Will keine Ad's mehr
Verfasst: 10.12.2005 20:48
von Sharon
Hallo alle zusammen,
ich habe bis vor ca. 4 Monaten Paroxetin genommen und bin dann auf Citalopram gewechselt.
Von der Wirkung her ist Citalopram mit Paroxetin nicht zu vergleichen.
Ich habe trotz der Einnahme von Citalopram in letzter Zeit Angstzustände , von der ständigen Unruhe garnicht zu sprechen.
Ich bin nun dabei das Citalopram zu reduzieren, bekomme aber je mehr ich reduziere immer schlimmere Angstzustände (Panikattacken).
Das schlimmste ist das ich das Gefühl habe das der Boden schwankt, ging mir letztens im Kaufhaus so, ich wäre am liebsten vom Parkdeck gesprungen weil ich das Gefühl hatte das ich durchdrehe. Ich habe mich dann erstmal ins Auto gesetzt und geheuelt.
Ich bin jetzt von 20mg bis 5mg gekommen, weiß jedoch nicht wie ich diese Menge noch teilen kann.
Habt ihr ein paar Tips? Vieleicht auch Tips was gegen die Unruhe hilft?
Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
gruss Susan
Re: Will keine Ad's mehr
Verfasst: 11.12.2005 04:19
von Mausi
Welche Schlafmittel gibt es?
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Als Schlafmittel können verschiedene Substanzen eingesetzt werden, angefangen von „harmlosen“ pflanzlichen Mitteln bis hin zu den sehr starken - heute üblicherweise nicht mehr verwendeten - Barbituraten. Die am häufigsten verschriebene Substanzgruppe sind die Benzodiazepine, gefolgt von Antidepressiva und Neuroleptika.
Die Wahl eines Schlafmittels hängt von verschiedenen Faktoren ab:
· Ursache der Schlafstörungen (so wird man z.B. bei Schlafstörungen, die durch eine Depression verursacht werden, zunächst Antidepressiva verwenden)
· Symptomatik (Ein- und/oder Durchschlafstörungen)
· Alter des Patienten
· Dauer und bisherige medikamentöse Therapie der Schlafstörung
· Andere Faktoren, bei denen bestimmte Medikamente nicht verschrieben werden dürfen (u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen, Augenerkrankungen wie „Grüner Star“, Suchterkrankungen in der Vorgeschichte des Patienten).
Übersicht: Schlafmittel
1. Benzodiazepine
2. Neuere Nichtbenzodiazepine
3. Antidepressiva
4. Neuroleptika
5. Antihistaminika
6. Chloralhydrat (Chloraldurat)
7. Clomethiazol (Distraneurin)
8. Pflanzliche Präparate
9. Sonstige Substanzen (Serotonin, L-Tryptophan, Melatonin)
10. Barbiturate und andere veraltete Substanzen
1. Benzodiazepine:
Benzodiazepine (heute insbesondere die unten aufgeführten „Neue Nichtbenzodiazepine“) gelten als Schlafmittel der ersten Wahl. Sie wurden als letzte der großen Psychopharmakagruppen (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium) entdeckt und werden seit 1960 gegen verschiedene Störungen eingesetzt. Zu ihrer weiten Verbreitung hat vor allem beigetragen, dass das Verhältnis von Nutzen und Nebenwirkung bei diesen Mitteln im Vergleich zu anderen schlafanstoßenden Substanzen äußerst günstig ausfällt. Sie sind zudem das am besten und am häufigsten untersuchte Psychopharmakon.
Benzodiazepine bewirken im Gehirn, dass vorhandene Hemm-Mechanismen in ihrer Wirkung verstärkt werden. Bildlich gesprochen: Stellen Sie sich unser Gehirn wie eine Maschine vor: Im Wachzustand läuft diese Maschine sehr schnell. Um in den Schlaf zu gelangen - aber auch in anderen Situationen, wenn diese schnelle Aktivität hinderlich wird (z.B. wenn man sich in einen Erregungszustand wie Angst hineinsteigert) - braucht man also eine Bremse. Die wichtigste bremsende Substanz im Gehirn ist die sog. Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). Benzodiazepine verstärken die Wirkung von GABA.
