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Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Wenn Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
Maximus92
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Maximus92 » Dienstag, 19.05.15, 19:10

Also jetzt liegt es vor allem am absoluten Schlafentzug. Ich habe jetzt auch vor, mich bei 2-3 mg einzupendeln und zu schauen, wie es mir geht. Sollten sich hierbei auch nach Tagen keine Verbesserungen einstellen, so kann es sein, dass die "unbehandelte Psychosomatik", die mich damals zur Einnahme veranlasste, tatsächlich wieder sehr aktiv ist. In diesem Falle wäre ich dazu bereit, ggf. wieder höher zu gehen und mich dann dort wirklich für 6 Monate zu halten. In dieser Zeit setzte ich alles an attraktive Therapieangebote. Neben der analytischen Therapie, bekam ich heute auch einen Anruf von einer Verhaltenstherapeutin. Wie ich schon sagte, der Zeitpunkt zum Ausschleichen und dem völligen Absetzen, war denkbar ungünstig. Das hätte ich zumindest in die Semesterferien verlegen können.

Also diese Woche hat mir zwei zentrale Erkenntnisse gebracht: Auf längere Sicht möchte ich, dass es ohne AD klappt. Andererseits muss ich ohne jegliche Selbstvorwürfe an die Sache mit dem Ausschleichen gehen. Ein AD zwanghaft an einem bestimmten Punkt abzusetzen (hier ist auch anzumerken: Ich wollte bewusst "nur" 1 Jahr. Fast auf den Tag genau) funktioniert nicht.
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Katharina » Sonntag, 29.05.16, 23:24

Lieber Maximus!

Frage Deinen Arzt einmal, was er von Atarax hält - es ist ein Medikament welches die Hautärzte bei starken Juckreiz verordnen, es hat jedoch drei Wirkungen :

- gegen Juckreiz
- hier Vorsicht - es wird zur Beruhigung vor Operationen benutzt, also beruhigt es
- es wirkt gegen Übelkeit.

Ich habe einen Bekannten der leidet unter psychogenen Erbrechen aufgrund extremer Kindesmisshandlung.
Er bekommt ein Medikament vom Psychiater dessen Namen ich nicht weiss u auch nicht nennen würde da Psychofarmaka nicht geraten werden sollten;
ich weiß nur er kommt in seinem Leben zurecht u klagte nie über erhöhen oder reduzieren müssen.
Allerdings weiß er durch Therapie wie auch ich, weshalb diese schlimme Übelkeit vorhanden ist.

Vielleicht ist Atarax eine Möglichkeit bis Du in die Therapie kommst.

Atarax soll kein abhängigkeitsförderndes Mittel sein, aber da verlasse ich mich nicht drauf, da es eine beruhigende Komponente hat, also Vorsicht und dringend Absprache. !!

Toi Toi Maximus,

Katharina
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Halmackenreuther
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Halmackenreuther » Montag, 30.05.16, 0:27

Maximus92 hat geschrieben:Seht ihr das genauso?
Ja. Wenn die drei "Standard-Leberwerte" im Normbereich oder nur leicht erhöht sind, ist alles ok.

Durch das Medikament ist natürlich eine höhere Enzymtätigkeit da.

Sind bei Mirtazapin ein- oder zwei Leberwert stark erhöht, sollte mal zur Sicherheit zusätzlich den GLDH-Leberwert bestimmen lassen.

@Maximus92: Kannst Du bitte eine Signatur mit dem Einnahme- und Absetzverlauf erstellen ? Würde mich interessieren.

Gruß Helmut
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seit 22.12.2015 wieder 30 mg; große Probleme trotz Dosiserhöhung; nach ca. 10 Tagen wieder ok.
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von LinLina » Montag, 30.05.16, 11:12

Hallo ihr beiden,

Maximus hat sich vor einem Jahr das letzte Mal gemeldet, also bin ich nicht sicher ob er oder sie das noch liest. Falls ja, wir würden uns freuen zu hören wie es dir inzwischen geht :-)

Liebe Grüße,
Lina
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Halmackenreuther » Montag, 30.05.16, 18:47

LinLina hat geschrieben: Maximus hat sich vor einem Jahr das letzte Mal gemeldet, also bin ich nicht sicher ob er oder sie das noch liest.
LOL. Das Jahr hatte ich glatt überlesen.

Dass sich User so lange nicht melden bedeutet idR, dass es Ihnen sehr viel besser geht. (positive Variante)

Das mit den Leberwerten und Mirta ist übrigens nicht ganz ohne.
Ist der GLDH-Wert stark erhöht muß das Mirta sofort abgesetzt werden, da die Leber bereits beginnt sich aufzulösen.
Insb. Patienten, die wenig CYP2D6 und CYP3A4 haben müssen auf der Hut sein.

Ein isoliert erhöhter GLDH-Wert ist aber fast unmöglich. Da müssen dann auch GPT oder GOT erhöht sein.

Also so lange GPT und GOT ok sind, ist alles in Butter.

