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Liebe Mitglieder des ADFD-Forums, liebe Interessierte,

Update: Die Wiedereröffnung für neue Teilnehmer verzögert sich noch ein wenig. Geplanter Termin ist der 1.8. Das neue Konzept steht aber mittlerweile und wir arbeiten im Hintergrund an der Umsetzung.

Erste Veränderungen in Form zweier neuen Rubriken sind nun eingestellt, Erläuterungen siehe den Artikel über die geplanten Änderungen.


Seit dem 31.03.2019 Ist das Forum für Neuanmeldungen geschlossen. Bislang freigeschaltete Mitglieder können das Forum natürlich wie gewohnt nutzen und dort schreiben.

Es tut uns leid für diejenigen, die sich nun gerne anmelden möchten und nicht können, aber aufgrund einer völligen Überlastungssituation sind wir nicht mehr in der Lage noch mehr Mitglieder zu betreuen. Wir müssen uns in den kommenden Wochen auch überlegen, wie das Forum künftig organisiert werden kann, so dass es fortbestehen kann. Das Forum wurde in den letzten Wochen geradezu mit Neuanmeldungen geflutet und es ist uns nicht mehr möglich, diese Massen an Anfragen auf Basis unseres ehrenamtlichen Engagements zu bewältigen.

Trotzdem wollen wir keinen von Euch hängen lassen.
Zum einen steht in diesem Forum wirklich alles Relevante, was Ihr wissen müsst, wenn Ihr Eure Psychopharmaka verantwortungsvoll, schonend und nachhaltig absetzen wollt und zum anderen haben wir auch extra noch mal die allerwichtigsten Artikel und Tipps für Euch zusammengestellt.
Nehmt Euren Wunsch, Eure Medikamente auszuschleichen aktiv in die Hand, lest die Infoartikel, wühlt Euch durch die Threads der anderen Betroffenen und erlebt, dass alle im gleichen Boot sitzen, benutzt gerne auch die Suchfunktion... Ihr werdet sehen, so gut wie keine Frage wird unbeantwortet bleiben.

=> Hier sind nochmal häufige Fragen von Neuankömmlingen für Euch beantwortet. <=

Für unsere Bestandsmitglieder und natürlich auch für diejenigen, die an den tiefer gehenden Gründen interessiert sind, weswegen wir den Anmeldestopp verhängt haben, haben wir eine genauere Erklärung verfasst.

Wir danken für Euer Verständnis und erbitten zahlreiches und konstruktives Mitwirken
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Sinua: Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen

Wenn Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weiter?

Beitrag von sinua » Montag, 05.12.16, 18:33

Hallo liebe Foris,

ich habe meinen Thread vernachlässigt und ein monatliches Update ausgelassen. Ich versuche jetzt zu rekapitulieren, was war. Für euch schaue ich sogar nochmal in mein Symptomtagebuch :). Ich setze da an, wo ich im letzten Bericht aufgehört habe.

Die Schwindel-Schwäche ist vollständig abgeebbt.
Die Durchschlafprobleme sind Ende September/ im 9. Monat nach 0mg nach einigen Tagen (vielleicht 1-2 Wochen) im Sande verlaufen. Einschlafzeit war dann weiter im Normalfall ca. 60 Minuten, aber auch mal nur 30 oder mehr (max. 2 Std.).
Weiterhin immer pulsierende, migräneartige Kopfschmerzen kurz vor und zu Zyklusbeginn, aber keine Venla-Kopfschmerzen mehr. Diese Zykluskopfschmerzen dauern i.d.R. 2-4 Tage. Ich leide dann zwar und bin eingeschränkt, aber es ist nicht so wie bei den Venla-Kopfschmerzen, dass ich gar nichts machen kann und es unerträglich stark ist. Während dieser Zykluskopfschmerzen meist Durchfall leicht oder mittel, teilw. leichte Erschöpfung.
Ansonsten teilweise Kopfschmerzen zwischendurch, aber meist nur leicht.

Dann kam im Oktober, also Ende 9. Monat und ein Großteil des 10. Monats nach 0mg eine "gute Phase".
Ich hatte recht wenig Symptome, konnte alleine einkaufen (keine abartige Schwäche mehr), spazieren jeden Tag ca. eine halbe Std., Gymnastik fast jeden Tag, Musik machen und mein kreatives Hobby wieder anfangen. Die Besuche, von denen ich immer wieder schreibe, gingen auch fast problemlos. Die Spaziergänge habe ich dann langsam ohne Probleme bis auf ca. eine knappe Stunde pro Tag erhöht.

Anfang bis Mitte Oktober/ Ende 9. Monat nach 0mg war unser einwöchiger Urlaub. Früh aufstehen (wegen der Hinfahrt) ist für mich immer noch etwas schwierig, aber ging ohne Symptome (das war vor ein paar Monaten noch nicht so, da gab's immer gleich Symptome bei zu wenig Schlaf). Interessant ist, dass der Ortwsechsel wohl mein ZNS echt gefordert hat, obwohl wir da schonmal waren. Die ersten 2-3 Tage war ich schlapper als davor, konnte kaum 45 Minuten spazieren. Und ich hatte komische Rückenschmerzen relativ weit unten, vor allem im Stehen, Gehen ging. Am dollsten am Ende eines Spaziergangs. War dann oft k.o., aber ausruhen half ein bisschen. Trotz allem kein Durchfall (Fotschritt!).
Ich habe mir dann anfangs etwas Sorgen gemacht, dass der Urlaub nicht gut wird, weil wir wegen mir kaum etwas machen können. Nach ein paar Tagen hat sich mein körperlicher Zustand dann langsam wieder "normalisiert" (wieder so wie vor dem Urlaub), wir waren gegen Ende sogar 1x 2 Std und 1x 3 Std. richtig wandern (ohne Rückenschmerzen) - noch vor ein paar Monaten war das undenkbar. Trotzdem habe ich nach dem Urlaub gemerkt, dass ich nicht so achtsam war wie sonst, mir mehr Sorgen machte, weniger entspannt war usw. Das fiel mir erst zu Hause richtig auf, während des Urlaubs war ich zu sehr "drin". Seitdem versuche ich achtsamkeitstechnisch wieder auf die Ebene von vor dem Urlaub zurückzukommen.
Zurück zu Hause hatte mein ZNS dann wohl wieder mit der Veränderung zu tun: ein paar Tage Müdigkeit und Erschöpfung, anfangs auch Frieren, aber erträglich. Aber trotzdem kein Durchfall, auch das ist eine Verbesserung, seit 0mg war Durchfall immer das erste Entzugszeichen, nach jeder Belastung und fast immer auch, wenn andere Symptome da waren.