Dabei entfalten sie mehrere Wirkungen:
· sedierend/hypnotisch (beruhigend, dämpfend bzw. müde-machend)
· muskelrelaxierend (die Muskeln entspannend)
· anxiolytisch (Angst lösend)
· sie sind „antikonvulsiv“, d.h. krampf-lösend bzw. -verhindernd
· antiaggressiv
Es gibt sehr verschiedene Benzodiazepine hinsichtlich Wirkdauer und Wirkprofil. Benzodiazepine, in deren Wirkprofil die angst-lösende Komponente stark ausgeprägt ist, werden üblicherweise als „Tranquilizer“ bezeichnet und vor allem bei Angststörungen eingesetzt. Sie wirken ebenso wie die Hypnotika, bei denen die müde-machende Wirkung im Vordergrund steht, „schlafbahnend“. D.h. sie erleichtern das Ein- und Durchschlafen, erzwingen jedoch im Gegensatz zu Barbituraten nicht den Schlaf.
Die Wirkdauer der Benzodiazepine hängt u.a. davon ab, wie schnell die Substanz im Körper wieder abgebaut wird (dieser Substanzabbau wird über die sog. Eliminationshalbwertzeit bzw. auch „Plasmahalbwertzeit“ erfasst, d.h. die Zeitdauer, in der die Stoffkonzentration im Körper auf die Hälfte des anfänglichen Wertes abfällt: diese Halbwertzeiten liegen je nach Medikament zwischen wenigen Stunden und mehr als 24 Stunden) Entsprechend unterscheidet man folgende drei Gruppen, mit denen unterschiedliche Vor- und Nachteile verbunden sind:
Wirkungsdauer
Vorteile/Funktion
Nachteile*
Kurz
Gut gegen Einschlafstörungen
Keine Tagesbeeinträchtigung
tw. Früherwachen
U.U. frühmorgendliches Erwachen
Mittel
Behandlung von Ein- und Durchschlafbeschwerden
Geringfügige Überhangeffekte am nächsten Tag
Lang
Behandlung von Durchschlafstörungen
Angst-lösend, beruhigend auch am Tage
Tagesbeeinträchtigung durch Überhangeffekte
Kumulation nach wiederholter Einnahme
*) siehe auch: Vor- und Nachteile
Die folgende Tabelle gibt eine nach Wirkdauer geordnete Übersicht über verschiedene geläufige Benzodiazepinpräparate
Übersicht Benzodiazepine
Kurz-
wirkend
Mittellangwirkend
Lang-
wirkend
Wirkstoff
Midazolam
Triazolam
Alprazolam
Bromazepam
Brotizolam
Clotiazepam
Flunitrazepam
Lorazepam
Lormatazepam
Nitrazepam
Oxazepam
Temazepam
Clonazepam
Diazepam
Flurazepam
Ketazolam
Medazepam
Prazepam
Handelsname (Beispiele)
Halcion
Dormicum
Rohypnol
Lendormin
Mogadan
Noctamid
Planum
Remestan
Lexotanil
Adumbran
Tafil
Tavor
Praxiten
Dalmadorm
Staurodorm
Valium
Librium
Tranxilium
Zu den Nebenwirkungen von Benzodiazepinen siehe: Vor- und Nachteile
2. Neue Nichtbenzodiazepine:
Zu diesen seit den 90er Jahren im Handel befindlichen Substanzen zählen
Zolpidem (Handelsname u.a.: Bikalm, Stilnox)
Zopiclon (Handelsname u.a.: Ximovan)
Zaleplon (Handelsname: Sonata)
Sie gehören von ihrer chemischen Struktur her nicht zu den Benzodiazepinen, haben aber im Nervensystem den gleichen Wirkungsort.
Wirkung:
Ihr Wirkprofil ist dem der Benzodiazepine ähnlich (beruhigend-dämpfend bzw. müde-machend, die Muskeln entspannend, Angst lösend, krampf-lösend, antiaggressiv), wobei der Haupteffekt auf der schlafanstoßenden Komponente liegt und inbesondere die angst-lösende Komponente geringer ausfällt.
Zolpidem hat im Gegensatz zu Benzodiazepinen eine weniger starke muskelentspannende und krampflösende Wirkung. Trotzdem besteht auch bei dieser Substanz bei älteren Patienten eine erhöhte nächtliche Sturzgefahr (siehe Vor- und Nachteile).