Gruß Helmut
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Jamie » Montag, 30.05.16, 19:55

Hallo Halmackenreuther,
Insb. Patienten, die wenig CYP2D6 und CYP3A4 haben müssen auf der Hut sein.
wie meinst du das denn?
Jeder Mensch hat unter vielen anderen diese beiden Metabolisierungsenzymsysteme.
Von denen kann man nicht wenig oder viel haben, was man aber haben kann (hat!), dass diese Systeme wenig aktiv (poor metabolizer), vermindert aktiv (intermediate metabolizer), durchschnittlich aktiv (wildtyp wt / extensive metabolizer) oder stark aktiv (ultrarapid metabolizer) sind.
Eine der vier Ausprägungen trifft auf jeden von uns für jeweils ein Enzymsystem, zB Cyp2D6 zu, das nächste Enzymsystem hat auch wieder eine der vier Ausprägungen. Es ist allerdings nicht so, dass man, wenn man z.B ein poor metabolizer auf cyp2D6 ist, auch automatisch ein poor metab. für Cyp3A4 ist usw. Für jedes neue System werden die Würfel sozusagen neu gemischt.

Oder meintest du das damit?

Zu den hepatotoxischen Wirkungen kann ich nicht viel beisteuern, da ich mich da nicht qualifiziert genug fühle.
Es ist nur zu kurz gedacht zu denken, dass nur poor metabolizer da Probleme haben, weil sie schlecht verstoffwechseln und sich damit der Wirkstoff anreichert (möglicherweise in toxischer Höhe). Bei Prodrugs wäre es so, dass die wirksame Form nicht in ausreichender Menge hergestellt werden kann, weil der Körper so schlecht metabolisiert.
Überdosierung und Vergiftung kann aber auch ultrarapid metabolizern passieren, nämlich dann, wenn der Wirkstoff ein Prodrug ist und durch die Metabolisierung erst in die wirksame Wirkform / oder schlimmer toxische Form überführt wird; so kommen nämlich z.B. Vergiftungen durch Codein zustande, da der UR Metabolizer das hustenstillende Codein derart schnell in Morphin überführt, dass z.B. toxische Spitzen entstehen können.

Viele Grüße, mehr Pharmakologie schaffe ich heute Abend nicht :roll: :)
Jamie
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Halmackenreuther » Dienstag, 31.05.16, 14:25

Jamie hat geschrieben: Von denen kann man nicht wenig oder viel haben, ...
Die zwei von mir genannten Enzyme sind Moleküle.

Und es gibt Körper, die von diesen Molekülen genug produzieren, jedoch auch solche, die sehr viel produzieren und solche die davon sehr wenig produzieren.

Wenn nun das Medikament in einen Körper der sehr wenig von "seinem" Enzym hat gelangt, versucht der Körper auszuweichen und das Medikament auf andere Weise zu verstoffwechseln. Klappt das auch nicht hinreichend kann es zu bedeutenden lebertoxischen Effekten kommen.

Das würde man dann an den Leberwerten sehen.

Gruß Helmut
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von abc1 » Sonntag, 13.11.16, 15:41

Maximus92 hat geschrieben:Also jetzt liegt es vor allem am absoluten Schlafentzug. Ich habe jetzt auch vor, mich bei 2-3 mg einzupendeln und zu schauen, wie es mir geht. Sollten sich hierbei auch nach Tagen keine Verbesserungen einstellen, so kann es sein, dass die "unbehandelte Psychosomatik", die mich damals zur Einnahme veranlasste, tatsächlich wieder sehr aktiv ist. In diesem Falle wäre ich dazu bereit, ggf. wieder höher zu gehen und mich dann dort wirklich für 6 Monate zu halten. In dieser Zeit setzte ich alles an attraktive Therapieangebote. Neben der analytischen Therapie, bekam ich heute auch einen Anruf von einer Verhaltenstherapeutin. Wie ich schon sagte, der Zeitpunkt zum Ausschleichen und dem völligen Absetzen, war denkbar ungünstig. Das hätte ich zumindest in die Semesterferien verlegen können.

Also diese Woche hat mir zwei zentrale Erkenntnisse gebracht: Auf längere Sicht möchte ich, dass es ohne AD klappt. Andererseits muss ich ohne jegliche Selbstvorwürfe an die Sache mit dem Ausschleichen gehen. Ein AD zwanghaft an einem bestimmten Punkt abzusetzen (hier ist auch anzumerken: Ich wollte bewusst "nur" 1 Jahr. Fast auf den Tag genau) funktioniert nicht.
Maximus, wie geht es dir aktuell? Lange nichts mehr hier geschrieben, mich würde interessieren, wie es mit dem absetzen geklappt hat und wie es um die Übelkeit steht.

Würde mich gerne ausführlicher mit dir austauschen, da ich mich fast 1:1 in deiner Geschichte wiederfinde (Übelkeit, Mirtazapin, Psychoanalyse...).

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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Annanas » Sonntag, 13.11.16, 18:05

Hallo abc1, herzlich willkommen im ADFD!
abc1 hat geschrieben:Würde mich gerne ausführlicher mit dir austauschen, da ich mich fast 1:1 in deiner Geschichte wiederfinde (Übelkeit, Mirtazapin, Psychoanalyse...).
Es wäre schön, wenn du einen eigenen Thread mit einer kurzen Vorstellung und deinem Anliegen
erstellst.