Eine Woche später waren wir auf einer Familienfeier, wo ich eine Art "Auftritt" hatte. Zusätzlich war es der Beginn meiner Tage. Wegen des Auftritts war ich aufgeregt, einen Tag vorher schlief ich wenig (8 Std.) und hatte Kopfschmerzen mittel und Durchfall leicht. Die Nacht vor dem Auftritt schlief ich dann wieder nur knapp 8 Std., aber trotzdem waren die Kopfschmerzen dann ab dem Abend weg (Fortschritt). Die Nacht danach nur 6 Std. Schlaf wegen äußerer Einflüsse. Und am nächsten Tag ohne Symptome trotz 3 kurzer Nächte hintereinander (Fortschritt). Nur ein bisschen Schmerzen im Nacken links. Keine Ahnung, ob vom Absetzen.

Fortsetzung folgt, wahrscheinlich morgen.

LG Sinua
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weiter?

Beitrag von sinua » Dienstag, 06.12.16, 19:22

Fortsetzung des letzten Posts:

(Immer noch in der "guten Phase")
Nach diesem Auftrittswochenende hatte ich dann ein paar Tage ganz leichte, gemischte Symptome, aber nichts Schlimmes. Danach kamen 2 eher gute Wochen. Einschlafzeit i.d.R. höchstens 30 Min., dachte schon, die Einschlafschwierigkeiten sind ganz vorbei. Libido weiter einen Schritt in Richtung Normalität.
Also für meine Verhältnisse nach Null eine gute Phase. Seit Medikamentenfreiheit war das bisher die Phase mit der höchsten Belastbarkeit: Alltag, Kochen 1-2x am Tag (beim Ausschleichen und kurz nach 0mg ging nicht einmal 1x), spazieren jeden Tag, Gymnastik fast jeden Tag, alleine Einkaufen, Musik machen, Hobby, Besuche 1x/Woche usw.
(Arbeit oder "normaler" Sport wären aber nicht drin gewesen).

Und was mache ich, wenn ich eine gute Phase habe? Ich erhöhe die Belastung, weil ich mir gar nicht vorstellen kann, dass das bisschen mehr Belastung wieder Symptome triggert *kopfschüttel* :roll: . War ja nicht das erste Mal :roll: (s. Juli, d.h. Ende 6./ Anfang 7. Monat nach 0mg).
Diesmal habe ich meine Ernährung umgestellt. Ich war ernährungstechnisch schon seit Mai ultralangsam in eine bestimmte Richtung gegangen (ohne das als besonderes Ziel zu haben, sondern aus meinem Instinkt heraus, weil es mir schmeckte und ich damit das, was ich während des Ausschleichens durch das viele Rumliegen zugenommen hatte, ganz leicht wieder abnahm). Alles ohne Probleme. Anfang November/ im 10. Monat nach 0mg bin ich dann noch ein kleines Stück weiter in die Richtung, auch wieder sehr langsam. Nicht aus Gewichts- sondern aus gesundheitlichen Gründen. Ich plane, darüber einen extra Thread zu eröffnen, vielleicht in der Rubrik "Gesundheit" o.ä.
Jedenfalls ging es trotz der sehr langsamen Umstellung diesmal nicht problemlos. Anfangs hatte ich fast abwechselnd Tage mit leichten Entzugs-Symptomen und ohne, ich dachte schon, das wird. Nach ca. 1 Woche bekam ich regelmäßig Durchfall (Standard-Entzugssymptom) leicht oder mittel bis teilweise stark, fast jeden Tag Übelkeit leicht bis mittel (Essen ging trotzdem, wie schon beim Ausschleichen), öfter Kopfschmerzen/Migräne leicht oder mittel. Nach ca. 1,5 Wochen dann auch wieder die bekannte Erschöpfung, wenn auch nur leicht bis mittel und wieder leichte Einschlafprobleme (dauerte wieder ca. 1 Stunde oder mehr, aber nicht jeden Tag) sowie mehr als 8 Std. Schlaf nötig (9-10 Std.). Rückgang Libido.
Jetzt wo ich mein Symptomtagebuch durchgehe, bemerke ich, dass ich 1-2 Tage vor der Umstellung doch nicht so bombenstabil wirkte (z.B. Durchfall außer der Reihe), vielleicht hat das mit reingespielt, wer weiß. Es half natürlich auch nicht, dass ich ca. 1 Woche nach der Umstellung meine Tage bekam.
Ich war in keinem dramatischen Zustand, aber es ging mir schlechter als es in diesem Stadium sein müsste. Ich konnte nicht mehr so viel tun wie davor, machte fast gar keine Gymnastik mehr, um die Spaziergänge weiterzuführen, musste 2 Wochen hintereinander meine Besuche absagen, Einkaufen am Ende in Begleitung statt allein (das ist seit dem Ausschleichen für mich ja auch immer so ein Gradmesser, wie fit ich bin)...
Dann hatte ich die Nase voll und ging 2 1/2 Wochen nach der Umstellung ernährungstechnisch wieder ein paar Schritte zurück. Das war vor 1,5 Wochen.
Durchfall und Kopfschmerzen besserten sich relativ schnell. Weiter fast jeden Tag nachmittags Übelkeit, aber nur leicht. Erschöpfung geringer, aber öfter müde und brauche immer noch mehr als 8 Std. Schlaf. Einschlafen meist 1 Std., manchmal mehr.
Jetzt kann ich also wieder mehr Dinge machen, aber ich bin noch nicht wieder so "fit" wie vor der Umstellung. Doch ich denke, es geht weiter in die Richtung.
Ich war kurz traurig, dass ich die Umstellung nicht durchziehen konnte, denn ich merkte nach 2 Wochen bereits eine leichte Verbesserung bei meinem gesundheitlichen Problem, das Anlass für die Ernährungsänderung war. Aber ich kann da jetzt nichts tun, ich versuche es auf jeden Fall in ein paar Monaten nochmal.

