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Beitrag von inandout » Montag, 18.06.18, 21:20

Hallo,

Artikel in der Süddeutschen Zeitung über die "Schnelle Ritalinpille für Kinder mit ADHS", angeblich nur zu oft die Diagnose falsch vergeben. Ich würde ja sagen, die Diagnose ist Mist so wie alle psychiatrischen Diagnosen, das sagt natürlich niemand von den Experten, die in ihren Fächern ausgebildet sind.

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/m ... -1.4015592

Best,
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 20.06.18, 12:26

700 Todesfälle durch Parkinson-Medikament?


http://news.doccheck.com/de/newsletter/ ... ment-76151

Anzumerken: Das im Artikel besprochene Nuplazid ist kein Parkinsonmedikament, dankenswerterweise stellt das Dr. Rohrberg bei debn Kommentaren richtig:
Nuplazid ist sicher kein Medikament, dass den Durchbruch in der Parkinsontherapie bringen sollte. Es ist für die Behandlung des M. Parkinson nicht ansatzweise geeignet, sondern wurde entwickelt, um die Nebenwirkungen einer hochdosierten Parkinsontherapie zu behandeln. Die meisten verfügbaren Neuroleptika sind beim M. Parkinson nicht unproblematisch oder die explizite Zulassung für die Behandlung der Psychose beim M. Parkinson liegt nicht vor. Die wirsamste Therapie von Psychosen beim Parkinsonpatienten ist die Dosisreduktion der Parkinsonmedikation. Angesichts vergügbarer Alternativen (z.B. Quetiapin) ist nicht nachvollziehbar, weshalb eine Zulassung im Eilverfahren erfolgen konnte. Todesfälle unter Neuroleptika sind ja auch bei zahlreichen anderen Substanzen bekannt und haben auch mitunter zu Änderungen der Zulassung geführt, wie z.B. die i.v.Gabe von Haloperidol. Wie kann man so blauäugig sein, dass ein neu entwickeltes Neuroleptikum keine Probleme bereiten würde. Zum Glück ist m.W. Nuplazid in Deutschland nicht zugelassen.
ebenda, Kommentar 3

Ein Neuroleptikum mit Nebenwirkung "Tod" also .......
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Donnerstag, 21.06.18, 14:31

Ich bin mir weiter unsicher, was von diesen Studien zu halten ist.

Zitat


Antidepressiva absetzen ist heikel. Quentin Huys will herausfinden, was dabei im Kopf passiert. Das erleichtert zu entscheiden, ob Medikamente abgesetzt werden können oder nicht.

Die Frage, die die Depressionsforschung umtreibt, lautet deshalb, wie lange Antidepressiva verabreicht werden sollen. Und: Bei welchen Patienten können sie abgesetzt werden und bei welchen nicht? «Langfristig gesehen ist das Absetzen von Antidepressiva ähnlich wichtig wie das Ansetzen. Trotzdem wissen wir darüber beinahe gar nichts», sagt Quentin Huys.

http://www.news.uzh.ch/de/articles/2018 ... -huys.html
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Arianrhod » Donnerstag, 21.06.18, 14:54

Hallo Murmeline,

ich finde schon die Beschreibung einer schweren Depression nicht zutreffend. Die unterscheidet sich doch stark von negativem Denken oder einem negativen inneren Kritiker , wie hier beschrieben. Negatives Denken kann depressiv machen , muss es aber nicht ...
Die innere Stimme flüstert fortwährend: «Nichts kann ich, niemand mag mich».
Sowie ich als auch eine Bekannte von mir, die schwere Depressionen hatte, würden eher sagen, man denkt gar nix mehr, da ist nur noch Leere und Gefühlslosigkeit und im schweren Stadium ist es schietegal, ob man etwas kann oder ob einem jedemanden mag, denn alles erscheint eh sinnlos........
Die Symptome bessern sich, solange die Medikamente eingenommen werden. Doch wenig deutet darauf hin, dass sie auch die Ursachen längerfristig beheben, etwa indem sie das Schwarz-Weiss-Denken im Kopf Depressiver um Grautöne ergänzen.
Wie soll das ein Medikament denn schaffen? Das sind frühkindliche Lernerfahrungen, die man höchstens umlernen kann - beispielsweise in einer Psychotherapie. Menschen heilen Menschen , nicht Drogen.
Schon das Orakel von Delphi sprach zu Telephos: " Wer dich verwundet hat, wird dich heilen"

liebe Grüße Arian
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Donnerstag, 21.06.18, 19:59