So bekommst du dann auch sicher mehr Antworten auf deine Fragen - es gibt sicher noch mehr
Mitglieder hier, mit einer ähnlichen Geschichte, gerade hinsichtlich der Mirtazapineinnahme u. des - absetzens.

Es ist dann auch einfacher, gezielter zu antworten.

Lieben Gruß von Anna
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Mirtazapin und Vitamin D

Beitrag von Maximus92 » Dienstag, 07.02.17, 12:13

Liebes Forum,

glücklicherweise kann ich berichten, dass es mir mittlerweile erheblich besser geht. Nachdem ich einen ungewollten Wechsel des Analytikers überwinden musste, kann ich nur sagen, dass mir die neue Analytikerin sehr gut tut. Die psychosomatischen Beschwerden sind erheblich eingedämmt, ich bin am Ende meines Studiums und vermisse - wie kann das nur sein? - gerade die Seminare mit Gruppenarbeiten. Genau diese machten mir noch 2016 die größtmögliche Angst und ich war sicher, dies niemals zu schaffen.
Nicht zuletzt hat mir eine Hausarbeit über Nietzsche einen Anstoß gegeben. Konkret seine Überlegungen zum Übermenschen. Ich weiß, dass diese Gedanken durch die Nazis pervertiert wurden, erlaube mir aber trotzdem einmal dies ganz reduziert auszudrücken: Nietzsche hat bei sich selbst beobachtet, dass der Mensch "über sich hinausgehen muss" um nicht zu verflachen. Versucht jemand etwas zu halten, so wird er auch das verlieren. Strebt er hingegen hohe Ziele an, so fallen ihm die alltäglichen Dinge viel leichter. Und genau das habe ich auch in den Seminaren gemerkt: Stelle ich mich, wachse ich über mich hinaus, so ist mein Alltag sehr entspannt. Da findet sich kaum noch Übelkeit. Diese siedelt sich dann an den höchsten Herausforderungen an, lässt mich aber bei normalen Dingen vollends in Ruhe. Auch beim Klavierspielen merkte ich, wie Recht Nietzsche hat. 2012 habe ich mir gesagt: Ich möchte einfach nur mein Repertoire halten, ich strebe nicht nach neuen Chopin Sonaten. 2016 musste ich mir eingestehen, dass meine Virtuosität total abhanden gekommen ist. Nicht einmal einfache Stücke konnte ich noch fehlerfrei durchziehen. Auch hier hätte ein "über sich hinausgehen" dazu geführt, dass man einen Status halten kann. Hat man geringe bis keine Ziele, so wird man zwangsläufig unfähiger.

Wie ihr aber schon in der Überschrift lesen könnt, habe ich nun ein anderes Problem. Und zwar hatte ich einen Vitamin D Mangel. Es waren 13 ng/ml. Da meine Eltern beide schwere Osteoporose haben, dachte ich mir, ein guter Vitamin D Spiegel ist sehr wichtig. Ich habe mich schlau gemacht und ein Depot mit 240.000 iE aufgebaut. jeweils 4 Dekristol 20.000 pro Tag über 3 Tage. Soweit so gut. Überhaupt keine Beschwerden. Ich meine, ich hatte auch mehr Kraft bekommen. Ich konnte intensiver trainieren. Nun muss man den Spiegel ja halten. Dies tat sich mit 1x pro Woche 20.000 iE. Auch kein Problem. Dann fiel mir ein, dass das vielleicht doch ein bisschen zu viel und 1x pro Woche sehr unregelmäßig ist. Also bestellte ich ein rezeptfreies Dekristolpräparat und das Problem begann. Ich nahm 5000 i.E. und schon nach der ersten Tablette hatte ich am Morgen danach einen heftigen Drehschwindel. Dann halbierte ich die Tablette und versuchte es 5 Tage später noch einmal. Wieder dasselbe: Extremer Drehschwindel, ich kam kaum aus dem Bett. Ich wechselte das Präparat nun auf Vitamin D Tropfen. Die hatte ich zwar etwas besser vertragen - ich konnte am nächsten Morgen jedoch immer wieder einen Schwindel feststellen. Dabei nahm ich nur noch 2000 i.E. alle 5 Tage. Also sehr wenig. Gestern ging ich ins Sonnenstudio - was ich auch im Jahr davor hin und wieder tat - und heute konnte ich am nächsten Tag wirklich 2 Stunden überhaupt nicht gehen, so intensiv hat sich alles gedreht.

Ich bin mir - auch durch den Test mit dem Sonnenstudio - jetzt sehr sicher, dass irgendetwas mit dem Vitamin D im Zusammenhang mit diesem intensiven Schwindel steht. Ich hatte aber auch 2013 Vitamin D eingenommen. Jedoch nahm ich damals noch kein Mirtazapin. Heute nehme ich nur noch 3,75 mg zur Nacht. Seit über einem Jahr. Nun ist meine Frage/ Überlegung: Könnte dies etwas mit dem Mirtazapin zutun haben?
Es ist so schwer von Hausärzten, selbst Psychiatern hier Unterstützung zu bekommen, denn 3,75 mg ist bei ihnen gleichbedeutend mit: Sie nehmen ja eigentlich gar nichts. Das kann damit nicht in Zusammenhang stehen.