Fazit: Ernährungsumstellungen können Entzugssymptome triggern. Das ist ja hier nichts Neues, aber ich hätte doch nicht gedacht, dass es so lange nach Null passiert/ ich noch so tief drinstecke. Wenigstens weiß ich jetzt, wo ich stehe.

Alles Gute für euch,
Sinua
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weiter?

Beitrag von sinua » Dienstag, 25.04.17, 14:31

Hallo liebe Leute,

ich hab es geschafft, mit einer Tastenkombination, die mir auf ewig ein Rätsel bleiben wird, meinen Browser abzustürzen, meinen fast fertigen Post zu löschen und auch noch mein in Word kopiertes Backup mit zu schroten :frust:
Aber vielleicht hilft mir das jetzt, mich endlich mal kürzer zu fassen :D .

Zur Ergänzung für die, die meinen Verlauf nachvollziehen wollen:
Blutdruck viewtopic.php?f=57&t=12604
Auslöser für die aktuelle Welle: Ernährungsumstellung viewtopic.php?f=57&t=12881

Jetzt bin ich also im 16. Monat nach der letzten Einnahme von Venla.
Die Welle hat erstaunlich lange angehalten. Der Trigger war am Ende des 10. Monats nach 0mg, nach Entfernung des Triggers gab es schonmal eine Besserung, aber die Welle ging trotzdem bis ca. 13/14. Monat. Danach sehr langsame Verbesserung für nochmal ca. 2-3 Monate, dann Stagnation. Aber sie war auch am Anfang, als es am stärksten war, nicht so schlimm wie z.B. die Welle direkt nach 0mg.

Die Hauptsymptome der Welle und Übergangszeit waren die altbekannten: Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Schwindel, Erschöpfung, Einschlafprobleme. Ich habe über alle schon geschrieben in meinem Verlauf.
Sie traten nicht alle gleichzeitig auf, wandelten sich in ihrer Intensität (aber wurden insgesamt ultralangsam wieder besser), überlappten sich teilweise. Körperliche Anstrengung verschlimmert sie.
Folgen waren wiedermal einige Einschränkungen: ich ging einige Wochen lang nicht spazieren, sagte mehrere Monate lang meine wöchentlichen Besuche ab. Kochen ging meist irgendwie, teilweise nur mit zwischendurch hinsetzen. Ich konnte wochenlang den Großeinkauf nur mit meinem Freund zusammen schaffen, kleine Einkäufe gingen auch allein, aber beides nur mit Hinsetzen davor, danach und währenddessen :shock: . So habe ich wochenlang nur persönlichen Kontakt mit meinem Freund gehabt, mit anderen Leuten nur telefonisch. Familientreffen, Einladungen etc. fast alle abgesagt - wobei ich dazu sagen muss, dass ich sie schon "geschafft" hätte, aber nicht bereit war, danach wochenlang verstärkte Symptome in Kauf zu nehmen.
Bis auf die wöchentlichen Besuche kann ich jetzt alle diese Dinge wieder ganz gut bewältigen. Wenn ich diese auch noch schaffen würde, dann wäre ich wieder auf dem Niveau der letzten guten Phase (ca. 9./10. Monat nach Null) angelangt.

Jetzt in der Übergangsphase bleibt mir noch:
-eine abartig heftige Kopfschmerzattacke zum Ende fast jedes Zyklus, manchmal leichter oder sehr leichter Kopfschmerz oder Kopfdruck
-fast immer Durchfall sehr leicht, leicht oder mittel - immerhin nur im 2. Teil des Stuhls, das ist ein Fortschritt zum ersten Entzugsjahr nach Null. Aber die Durchfall-Situation stagniert jetzt schon ziemlich lange ohne Besserung.
-Erschöpfung leicht oder mittel - sie zu ignorieren/bekämpfen, triggert Symptome
-Einschlafen Standard ca. 1 Stunde, manchmal 30 Min., selten 2 Std.
-neu: seit ca. 2 Monaten eine anfallsartige Müdigkeit am späten Nachmittag/frühen Abend i.d.R. mit trockenen/müden Augen. Egal wieviel ich geschlafen habe. Meist hilft Meditation mit geschlossenen Augen.
Außerdem neu: Hellhörigkeit beim Schlafen seit knapp 2 Wochen. Leiseste Geräusche wecken mich auf und ich kann nicht mehr einschlafen. Ohne Geräusche schlief ich erst durch. Mein Freund schläft nun in einem anderen Zimmer. Hat anfangs geholfen, dann nicht mehr so richtig. Ich denke, es ist wie immer nur eine Phase.

Ansonsten hätte ich noch einen furchtbaren Arztbesuch zu bieten, aber ich habe keine Lust mehr zu schreiben. Und er war den Arzterfahrungen der meisten hier sehr ähnlich ("Alles nur Psyche").

Seit einer Woche deutet sich nun eine Veränderung in den Symptomen an, aber das ist noch nicht spruchreif. Ich werde berichten, versprochen :).

Alles Gute für euch,
Sinua
Zuletzt geändert von sinua am Donnerstag, 27.04.17, 11:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Fibie77
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weiter?

