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Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Tabin
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Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Tabin » Freitag, 16.03.18, 18:45

Hallo zusammen, hallo Camina,

ich muss auch noch kurz etwas zu Camina`s Absetzversuch schreiben.

Zwei stützende Medikamente gleichzeitig absetzen, in einer viel zu kurzen Zeit und in viel zu großen Absetzschritten.
Exakt so sollte man es meiner Meinung nach nicht machen!
Da ist ein Rückfall einfach kein Wunder, es hätte mich eher gewundert wenn das gut gegangen wäre.
Gut, dass du zumindest versuchst, einen Weg über die Apotheke zu finden, um kleinere Dosen absetzen zu können.
Warum muss ein Medikament oder aber mehrere so schnell abgesetzt werden? Die Rückfallgefahr ist so hoch, das weißt du doch auch.
Exakt davor wird in den ganzen Studien und noch viel wichtiger, von vielen betroffenen Personen gewarnt.
Hier im Forum schreiben so viele betroffene Menschen von ihren Erfahrungen und wie es gelingen kann Medikamente, ohne Rückfall abzusetzen.
Und die große Schnittmenge der Personen, bei denen es geklappt hat verbindet eins - nämlich langsames Ausschleichen und immer nur eines der Medikamente reduzieren.
Sich und dem Körper Zeit lassen, um sich daran zu gewöhnen. Gezielt feststellen zu können, wie man auf das Absetzen reagiert. Techniken zu entwickel, wie man sich z.B. besser entspannen kann...
Das geht nicht oder äußerst schwer, wenn man mehrere Medikamente gleichzeitig reduziert. Woher will man da herausfinden, auf was die eigene Psyche da gerade reagiert.
Ich habe auch nicht ohne Grund immer wieder betont, dass ich Lithium nur in ganz kleinen Schritten über "2Jahre" ausgeschlichen habe.
Hätte ich die halbe Dosis gleich weggelassen, ich kann dir garantieren, ich hätte auch einen Rückfall erlitten.
Mein Körper hätte gar keine Chance gehabt.
Deswegen, das ist echt nicht böse gemeint,aber lass doch so einen Mist ;) Du tust dir so einfach keinen Gefallen.
Geb dir doch bitte einfach die Zeit zwischen den Absetzschritten stabil zu werden. Auch nach jeder kleinen Reduktion wirst du eine Veränderung feststellen, die kam bei mir immer ca. zwei Wochen nach dem Reduzieren (kann bei dir auch anders sein). Und genau da muss man sich erst über Wochen und Monate einpendeln und stabil werden, erst dann kann es weiter gehen.

Veruche dir doch erst einmal eine stabile Ausgangsposition zu schaffen, du schreibst ja, dass es dir zur Zeit gar nicht so gut geht.
Warum möchtest du denn dann gerade jetzt die Medikamente absetzen? Wäre es nicht sinnvoller, noch etwas zu warten, bis es dir besser geht?

Ich hoffe, dass es dir wieder besser geht, du dich stabilisieren und du beim nächsten Absetzversuch achtsamer mit dir umgehen kannst :)

LG Tabin
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Und das geht doch!
Keine Medikamente mehr :)

Erfahrungen mit

Lithium (Quilonum retard 450).
Amitriptylin (Saroten), Doxepin (Aponal), Trimipramin (Stangyl), Mirtazapin (Remergil), Paroxetin (Seroxat).
Atosil (Prometazin), Truxal (Chlorprotixen), Solian (Amisulprid), Zyprexa (Olanzapin).
Tavor (Lorazepam).
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Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Jamie » Freitag, 16.03.18, 21:24

Hallo Tabin, :)

ich kann dir gar nicht genug danken.
Nicht, weil du den Tenor des Teams bzgl. unserer Absetzempfehlungen übernimmst, sondern weil es aus dem Mund eines direkt Betroffenen noch viel eindringlicher wirkt als wenn wir Teamis lang und breit immer wieder etwas aufs Neue erzählen.
Nichts ist m.Er. so einprägsam wie von anderen Betroffenen direkt gespiegelt zu bekommen, was ihres Erachtens geht und was nicht.