Psychiatrie auf Hausbesuch
Behandlung daheim statt in der Klinik: Den modernen Ansatz gibt es jetzt auch im Land. Doch bisher profitieren nur wenige Patienten.

Zitat

Psychosen, Schizophrenie, Depressionen: Wenn Menschen in schwere psychische Krisen abrutschen, war in Deutschland bis vor wenigen Jahren ein Klinik-Aufenthalt der einzige Weg, ihnen intensive psychiatrische Hilfe zukommen zu lassen. Jetzt kann die Klinik auch zum Menschen kommen. „Die Modellversuche haben viel bewegt“, sagt Zinkler, Chefarzt der psychiatrischen Klinik in Heidenheim. „Noch vor zehn Jahren gab es das nirgendwo in Deutschland“. Seit 2017 ist Heidenheim Modellprojekt – als einziger Standort in Baden-Württemberg. Doch schon bald könnte es ähnliche Angebote vielerorts im Land geben – eine kleine Revolution in der Psychiatrie.
Wissenschaftlich sind die Vorteile der „aufsuchenden Psychiatrie“ unumstritten: Laut Studien ist der Behandlungserfolg ebenso gut wie in der Klinik – allerdings sind die Patienten deutlich zufriedener. Außerdem können Familie und Umfeld besser in die Behandlung einbezogen werden.

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Psy ... 76845.html
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Beitrag von Muryell » Freitag, 29.06.18, 13:50

Guten Tag, Ihr Lieben!

In Ted-Talks gibt es einen Vortrag von Travis Rieder, Leiter eines Bioethikprogramms an der Johns Hopkins University in Baltimore, über das Absetzen von Opioiden.

Travis Rieder
The agony of opioid withdrawal — and what doctors should tell patients about it

Es gibt keine neuen Informationen für uns, aber sehr viele Parallelen zum Absetzen von PP - auch das Unwissen bei den Ärzten. Es freut mich sehr, dass man so offen darüber spricht.

Ich hoffe, es ist in Ordnung, das hier zu posten.

Liebe Grüße

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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Jamie » Freitag, 29.06.18, 17:19

Hallo, :)

zwar schon 3 Jahre alt, aber ein Riesen-Rundumschlag von Dr. Healy zu den Risiken und Suizide / Amokläufe unter SSRI und der Wirksamkeit von SSRI:

https://www.heise.de/tp/features/Amok-D ... ?seite=all

Grüße
Jamie
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:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): viewtopic.php?f=51&t=12478


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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Arianrhod » Samstag, 30.06.18, 21:37

ADHS: Zu Tisch, es gibt Ritalin 28. Juni 2018
Medikamente bekamen ADHS-Patienten bislang nur bei besonders starken Symptomen. Das soll sich ändern: In der neu erschienenen Leitlinie spielt die Pharmakotherapie eine größere Rolle. ]Die Medikation beginnt nun schon bei moderater ADHS-Ausprägung Was sagen Experten?
http://news.doccheck.com/de/newsletter/ ... ment-76381
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Arianrhod » Samstag, 30.06.18, 21:40

Top 10 der unbekannten Nebenwirkungen 26. Juni 2018
Auch nach der Zulassung von Medikamenten müssen deren Nebenwirkungen gemeldet werden. BfArM-Experten haben die Berichte der letzten Jahrzehnte ausgewertet. Ein Überblick über die am häufigsten genannten Arzneistoffgruppen und ihre unerwünschten Wirkungen.
http://news.doccheck.com/de/newsletter/ ... 3b64bc24d0

hier interessant:
Platz 3 (7,9 Prozent): Neuroleptika: Abhängigkeit, Leukopenien, Fieber
Ich dachte immer, NL machen nicht abhängig????? :whistle:
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von weg » Mittwoch, 04.07.18, 20:42

hi foris,

der unten stehende artikel wurde im Tagesanzeiger, Zürich, Schweiz am 3. juli 2018 veröffentlicht. es ist ein artikel den man bezahlen muss. ich habe mit dem tagesanzeiger rücksprache genommen und habe die erlaubnis erhalten ihn hier im forum zu veröffentlichen.