Beitrag von Fibie77 » Mittwoch, 26.04.17, 15:32

Hallo Sinua,
dass ist alles extrem Interessant und ich kann ganz viele Vergleiche zu meinen Beschwerden finden.
Ich habe ja Sertralin genommen und im Februar 2016 war ich auf null mg.
Darf ich mal fragen,ob du so Arbeiten gehen kannst?
Ich bin im Moment zu Hause,kann nicht arbeiten gehen.
Hoffe aber,dass es bald wieder irgendwie geht.
Lg.Fibie
- Februar 2011 Ohnmachtsanfall, ohne Diagnose. :shock:
In den darauffolgenden Monaten stellte sich starker Schwindel ein und eine gewisse Angst davon entstand. :(
Ich blieb nur noch zu Hause und ging nicht mehr gerne raus,wenn dann nur zur Arbeit.
- Von Februar 2011 bis April 2014 verschiedene Ärzte konsultiert, von Zahnarzt CMD Behandlung,über Chiropraktoren, und
Infusionen mit Mikronährstoffen war alles dabei.
- Es folgten in dieser Zeit,extreme Ängste,Verzweiflung, keine Energie und Kraft mehr,nur noch Verzweiflung wegen diverser
Symptome.
Meine Symptome veränderten sich und ich bekam einen kontinuierlichen Dauerkopfdruck und Augendruck.
- April 2014 Citolopram 10mg vom Hausarzt verschrieben bekommen.
- Juni 2014 Einweisung in Psychosomatische Klinik, für 8 Wochen.
- Wurde dort auf Cymbalta umgestellt für 2 Wochen,jedoch ist dies wieder gleich abgesetzt worden,da meine weißen
Blutkörperchen stark absanken.
- Von einem auf den anderen Tag,wurde Sertralin eindosiert.
Erst 25 mg und dann 50 mg in der darauffolgenden Woche.
- August 2014,wieder zu Hause und sollte dort noch bis auf 100mg hochdosieren, ging mir jedoch sehr schlecht dabei und
ich blieb bei 50 mg.
- März 2015 fing ich an das Medikament 50 mg Sertralin ganz langsam auszuschleichen, nach Absprache mit meiner
Ärztin.
- Ende Februar 2016 war ich auf 0mg mit dem Sertralin. :party2:
(bei den letzten Schritten ließ ich mir lange Zeit und dosierte mit Zoloft Tropfen ab).
- Seid dieser Zeit Absetzerscheinungen in Form von Sehstörungen, Kopfschmerzen,Übelkeit, komische Gefühle,Augendruck,
Blutzuckerschwankungen (dieser geht immer so tief runter),Benommenheit,.....
Die Symptome wechseln sich ab und sind mal nur leicht und dann wieder ganz stark da.

-Oktober 2016 . Absetzerscheinungen - Kopfschmerzen,Sehstörungen,trockene Augen,Schwindel ,,Blutzucker geht immer noch so tief in Keller,Übelkeit.

-November 2016 ( 9 Monate 0 mg Sertralin)
Kopfschmerzen die aufs Augen strahlen mit Übelkeit,
Blutzucker hat sich normalisiert,ab und zu noch trockene Augen

-Dezember 2016 (10 Monate 0 mg Sertralin)
Kopfschmerzen sind fast weg, jedoch wieder ziemliche Augenprobleme.
Schwipp-Schwapp im Kopf
-Januar 2017 (11 Monate nach 0 mg Sertralin)
Augenprobleme immer noch vorhanden
Schwipp- Schwapp im Kopf, Sodbrennen,
-Februar 2017 ( 1 Jahr auf 0 mg Sertralin)
Augenprobleme / Sehstörungen immer noch vorhanden !
Manchmal noch Schwipp-Schwapp im Kopf und wieder Kopfschmerzen.
-März 2017 (13 Monate auf 0 mg Sertralin)
Augenprobleme, ziemliche Benommenheit,Spannungskopfschmerzen.
-April 2017(14 Monate auf 0 mg Sertralin)
Augenprobleme,Benommenheit,Kopfschmerzen,extremes Tief(muss viel weinen,weil es nicht so recht besser wird)
-August2017(18 Monate nach null)
Starke Magenbeschwerden,Übelkeit,Sodbrennen,Kopfschmerzen,Augenprobleme

-Januar 2018 (23 Monate auf 0mg)
Augenprobleme (schlechteres Sehen und brennende Augen),manchmal noch leichte Gangunsicherheit,schmerzendes
Genick,Reizüberflutung im Kopf/brennen,nicht mehr so starke Spannungskopfschmerzen.
Langsam wird es besser,aber es ist noch nicht gut!
-Februar 2018 ( 2 Jahre auf 0 mg)

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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weiter?

Beitrag von sinua » Donnerstag, 27.04.17, 12:12

Liebe Fibie,
Fibie77 hat geschrieben:dass ist alles extrem Interessant und ich kann ganz viele Vergleiche zu meinen Beschwerden finden.
ja, bei uns ähnelt sich sehr viel. Nicht nur die einzelnen Symptome, sondern auch der wellige Verlauf nach Null. Und sogar unsere Lebenssituation.
Fibie77 hat geschrieben:Darf ich mal fragen,ob du so Arbeiten gehen kannst?
Darfst du :). Nein, kann ich nicht. In den guten Phasen ginge es vielleicht sogar mit wenigen Stunden. Problematisch ist aber neben den Symptomen, die man in guten Phasen noch hat, auch die Triggerbarkeit (äh, gibt's das Wort? ;), ich meine geringe Belastbarkeit): also, dass ein Trigger ausreicht, um wieder eine Welle von mehreren Monaten auszulösen. Und in den Wellen geht arbeiten erst recht nicht.
Ich denke, bei mir dauert es noch einige Monate.

Ich antworte nochmal bei dir im Thread,
LG
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weiter?

Beitrag von sinua » Dienstag, 01.08.17, 18:15

Hallo liebe Foris :group: ,

ich bin jetzt im 19. Monat nach der letzten Tablette. Mein Thread enthält bisher nicht viele Posts, in denen ich über die Besserung meiner Entzugssymptome schreibe, das ändert sich nun :D .
Ich habe heute hier einen Post geschrieben: viewtopic.php?f=57&p=202021#p202021 , der schon das Wichtigste vorwegnimmt: Ich bin seit Mitte/Ende April (16. Monat nach Null) den Entzugs-Durchfall fast los dank Ernährungsumstellung (Autoimmunprotokoll/AIP gegen Entzündungen und für Darmgesundheit: https://www.thepaleomom.com/start-here/ ... -protocol/).
Gefühlt geht es seitdem gesundheitlich etwas schneller voran als die Monate davor und so hat sich seit der Ernährungsumstellung viel Positives getan.
(Als ich meinen letzten Post schrieb, war die Durchfall-Besserung erst einige Tage alt, da wollte ich erst noch schauen, wie es damit weitergeht, bevor ich davon berichte.)