Alle Mittel dieser Gruppe sind kurzwirksam. Die Plasmahalbwertzeit beträgt bei Zolpidem (Bikalm, Stilnox) ca. 2,5 Stunden, bei Zolpiclon (Ximovan) ca. 5-6 Stunden.
Als Vorteil dieser Mittel gilt, dass die Gewöhnungseffekte und die Gefahr einer Abhängigkeit wesentlich geringer ausgeprägt sein sollen als bei Benzodiazepinen.
Sie gelten daher derzeit als das ideale Mittel zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen.
3. Antidepressiva:
So mancher Patient ist darüber irritiert, dass sein Arzt ihm ein Mittel verschreibt, das eigentlich in erster Linie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird, nämlich ein sog. Antidepressivum.
Die Verschreibung von Antidepressiva bei Schlafstörungen kann jedoch auch dann sinnvoll sein, wenn der Patient nicht unter schweren Depressionen leidet, weil einige dieser Medikamente auch eine schlafanstoßende Wirkung besitzen. Antidepressiva wirken in unterschiedlichem Maße:
· depressionslösend, stimmungsaufhellend
· beruhigend-dämpfend oder aktivierend
· antriebssteigernd oder antriebsdämpfend
Wichtig bei Depressionen: der stimmungsaufhellende Effekt tritt im Gegensatz zu den anderen Wirkungen erst nach 2-3 Wochen auf.
Zur Behandlung von Schlafstörungen greift man natürlich auf solche Antidepressiva zurück, die eine eher beruhigend-dämpfende Wirkung haben (Wirkstoff: Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin, Mianserin). Die geläufigsten Handelsnamen lauten u.a.: Stangyl, Saroten, Aponal, Sinquan, Laroxyl, Equilibrin.
Steht die Behandlung der Schlafstörung im Vordergrund, kann die Behandlung mit einer niedrigeren Dosierung begonnen werden als bei einer vorliegenden depressiven Störung (10-25 mg, ca. 30 Minuten vor dem Zubettgehen). Die optimale Dosis für eine schlafanstoßende Wirkung schwankt jedoch von Mensch zu Mensch.
Spezielle Vorteile/Nutzen der Antidepressiva-Therapie bei Schlafstörungen:
· Antidepressiva haben ein wesentlich geringeres Abhängigkeitspotential als Benzodiazepine. Sie werden daher bevorzugt bei einer länger andauernden Behandlung eingesetzt, sowie bei Patienten, die in ihrer Vorgeschichte oder gegenwärtig eine Suchterkrankung oder Medikamentenabhängigkeit aufweisen.
· Sie sind das Mittel der Wahl bei Schlafstörungen, die durch eine Depression hervorgerufen werden als auch bei solchen Schlafstörungen, bei denen es als Folge der Schlafstörung im Laufe der Zeit zu einer ausgeprägten ängstlich-depressiven Begleitsymptomatik gekommen ist.
· Sie wirken nicht muskelrelaxierend (geringere Sturzgefahr in der Nacht; geringere Beeinträchtigung der Atmung in der Nacht; sieh Vor- und Nachteile).
· Antidepressiva können vorübergehend als Zusatzmedikation zu einem Benzodiazepin gegeben werden, um das Ausschleichen des Benzodiazepines zu erleichtern
· Absetzerscheinungen sind bei niedriger Dosierung selten. Aber auch Antidepressiva sollten „ausgeschlichen“ werden
Nachteile:
· Die schlafanstoßende Wirkung ist geringer als die von Benzodiazepinen.
· Antidepressive haben deutlich mehr Nebenwirkungen als Benzodiazepine (u.a. Mundtrockenheit, Sehstörungen, Verstopfung, Blutdrucksenkung, Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheitszustände, Gewichtszunahme, Libido- und Potenzverlust, Leberfunktionsstörungen). Die Empfindlichkeit für diese Nebenwirkungen ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt.
· Antidepressiva sind langwirksame Mittel, d.h. sie wirken auch noch am Tage fort. Dieser stimmungsaufhellende, beruhigend-dämpfende Überhangeffekt kann je nach Patient und Symptomatik erwünscht oder lästig sein.
