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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Bitte um einen Rat......

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Caro
Beiträge: 50
Registriert: 11.10.2003 08:45
Wohnort: Bremen

Bitte um einen Rat......

Beitrag von Caro »

Hallo!

War heute bei meinem Therapeuten und der fand es gar nicht gut, das ich das Antileptikum nicht eingenommen habe. Bin momentan ziemlich fertig und habe immer wieder diese Suizidgedanken. Habe mal gerade versucht über Google mir Infos über Lamictal zu verschaffen, aber irgendwie hilft mir das nicht weiter. Was würdet ihr mir raten? Soll ich oder soll ich nicht?
Ich weiss nicht weiter...........

Liebe Grüsse
Caro
Astrid
Beiträge: 313
Registriert: 26.11.2003 18:02
Danksagung erhalten: 1 Mal

Beitrag von Astrid »

Liebe Caro,

erst einmal möchte ich dir sagen, dass es schön ist von dir zu hören!
Dein Schicksal hat mich irgendwie besonders angesprochen. Vielleicht, weil du wie mein Mann aus Bremen kommst, weil du ähnliches erlebst wie ich oder weil du ein vergleichbares Herz-Syndrom hast wie meine Mutter.

Ich würde das Antileptikum nur einnehmen, wenn eine eindeutige Diagnose für Epilepsie erstellt wurde.
Wenn ich mich recht erinnere, ist das bei dir nicht der Fall. Eher klang es so, dass dein Arzt mit dem seit erst zwei Monaten auf dem Markt befindlichen Medikament einen VERSUCH startet, weil er selbst nicht mehr weiter weiß. Ich will dem Arzt nichts unterstellen, aber es kam mir aufgrund deiner Schilderung so vor.
Aus diesem Grunde wäre ich vorsichtig mit der Einnahme eines neues, eines zusätzlichen Medikaments.

Caro, ich kenne die Situation sehr gut, dass man sich schon lange in Therapie befindet ohne Licht am Horizont zu sehen ohne spürbare Veränderungen des eigenen Zustandes.
Das hat meistens seine Gründe.
Ich will nicht voreilig von mir auf andere schließen, aber vielleicht hilft es dir, wenn ich dir kurz von mir erzähle.

Ich weiß heute, dass ich 43 Jahre lang KRANKHAFT FESTGEHALTEN habe an Regeln und Werten. Mir war nicht bewusst, dass ich den Tod fürchtete, wenn ich diese mir verinnerlichten Regeln verlassen würde.
Lebenslange Panik und Depressionen resultierten wie ein unsichtbares Gespenst daraus.
Das zu erkennen war merkwürdig, irgendwie befreiend. Dachte ich doch, ich müsste dann Sterben. Aber als die Sicht offen war auf meine Vergangenheit und auch auf mein Ziel "eine gesundere Zukunft", sah ich nur noch das Leben vor mir und ich lebte weiter. Ein Wunder? Nein! – Der Knoten war geplatzt. –

Liebe Caro, ich wünsche dir von Herzen, dass auch bei dir der „Knoten bald platzt.“
Ich hoffe sehr, dass du dazu keine weiteren Medikamente benötigst.

Wenn ich dir irgendwie weiterhelfen kann, stehe ich dir gerne zur Verfügung.

Mit lieben Grüßen
von
Astrid
Caro
Beiträge: 50
Registriert: 11.10.2003 08:45
Wohnort: Bremen

Beitrag von Caro »

Hallo Astrid!

Danke für deine lieben Worte! Wielange hat die Therapie denn bei dir gedauert? Nimmst du heute noch Medikamente ein? Mein Therapeut hat mir gestern gehörig den Kopf gewaschen. Und ich muss sagen, das hat mir sehr sehr gut getan! Ich mag diese Mitleidsnummern von Aussenstehenden nicht. Er sagt, ich bin egoistisch, total negativ eingestellt und würde allen anderen die Schuld geben. Und die, die mir helfen wollen würde ich mit Trotz begegnen. Das hat er gesagt, weil ich dieses Medikament nicht nehmen will. Was soll ich sagen, ich habe schmunzelnd
die Praxis verlassen. Denn ich weiss ja, irgendwie hat er Recht. Trotzdem bin ich momentan nicht in der Lage das zu ändern.
Aber ich bleib am Ball...............