der herr vom tagesanzeiger, herr kim hürlimann, hat mir ein pdf gemailt. leider kann ich hier kein pdf einfügen. ich habe deshalb den artikel redigiert, titel und abschnitte neu gemacht.

der artikel wurde von Jean-Martin Büttner, Bern, verfasst

noch meine kritik zum artikel: es scheint mir eine zusammenfassung aus einer tagung zu sein. ich hatte manchmal etwas mühe den zusammenhang zu finden. aber ich finde ihn trotzdem sehr lesenswert.

«Ich bin ein Mensch, keine Krankheit»

Schizophrenie war für Patricia Deegan, mehr Urteil als Diagnose. Heute lehrt die Psychologin, wie sich Patienten selbst heilen können – ein Ansatz, der in der Schweiz erst noch Anfang steht.

Patricia Deegan redet frei, mit Humor und ohne Eitelkeit über ihr Leben, gibt klare Antworten auf komplexe Fragen, und sie strahlt die seltene Kombination von Ruhe und Kraft aus. Patricia Deegan, promovierte klinische Psychologin, leitet in Massachusetts eine Firma, die sich auf psychische Genesung spezialisiert hat. Sie ist nach Bern gekommen, um an einem Fachkongress über den Recovery-Ansatz zu reden, wie diese Form der Selbsthilfe in der Psychiatrie genannt wird – eine Methode, die in den USA entwickelt wurde und die sich an den radikalen Reformen der italienischen Psychiatrie in den Siebzigerjahren inspiriert.

Der Psychiater Franco Basaglia forderte damals einen Umgang mit Menschen, der auf ihre Umwelt Rücksicht nimmt und sie in ihrer Selbstbestimmung unterstützt. Nichts am Auftritt von Dr. Deegan lässt an ihrer Selbstbestimmung zweifeln – ausser dem, was sie sagt.

Böse Stimmen
Denn die 63-Jährige hat eine schwere Psychose hinter sich. Diese ergriff sie, als sie 17 Jahre alt war. Innere Stimmen begannen, ihr zu sagen, wie wertlos sie sei, wie hässlich und böse. Andere Leute kamen ihr fremd vor. Als sie in eine Klinik eingeliefert wurde und der Psychiater ihr eröffnete, sie leide an Schizophrenie, reagierte sie fast mit Erleichterung. «Ich wollte so sehr verstehen, was mit mir geschah», sagt sie, «und ich hätte alles durchgemacht, damit es aufhört.»

Umso schwerer zu ertragen war das, was der Psychiater ihr nachher sagte: dass sie ein Leben lang Medikamente nehmen müsste und trotzdem niemals geheilt würde. Dass sie zu krank fürs Leben sei. Dass es für sie keine Schule, keine Liebe, keine Arbeit und keinen Sport geben würde. Niemals. «You are a schizophrenic»: Das war für sie keine Diagnose, sondern ein Urteil.

«Ich wollte so sehr verstehen, was mit mir geschah.». Also nahm sie die Medikamente. «Ich war überdosiert bis zum Halbschlaf», sagt sie. «Meine Tage hatten weder Ziel noch Freude. Ich lebte nicht, ich existierte nur.» Auch habe kein einziger Arzt in der Klinik von Besserung gesprochen. «Sie glaubten gar nicht daran.» Nun ist die Kritik an der Psychiatrie schon lange zum Gemeinplatz verkommen, vielen fällt zum Thema wenig anderes ein als Jack Nicholson (Patient) und Louise Fletcher (sadistische Oberschwester) in Milos Formans «One Flew Over the Cuckoo’s Nest». Aber mit Menschen zu arbeiten, die an Schizophrenie leiden oder an einer schweren Depression, erfordert viel Geduld und Belastbarkeit.