Ich freue mich über eure Antworten!
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Re: Mirtazapin und Vitamin D

Beitrag von abc1 » Donnerstag, 16.02.17, 18:14

Hallo Maximus,

ich verfolge deine Beiträge mit großem Interesse, denn ich habe eine sehr ähnliche Geschichte. Ich hab hier dir vor langer Zeit eine private Nachricht geschrieben, leider kam keine Antwort.

Zum Thema:

Ich nehme auch Vitamin D und bin in Behandlung bei einer Ärztin für ganzheitliche Medizin. Ich strebe einen Spiegel von 60 ng /ml an und meine Erhaltungsdosis ist 40.000 IE / Woche. Eine Aufdosierung hatte ich auch. Was wichtig ist, bei höheren Dosierungen Vitamin K2 (als Ko-Faktor) mit einzunehmen. Viele nehmen auch Magnesium, dazu findest du auch Informationen im Internet.

Außerdem nahm ich etwa 5 Jahre lang auch Mirtazapin mit wenig Unterbrechungen, die eigentlich nur Umstellversuche waren. Ich muss sagen, es ging mir erst besser, als ich vom Mirtazapin komplett weg kam. Ich hatte auch etliche Nebenwirkungen, unter anderem auch Schwindel, vor allem beim Aufstehen und längeren Stehenbleiben. Dazu noch die extreme Tagesmüdigkeit, sexuelle Dysfunktion, Reizbarkeit. Ganz schlimme Sachen.

Ich habe nach 3,75 mg aufgehört und hatte 2-3 wirklich sehr schlechte Wochen. Mittlerweile geht es mir viel besser, doch gebe ich ehrlich zu, auch noch nicht gut genug. Ich schlafe weniger aber qualitativ viel besser. Mir schwindelt´s nicht und vom ganzen Rest blieb auch wenig. Jetzt weiß ich genauer, was vom Mirtazapin kommt und was meine "eigenen" Leiden sind.

Mit Übelkeit kämpfe ich oft noch aber bei mir waren auch andere Sachen im Spiel, die das verursachen können.

Lass mich wissen, ob du an einem weiteren Austausch interessiert bist.

Was hältst du erst mal von einer Kontrolle des Vit D Spiegels? Vielleicht dazu noch Calcium und Magnesium messen, das ist wie meine Ärztin das macht.

LG
Andy

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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Annanas » Donnerstag, 16.02.17, 18:25

Hallo Maximus u. andy ,
nur eine Kurzinfo - ich habe eure Beiträge in Maximus' Ursprungsthread verschoben,
sonst wird es zu unübersichtlich!

LG Anna
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Venlafaxin (225 mg) - Einnahme seit 2007 - Absetzverlauf seit Januar 2016
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28.01.2018 30. Red. 1 mg auf 6 mg - wegen starker Beschwerden am 02.02. auf 6,3 mg aufdosiert
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Simmi18 » Freitag, 17.02.17, 13:20

Hallo,

ein Vitamin D Mangel kann für vieles verantwortlich sein. Ich selber hatte auch einen niedriegen Spuegel und sackte durch das AD immer wieder ab.
Es gibt viele Informationen im Netz. Bin mur msnchmal nicht sicher, ob man da selber experimentieren sollte.
Ich lasse mich da von einem Heilpraktiker begleiten. Der strebt einen Wert von 80 an. Immerhin bin ich schon mal bei 34.
Wichtig ist ausser K2 noch ausreichend Magnesium zu sich zu nehmen. Ich nehme Magnesiumöl für die äusserliche Anwendung und Magnesium 400 zum Einnehmen.
Vit. B war bei mir auch noch im Keller. Dafür habe ich Spritzen bekommen.
Ich finde es wichtig langsam den Wert anzuheben, wenn man noch AD nimmt. Also auch zeitweise Kontrolle des Spiegels. Die Präparate Vit. D sind auch sehr unterschiedlich. Manche haben Füllstoffe, die man vielleicht nicht veträgt.
Der Körper braucht auch seine Zeit sich umzustellen.

