Alex303
Aus ADFD.wissen
Hallo,
hier möchte ich mal meine Erfahrungen mitteilen:
Bei mir hat alles damit angefangen, dass ich im Dezember `05 am Arbeitsplatz (Schreibtisch) von einem Ohnmachtsgefühl mit vollgendem Herzrasen und Todesangst heimgesucht wurde. Da ich so etwas vorher noch nie erlebt hatte, hatte ich zu diesem Zeitpunkt mir dem Schlimmsten gerechnet und wurde auch vom Krankenwagen abgeholt und ins Krankenhaus gebracht. Es wurde alles mögliche (großes Blutbild, CT)abgeklärt und nichts gefunden. Da ich ohnehin ein etwas sensibler Mensch bin habe ich mir die ganze Sache sehr zu Herzen genommen und konnte es zu diesem Zeitpunkt nicht verstehen was das war.
Leider ging mir die ganze Sache so nach, dass ich in den Folgetagen weitere Attacken bei der Arbeit und Zuhause bekam. Meine Mutter, meine Frau und meine Hausärztin hatten es allerdings sehr schnell erkannt, dass es sich wohl um Panikattacken handelte. Denn ich steigerte mich in den ersten Tagen, nach meinem Erlebnis, bei jedem kleinen "Zucken" in meinem Körper sehr schnell in die Sache rein. Gleich bei meinem ersten Besuch bei meiner Hausärztin verschrieb sie mir das Antidepressiva Citalopram und zusätzlich
in den ersten Woche für den Notfall ein Beruhigungsmittel (Wirkstoff: Bromazepam). Diese Beruhigungsmittel nahm ich am Anfang etwa sechs Mal. Da ich damals noch nicht in der Lage war die Panikattacken unter Kontrolle zu bringen. Ebenfalls wurde ich von meiner Hausärztin noch zu einem Kardiologen geschickt um ein Herzleiden ebenfalls auszuschließen. Die Diagnose war ebenfalls ohne Befund.
Leider hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt mit der ganzen Sache noch nicht so richtig beschäftigt und mich nicht informiert über Nebenwirkungen und Absetzsymptome von ADs speziell Citalopram. Meine Ärztin hat mich aber auch nicht über Nebenwirkungen aufgeklärt, da Sie der Meinung ist (was sich erst später herausstellte), dass wenn man den Beipackzettel liest schon automatisch die angegebenen Symptome bekommt.
Na ja dachte ich mir als ich die Tabletten nach Hause brachte, ich versuche es erst mal ohne. Da ich aber keine Ahnung bzw. nicht aufgeklärtwurde über Alternativmaßnahmen rutschte ich nach einer weiteren Panikattacke immer weiter in den Teufelskreis! Ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen und entschloss mich das Citalopram zu nehmen.
Wie verordnet nahm ich dann ab dem 10.12.05 pro Tag eine Tablette (10mg) Citalopram. In den ersten Tagen passierte erstmal gar nichts. Aber ab dem fünften Tag ging mein "Tanz" mit den Nebenwirkungen los: In den ersten Nächten schwitze ich so stark im Bett, dass ich gemeint habe ich werde gleich "abgestochen". Morgens nach dem Aufstehen musste ich immer so stark Gähnen, ca. 20-40 hintereinander, dies kam mir dann schon sehr komisch vor. Dies war aber gar nichts gegen diese unendliche Müdigkeit die in den nächsten zwei Wochen folgte. Des Weiteren kämpfte ich im ersten Monat nach der ersten Einnahme auch mit mal mehr und mal weniger starken Kreislaufproblemen herum, die ich so auch vorher noch nie hatte!
In dieser Anfangszeit war ich glaube ich noch nie so oft bei meiner Hausärztin wie in meinem ganzen bisherigen Leben. Jedes Mal erzählte ich Ihr von den Symptomen die bei mir auftraten aber Sie meinte jediglich: "Da müssen Sie durch, das wird schon!"
Da ich im Grunde schon immer der Typ war, der alles Perfekt und genau machen möchte glaubte ich meiner Ärztin und trieb das Spiel trotz Nebenwirkungen weiter. Fleißig nahm ich mein Citalopramtablette jeden Tag ein. 3km fahr ich jeden morgen mit dem Fahrrad ins Geschäft (auch im Winter). Trotzdem kam ich in dieser Zeit teilweise schummrig und benommen morgens ins Geschäft, dies kannte ich ebenfalls vorher nicht! Nach so drei Wochen spürte ich so langsam, dass das Citalopram meine Panikattacken bzw. Ängste so ziemlich gut unterdrückt hatte. Zwei drei Mal kam danach noch kurzzeitig eine Attacke hoch aber so schnelle wie sie kam, war sie auch wieder verschwunden.