Danke und dir weiterhin alles Gute :hug:
Jamie
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Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Flummi » Donnerstag, 17.05.18, 20:51

Hallo,

ich habe auch eine Frage an Tabin: kannst Du noch zurückverfolgen, wie Deine Lithiumwerte waren? Sind sie während des Absetzens gefallen und was war der Wert während der Therapie und was der letzte Wert, also vielleicht so was wie ein "Normalwert" ohne Lithium-Einnahme?

Bei meinem Mann ist das so, dass zwar sein Lithiumwert fällt. Nun bei 0,37 (bei 2 Quilonium 450 mg), was schon niedrig ist. Dennoch hat er keine Absetzsymptome oder Manien seit dem Absetzen vor 4 Wochen. Man muss dazu sagn, dass er wahrscheinlich keine bipolare Störung hat (weswegen das Lithoum verordnet wurde) und das eher eine Fehldiagnose war. (Die Geschichte ist etwas irre und ich brauche noch ein Weilchen, bis ich sie hier kundtun kann :) Sie haben eben einen niedrigen Lithiumspiegel vor der Behandlung festgestellt und er hat sogar über der Höchtsdosis von 3 Quilonium 450 mg bekommen, nämlich 4 (=1800 mg).

Seine Mutter, die Hausärztin ist, sagt, wenn er unter dem therapeutischen Bereich sei, könne er es dann auch weiter absetzen, wenn es eh keine Wirkung hätte? Ich habe das nicht so genau verstanden. Letztlich schätze ich ihn so ein, dass er auch noch eine weitere Tablette absetzen wird und wenn es glatt geht noch die letzte. Fragte mich nur, ob es überhaupt noch Sinn macht, den Lithiumspiegel zu beobachten?

Liebe Grüße,
Claudia
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Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Jamie » Donnerstag, 17.05.18, 22:24

Hallo, :)

ich bin nicht Tabin und kann auch große Teile der Frage nicht beantworten, aber zu einer Sache kann ich etwas sagen
Seine Mutter, die Hausärztin ist, sagt, wenn er unter dem therapeutischen Bereich sei, könne er es dann auch weiter absetzen, wenn es eh keine Wirkung hätte?
Dem ist nicht so. Es ist ein Fehlschluss zu glauben, weil etwas angeblich nicht im therapeutischen Bereich sei (also drunter), dass es dann nicht wirken würde.
Wir können das zwar nicht genau wissen, aber sicher ist, dass etwas davon am Gehirn / ZNS ankommt und auch da "wirkt". Und sei es, dass es einfach etwas verändert.
Auch bei nicht-therapeutischen Dosen, sprich niedrig, muss weiter ausgeschlichen werden, sodass das Gehirn die Chance hat seine Umbaumaßnahmen kontrolliert einzuleiten.
Es kommt immer etwas an, auch wenn der Blutspiegel vielleicht etwas anderes sagt.

Zu den anderen Fragen meldet sich hoffentlich Tabin noch :)

Schönen Abend
Jamie
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Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Flummi » Freitag, 18.05.18, 9:31

Hallo Jamie,

vielen Dank. So halb konnte ich mir meine zugrundeliegende Frage auch selbst beantworten, weil es mir um den Lithiumwert bei normalen Erwachsenen ging und ich mich fragte, ob der meines Mannes zu niedrig sei. Ich habe ein bisschen gegoogelt.
Es ist auch mit Prof.Googl nicht ganz leicht zu bestimmen, wieviel ein Erwachsener haben sollte, da in 90% aller Ergebnisse der therapeutische Normwert von 0,6 (0,5) - 1,2 angegeben wird. Nur vereinzelt kommt man dahinter, dass der Wert beim gesunden Erwachsenen 0,0-0,1 liegt (nach diversen wenigen Angaben, die ich gefunden habe; bei Interesse suche ich die Quellen noch heraus). Das heißt, der Normwert von Lithium liegt viel, viel niedriger als die Lithiumkonsumenten ihn haben und ihnen gesagt wird, was ein Normwert sei. Auch meinem Mann wurde gesagt, er habe einen sehr niedrigen natürlichen Lithiumwert und er müßte Lithium nehmen. Dabei ist es vielleicht für Ärzte auch nicht ganz einfach, da durchzublicken, aber dennoch halte ich die Aussage für FALSCH.
Ein anderer Grund, warum er als bipolar abgestempelt wurde, war folgender (ich muss mir da mal Luft machen): er kam mit einer depressiven Verstimmung in die Tagesklinik und erzählte (!), er habe auch einige Probjekte angefangen und nicht beendet. Er kam also NICHT akut manisch auf die Station, sondern erzählte einfach von etwas Chaos, das er aber heute - nachdem wir mal mit bipolar diagnostizierten Menschen gesprochen hatten - nicht mehr als mansich einschätzt. Der Grund, warum mein Mann das mit den angefangen Projekten erzählte und dachte, es wäre relevant (achtung, es wird skuril) war, wei er in der Lindenstraße die Figur des "Ben" 2013 sah, der bipolar war und dann dachte, er sei auch bipolar. Mein Man war damals recht depressiv und suchte vielleicht nach irgendeinem Strohhalm.
Ja, das ist so die Story hinter seiner Bipolar-Diagnose und der EInnahme von 4 Quilonium, was über der überhaupt empfoholenen Einnahme von 3 Stück liegt.....