Nach der Welle bin ich im Mai (16./17. Monat) wieder auf dem Niveau der letzten guten Phase angelangt.
Doch es ist sogar noch besser geworden seitdem. I.d.R. schaffe ich seit ca. 17./18. Monat: Spazieren (mind. 30 Min. jeden Tag), Gymnastik (20-30 Min. ca. 4x/Woche), 2x Kochen/Tag, Einkäufe für 2-Personen-Haushalt, Besuche 1x/Woche, Babysitting 1x/Woche. Seit ein paar Wochen zusätzlich ein bisschen Haushalt (Staubsaugen, Küche aufräumen usw.) und seit einer Woche ein bisschen manuell-kreatives Hobby obendrauf.
Klingt vielleicht wenig für normal gesunde Menschen, aber für mich ist das eine enorme Steigerung und ein deutliches Zeichen, dass es bergauf geht. Vorher ging nur ein Teil dieser Aktivitäten und ich fühlte mich insgesamt erschöpft. Jetzt geht all das fast ohne spürbare Erschöpfung - und wenn doch, dann hilft meist Ausruhen noch am selben Tag.
Die Welle ist vorbei, was nicht heißt, dass ich gar keine Symptome mehr habe. Aber ich bin definitiv in einer richtig guten Phase, so gut ging es mir seit der ersten Dosisreduktion noch nie.
Ich muss noch sehr aufpassen, nicht zu viel zu machen und nicht alles auf einmal nachzuholen - und das gelingt mir recht gut. Ich habe mein Aktivitätenlevel sehr langsam gesteigert und bin viel weniger streng bzgl. dem, was ich so "schaffen muss".

Der Durchfall ist so gut wie weg im Alltag und das, obwohl ich aktiver bin als noch vor ein paar Monaten - die Ernährung macht den Unterschied. Nach Triggern wie Sonne, Zyklusende/-Anfang und körperlicher Belastung (z.B. Radfahren) habe ich noch mal Durchfall, Intensität höchstens mittel, gar nicht mehr stark und er geht dann auch recht schnell wieder weg.
Die Übelkeit hat sich zeitgleich zum Durchfall fast komplett verzogen. Schwindel nur noch ca. 1x/Tag nach Aufstehen aus dem Liegen ganz kurz. Die Erschöpfung ist auch weniger geworden, weshalb ich all diese Aktivitäten machen kann.
In den letzten Monatszyklen sind die Kopfschmerzen kurz vor der Regel auf ein erträgliches Maß gesunken. Dafür immer noch Schwankungen der Zyklusdauer von 26 bis 31 Tagen (gegenüber 25 bis 32 Tage im ersten Jahr nach Null).
Einschlafen ist seit ca. 16./17. Monat überhaupt kein Problem mehr nach kurzer Meditation. Durchschlafprobleme/Hellhörigkeit beim Schlafen haben sich langsam gebessert - mein Freund und ich schlafen noch getrennt, aber in ein paar Wochen ist mein Schlaf wohl stabil genug für einen gemeinsamen Versuch.
Die anfallsartige Müdigkeit ist auch bald nach dem letzten Post langsam weggegangen, jetzt habe ich das noch manchmal, aber muss mich nicht mehr zwingend hinlegen, sie vergeht auch so.
Ansonsten habe ich noch viele andere kleine Entzugssymptome, vor allem was die Haut angeht (kleine Exzeme, Mückenstichunverträglichkeit usw.), aber gegenüber dem Rest ist das kaum der Rede wert.

Ansonsten bin ich belastbarer geworden.
Wenige Minuten Sonne gehen schon, ohne zu triggern. All die Aktivitäten, die nun möglich sind, und nicht triggern.
Bin vor 2 oder drei Monaten ne Viertelstunde Rad gefahren, das hat leichte bis mittlere Symptome eine gute Woche lang getriggert - im ersten Jahr nach null wären das Monate voller starker Symptome gewesen.
Nächte mit weniger Schlaf triggern i.d.R. gar keine Symptome mehr und nach gut 2 Jahren, in denen ich jede Nacht 10 Stunden Schlaf brauchte, reichen nun ca. 8 Std.

Eine wichtige Erfahrung für mich war, dass die Aktivitäten von ganz alleine wiederkommen. Ich hatte manchmal die leise Befürchtung, ich hätte eine Art Blockade bzgl. meines kreativen Hobbys oder ich wäre zu unmotiviert für den Haushalt. Erst jetzt, wo ich wieder etwas in dieser Richtung tun kann, kann ich klar sehen, dass ich vorher dazu gesundheitlich nicht in der Lage war.

Die nächsten großen Schritte: ich habe mit meinem Sportstudio noch eine Vertragspause bis Herbst aushandeln können. Ab Oktober gehe ich wieder 2x/Woche hin. Erstmal nur für gymnastische Kurse wie Yoga u.ä. - aber was für ein schöner Schritt nach vorn :). Ich denke, dass ich ihn gut bewältigen kann.


Alles Gute für euch,
Sinua

P.S.: Mein Thread-Titel ist ja schon lange nicht mehr aktuell. Ich bitte jemanden vom Team, ihn in "Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen" umzubenennen. Dankeschön!
Zuletzt geändert von sinua am Donnerstag, 03.08.17, 11:37, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weiter?

Beitrag von Nicola » Dienstag, 01.08.17, 21:25

Hallo liebe Sinua,
ich nehme den gleichen Cocktail wie Du ihn genommen hast in leicht anderer Dosierung. Interessant ist, dass sich Deine Beschwerden sehr stark den meinen ähnelt (die Kopfschmerzen, gestörte Temperaturregelung, null Sexualtrieb,....). Dein Bericht, wie es Dir jetzt geht und sich vieles verbessert ist, das ist eine gute Motivation für alle, die gerade am Ausschleichen sind. Lieben Dank dafür! Ich drücke Dir die Daumen, dass sich der Zustand so stabil bleibt und noch mehr bessert. Für mich grenzt es wirklich an Fahrlässigkeit, dass Ärzte so etwas verschreiben und man auf dieses Zeug angesetzt wird und so schlecht davon runter kommt. Ich habe die 10% Dosierung 2 Wochen gehalten und weil es mir noch so gut ging, bin ich (verfrüht) runter auf weitere 10%. Nach fast exakt 3 Wochen nun, habe ich heute sehr sehr schlimme Kopfschmerzen (mein Hauptproblem) und ich denke, dass sind die Absetzsymptome (und ich bin zu schnell/früh weiter runter). Dann kommen wieder so Gedanken " verdammt, es ging mir schon mal besser, ist es richtig abzusetzen?". Es ist wirklich schwierig, dranzubleiben. Du hast es geschafft.

