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Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
Oliver
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Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitragvon Oliver » Dienstag, 26.10.04, 17:56

Ich habe mich auf die Bemerkung eines Forumsmitgliedes hin, dass Prof. Ulrich Hegerl so eine Art SSRI-Absetzexperte sei, mal ein wenig im Netz und auf den Seiten des Kompetenznetzes Depression umgeschaut. Und ich kann nicht behaupten, dass mir gefällt, was ich gefunden habe. Ganz im Gegenteil: Ich ärgere mich mehr und mehr über die Vorgehensweise des Kompetenznetzes und dessen Sprecher Ulrich Hegerl. Ich habe nicht das Gefühl, dass die fünf Millionen Euro Förderungsgelder vom Bund dort gut angelegt sind. Die SSRI-Problematik wird kategorisch geleugnet und es wird nach wie vor stark auf deren Verschreibung gedrängt. Es gibt sogar Programme, die Hausärzte dazu anleiten öfter Depressionen zu diagnostizieren und dann SSRI (zumindest wird dazu geraten) zu verschreiben - ich halte das für verantwortungslos, es werden definitiv schon jetzt zu vielen und den falschen Menschen SSRI verschrieben. Wer weiß, auf was für wackeligen Beinen die gesamte biologische Sichtweise der Depressionen steht, kann derartiges Vorgehen nicht gutheißen, da unterm Strich mehr Schaden als Gutes angerichtet werden könnte.

Als Beispiel mal Folgendes:

Es gibt ein Screening-Subprojekt, welches folgendermaßen zusammengefasst wird:
Ein Subprojekt des Kompetenznetzes „Depression“ hat gezeigt, dass einfache Screening-Fragebögen es den Hausärzten ermöglichen, schneller und gezielter Depressionen zu erkennen. Die Fragebögen können z.B. vom Patient bereits im Wartezimmer ausgefüllt werden und umfassen oft nicht mehr als fünf einfache Fragen. Die Antworten des Patienten lassen gezielte Rückschlüsse auf mögliche psychiatrische Erkrankungen zu.

Schneller und gezielter Depressionen erkennen mit fünf Fragen :shock: ich denke eher, dass solche Aktionen dazu führen, dass noch mehr Leute als depressiv diagnostiziert werden, welche einfach nur unglücklich sind (dazu gibt es in unserer Gesellschaft ja auch genug Gründe) oder in einer ernsten Krise stecken. Diesen werden dann SSRI verschrieben, welche ihnen eventuell mehr Probleme bereiten als das sie helfen. Man könnte jetzt natürlich argumentieren, dass das ja sicher alles viel ausgefeilter und komplexer ist - ist es aber leider nicht.
Hier ist der Komplette Text von "Screening im Wartezimmer" nachzulesen: http://www.mmw.de/pdf/mmw/103414.pdf

Hegerls Meinung nach, werden nur 10% der Depressionen erkannt und er findet, dass die Hausärzte einfach mal jeden mit diesem Fragebogen im Wartezimmer konfrontieren sollten:

Bild

Wer da weniger als 13 Punkte hat, der wird, schwupps durch folgendes Schema gemangelt:

Bild

Wenn die Depression dann erstmal diagnostiziert ist, soll der Arzt informieren - da sind einige ganz nette Sachen dabei, aber hier wurde ich stutzig:

Im ärztlichen Gespräch sollte daher der Patient über die eingeleiteten Schritte informiert werden. (Warum Antidepressiva? Was werden die nächsten Schritte sein?)


Warum Antidepressiva ... es sollen also auf jeden Fall Antidepressiva verschrieben werden :shock: Auf welcher Grundlage?