Liebe Grüsse aus Bremen
Caro
Astrid
Beiträge: 313
Registriert: 26.11.2003 18:02
Danksagung erhalten: 1 Mal

Beitrag von Astrid »

Hallo Caro,

meine Therapie dauert immer noch an. Zur Zeit nehme ich weiterhin Paroxetin 20mg.

Meine erste psychologische Beratung hatte ich wegen Prüfungsängsten am Ende meines Studiums. Sieben Jahre später begann ich eine Gestalttherapie, die ich von mir aus beendete. Der Therapeut brachte mich immer wieder provokant auf ein Thema (DAS Thema). Ich spürte, dass ich das nicht wollte. Warum auch immer. Ich hatte Zweifel daran, dass mein Therapeut nicht vertrauens- und verständnisvoll genug mit mir umgehen würde. Hatte Angst mich zu öffnen. Das war mir zu heikel.
Damals hatte ich noch keine Worte für meine Empfindungen, für diese unerträglichen Zustände.
1994 brach ich am Arbeitsplatz zusammen. Es war ganz klar auf Stress zurückzuführen. Ich wurde medizinisch untersucht. Alles war im Grünen Bereich. Bis eine Freundin mir einen empfahl einen Freund von ihr (Neurologe) zu konsultieren. Gesagt getan. Ergebnis: Panikattacken. Nie gehört das Wort, jedenfalls nicht im Zusammenhang mit mir bekannten Menschen. Aber eine Therapie schien es mir schon Wert zu sein.
Ich war von NLP fasziniert und suchte mir eine Psychologin, die neben ihrer Grundausbildung in Verhaltenstherapie und Hypnotherapie eine Zusatzausbildung in NLP gemacht hatte. NLP versprach schnelle Heilung – dachte ich damals. Ich ging davon aus in sechs Stunden geheilt zu sein und staunte nicht schlecht, als ich nach 25 Stunden sogar einer Verlängerung der Therapie zustimmte. Mit dem Ehrgeiz so schnell wie möglich „fertig zu werden“ nahm ich nur noch zwei zusätzliche Stunden in Anspruch und fühlte mich stark genug und bestens vorbereitet für mein neu entdecktes Leben. Die Therapeutin war übrigens Spitze.

Doch dann kam´s erst so richtig dicke. So, wie es kommen musste. (s. Erfahrungsbericht).
Ich bin wieder bei der selben Therapeutin. Mittlerweile lachen wir über die irgendwann einmal angedachten 6 Stunden. Ich schöpfe das volle Programm aus und „Das ist auch gut so.“

Caro, du nimmst dir vor, am Ball zu bleiben.
Tu das, kann ich dir nur aus eigener Erfahrung sagen.
Es lohnt sich! Irgendwann kommt der Tag an dem man zurück schaut. Und glaub mir, nichts ist schöner als das erste Mal einen Unterschied im Heute zum Gewesenen festzustellen.

Ich wünsche dir, dass du ohne zusätzliche Medikamente und Seelenqualen, sondern mit Zuversicht und Vertrauen auf deine eigene Kraft dort hin kommst.

Mit vielen lieben Grüßen

Astrid
Matthias
Beiträge: 38
Registriert: 25.10.2003 17:51

Beitrag von Matthias »

Hallo Caro!

Antiepileptika werden bei manisch-depressiven Patienten verordnet, um extreme Stimmungsschwankungen zu verhindern.

Antiepileptika haben sehr wahrscheinlich keine antidepressive Wirkung.

Einer meiner Ex-Psychiater wollte auch, daß ich unbedingt ein AE nehme, was ich jedoch nicht gemacht habe, weil es mir aufgrund der Indikation sinnlos erschien und ich meinen Psychopharmakacocktail nicht vergrößern wollte.

Ich hoffe ich kann Dir damit Deine Entscheidung erleichtern.

Sprich deinen Arzt auf jeden Fall an, was genau er sich davon erwartet wenn Du das AE nimmst.

Die Antwort "Daß es Ihnen besser geht" ist zuwenig!

Wenn ich ein Medikament nehmen soll, dann müssen damit konkrete Symptome behandelt werden.

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, daß viele Psychiater ungefähr eine Millisekunde nachdenken, bevor sie ein Medikament verordnen.

Wenn der Patient diese Entscheidung dann in Frage stellt, ja sogar sehr plausible Argumente dagegen vorbringt, ist das für den Arzt natürlich eine unangenehme Situation.

Aber ich nehme sicher kein Medikament, damit sich der Arzt besser fühlt!
Gesperrt