LG, Nicola
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Erkrankung: Tendomyopathie, chron. Kopfschmerzen, HWS-Syndrom, Endometriose, Zustand nach Total-OP (2010), seit Januar 2017 Borreliose mit Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen
aktuelle Medikamente: (Oxicodon), Mirtazapin

Aktuell: Absetzen von Mirtazapin 30mg (Einnahmedauer: ca. 6 Monate)
seit 19.12.2017: Start Ausschleichen mit Reduktion um 10% der Tablette mit Gewicht von 0,230 g auf 0,192g
Beschwerden: Magen- Darm + Übelkeit, Fress-Sucht mit Gewichtszunahme, schmerzhaftes Ödem am Fuss, Unruhe, Bewegungsdrang + Ruhe/Rastlosigkeit in rechtem Arm und Bein --> Einschlafen der blanke Horror.
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sinua
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Re: Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen

Beitrag von sinua » Mittwoch, 02.08.17, 13:29

Liebe Nicola,

ich danke dir für deine Nachricht. Ich freue mich sehr, dass du meinen Bericht hilfreich findest. Ich habe am Anfang meiner Forumszeit auch alle möglichen Betroffenen-Berichte verschlungen :). Endlich mal ehrliche Infos zu dem Thema.
Nicola hat geschrieben:ich nehme den gleichen Cocktail wie Du ihn genommen hast in leicht anderer Dosierung. Interessant ist, dass sich Deine Beschwerden sehr stark den meinen ähnelt (die Kopfschmerzen, gestörte Temperaturregelung, null Sexualtrieb,....).
Ja, die Nebenwirkungen waren echt heftig. Und das Schlimmste ist ja, dass Ärzte und Co. die entweder nicht ernst nehmen oder abstreiten, dass es vom Medikament kommen kann (ich habe da echt die abstrusesten Sachen gesagt bekommen von verschiedenen Ärzten).
Dabei sind alle Nebenwirkungen, bei denen die Ärzte einen Zusammenhang mit den Medikamenten abstritten, nach dem Absetzen verschwunden.
Nicola hat geschrieben:Ich drücke Dir die Daumen, dass sich der Zustand so stabil bleibt und noch mehr bessert.
Vielen dank dafür!

Zu deinem Absetzen:
Ich habe hier im Forum gelesen, dass es 3-4 Wochen dauert, bis sich die Rezeptoren angepasst haben. Bei mir haben anfangs auch 3-4 Wochen nach einer Reduktion die Symptome nachgelassen, erst im unteren Dosisbereich dauerte die Erholungsphase deutlich länger (was ich dann nicht immer abgewartet habe). Ich würde diesen Mindestabstand von 4 Wochen unbedingt einhalten.
Du bist ja erst eine Woche auf der neuen Dosis, vielleicht kannst du wieder etwas hochgehen, damit du dich nicht so quälen musst?
Ich habe auch wegen schlimmer Nebenwirkungen schneller abgesetzt als empfohlen (also größere Schritte gemacht aber immer mind. 4 Wochen gehalten), es ist ein Drahtseilakt. Wenn aber die Absetzsymptome schlimmer sind als die Nebenwirkungen und auch noch langanhaltend, hat man damit auch nicht viel gewonnen :?
Nicola hat geschrieben:Dann kommen wieder so Gedanken " verdammt, es ging mir schon mal besser, ist es richtig abzusetzen?".
Naja, Absetzsymptome gehen i.d.R. vorbei, Nebenwirkungen meist nicht oder werden sogar schlimmer und es kommen neue dazu. Und gerade starke Kopfschmerzen und Libido-Probleme sind für mich nicht mit einer Langzeiteinnahme vereinbar.
Für mich war es absolut richtig abzusetzen, denn die Medis haben bei mir nicht mal erwünschte Wirkungen gehabt (außer die Einschlafhilfe durch Mirta, aber die war nach 6 Monaten dann auch nicht mehr gegeben).
Nicola hat geschrieben:Du hast es geschafft.
Tja, fertig bin ich mit dem Ganzen erst, wenn ich wieder Sport machen und arbeiten kann. Das dauert noch ein paar Monate.
Aber du hast Recht, das Absetzen an sich habe ich hinter mir :D .

Übrigens: Userin Pulsatilla hat auch Borreliose, falls du dich diesbezüglich austauschen möchtest, kannst du ihren Thread im Bereich "Persönlicher Austausch" finden.

Alles Gute für dich,
Sinua

P.S.: bin jetzt erstmal 2 Wochen nicht oder kaum online.
P.P.S.: Danke für die Umbenennung des Threads, an wen weiß ich nicht :)
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sinua
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Re: Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen

Beitrag von sinua » Freitag, 09.02.18, 16:03

Hallo liebe Foris,

Im Januar ging mein 2. Jahr ohne Medikamente zu Ende. Nun kann ich dieses 2. Jahr mit dem 1. Jahr nach dem Absetzen der letzten Venla-Dosis vergleichen.
Es entwickelt sich weiter sehr langsam, aber stetig in Richtung Besserung. Die guten Phasen oder Fenster haben sich nur leicht verbessert, aber die Wellen bzw. schlechten Phasen haben sich deutlich verbessert.

Monatszyklus:
wird immer regelmäßiger und insgesamt kürzer. Vor- und Zwischenblutungen waren im 2. Jahr glaub' ich gar nicht mehr da. Die sehr langen Zyklen sind seltener geworden. Aber so regelmäßig wie früher ist mein Zyklus noch nicht wieder.
Die Zeit vor und zu Beginn der Periode hat ja seit dem Absetzen/Ausschleichen immer Symptome getriggert, ganz besonders Migräne/Kopfschmerzen und Durchfall, die sich in diesem Zeitraum immer deutlich verschlimmerten. Doch seit einigen Monaten werden diese beiden Symptome immer weniger durch den "Zykluswechsel" getriggert. Auch hat sich im 2. Jahr der Zeitraum, in dem Symptome getriggert werden, um einige Tage verschoben. Also, da ist noch Einiges in Bewegung.