Es gibt auch noch ein Video vom Kompetenznetz (für 40 EURO), welches folgendermaßen angepriesen wird:
In diesem Video werden die biologischen Grundlagen der Depression erläutert und Informationen zur Pharmakotherapie vermittelt


1. Die biologischen Grundlagen der Depression sind bis heute nicht nachweisbar, sondern nur sehr wackelige Konstrukte aus den 1950ern (siehe auch Mythos: Depressionen als Stoffwechselstörung im Gehirn oder Darf man LSD und SSRI vergleichen? (Abschnitt "LSD und eine klitzekleine Geschichte der Psychopharmaka") oder Literaturtips ). Die einzigen, die immer noch ernsthaft mit den biologischen Ursachen der Depression wedeln (wo sie noch dürfen ;) ), sind die Hersteller von ADs und Ärzte die es nicht besser wissen (wollen).

2. Sehr interessant auch wieder, dass in dem Video nur Informationen zur Pharmakotherapie vermittelt werden, obwohl sich die kognitive Verhaltenstherapie als mindestens genauso effektiv, ohne gefährliche Nebenwirkungen und Abhängigkeitspotential mit nachhaltigerer Wirkung herausgestellt hat.

Das mittlerweile bekannte Abhängigkeitspotential von SSRI erwähnt Herr Hegerl nirgends. Auch die mittlerweile bis nach Deutschland geschwappten Zweifel am günstigen Risiko/Nutzen-Verhältnis von SSRI werden nirgends erwähnt. Mir kommt das Kompetenznetz Depression eher vor wie ein weiteres Marketingorgan der Pharmas - da passt es ganz gut, dass das angegliederte Diskussionsforum für Patienten von Pfizer (Zoloft - ein SSRI) gesponsort wird. In diesem Forum werden Informationen wie sie hier zur Verfügung stehen gezielt zensiert oder als radikales Geschwafel abgetan. Jede weiterführende kritische Diskussion über Antidepressiva wird von Forumsmitgliedern und den Moderatoren abgewürgt.

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Absetzprobleme gibt es laut Hegerl nicht

Beitragvon Oliver » Dienstag, 26.10.04, 17:57

Hier ein paar Beispiele, wie kategorisch Ulrich Hegerl - der Sprecher des Kompetenznetzes Depression - jegliche mögliche Problematik bei SSRI (er spricht einfach ganz allgemein von Antidepressiva :shock:) verleugnet (Mehr Infos zu Herrn Hegerl).

Herr Hegerl meint zur Abhängigkeit von ADs hier mal ganz pauschal:
Prof. Dr. Ulrich Hegerl hat geschrieben:Viele Menschen haben Angst vor Medikamenten und fürchten, abhängig zu werden. Diese Sorge ist aber unbegründet, erklärt Prof. Dr. Hegerl, der Sprecher des bundesweiten Forschungsprojektes Kompetenznetz Depression ist. Antidepressiva - das sind Medikamente, die speziell gegen die Depression wirken - machen im Gegensatz zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln nicht abhängig.


Oder hier
Prof. Dr. Ulrich Hegerl hat geschrieben:Im Gegensatz zu anderen Psychopharmaka wie chemischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln machen Antidepressiva weder abhängig noch verändern sie die Persönlichkeit.


oder hier
"Bei mittelschweren und schweren Depressionen ist die Behandlung mit Antidepressiva dringend geboten", sagt Prof. Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Poliklinik der Universität München. Moderne Präparate seien keine "chemische Keule", machten nicht abhängig und wirkten gezielt gegen die Depression.


Schon alleine die Tatsache, dass er in seinen "Aufklärungstexten" alle Antidepressiva völlig undifferenziert in einen Topf wirft ist meiner Meinung nach eine unverzeihliche Simplifikation der Thematik.