LG
Simone
Burnout 2011 behandelt mit Citalipram und Opipramol
2011 Rehaaufenthalt Citalopram 20 mg
Januar 2012 Wiedereingliederung, die ich nach 4 Tagen abbrechen musste wegen Verschlechterung
Von da an 75 mg Venlafaxin
Job gekündigt und selbständig gemacht 2013
Im Oktober 2015 unter der Dosis 37,5 mg Venlafaxin wieder Symptome l9
Von Ärztin telefonisch auf 150 mg gesetzt
Reha im November 2015 hochdosiert auf 187,5 mg und Dominal
Aufgrund des hohen Pulses und Blutdrucks Betablocker Metropolol
Nach Reha noch Symptome und vom Arzt auf 225 mg rauf
Das war dann nicht mehr ich selber und ich habe dann runterreduziert auf 112,5 mg im März und Dominal weggelassen
Alternative Behandlung mit Infusionen, Vit. b Mangel und D Mangel aufgefüllt
Leaky gut diagnostiziert, Ernährung umgestellt
Ende April auf 75 mg Venlafaxin
Seit Mitte Juni auf 37,5 starke Symptome und deshalb am
9.7. um 10 Kügelchen aufdosiert auf Ca. 40,5 mg Venlafaxin das legte mich lahm
10.7. Frühes Erwachen und ständiges auf die Uhr gucken Zuckungen von Kopf bis Fuß, brennen in den Armen, schwitzen, Blutdruck 117/77 Puls 116
11.7. zurück auf 37,5 mg nach Einnahme vom Medi Schweißausbrüche, nach Anstrengungen erschöpft und bleiern, müde, ständiges Gähnen,Essen imme rnoch problematisch ohne Appettit, Stimmung schwankt, Abends Besserung und Freude aufs Bett :-).
12.7.relativ gute Nacht
Blutdruck niedrig, Therapiestunde, danach sogar einkaufen, mittags Schwitzen vorm Arbeiten,
morgens schlapp, müde, bleiern,essen weiterhin nach Einnahme des Venla problematisch
Abends sogar heute mal leichter Appettit und zunehmend gute Stimmung
Weiterhin auf 37,5 und keine Änderung der Symptome
26.7. 10 Kügelchen Ca. 3 g weniger also 34,5 mg
Besserung was die Übelkeit betrifft, konnte heute normal was essen, nur zweimal Hitzewallung/Schweißausbruch
Blutdruck scheint sich zu normalisieren, Kaum Gedankenkreisen, im Allgemeinen besser drauf
27.7. frühes erwachen um 6.45 ab da nur noch dösen, Zunehmende Zuckungen am ganzen Körper
ein kalter und ein warmer Fuß, nach dem Aufstehen müde und schlapp
01.08. bei 34,5 mg Kein Schwitzen mehr. Guter Appettit, kaum noch Symptome, wieder Periode ganz leicht,
12.8. Ca. 30 mg
26.8.-19.9 Urlaub
da ich vor dem Urlaub stabil war habe ich weitere 5 Kügelchen weggelassen. Diesmal aber nicht jede Kapsel ausgezählt.
07.9. langsames Einsetzen der Symptome
Schlafstörungen, Muskelzuckungen, schwitzen, Übelkeit. Das tritt meist morgens ab 7 Uhr auf.
Im Laufe des Tages wird es besser,
11.9. Heute wieder Kügelchen genau gezählt und auf 28,5 mg Symptome bleiben weiterhin (Umstellung auf Microtapering)
25.9. 27,9 mg stabil, super Tag, kaum Smptome, irgendwas putscht mich auf.
28.9. 27,9 mg extrem hibbelig, EKG auffällig, zu hoher Puls, fühle mich nicht schlecht, aber getrieben
29.9. auf 27,1 mg reduziert, ich glaube die Dosis ist zu hoch und deshalb die Unruhe und nicht still sitzen können
09.10. 25,55 mg
08.11. 23,78 mg
06.12. 21,54 mg
04.01. 19,65 mg
29.01. 17,24 mg
13.02. 16,24 mg
05.03. 13,83 mg
19.03. 11,73 mg
16.04. 07,97 mg
14.05. 04,30 mg
31.05. 02,85 mg
18.06. 01,59 mg
01.07. 0 mg :party2:

Seit Oktober Utrogest 200 mg wegen WJ

Weiterhin Vitamin B und D und Akupunktur

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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Maximus92 » Freitag, 24.02.17, 0:00

Liebe Leute,
vielen Dank für Eure Antworten und sorry, dass ich lange nichts mehr geschrieben habe bzw. nicht auf Rückfragen (ich habe bisher keine PN's gelesen) antworte. Ich weiß das hier alles sehr zu schätzen, nur fehlte mir einerseits wirklich die Zeit (Studienmäßig sehr viel Stress) und andererseits muss ich immer wieder an das Credo meines alten Analytikers denken: "Behalten Sie auch mal etwas für sich!" - gerade im Kontext der Übelkeit, gerade im Kontext des Erbrechens. Ich schenke vielen Menschen schnell tiefe Einblicke in mein Leben, ich überfrachte sie wahrhaft damit. Diese Tendenz des "immer rausschmeißen" sollte auch zum Wohle meiner Heilung ein bisschen unterbrochen werden.