Migräne/Kopfschmerzen:
werden also um Zyklus-Anfang und -Ende noch getriggert, aber nur in leichter oder sogar sehr leichter Intensität. Allerdings habe ich immer noch viel öfter mit Kopfschmerzen zu tun als vor der Einnahme von Venlafaxin. Trigger hierfür sind derzeit z.B. eine Änderung des Schlafrhythmus oder besonders wenig Schlaf. Allerdings muss der Trigger schon recht stark sein, es ist nicht mehr so, dass jedes kleine Detail Migräne/Kopfschmerzen triggert, wie noch im 1. Jahr.

Schwindel:
Dauerschwindel gar nicht im 2. Jahr.
Mit starkem, kurzem Schwindel nach dem Aufstehen aus liegender/sitzender Position hatte ich schon ganz lange nicht mehr zu tun, der war im 2. Jahr selten und eigentlich nur in den schlechten Phasen/Wellen vorhanden. Schon seit vielen Monaten gar nicht mehr.

Übelkeit:
Übelkeit siehe Schwindel, eigentlich nur in starken Wellen und die letzten Monate überhaupt nicht.

Erschöfpung/Schwäche/Kraftlosigkeit:
Ich hatte ja längere Zeit ein Art Schwäche: wenn ich länger als einige Sekunden stehen musste, dann wurde mir übel, warm und ich bekam den unwiderstehlichen Drang, mich hinzusetzen. Das war im 2. Jahr selten, nur in den Wellen da und schon viele Monate gar nicht mehr.
Die krankhafte Kraftlosigkeit/Schwäche, bei der man kaum die Gliedmaßen anheben kann, kam auch im 2. Jahr gar nicht mehr vor.
Die Erschöpfung hat sich stark gebessert. Ich kann vieles normal tun, aber eben nicht zu viel insgesamt am Tag und nicht so viel wie "Gesunde". Ich merke, wann ich mich ausruhen muss und das hilft dann auch. Ich schaffe also insgesamt weniger als vor den Medis, aber schon mehr als im 1. Jahr.

Schlaf:
hat sich weiter stabilisiert, vor allem brauche ich keine 10 Stunden mehr (wie 2 Jahre lang nötig während des Absetzens und im 1. Jahr ohne Medis), sondern es reichen ca. 8 Stunden. Schlechter oder weniger Schlaf als sonst triggert nicht sofort Symptome, dazu braucht es schon einige verkorkste Nächte.

Durchfall:
Ich hatte ja über meine Ernährungsumstellung berichtet viewtopic.php?f=18&t=9318&start=100#p202036 viewtopic.php?f=57&t=12881. Der Erfolg hat angehalten, in den Fenster-Phasen habe ich höchstens sehr leichten, in den Wellen höchstens Durchfall in mittlerer Stärke. Im Alltag sogar immer wieder normaler Stuhlgang. Ich habe das Gefühl, dass sich die Durchfallbesserung positiv auf meinen ganzen Körper und die Symptomlage insgesamt auswirkt. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass sich die Symptome gegenseitig triggern und wenn jetzt ein starkes, belastendes fehlt, dann ist das eine große Erleichterung für das gesamte System.

Haut:
Ein Symptombereich hat sich verschlechtert, das sind meine juckenden, roten Ausschläge an Hüfte/Bauch. Diese fingen im 1. Jahr nach Null an und diesen Winter wurden sie deutlich schlimmer, vor allem der Juckreiz. Aber gegenüber den anderen Symptomen ist das trotzdem nicht so wild, weil sie mein Leben viel weniger einschränken. Mir hilft Lanolin/Wollwachs, am besten zusammen mit Kokosöl, Jojobaöl, Squalan, Olivenöl und manchmal Sheabutter vermischt. Momentan reibe ich die Stellen mind. 2x/Tag ein.

Sport:
Im Herbst - genauer im 22. Monat nach Null - habe ich mal wieder einen Versuch gewagt: ein bis zwei Yoga-Kurse pro Woche im Sportstudio meines Vertrauens. Softes Yoga, nichts Anstrengendes. Die Kurse selbst klappten super, aber schon am Folgetag des ersten Kurses bekam ich mittelstarken Durchfall, und nach ein paar Kursen leichte Erschöpfung. Außerdem eine Durchschlafstörung: Ich wachte nachts auf und war hellwach, konnte nicht mehr einschlafen. Dadurch war ich natürlich tagsüber müde, Augen trocken und angestrengt und es triggerte auch teilweise Migräne/Kopfschmerzen. Erst dachte ich, der Körper gewöhnt sich vielleicht noch dran, aber nach knapp 2 Monaten habe ich den Versuch abgebrochen und die Symptome wurden sehr langsam weniger. Die Welle dauerte insgesamt gut ein Vierteljahr. Fortschritt auch hier: Schwindel und Übelkeit waren diesmal nicht dabei (sonst Standard) und auch die Erschöpfung war früher in den Wellen noch stärker.

Soweit erstmal bis hierher, eigentlich wollte ich noch über meine tollen Achtsamkeits-Fortschritte berichten, aber für heute reicht es mir erstmal.

Liebe Grüße an euch alle,
und alles Gute für euer Absetzen,
Sinua
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Re: Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen

Beitrag von padma » Freitag, 09.02.18, 19:08

liebe Sinua, :)

ganz herzlichen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Es ist sehr mutmachend, wie sich im 2 .Jahr deutliche Verbesserungen einstellen. Zeigt es doch, dass auch wenn es dauert, das ZNS sich wirklich selbst heilt.

Ich freue mich natürlich sehr darüber, dass es sich bei dir zunehmend bessert. :D

Bin gespannt, was du bzgl. deiner Fortschritte bei der Achtsamkeit berichten wirst.

liebe Grüsse, :hug:
padma
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Re: Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen

Beitrag von sinua » Freitag, 25.01.19, 17:26

Hallo liebe Foristen :group: ,

mein 4. Jahr auf Null hat begonnen. Hier eine Zusammenfassung der Entwicklung im 3. Jahr.
Die Tendenz der sehr langsamen, aber insgesamt stetigen Verbesserung ist immer noch da. Die Anfälligkeit für Symptomentstehung/-verstärkung durch Trigger (z.B. körperliche Anstrengung) ist noch kleiner geworden.
Und ich nehme immer noch keinerlei Medikamente o.ä. zu mir, auch nicht bei Schmerzen, kann also nicht sagen, ob sowas noch triggern würde.