Aber jetzt kommt der Hammer! SSRI sind für Herrn Hegerl 'ne dufte Sache. Bei Johanniskraut muss man seiner Meinung nach aber vorsichtig sein :shock: (Quelle)

Ulrich Hegerl warnt:"Die Präparate mit hohen Mengen des Wirkstoffes gibt es nur in der Apotheke und sollten nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden. Es gibt nämlich einige Nebenwirkungen, zum Beispiel Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten." Bei tiefen Depressionen kann das Naturheilmittel allerdings nichts ausrichten. Hier ist der Einsatz anderer, speziell gegen Depressionen wirkender Arzneien angezeigt. "Viele Menschen haben Angst vor Medikamenten und fürchten süchtig zu werden. Diese Sorge ist aber unbegründet. Im Gegensatz zu Schlaf- oder Beruhigungsmitteln machen Antidepressiva nicht abhängig", erklärt der Experte.


Da warnt er also ... bei Johanniskraut! Bei SSRI muss man wohl nicht warnen (obwohl im Beipackzettel noch nicht mal die Hälfte von dem drinsteht was wirklich auf Dich zukommen kann, wenn Du es einnimmst).

Was ich auch lustig finde ist die mantraartige Wiederholung des Statements "... machen nicht abhängig ..." das erzählt er überall. Immer wieder. Ungefragt.

Auch in der Presseinformation des Kompetenznetzes Depression muss er es noch mal betonen:

Prof. Dr. Ulrich Hegerl hat geschrieben:Diese Medikamente haben einen schlechten Ruf. Zu Unrecht: Im Gegensatz zu den Befürchtungen vieler Menschen kann klar festgestellt werden, dass Antidepressiva nicht abhängig machen und die Persönlichkeit nicht verändern.


Also: Wer der Meinung ist, dass der Herr Hegerl da was nicht ganz mitbekommen hat, kann ihm ja gerne eine Mail schreiben.

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Suizid

Beitragvon Oliver » Dienstag, 26.10.04, 21:27

SSRI können Selbstmordgedanken auslösen. Das Beweisen die Analysen der Rohdaten der klinischen Studien z.B. von GSK. Sogar gesunde Freiwillige wurden unter dem Einfluss von Paroxetin oder erst kürzlich Duloxetin in Studien suizidal. Trotzdem hält Herr Hegerl es sogar für nötig eine Stellungnahme zu veröffentlichen, welche diese Möglichkeit weit von sich weist. Wir haben Peter Ankarberg einen schwedischen Experten mit seiner Argumentation konfrontiert und er hat uns die Schwachstellen der Studien aufgezeigt, welche Hegerl nennt, um seine Postion zu untermauern.

Siehe: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitragvon Murmeline » Freitag, 25.09.15, 13:54

Ulrich Hegerl hat seine Ansichten bis heute nicht geändert:

In der Behandlung einer mittelschweren oder schweren Depression befürwortet Hegerl den Einsatz von Medikamenten: "Antidepressiva sind momentan die beste Behandlung, die wir haben." So führt er weiter aus, dass aufgrund des Versorgungsengpasses, der in Deutschland herrscht, mehr Menschen auf diese Weise geholfen werden könne. Da ein Psychotherapeut im Jahr nur etwa 50 bis 60 Patienten versorgen könne, Fachärzte mit Medikamenten jedoch 800 bis 1000 Menschen erreichen würden. Obwohl er auch die Psychotherapie als wichtige Behandlungsmethode anerkennt, macht er deutlich, Antidepressiva würden entgegen der häufig geäußerten Kritik nicht abhängig machen und seien auch nicht persönlichkeitsverändernd.

Stattdessen würden sie lediglich Ungleichgewichte von Botenstoffen im Gehirn wieder ins Gleichgewicht bringen.


http://mephisto976.de/news/medikamente- ... -ruf-51716
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitragvon Murmeline » Freitag, 25.09.15, 14:11

Ach, so:

Mitgliedschaft in Beratungsgremien:
Mitglied in Advisory Boards (Lilly Deutschland GmbH, Lundbeck Deutschland, Takeda Pharmaceuticals, Otsuka Pharma GmbH)
http://www.bundesaerztekammer.de/filead ... Hegerl.pdf

Ob so etwas eine differenzierte Stellungsnahme verhindert?