· Auch bei Antidepressiva kann es wahrscheinlich zu einer Gewöhnung bzw. Toleranzentwicklung kommen, d.h. das Mittel verliert nach einigen Wochen nach und nach seine schlafanstoßende Wirkung.
· Die Langzeitwirkung über mehrere Monate ist ebenso wie bei Benzodiazepinen nicht ausreichend nachgewiesen.
· Antidepressiva unterdrücken bzw. vermindern den Traumschlaf (REM-Schlaf) mit Ausnahme von Trimipramin („Stangyl“).
· Antidepressiva können nicht selten „Periodische Bewegungen im Schlaf“ verursachen oder - wenn schon vorhanden - verstärken und dadurch selber Schlafstörungen hervorrufen!
· Eine Überdosis kann tödlich wirken.
4. Neuroleptika
Neuroleptika sind Medikamente, die man in erster Linie zur Behandlung von schweren psychischen Störungen, den sog. Psychosen, verwendet. Sie wirken „antipsychotisch“ ohne das Bewusstsein und die intellektuellen Fähigkeiten wesentlich zu beeinflussen. Die antipsychotische Wirkung bedeutet für den unter einer Psychose leidenden Patienten, dass sich Erregungszustände, gefühlsmäßige Spannungen, Angst, Trugwahrnehmungen und wahnhafte Gedanken verringern. Sie ermöglichen auch eine Distanzierung von der Psychose, d.h. der Patient kann seinen Zustand selber als krankhaft erkennen. In der Langzeitbehandlung von psychotischen Patienten beugen die Neuroleptika außerdem einer Wiedererkrankung vor. Neben dieser antipsychotischen bzw. im eigentlichen Sinne „neuroleptischen“ Wirkung besitzen Neuroleptika - unterschiedlich stark ausgeprägt - auch eine sedierend-beruhigende und dämpfende Wirkung. Es sind diese dämpfend-beruhigenden Wirkungen, die man sich bei der Behandlung von Schlafstörungen zunutze macht.
Neuroleptika werden nach ihrer antipsychotischen Wirkung unterschieden in
· schwach/niedrig-potente Neuroleptika
· mittelstarke Neuroleptika
· starke Neuroleptika
· sehr starke Neuroleptika.
Dabei gilt: Je stärker die antipsychotische Wirkung, desto schwächer die dämpfend-beruhigende Wirkung und desto schwächer die Häufigkeit von Nebenwirkungen im Bereich der Muskulatur (sog. „extra-pyramidal-motorische Nebenwirkungen, s.u.)
Entsprechend werden zur Behandlung von Schlafstörungen in erster Linie schwache oder sog. niedrig-potente Neuroleptika herangezogen (Wirkstoffe u.a.: Promazin, Levomepromazin, Chlorprothixen, Thioridazin, Promethazin, Pipamperon, Melperon; Handelsnamen u.a.: Protactyl, Neurocil, Truxal, Melleril, Atosil, Dipiperon, Eunerpan).
Vorteile der Neuroleptika
· Sie sind das Mittel der Wahl bei Schlafstörungen, die durch eine Psychose/Schizophrenie hervorgerufen werden.
· Neuroleptika haben im Vergleich zu Benzodiazepinen ein wesentlich geringeres Abhängigkeitsrisiko. Gewöhnungseffekte (Abnahme der Wirkung, Dosissteigerung) kommen zumeist nicht vor.
· Die Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem sind geringer als bei Antidepressiva.
· Sie können als Schlafmittel eingesetzt werden bei Patienten, die keine Benzodiazepine und/oder Antidepressiva nehmen dürfen (z.B. wegen einem Abhängigkeitsrisiko).
· Sie werden häufiger bei älteren Patienten verschrieben, bei denen Spätfolgen (s.u. Nachteile) aufgrund der Lebenserwartung unwahrscheinlich sind.
· Sie sind weniger giftig als Antidepressiva.
· Keine Verminderung des Traum- (REM-) Schlafes.
Nachteile:
· Ein wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit in der Behandlung von Schlafstörungen, die nicht eine Folge von psychotischen Grunderkrankungen sind, steht noch aus.