Der Walkman als Therapeut
Patricia Deegan glaubte nicht mehr an die Heilung ihrer Krankheit und nicht einmal mehr an Linderung. Dann entdeckte sie den ersten Therapeuten, mit dem es ihr besser ging: den Sony Walkman. «Wenn ich Musik hörte, wurden die Stimmen in meinem Kopf leiser», sagt sie. «Also konnte ich etwas gegen meine Störung unternehmen.» Das habe ihr Kraft gegeben. Deegan nennt diese Kraft «personal medicine», ihre persönliche Medizin, und reiht es in den Recovery-Ansatz ein. Es gehe darum, den Ausgleich zu finden zwischen der richtigen Medikation und dem, was sie «den inneren Heiler» nennt. Musikhören, aber auch Gärtnern und vieles andere können eine Psychose lindern.

Frage an Gianfranco Zuaboni, der im Sanatorium Kilchberg für den Recovery-Ansatz zuständig ist und über das Thema dissertiert hat: Wie kam dieser Wille zur Selbsthilfe überhaupt zustande? «Unter anderem durch Kriege», sagt er. «Die USA wurden mit Soldaten konfrontiert, die nicht dem Bild der tapferen Helden entsprachen, sondern total verunsichert waren und enorme Probleme hatten, sich wieder in die Gesellschaft einzufinden.» Oft seien die Rückkehrer als Schwächlinge oder Simulanten wahrgenommen worden. Das habe mit dazu geführt, dass sich Veteranen zu Selbsthilfegruppen zusammengetan hätten und mit ihren Anliegen an die Öffentlichkeit getreten seien.

Sie war neunmal in der Klinik
Auch in anderen Ländern wuchs das Bedürfnis nach einer partizipatorischen, weniger hierarchisch organisierten Psychiatrie – aber nicht in der Schweiz. «Unser Land bleibt sehr stark durch die stationären Angebote der Kliniken geprägt», sagt Zuaboni, obwohl die Maxime «ambulant vor stationär» bei Fachleuten unbestritten sei. Als Hauptgrund für das zögerliche Verhalten nennt er das Geld. «Innovative ambulante Angebote können noch nicht kostendeckend finanziert werden.»

«Mach es wie die Homosexuellen: Steh zu dir. Ehrlich, offen, stolz.» Patrick Corrigan, Psychologe

Und jetzt wieder zurück zu Patricia Deegan, der klinischen Psychologin, die weiss, wie sich Schizophrenie anfühlt. Warum sie sich so sicher sei, fragt man sie, dass es die Musik war, die ihr geholfen habe – oder das Gärtnern? «Wenn ich von mir das Gefühl habe, wertlos zu sein, böse und wenn ich glaube, dass alles zerstört wird, das ich berühre, dann gehe ich in den Garten. Und mit meinen schrecklichen, bösen Händen bringe ich etwas zum Blühen. Was ich also als ‹persönliche Medizin› bezeichne, ist mehr als ein Umgang mit der Krankheit.

Wenig hilft, wenn kein Verständnis da ist
Es ist eine Methode.» Medikamente seien wichtig, aber nicht alles. Und was sagt sie jenen Menschen, die nicht heil werden, sondern in die Psychose zurückfallen? «Wie immer fange ich mit meiner eigenen Geschichte an: Ich sage ihnen, dass ich selber neunmal in einer Klinik war.» Und wie hat sie sich wieder daraus befreien können? «Durch die Erkenntnis, dass ich nie auf
dasselbe Niveau zurückgefallen bin. Mit jeder Episode lernte ich dazu.» Ihre letzte Episode hatte sie 1994. Medikamente benötige sie trotzdem, dafür schäme sie sich nicht, «It’s just who I am. But I’m a person, not an illness.» Sie ist keine Krankheit.

