die Neuroplastizität, es ist da ganz viel möglich; es ist nur eine Frage der Zeit, allerdings kann Dir die (wie uns allen letzten Endes) niemand beantworten, also die nach der Dauer.

Ich finde es super, dass Du das so wichtige Thema (gibt ja so viele Betroffene rund um den Globus) später verbreiten willst. Das ist so essenziell, gerade in Deinem Fachbereich. Denn leider begegnet Betroffenen auch von Psychologenseite nur selten Verständnis. Umso besser, dass Du diesbezüglich eine Anlaufstelle hast. Das ist so viel wert. Auch einen verständnisvollen und so engagierten Partner zu haben, ist eher die Ausnahme und äußerst schätzenswert. :) Es ist so wichtig, in dieser Situation, die oft genug existenziell bedrohlich scheint, jemand Verständigen unterstützend und liebevoll an seiner Seite zu wissen.

Ich wünsche Euch beiden ganz viel Kraft und sende liebe Grüße :group:
Carlotta