· Neuroleptika haben - ähnlich wie Antidepressiva - wesentlich mehr Nebenwirkungen als Benzodiazepine (u.a. Mundtrockenheit, Schwitzen, Sehstörungen, Zittern, Kreislaufbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Blutbildveränderungen, Depression, in hoher Dosierung Störungen der Gesichtsmuskulatur, Gewichtszunahme usw.).
· Spätfolgen: Als Folge langjähriger Neuroleptikaeinnahme kann es zu sog. Spätdyskinesien kommen, d.h. oft nicht mehr rückgängig machbaren Störungen der Muskulatur im Bereich des Mundes, des Gesichts, der Hände und Füße.
· Aufgrund der langen Wirkdauer kommt es zu Überhangeffekten am nächsten Tag.
· Die Wirkung als Schlafmittel bei nicht-psychotischen Patienten, insbesondere die Langzeitwirkung ist bisher unzureichend überprüft.
5. Antihistaminika:
Diese Medikamentengruppe wird normalerweise zur Behandlung von Allergien eingesetzt. Einige dieser Substanzen haben auch eine schlaf-anstoßende, „müde-machende“ Wirkung (Wirkstoff: Diphenhydramin, Doxylamin). Im Handel sind diese Präparate u.a. unter folgenden Namen erhältlich:
* Dolestan
* Dormigoa
* Dormutil
* Doxylamin von ct
* Gittalun
* Halbmond-Tabletten
* Hevert-Dorm
* Hoggar N
* Nervo OPT
* Sedaplus
* sowie als Kombinationspräparat (Kombination mit einem anderen Wirkstoff) als:
* Betadorm-A
* Dolestan forte
* Moradorm
* Valeriana comp.-Hevert
* Valeriana forte-Hevert
Diese Medikamente sind bislang ohne Rezept erhältlich. Ihre schlafanstoßende Wirkung ist deutlich geringer als die von Benzodiazepinen. Ihre Wirkung tritt langsamer ein (1-3 Stunden). Die Wirkdauer ist mittellang, so dass es zu Überhangeffekten am Tage kommen kann (Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens z.B. beim Autofahren!). Bei längerem Gebrauch kommt es nach klinischen Beobachtungen zu Wirkungsverlust bzw. Gewöhnungseffekten. Tw. scheint ein Abhängigkeitspotential zu bestehen. Nebenwirkungen sind u.a.: Mundtrockenheit, Verstopfung, Beschwerden bei der Blasenentleerung, Sehstörungen, Benommenheit am Tage.
Gerade bei älteren Patienten ist Vorsicht geboten, da diese Mittel zur Entwicklung eines sog. Delirs (schwerer Verwirrtheitszustand) beitragen können.
Insgesamt ist diese Substanzgruppe in Bezug auf die Behandlung von Schlafstörungen wenig untersucht. Von diesen Medikamenten dürften wenn dann vor allem Patienten mit leichten, nicht chronifizierten Schlafstörungen profitieren. Auf der anderen Seite ist bei solchen Schlafstörungen die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie fragwürdig.
6. Chloralhydrat ( Handelsname: Chloraldurat)
Chloralhydrat ist eines der ältesten Schlafmittel, das heutzutage manchmal bei älteren Patienten noch eingesetzt wird. Seine Nebenwirkungen sind beträchtlich. Chloralhydrat besitzt eine leicht sedierende Wirkung, die innerhalb von 30 Minuten einsetzt und ca. 6 Stunden lang anhält. Die Langzeitwirkung über eine Woche hinaus ist unzureichend nachgewiesen.
Nebenwirkungen:
· Hohe Giftigkeit (5-10 gr wirken tödlich, als therapeutische Dosis werden 0,5 bis1,5 gr eingesetzt). Darf deswegen nicht bei Magen-Darm-, Leber-, Herz- und Nierenerkrankungen verschrieben werden.
· Abhängigkeitspotential, Absetzerscheinungen nach längerem Gebrauch
· Reizung der Magenschleimhaut, Übelkeit, Mundgeruch, allergische Reaktionen, Verwirrtheitszustände
7. Clomethiazol (Distraneurin)
Dieser Wirkstoff wird normalerweise nicht in der ambulanten Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt, sondern nur im Rahmen eines stationären Aufenthaltes. Distraneurin wird vor allem zur Behandlung deliranter Zustände verwendet (z.B. Alkoholdelir), manchmal auch bei hartnäckigen Schlafstörungen älterer Patienten in der Psychiatrie mit Verwirrtheits-, Erregungs- und Unruhezuständen in der Nacht.