Aber auch diese Einsicht bleibt nutzlos, wenn Leute mit psychischen Schwierigkeiten kein Verständnis dafür bekommen – von der Familie, den Kollegen, den Chefs. Wie sich so etwas anfühlt, hat Patrick Corrigan erlebt. Der Psychologe, der an der Universität von Chicago unterrichtet, litt an einer bipolaren Störung, er war manisch-depressiv. Und hat sich, von seinen Erfahrungen geleitet, auf die Gründe spezialisiert, die zu einem Stigma führen. «Stigmata sind Ausdruck eines Unrechts», sagt Corrigan, «wie der Rassismus.»

Unglücklicherweise sei das Unrecht nicht korrigiert worden. 1956 und dann wieder 1996 seien Amerikaner gefragt worden, ob Menschen mit psychischen Erkrankungen gefährlich seien. Bei der ersten Umfrage habe ein Fünftel die
Frage bejaht, bei der zweiten waren es schon 40 Prozent. Und was rät Corrigan denen, die ähnliche psychische Probleme haben wie er? «Mach es wie die Homosexuellen: Steh zu dir. Ehrlich, offen, stolz.» Oder mach es wie Schauspieler Jim Carrey. Auch er ist bipolar und steht dazu. Und kann alle spielen: die Manischen. Die Verzweifelten. Und die dazwischen.
herzlich
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 11.07.18, 17:23

Heute bei SPON:
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 17803.html

imho Propaganda für Psychopharmaka:
Obwohl mittlerweile viele psychische Erkrankungen mit den Präparaten behandelt werden, haben sie noch immer einen schlechten Ruf. Es sei noch viel Aufklärungsarbeit nötig,
nicht "noch immer" sondern " immer mehr " :wink:
Schizophrenie lässt sich gar nicht ohne Medikamente behandeln,
:roll:
Bestimmte Psychopharmaka wie Benzodiazepine - Valium-ähnliche Substanzen - können auf Dauer außerdem abhängig machen. Sie sollten deshalb nie langfristig eingenommen werden
Es gibt Menschen, die schon nach einer Woche abhängig werden......
Psychopharmaka wirken direkt im Gehirn....Letztlich versuchen die Wirkstoffe, dort wieder ein Gleichgewicht herzustellen,
Wäre das ein Arbeitszeugnis, wäre das eine schlechte Note: Sie versuchten....
"Die meisten Nebenwirkungen sind in der Anfangszeit am stärksten, lassen aber im Laufe der Therapie nach."
Nein, das ist nicht so ..usw...usw...

bezeichnenderweise ist keine Kommentarfunktion freigeschaltet....weshalb auch....bei Werbung?

:frust:

liebe Grüße Arian
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inandout
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von inandout » Samstag, 14.07.18, 9:48

Hi Arian,

oh ja, diesen "Artikel" habe ich auch gelesen, könnte eigentlich auch von nem Psychiater stammen. Habe mich kurz geärgert und dann festgestellt, dass ich dafür nicht die Kraft habe.

LG, inandout
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 18.07.18, 23:13

Arznei Telegramm

ENTZUGSSYNDROM NACH ABSETZEN VON VENLAFAXIN (TREVILOR, GENERIKA)

Eine 46 Jahre alte Patientin nimmt wegen Panikstörung täglich 75 mg Venlafaxin (TREVILOR, Generika) ein. Unter der Therapie bleiben die Attacken aus. Nach fünfmonatiger Einnahme wird die Dosis halbiert. Nach Absetzen des Mittels zwei Monate später fühlt sich die Patientin schlecht, sie leidet unter grippeähnlichen Symptomen, Benommenheit und Übelkeit, was den behandelnden Hausarzt und Melder an eine Entzugssymptomatik denken lässt. Wegen anhaltend schlechten Befindens und Schlafstörungen beginnt sie nach achtmonatiger Pause erneut mit der Einnahme, worunter die allgemeinen Missempfindungen nachlassen und der Schlaf sich bessert. Bei zwei weiteren Versuchen, Venlafaxin abzusetzen, stellen sich jedes Mal erneut Beschwerden im Sinne von Entzugssymptomen ein. Der meldende Arzt hat bei weiteren Patienten Entzugsbeschwerden nach Beendigung einer Venlafaxintherapie beobachtet, darunter Symptome wie „Blitze im Kopf“. Mitbehandelnde Ärzte hätten jedoch, so die Klage einer Betroffenen, mit Unverständnis reagiert.
https://www.arznei-telegramm.de/html/ht ... 807062_02k
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Beitrag von Katharina » Donnerstag, 19.07.18, 8:36