Ein anderer Lichtblick war dann nach ca. einem Monat, dass mich meine Hausärztin jetzt doch noch eine Alternative aufzeigte: Die Verhaltenstherapie! Auf die Möglichkeit eine begleitende Verhaltenstherapie zu machen war ich aber auch schon nach meinen Recherchen im Internet gekommen. Ich bekam erstaunlicherweise schnell einen Platz bei einer Therapeutin (weil ich bereit war jedes Mal morgens schon um 7 Uhr zu kommen). Die Verhaltenstherapie war sehr hilfreich für mich, besonders die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen die ich dabei lernte. Die Ängste verflogen langsam und ich lernte warum Panikattacken entstehen und wie ich mit Ihnen umgehen sollte wenn sie noch einmal aufkommen sollten. Ich hatte mich auch entschlossen wieder mehr Sport (wie früher) zu machen. Ich meldete mich im Sportstudio an ich trainiere seit dem nach einem abgestimmten Trainingsplan und es geht mit jedes Mal richtig gut danach.
Im Januar ' 06 bin ich dann rein zufällig beim googeln (mit dem richtigen Suchbegriff) auf das ADFD gekommen. Irgendwie erleichtert war ich, als ich gelesen hatte dass auch andere Menschen mit ADs Probleme hatten, aber auch erschrocken wie es beim Absetzten der ADs laufen kann! Nach so drei Monaten hatte sich mein Zustand stabilisiert und ich konnte mit den bisherigen Nebenwirkungen leben. Allerdings war immer so ein dumpfes Gefühl in meinem Kopf und es kam immer mehr das Gefühl hoch, dass es nicht sein kann mit den Tabletten die ganze Zeit zu leben.
Ende März hatte ich dann den Entschluss gefasst die Citalopram abzusetzen, da ich mit den Nebenwirkungen wie Benommenheit und das dumpfe Gefühl im Kopf nicht mehr leben konnte und wollte. Trotz dass ich hier im Forum gelesen hatte, dass man langsam absetzen sollte hatte ich etwas schnell abgesetzt. Innerhalb drei Wochen, jede Woche eine viertel Tablette weniger, hatte ich Tabletten komplett abgesetzt und war dann Ende April '06 auf Null mg angekommen!
Innerhalb der Reduktionszeit hatte ich schon mit Absetzsymptomen gekämpft. Es fang damit an, dass es mir regelmäßig morgens nach dem Aufstehen übel war. Diese Übelkeit verstärkte sich und wurde nach einer Woche mein ständiger Begleiter über ca. 5 Wochen! Ich habe mich zwar nie wirklich übergeben müssen aber es trotzdem ein saudummes Gefühl die ganze Zeit.
Nur durch meine Frau, meine Mutter, mein Sport und selbstverständlich dieses Forum und den Beiträgen über Absetzsymptome hat mich die ganze Zeit bisher durchhalten lassen! Allerdings bin ich immer noch nicht ganz über den Berg. Die Übelkeit wich dann zwar als ich mich mit der Homöopathie beschäftigte und Nux Vomica dagegen nahm. Zusätzlich nehme ich seit Anfang Juni '06 noch Fischölkapseln (Omega 3). Aber seit Anfang Juni hatte ich immer öfters einen Schwankschwindel, der zwar nicht richtig stark ist aber sehr unangenehm. Seit drei Wochen (ab Ende Juli) hat sich auch noch eine fast unerträgliche Müdigkeit eingestellt, vor allem morgens und am frühen Abend. Der Schwankschwindel ist allerdings seit dem weg. Diese Müdigkeit kannte ich eigentlich bisher nur vom Anfang meiner Citaloprameinnahme, da war sie auch einmal so da!
Nun ist meine letzte Tablette schon über 3 Monate her und manchmal verlässt mich mein Glaube daran, dass es sich doch weiter um Absetzsymptome handelt. Zur Zeit ist diese bleierne Müdigkeit nur durchzuhalten mit viel viel Schlaf. Ich werde weiterkämpfen, heute gehe ich mal zum Heilpraktiker vielleicht hat der etwas gegen diese unnatürliche Müdigkeit. Auf jeden fall möchte ich nie wieder ein AD nehmen und ich hoffe ich kann diesen Bericht einmal mit einem positiven Schluss zu ende schreiben und somit anderen helfen!