Das Medikament hat eine ausgeprägte schlafanstoßende Wirkung, macht aber auch schnell abhängig und beeinträchtigt die Atmung im Schlaf. Es sollte nur stationär und nicht länger als eine Woche bei Schlafstörungen verwendet werden.
8. Pflanzliche Präparate
Zu den pflanzlichen Präparaten zählen folgende Substanzen:
· Baldrian (Valeriana officinalis)
· Hopfen (Humulus lupulus)
· Passionsblume (Passiflora)
· Mellisse (Mellissa officialis)
· Kawain (Extractum Kava)
Der Vorteil dieser frei verkäuflichen Mittel besteht vor allem darin, dass sie weitgehend frei sind von bedeutsamen Nebenwirkungen. In wissenschaftlichen Studien konnte eine subjektiv schlafverbessernde und stimmungsaufhellende Wirkung nachgewiesen werden. Erste objektive Studien zeigen auch eine Verbesserung der Schlafstruktur.
Insgesamt ist aber die schlafanstoßende Wirkung dieser Mittel deutlich geringer als die der bisher angesprochenen Substanzklassen. Sie eignen sich daher vor allem zur unterstützenden Behandlung leichter, nicht chronischer Schlafstörungen.
Sie können auch als Zusatzmedikation das Ausschleichen anderer Schlafmittel unterstützen.
9. Andere Substanzen
9.1. L-Tryptophan
Aus L-Tryptophan wird im Organismus der Botenstoff Serotonin gebildet, der sowohl im Rahmen der Schlaf-Wach-Regulation, als auch bei Depressionen eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Der schlafanstoßende Effekt dieses Mittels ist gering. Eine Verbesserung des Schlafes zeigt sich erst nach mehrwöchiger Einnahme. Das Medikament wurde 1989 wegen Verunreinigungen bei der Herstellung vom Markt genommen, ist jetzt aber seit einiger Zeit wieder erhältlich.
Als alternativer medikamentöser Therapieversuch dürfte es vor allem bei Patienten in Frage kommen, die keines der oben genannten Schlafmittel wg. deren Nebenwirkungen vertragen. L-Tryptophan kommt in einer ganzen Reihe von Nahrungsmitteln vor. Die Einschlafhilfe „Heiße Milch mit Honig“ geht wahrscheinlich auf einen Tryptophan-Effekt zurück, da Milch diesen Stoff enthält. Wichtig für die Wirksamkeit ist in diesem Fall das im Honig enthaltene Zuckermolekül, das als Transportmittel dient, um das L-Tryptophan ins Gehirn zu bringen.
9.2. Melatonin
Melatonin ist ebenfalls chemisch verwandt mit Serotonin und wird im Körper aus dem natürlich vorkommenden L-Tryptophan gebildet. Melatonin wird selber auch vom Körper in der Zirbeldrüse (Epiphyse) produziert. Es ist als Botenstoff wesentlich an der Steuerung der Tag-Nacht-Rhythmen beteiligt. Es war bis in die 90er Jahre als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich, wurde dann aber vom Markt genommen. Z.Z. ist das Mittel nur im Ausland erhältlich.
Eine schlafanstoßende Wirkung von Melatonin ist nachgewiesen. Eine Verbesserung bei chronischen Schlafstörungen konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Wirksamkeit entfaltet Melatonin vor allem bei Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen und bei Schlafstörungen infolge eines Jet-lags.
Über Nebenwirkungen insbesondere einer längerfristigen Einnahme ist bislang wenig bekannt.