Guten Morgen,

Ich denke die Furcht vor einer neuen, angebrachten Diagnose etwa
Absetz-Diagnose und deren Folgen, AU etc.
müsste langsam als schleichende Panik bei den Ärzten umgehen.

Gut zu lesen, das es Ärzte gibt die melden
nicht nur deckeln.

Vielen Dank,
Katharina
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Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 25.07.18, 11:50

Zwei Patienten klagten, jetzt ist das Urteil offiziell: Die Fixierung von Patienten stellt einen Eingriff in deren Grundrecht auf Freiheit der Person dar, entschied nun das Bundesverfassungsgericht. Patienten dürfen ab sofort nur mit Zustimmung eines Richters längerfristig fixiert werden.
http://news.doccheck.com/de/newsletter/ ... ment-76777

und auch auf SPON:
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 19837.html


Mir fällt auf: Sehr viele Leserkommentare PRO längerfristige Fixierung und Zwangsmedikation, ich hoffe sehr, dass das nicht alles Psychiater und Psychiatriepfleger sind.... :cry:

liebe Grüße Arian
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Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 01.08.18, 10:56

Der in Magic Mushrooms enthaltene Wirkstoff Psilocybin soll bei Depressionen helfen. Forscher fanden jetzt die Lösung für eine Massenproduktion des Wirkstoffes: Schimmelpilze.
http://news.doccheck.com/de/blog/post/9 ... en-nehmen/

Na dazu müsste der Wirkstoff erstmal die Zulassung bekommen.....
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SeventhWave
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Filmtipp auf Netflix: The Bleeding Edge

Beitrag von SeventhWave » Samstag, 04.08.18, 9:27

Hallo zusammen,

ich hab mir gestern diesen Film anschauen müssen ... Also ist echt zum Schreien. Es geht jetzt zwar nicht um die Pharmas, sondern um Medizintechnik - aber Prinzip ist das gleiche. Stinkreiche Säcke schmieren sich untereinander und die Leidtragenden sind die Patienten.

https://www.youtube.com/watch?v=slmilObZl28&t=4s

Es ist wirklich zum Würgen, aber man muss sich mit der Realität konfrontieren.

Viele Grüße

7th
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Beginn Wasserlösmethode Citalopram Mylan Dura 40 mg
18.07.17 36 mg (-10 %)
29.08.17 32,8 mg (-8,9 %)
28.09.17 30,4 mg (-7,317 %)
07.11.17 28,8 mg (-4,605 %)
05.12.17 28 mg (-2,778 %)
27.01.18 26 mg (-7,143 %)
18.03.18 24 mg (- 7,692 %)
26.04.18 23,5 mg (- 2 %)
10.06.18 22,24 mg (- 5,362 %)
18.07.18 21,92 mg (- 1,439 %)
13.08.18 21,6 mg (- 1,825 %)

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Beitrag von Arianrhod » Dienstag, 07.08.18, 17:51

Die Opioid-Krise hat die USA voll im Griff. Jetzt behaupten Mediziner, viele der Todesfälle könnten auf die gleichzeitige Einnahme von Opioiden und Benzodiazepinen zurückzuführen sein. Wurde bisher übersehen, wie risikoreich die Einnahme beider Arzneistoffe ist?
http://news.doccheck.com/de/newsletter/ ... ment-76935
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Re: Medien: TV, Zeitung, Radio, Internet etc. über AD & Co.

Beitrag von LinLina » Donnerstag, 09.08.18, 15:34


Immer mehr Psychopharmaka : Wenn Kinder einfach krank gestempelt werden


Artikel über die hohe Verschreibungsrate in den USA

http://www.faz.net/aktuell/wissen/mediz ... 15623.html
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