Ich glaube (und das ist mein Ratschlag/ meine Idee an alle psychosomatisch Erkrankten) man muss sich häufiger vor Augen führen, was der Körper da eigentlich "sagt". Meine Analytikerin brachte mich jetzt auf die Idee (weil ich immerzu "dieser Schwindel" sagte), dass Schwindel ja auch bedeutet: Diese Lügen. Nicht nur der Boden gerät dabei ins Wanken, sondern es kann auch unbewusste Gedanken sein, die sagen: Wieso schwindelst du eigentlich? Ist das nicht alles "verlogen"?
Weiterhin sollte sich jeder psychosomatisch Erkrankte fragen: Bin ich ohne psychosomatische Störung wirklich ein anderer Mensch? Auch ich hatte lange Zeit die Idee, dass ein Leben ohne Neurose ein Traum wäre. Doch es ist alles dialektisch zu betrachten. Je mehr die Neurose schwindet, desto "entwurzelter" und unsicherer wird man sich übergangsweise fühlen. Früher war doch alles sicher, früher gehörte einem nur ein begrenztes Gebiet - ohne Neurose und ohne Psychosomatik könnte man durch die unsichere Welt reisen. Und - ich glaube das ist überhaupt die schlimmste Erkenntnis: Ohne Neurose gibt es keine Entschuldigung mehr vor sich selbst, etwas nicht zu tun. Man muss sich eingestehen: Ok, manche Dinge WILL ich einfach nicht.
Um dies noch einmal zu akzentuieren: Ohne Neurose dreht sich die Erde genauso schnell. Sehnsüchte werden geringer, je kleiner die Neurose wird. Und auch die Sehnsucht war nicht einzig schlecht - auch in der Sehnsucht habe ich mich wie ein Romantiker gefühlt. Denn die Hoffnung auf Besserung war stark idealisiert, aber auch libidobesetzt. Es ist doch auch schön, sich einmal von der Welt unverstanden zu fühlen.

Jeder psychosomatisch Erkrankte sollte sich fragen: Verhindert die Erkrankung wirklich alles, oder schenkt sie mir auch etwas? Bei mir war dies definitiv eine höhere Konzentrationsfähigkeit und - so paradox dies für Außenstehende klingen mag - eine höhere intellektuelle Leistungsfähigkeit. Ich konnte viel interessantere Essays und Hausarbeiten schreiben. Die psychosomatische Erkrankung hat mir am Ende ein sehr gutes Studium beschert, sie hat mich massiv diszipliniert und mich überhaupt dazu gebracht, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Sie hat mir Tiefgründigkeit, deutlich mehr Empathie für andere Menschen, mehr Weitsicht, viel Nachsicht, viele intensive musikalische Erlebnisse, Vernunft, Rationalität, verlagerte Ängste (und damit teilweise auch weniger Ängste) und vieles mehr geschenkt.

Kurzum: Ohne psychosomatische Übelkeit wäre mein Leben rückblickend gesehen - jedenfalls in vielen Teilen - wesentlich eintöniger verlaufen.
Vieles im Leben hat einen Sinn, den man erst nach Jahren, vielfach erst nach Jahrzehnten versteht.

Und so sollte man doch sagen: Auch wenn das teilweise eine richtig quälende Marotte ist - je mehr man sie verteufelt, desto intensiver wird man von ihr heimgesucht. So habe ich das jedenfalls erlebt, wenngleich die Analyse noch nicht abgeschlossen ist.

Ganz in Anlehnung an Nietzsche müsste man sagen: Je mehr lernen, mit uns selbst befreundet zu sein, desto entspannter lebt es sich. Für sich und für andere. Selbstfreundschaft ist das Gegenteil von Narzissmus.
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von padma » Freitag, 24.02.17, 18:39

hallo Maximus, :)

das ist eine interessante Sichtweise.
Je mehr lernen, mit uns selbst befreundet zu sein, desto entspannter lebt es sich. Für sich und für andere. Selbstfreundschaft ist das Gegenteil von Narzissmus.
Dieser Satz gefällt mir besonders gut.

Du scheinst von deiner Psychoanalyse ja wirklich zu profitieren.

Wie bist du mit Vit D weiter verfahren?

liebe Grüsse,
padma
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Maximus92 » Sonntag, 05.03.17, 20:25

Zum Vitamin D und dem Schwindel: Also der Spiegel liegt bei knapp über 30 ng/ml. Nicht besonders hoch, allerdings für meine Verhältnisse schon deutlich besser. Ich kam sonst nie über 13-15 ng/ml, was schon recht wenig war. Ich nehme nun täglich 5000 iE in Tropfenform (alleine 3500 sind zur Erhaltung notwendig). Ich denke auch, dass ein hoher Vitamin D Spiegel sehr viel bewirken kann. Spiegel jenseits der 80 ng/ml halte ich allerdings für durchaus sehr hoch und diese sind nicht mein Ziel. Der Schwindel hat sich bei der täglichen Einnahme auch gelegt. Oder es ist tatsächlich ein psychosomatisches Symptom, was ich nun für durchaus realistisch halte.

Zu der netten Nachfrage vom Nutzer abc1: Ich würde dir gerne eine PN schreiben und halte einen Austausch nun doch für sinnvoll. Leider ist deine PN-Funktion deaktiviert. Falls also noch Interesse an einem Austausch besteht: Bitte noch mal ne kurze PN und die Funktion aktivieren! :)
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Maximus92 » Montag, 16.04.18, 23:40

Liebe Leute,

ich möchte mich wieder einmal melden, weil ich doch hin und wieder ins Forum schaue. Mich berührt sehr, wie ihr euch gegenseitig unterstützt, welche Tipps ihr gebt und dass ihr das Leid mit anderen Menschen auf emphatischer Ebene teilt. Das ist nicht selbstverständlich, sondern ein großes Geschenk. Und - was mir immer wieder auffällt: Sehr viele von Euch sind großartige Menschen, sie sind schlau, haben Träume, Visionen, Ziele, ein großes Herz usw. Man findet hier kaum "oberflächliche" Gespräche, die rein inhaltsfokussiert sind. Für ein Forum ist dieses "menschliche Niveau" keine Selbstverständlichkeit.