10. Barbiturate und andere „veraltete“ Substanzen:
Diese Medikamentengruppe wird hier nur aus historischen Gründen angeführt. Vor Entdeckung der sog. Benzodiazepine wurden Barbiturate sehr häufig zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Im Gegensatz zu den heutigen Schlafmitteln wirkten die Barbiturate schlaf-erzwingend, d.h. bei ausreichender Dosierung schläft jeder ein, ob er will oder nicht, und ist auch nur sehr schwer weckbar. D.h. diese Mittel wirken nicht nur hypnotisch (Schlaf-anstoßend) sondern „narkotisch“. Das mag so manchem Schlafgestörten in verzweifelten Nächten verlockungsvoll klingen. Die Nebenwirkungen dieser Substanzgruppe sind jedoch so massiv, dass sich eine Therapie von Schlafstörungen mit ihnen verbietet bzw. als „obsolet“ (veraltet) und nicht empfehlenswert gilt. Zu diesen Nebenwirkungen zählen u.a.:
· hohe „Toxizität“, d.h. hohe Giftigkeit - Barbiturate waren früher das Selbstmordmittel Nr.1
· hohe Gewöhnungsgefahr: Häufig schon nach wenigen Tagen, lässt die Barbituratwirkung nach - der Schlaf ist wieder gestört
· hohe Suchtgefahr: schon nach einer Kurzzeiteinnahme kann es zu erheblichen Entzugserscheinungen kommen.
Barbiturate sind u.a. unter folgenden Namen auch heute noch (allerdings zur Behandlung von Epilepsie) auf dem Arzneimittelmarkt: Lepinal, Luminal, Luminaletten, Phenaemal, Phenaemaletten
Andere veraltete Substanzgruppen: Ähnlich wie die Barbiturate werden auch andere -früher verwendete Substanzen - wie z.B. Bromsalze - heute nicht mehr zur Therapie von Schlafstörungen eingesetzt. Ein trauriges Ende nahm am Ende der Barbiturat-Ära der neuartige Wirkstoff „Thalidomid“ (Handelsname „Contergan“). Dieser Wirkstoff weckte deswegen so große Hoffnungen, weil er im Gegensatz zu den Barbituraten so gut wie keine Vergiftungserscheinungen hervorrufen konnte. Wegen dieser geringen Nebenwirkungen wurde das Mittel auch in großem Umfang schwangeren Müttern verschrieben, bevor 1961 - zu spät - bekannt wurde, dass Contergan zu Missbildungen führte. Als Folge wurden etwa 10.000 Kinder behindert geboren. Außerdem stellte man fest, dass Contergan bei längerer regelmäßiger Einnahme zu teilweise irreparablen Schäden der Nerven führen kann.
Verfasst: 11.12.2005 23:51
von Kirsten
Hi!
Die Unruhezustände sollen wohl leider echt so sein mit Citalopram.
Aber gegen den Zustand, dass der Boden unter Deinen Füßen wankt = Schwindel, da habe ich Atemübungen gegen gemacht. Ist es bei Dir vielleicht auch Hyperventilation wie bei mir?
Ich habe den Schwindel mit Atemübungen unter Kontrolle gekriegt:
Luft anhalten, bis sechs zählen, dann eins zwei drei zählen beim Ausatmen, vier fünf sechs beim Einatmen. 10 mal so ganz ruhig ein- und ausatmen, dann wieder die Luft anhalten und bis sechs zählen. So oft wie man mag wiederholen. Dabei sich irgendwo anlehnen! Statt zählen, kann man auch denken: "Ich entspanne mich, mir geht es gut." Probiers mal aus!
Akut? Dann ruhig 10 mal in eine Plastiktüte atmen (wenn keiner guckt;-) Also mir hat das sehr gut geholfen. Weiß aber nicht ob es anderen schon jemals geholfen hat. Die Schwindelanfälle werden sicher daduch nicht gleich weniger, aber man kann ihnen begegnen und unter Kontrolle kriegen.
trotz oder wegen?
Verfasst: 14.12.2005 15:37
von Marsupilami
Hallo Susan,
vielleicht hast Du nicht trotz sondern wegen der Tabletten diese Erscheinungen mit der Angst. Wenn man die Beipackzettel der ADs liest, sieht man ja, dass sie eigentlich alle genau die Sachen erzeugen können, die sie eigentlich bekämpfen sollen. Ich habe mal kurz Zoloft genommen und in der 2. Woche haben sich bei mir auch die Angst- u. Depressionssymptome noch mehr verschlimmert, dass ichs wieder ausgeschlichen habe.
Grüße vom Marsupilami