Im August fahren wir zur Mutter und ich werde mir einfach mal spaßeshalber meinen Lithiumwert messen lassen, um zu sehen, was da ein Normwert überhaupt sein kann.

Euch einen schönen Tag!

Claudia
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Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Lithium30Jahre+ » Dienstag, 22.05.18, 21:08

Hallo Tabin, hallo mitanand,

kann dies nur bestätigen und ist in meinem Thema “Lithium absetzen - Experiment oder Chance“ auch nachzulesen. Die Diagnose und der aktuelle Lithiumspiegel, die Dauer der Einnahme, ... haben einen wesentlichen Einfluss. Meine Reduktion von Lithium/Quillonorm retard von 675 mg auf 450 mg über einen Monat war viel zu groß und das hab ich anständig zu spüren bekommen. Habe wieder aufdosieren müssen und merke immer noch dass einiges im Fluss ist was ich jedoch eher positiv betrachte. Im Herbst möchte ich einen erneuten Versuch unternehmen - hoffentlich finde ich den passenden Psychiater oder eventuell wende ich mich an eine “Spezialambulanz Bipolar“.

Einen Dank an Tabin für die professionelle Handhabe der Thematik! Gibt es eine Empfehlung in % bei Lithiumlangzeiteinnahme/Bipo 1 wenn bei einem Minimumspiegel von 0,5 mmol/l gestartet wird?

Liebe Grüße
Lithium30Jahre+
Symptome: 1985 manische Episode mit 4 Monate Klinikaufenthalt, 1991 mittelmäßige manische Episode unter einer Lithium Monotherapie induziert durch einem Badeurlaub mit Sport und übermäßigem Alkoholkonsum. 2004 erfolgte abrupte Einstellung der Lithiumeinnahme was einen GAU/Absetzpsychose zur Folge hatte. Diagnose: Bipolar 1 seit 1985

Lithium/Quillonorm retard 675 mg, (seit 1985) Reduktion (1. richtiger Absetzversuch) am 5. April 2018 bis 9. Mai 2018 auf 450 mg - Aufdosierung wegen gravierender Schlafprobleme, körperlicher Schwäche/Überreaktion mit Reizüberflutung trotz Bedarfsmedikation. (Quetiapin, 50 - 150 mg, Dominal Forte 40 - 80 mg, Lorazepam 1,0 mg)

Standardmedikation: Lithium/Quillonorm retard 675 mg, Quetiapin 25 - 50 mg
Bedarfsmedikation: Dominal Forte 80 mg, Lorazepam 1,0 mg

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Re: Erfahrungsbericht Lithium absetzen

Beitrag von Flummi » Dienstag, 22.05.18, 21:24

Hallo,

zum Spiegel kann ich nur sagen:
Als mein Mann 4x450 mg genommen hatte, lag der Spiegel bei 0,98, bei 3x450 mg bei 0,69 und bei 2x450 mg 0,37.

Weiß nicht, ob Dir das hilft. Klingt, als ob das recht individuell sei.

Liebe Grüße,
Claudia
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