Lilly Deutschland:
Cymbalta: Duloxetin (Antidepressivum)
Fluctin: Fluoxetin (Antidepressivum)
Parkotil: Pergolid (Parkinson-Krankheit)
Strattera: Atomoxetin (Behandlung der ADHS)
Zyprexa: Olanzapin (Atypisches Neuroleptikum)
https://de.wikipedia.org/wiki/Eli_Lilly_and_Company

Lundbeck Deutschland
Brintellix®
Cipralex®
Cipramil®
Escitalopram Lundbeck
Nortrilen®
Parkinsan®
Selincro®
Serdolect®
Sycrest®
Taxilan®
http://www.lundbeck.com/de/praeparate/praeparate

Takeda Pharmaceuticals
BRINTELLIX (U.S.)
http://www.takeda.com/products/list-02.html

Otsuka Pharma GmbH
Abilify
https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%8Ctsuka_Seiyaku
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitragvon Murmeline » Freitag, 25.09.15, 14:15

Hier immerhin betont er die "zwei Seiten":

Die Depression wird sowohl von der körperlichen, genauer der neurobiologischen Seite her als auch von der psychischen und psychosozialen Seite her erklärt und auch behandelt. Wie bei den zwei Seiten einer Medaille ergänzen sich auch hier die beiden Betrachtungsweisen. (...) Und dabei möchte ich ausdrücklich betonen, dass die Psychotherapie bei der Behandlung von Depressionen auch sehr wichtig ist. Es gibt kognitive Verhaltenstherapien, die den Betroffenen im Hier und Jetzt helfen, die das Rollenverhalten verändern können, in den Menschen das Nein-Sagen lernen, in denen man sich prüfen und feststellen kann, ob man sich im Leben immer wieder in Situationen manövriert, in denen man überfordert ist.


Aber, natürlich:
Man kann Depressionen gut mit Medikamenten behandeln. Aber wir Deutschen sind Schlusslicht in Europa was die Bereitschaft angeht, Anti-Depressiva zu nehmen. Bei uns denken die meisten Menschen, Anti-Depressiva hätten schwere Nebenwirkungen oder würden in die Abhängigkeit führen. Das entspricht nicht den Tatsachen.

http://www.forschung-fuer-unsere-gesund ... ennen.html
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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitragvon LinLina » Freitag, 25.09.15, 15:56

Danke für die Beiträge!!! Oje, dieser Fragebogen von der WHO, damit wird ja fast jeder Kranke zum Depressiven. Das ist unheimlich. Und die Äußerungen von Prof. Hegerl. Ohne Worte.
Lorazepam: seit 8.2.2015 abgesetzt :-) Mein Thread

Mirtazapin: 30 mg für 5 Monate Benzo-Entzug, langsames Absetzen seit Ende April 2015.

[...] 6.9.2015 - 15 mg, 11.10.2015 - 13.2 mg, 25.10.2015 - 11.3 mg, 3.12.2015 - 8.4 mg, 5.12.2015 - 9.4 mg, 25.12.2015 - 9 mg (Umstieg auf Wasserlösemethode) 27.12.2015 - 8.4 mg, 22.1.2016 - 7.5 mg, 1.3.2016 - 6.9 mg, 15.3.2016 - 6.3 mg, 28.3.2016 - 5.9 mg, 9.4.2016 - 5.4 mg, 14.5.2016 - 5.2 mg, 11.6.2016 - 4.6 mg, 9.7.2016 - 4.1 mg

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Re: Kompetenznetz Depression verharmlost Probleme mit SSRI

Beitragvon Alex61 » Sonntag, 15.11.15, 19:25

Antidepressiva werden absolut verharmlost, und ich wünschte ich hätte mehr darüber gewußt.
Aber es hätte mir nix genutzt, da der neu aufgesuchte Hausarzt einfach mit Infusionen arbeitete, und damit das Unheil seinen Lauf nahm.....

Viele Grüße
Alex


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