Nun dachte ich, ich schreibe einfach mal wieder etwas persönliches. Ich leide noch immer unter der psychosomatischen Übelkeit und ich habe mich auch davon verabschiedet, diese einfach so abzulegen. Gut, man wird einwenden können 300 Stunden Analyse sind ja auch nicht "einfach so" - das ist und war ein harter Weg. Ich möchte es mal so formulieren: Diese therapeutische Begleitung ist nicht das Ende sondern der Anfang. Der Anfang, das Leben anders zu gestalten, andere Wege einzuschlagen und sich selbst neu kennenzulernen.

Vor über einem Jahr habe ich das mit der "Selbstfreundschaft" geschrieben. Es ist ein schönes Ziel, doch die Erreichung ist für mich enorm schwer. Das können viele von Euch sicher nachvollziehen. Mal denkt man, diese Freundschaft gefunden zu haben, mal muss man sich einfach hassen. Und es nützt ja auch nichts, sich dies nicht einzugestehen. Die Analyse hat überhaupt dazu geführt, dass ich nun viel öfter "Nein" sage und dass ich mich viel intensiver spüre. Wo früher nur an Erbrechen zu denken war, da kann es heute schon einmal - in begründeten Situationen - zu einem Wutausbruch kommen. Ich habe nie gewusst, wie viel Aggressionen in mir stecken können. Und sich so erleben - davor hat die Psychosomatik natürlich optimal geschützt. Im Moment macht mich z.B. sehr wütend, dass ein Großteil der heutigen Studenten ihre eigene Unterdrückung auch noch feiert. Wurde früher für ein selbstbestimmtes Studium gekämpft, so findet sich heute vielfach ein "Kampf um die Referatsliste". Für mich absolut unverständlich, wie man eine solch' "verschulte Uni" gut finden kann.

Schwierig ist der Weg nun dahingehend zu akzeptieren, dass man sowohl entspannt als auch angespannt sein darf (nach einander), sowohl mal wütend als auch gechillt. Mal traurig und freudig - diese ganzen Ambivalenzen sind es, die das Leben als solches auszeichnen. Hier muss der Weg dahin gehen, in der Aggression bereits zu wissen, dass auch wieder friedliche Zeiten kommen. Genauso müsste man sich in einem Tief der neuen Hochphase sicher sein. Würde man dies "sicher" wissen - man könnte doch durch fast jeden Schmerz, durch fast jedes Leiden.

Nun habe ich 2017 den Bachelor mit 1,0 und das Studium insgesamt mit 1,2 bestanden. Dabei ist mir klar geworden: Die Psychosomatik kann viel erschweren, doch sie kann mein Leben niemals vollständig kaputt machen (auch wenn man manchmal so tief am Boden ist, dass man dies für alle Zeiten postulieren möchte). Ich bin nun im Master und mir wird erst jetzt klar, dass ein wesentliches Problem in meinem total überzogenen Leistungsanspruch an mich selbst liegt. Ich hatte im Master die erste Klausur nur mit 1,3 bestanden und habe den ganzen Tag eine gefühlte Niederlage ertragen. So verrückt ist das. Und: Noch verrückter ist für mich, dass ich das erst jetzt so sehe. Ich mache daneben ja noch Verlagsarbeit und war phasenweise so mit Arbeit "zugedeckt", dass ich mir ernsthaft die Frage stellte, ob es nicht völlig normal ist unter diesen Bedingungen psychisch krank zu werden.
Die Psychosomatik sagt mir im Grunde genommen doch vor allem eines: Höre auf deinen Körper und gib ihm endlich einmal das Recht, zwanglos zu existieren. Es ist ja so, dass bei mir alles intellektualisiert werden muss. Jedes Konzert, jedes Erlebnis muss irgendwie "produktiv verarbeitet" werden.

Was mir auch klargeworden ist: Meine Freunde und die Bekannten haben mich leider von jeher in den Himmel gehoben. Ich wurde "unantastbar" und dass ich wirklich leide wollte mir kaum jemand ernsthaft abnehmen. Das geht und ging so weit, dass selbst eindeutig negative Dinge durch sie positiv "umgedichtet werden". Wenn ich viel zu viel getrunken habe, hieß es, ich sei "ein Genießer". Nein: Ich bin manchmal kein Genießer sondern, da habe ich - sorry für den Ausdruck - einfach sehr viel gesoffen. Aber mein gesamtes Umfeld weiß auch das zu entschuldigen. Das ist zwar nett von den Leuten, doch es trennt mich auch von einem "normalen Umgang" mit ihnen. Eine positive Sonderrolle ist fast genauso schlecht wie eine negative. Vielleicht ist eine negative Rolle sogar viel einfacher zu ertragen (Ist der Ruf erst ruiniert ...).