Monatszyklus:
In der ersten Hälfte des 3. Jahres war mein Zyklus praktisch regelmäßig, eine große Verbesserung. In der zweiten dann auf einmal wieder unregelmäßig, nicht so doll wie in den krassesten Zeiten, aber schon Schwankungen zwischen 25 und 29 Tagen. Nur noch sehr leichte und kurze Vorblutungen.
Verschlechterung: Zyklusende/-anfang triggert immer noch Migräne, die sogar stärker ist als Ende des 2. Jahres.

Migräne/Kopfschmerzen:
werden also um Zyklus-Anfang und -Ende noch getriggert, in mittlerer bis starker Intensität (Verschlechterung). Aber abgesehen vom Zyklustrigger habe ich praktisch gar keine anderen (angetriggerten) Kopfschmerzen mehr, auch nicht nach wenig Schlaf über mehrere Tage (Verbesserung).

Schwindel:
Weg.

Durchfall:
In den Fenster-Phasen habe ich höchstens sehr leichten, in den Wellen (z.B. Zykluswechsel) höchstens Durchfall in mittlerer Stärke. Im Alltag sogar immer wieder normaler Stuhlgang. Kaum Verbesserung gegenüber dem 2. Jahr, aber eine Stabilität, mit der ich gut leben kann.
Die Ernährungsumstellung, die so toll auf den Durchfall gewirkt hat, habe ich beibehalten. Seit einigen Wochen nehme ich ultralangsam wieder Lebensmittel dazu, die ich weggelassen hatte. Für ein Lebensmittel nehme ich mir 3-4 Wochen Zeit, um es einzuschleichen. Das klappt bis jetzt richtig gut.

Übelkeit:
Eigentlich nur noch in Begleitung des Durchfalls, also auch um Zyklusende/-anfang. Leicht oder mittel, nur noch selten stark (i.d.R. nur bei starker Migräne).

Schlaf:
Nur noch „normales“ Schlafbedürfnis: ca. 8 Std. Einschlafen fast immer problemlos. Wenn ich Stress/Anspannung im Hintergrund habe, wache ich auch mal nach 4 oder 6 Std. auf und kann dann nicht mehr einschlafen, aber das quält mich dann nicht, ich liege dann halt wach. Und wenig Schlaf (auch über mehrere Nächte) triggert auch keine körperlichen Entzugs-Symptome mehr.

Haut:
Meine juckenden, roten Ausschläge an Hüfte/Bauch haben sich im ersten Teil des 3. Jahres noch verschlimmert. Seit wenigen Monaten immer mehr Besserung und das obwohl Kälte sonst die Hautproblematik verstärkt zu haben schien. Momentan praktisch kein Juckreiz/Rötung.

Augen:
Ich hatte irgendwann schonmal darüber geschrieben gehabt: im 3. Jahr hatte ich auch immer wieder innen leicht gerötete Augen, die sich trocken/müde anfühlten, auch nach gutem Schlaf. Manchmal musste ich dann länger die Augen zumachen, oft hat es mich nicht doll beeinträchtigt.

Erschöpfung/Schwäche/Kraftlosigkeit:
Kaum noch. Keine Steh-Schwäche mehr. Ich merke meist, wann ich mich ausruhen muss und das hilft dann i.d.R. auch. Ich schaffe immer noch etwas weniger als vor den Medis, aber schon mehr als im 2. Jahr. Das sieht man auch im Haushalt.
Sport habe ich nicht wieder probiert. Ich gehe weiter jeden Tag mindestens eine halbe Stunde spazieren, manchmal auch 1 Stunde - ohne Probleme.

Vielleicht nur ein ausnahmsweiser Zwischenfall: Nach einem Besuch mit großer Feier und 2 Tagen ungewöhnlich viel Kontakt mit vielen Menschen hatte ich auf der Rückfahrt im Auto eine Art "Abschaltung", d.h. plötzliche krasse Erschöpfung, konnte kaum noch etwas tun oder aus den Augen schauen, musste ruhig und mit geschlossenen Augen sitzen. Nach ein, zwei Stunden ging zumindest das Allernötigste und am nächsten Tag war es fast normal.
So etwas hatte ich nur einmal, aber ich hatte auch nur einmal so eine große Feier mit so viel Kontakt.

Seit Anfang des Jahres arbeite ich in einem Bürojob mit 20 Stunden pro Woche. Ich bin für die Tätigkeit überqualifiziert, aber werde das erstmal so ca. 1 Jahr machen zum Wiederreinkommen in die Arbeitswelt nach einigen Jahren Pause. In den Fenstern/guten Phasen geht das gut. In den Wellen ist es tlw. echt anstrengend, aber geht. Es könnte sein, dass es an der Migräne scheitert, die ich ja regelmäßig habe. Da muss ich sehen, ob ich damit arbeiten kann. Im ersten Monat hatte ich die Migräne überwiegend am Wochenende, da ging das.

Ich habe weiterhin große Fortschritte in Achtsamkeit/Akzeptanz gemacht.

Liebe Grüße an euch alle :pillowtalk: ,
und alles Gute für euer Absetzen,
Sinua
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Re: Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen

Beitrag von padma » Freitag, 25.01.19, 18:06

liebe Sinua, :)

ganz lieben Dank für deinen ausführlichen Bericht. :hug:

Es freut mich sehr, dass sich die stetige Besserung bei dir fortsetzt. Natürlich würde ich dir eine schnellere Heilung wünschen, aber so ist es nun mal.

Dein Bericht zeigt, dass auch bei denjenigen, deren Heilungsprozess langsam verläuft :schnecke: , eine zunehmende Besserung eintritt. Und das ist wirklich ermutigend.

Dass du nun wieder eine Arbeit aufnehmen konntest, ist ein weiterer Meilenstein. Ich drücke dir die Daumen, dass die Migräne sich so in Grenzen hält, dass es dir weiterhin möglich ist.

alles Gute weiterhin,
liebe Grüsse,
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