Und dadurch, dass mir alles zugestanden wurde und nie jemand gesagt hat: Es reicht jetzt, fühlte und fühle ich mich sicher unverstanden. Manchmal denke ich mir, ich hätte jemanden gebraucht, der mich von Zeit zu Zeit durchschüttelt, der mir vor Augen führt, was schon wieder schief läuft und dass ich schon wieder irgendwie hysterisch werde. Menschen, die mir gesagt haben, wie leid ihnen das tut - davon gab es ja (aus damaliger Sicht) genügend. Nur: Das ist für mich der grundsätzlich falsche Weg. Klar braucht man Verständnis, aber es braucht auch Menschen, die den ganzen intellektuellen Unsinn mal hinterfragen. Und darüber könnte ich dann auch stundenlang herzhaft lachen. Ich glaube ohnehin, dass viele Teilnehmer hier im Forum genau das können. Und das ist bei vielen psychischen Symptomen der Drahtseilakt: Zwischen einem kaum beherrschbaren Lachen und einer tiefen Verzweiflung.

Mein Ziel ist es, auf Dauer gelassener zu werden. Und: Ich suche nach Menschen, die mir mal so richtig die Meinung geigen :o . Ich meine das alles klingt so negativ, als sei ich ein Mensch, mit dem man kein einziges (vernünftiges) Wort wechseln kann. Dabei ist es - so kann ich aus Erfahrungen sagen - genau andersherum: Niemand würde mich als aggressiv, total egoistisch oder selbstbewusst wahrnehmen. Vielleicht ist ja auch dies gerade der Widerspruch zwischen Denken, Fühlen und Handeln. Und öffentlichkeitswirksam sind häufig nur Handlungen.

So, das war nun sehr, sehr viel. Vielleicht hilft es irgendjemandem, die Sicht auf sich selbst zu hinterfragen. Vielleicht ergeben einige Dinge für Euch Sinn und andere sind überhaupt nicht nachvollziehbar.

Wie auch immer - ich wollte das einfach einmal loswerden. Und wie gesagt: Danke, dass es euch gibt!
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von Maximus92 » Dienstag, 17.04.18, 11:44

Nun habe ich das wichtigste ganz vergessen (und darum geht es ja in diesem Forum auch zentral): Ich bin noch immer auf 3 mg Mirtazapin zur Nacht. Das Problem ist, dass ich wirklich nicht weiß, wann der richtige Zeitpunkt zum völligen Ausschleichen ist - immer ist etwas, das sehr wichtig ist (damals die Bachelorarbeit, heute die Masterarbeit). Aber selbst wenn ich dann arbeite, weiß ich nicht, wie ich es angehen soll. Also wie es technisch geht, ist mir klar. Ich habe ja den Vorteil, dass ich mir das flüssige Remeron im Labor 0,1 mg genau heruntertitrieren kann. Und in 0,1 mg Schritten zu reduzieren (bei 3 mg, die bereits seit 3 Jahren so genommen werden), sollten wohl sehr schlimme Absetzungserscheinungen ausbleiben.
Was für mich persönlich ein "besserer" Weg ist, ist dauerhaft ein Bedarfsmedikament zu haben. 1 mg Tavor haben mir schon oftmals ein Referat gerettet. Ich weiß um die Gefahren von Benzodiazepinen und genau deshalb ist dies ein Medikament für die absolute Not. Ich habe von 2016-2018 vielleicht 15 Einzeldosen verwendet und dabei sollte es auch bleiben. Es hilft tatsächlich sehr gut, denn bei der Übelkeit ist es quasi egal an welchem Knopf man dreht: Ob das Medikament die Übelkeit direkt angeht oder die Anspannung senkt -> beides führt bei mir zum gleichen Ergebnis. Und der "Vorteil" ist auch, dass ich in Extremsituationen nichts von einer Sedierung merke, weil so viel Adrenalin "gegenhält". Erst wenn so eine Prüfung dann vorbei ist, werde ich spontan ziemlich müde.

Sobald ich die Absetzungsphase beginne, melde ich mich wieder, wenn das ok ist?
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Re: Mirtazapin 15 mg nach einem Jahr abgesetzt

Beitrag von padma » Mittwoch, 18.04.18, 18:38

hallo Maximus, :)

danke dir für deinen ausführlichen, sehr reflektierten Bericht. :hug:

Das alles für sich zu erkennen ist ein grosser Schritt voran, auch wenn die Umsetzung noch ein langer Lernprozess ist.
Ich möchte es mal so formulieren: Diese therapeutische Begleitung ist nicht das Ende sondern der Anfang. Der Anfang, das Leben anders zu gestalten, andere Wege einzuschlagen und sich selbst neu kennenzulernen.
Das hast du sehr gut ausgedrückt.

Wann für dich der richtige Zeitpunkt zum Ausschleichen ist, ist wirklich schwer zu sagen. Einerseits ist der Zeitpunkt nie 100 % passend, Prüfungs- und Stresssituationen sind jedoch wirklich ungeeignet.
Ich denke aber, dass du es spüren wirst, wenn du dazu bereit bist.
Was für mich persönlich ein "besserer" Weg ist, ist dauerhaft ein Bedarfsmedikament zu haben.
Wenn man wirklich diszipliniert damit umgeht, halte ich das auch für deutlich besser.
Sobald ich die Absetzungsphase beginne, melde ich mich wieder, wenn das ok ist?
Sehr gerne.

liebe Grüsse,
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1.07.2018: 0,2 mg :schnecke:


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