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Ist Arztwechsel zu empfehlen?

Verfasst: 19.06.2004 11:01
von chingo
Hallo zusammen!
ich bin seit 6 Jahren depressiv, mal mehr mal weniger, dieses Auf und Ab macht mich mit der Zeit kaputt. Ich bin 44 Jahre alt und habe gerade meine Ehescheidung hinter mir. Außerdem musste ich mein Haus verkaufen, weil ich vor 5 Jahren Erwerbsunfähigkeits-Rentner wurde.
Es dreht sich alles im Kreis, ohne ersichtlichen Fortschritt, was meine Depression angeht, nun meine Frage:
Soll man, wenn nichts vorwärts geht den Arzt wechseln, der bisherige kennt deine Geschichte doch vollkommen. Der neue müsste alles wieder neu aufnehmen, um sich ein Bild von einem zu machen?
Kann man selber vom Arzt verlangen, ein anderes AD zu erhalten?
Wenn ich beim Arzt bin, hab ich immer Angst davor, etwas neues vor zu schlagen, und so bleibt alles beim alten Zustand.
Ich nehme immer die gleichen Medis, allerdings in unterschiedlicher Dosierung, welche ich mir selber verordne. Saroten 50 mg und Zoloft 25 mg täglich. Für eure Stellungnahme wäre ich euch dankbar...
liebe Grüße von
Chingo

Verfasst: 23.06.2004 22:22
von Oliver
Hallo Chingo.

Sorry das Dir bisher noch niemand geantwortet hat ... es ist aber auch schwer etwas dazu zu sagen. Ich würde sagen, es ist vielleicht ratsam die Strategie zu wechseln statt nur den Arzt. Was tust Du denn sonst noch, um Deine Depressionen zu überwinden?

Alles Gute
Oliver

Re: Ist Arztwechsel zu empfehlen?

Verfasst: 29.06.2004 09:57
von tcu46049
chingo hat geschrieben:Hallo zusammen!
(...)Kann man selber vom Arzt verlangen, ein anderes AD zu erhalten?
Wenn ich beim Arzt bin, hab ich immer Angst davor, etwas neues vor zu schlagen, und so bleibt alles beim alten Zustand.
(...)
Chingo
Hi,
natürlich kann man dem Arzt vorschlagen, ein andere AD auszuprobieren,
auch wenn viele Ärzte ihre Favoriten haben.

Mein Arzt z. B. verschreibt sehr gerne Opipramol, seltener Doxepin und
etwas häufiger Citalopram, zur Beruhigung kurze Zeit Alprazolam, bei
mir nicht mehr, mir darf er nur noch z. B. niederpotente Neuroleptika
zur Beruhigung verschreiben.

Ich gehe auch seit Jahren zu dem selben Arzt, als ich letzte Mal aus
dem Krankenhaus war und der Oberarzt mir dort Doxepin vorge-
schlagen habe, habe ich das auch einfach meinem niedergelassen
Psychiater vorgeschlagen, und er hat es verschrieben.
Da mich persönlich Doxepin zu müde gemacht hat, ist er auf Citalopram
gewechselt, mit Promethazin.

Noch vor ein paar Jahren hätte ich mich nie im Leben getraut zu sagen
das ich mit der aktuellen Medikation nicht zurecht komme, aber
irgendwann hat man entweder "den Dreh", oder man hat ein Gespür
dafür, wie man dem Arzt vorschlagen kann, die Medikation zu wechseln,
ohne das es direkt so klingt, als wüsse man als Patient alles selber.

Das mag von Arzt zu Arzt verschieden sein. Wenn man unbedingt
den Psychiater wechseln will, kann es ratsam sein, einmal diverse
Selbsthilfegruppen in der Stadt anzurufen, je nach Größe der Stadt
gibt es davon mehr oder weniger viele.
Die meisten Selbsthilfegruppen haben durch die Anzahl der Mitglieder
meistens Erfahrung mit allen Neurologen / Psychiater der Stadt.

Grüße
tcu46049

Verfasst: 06.07.2004 11:52
von chingo
Hallo Oliver,
danke für deine Antwort, tschuldige daß ich mich jetzt erst melde.
War lange nicht mehr am Computer, es wechseln meine Tätigkeiten halt auch so oft, wie mein innerer Seelenzustand. Ich versuche phasenweise immer was anderes um gegen das Monster Depression an zu kämpfen.
Momentan gebe ich mich sehr viel mit der Bibel ab, nach dem ich ein paar junge Menschen kennen gelernt habe, welche in einer christlichen Organisation tätig sind.
Auch schleppe ich mich immer wieder zu meinem Freund und dessen Frau, um mit ihnen einige Stunden zu verbringen.
Das alles und noch einiges anderes wechselt sich immer in Phasen von mehreren Tagen bis Wochen ab. Aber ich komme mit meiner Depri nicht voran. Diese Woche will ich zu meiner Nervenärztin gehen und mal mit ihr sprechen.
Liebe Grüße von Chingo

Verfasst: 06.07.2004 12:05
von chingo
Hallo tcu46049,
danke für deine Antwort, ich hab mir jetzt mitlerweile fest vorgenommen, meinen Arzt um einen Therapiewechsel zu bitten. Bn gespannt, diese Woche gehe ich noch zu ihm.
Hast du selbst schon Erfahrung mit solchen Selbsthilfegruppen, von denen du schreibst?
So was wäre für mich auch ein Fortschritt glaube ich, weil ich ja auch an sozialer Phobie sehr zu leiden habe.
Wenn ich irgend wo hingehen möchte, zB ins Kino oder Theater usw.
muß ich mich voher beruhigen, damit ich die bevorstehende Angst eindämmen kann. Die Beruhigung erreiche ich manchmal mit Tavor, meistens mit Alkohol.
Mit Alkohol, das weiß ich, ist bestimmt der falsche Weg, aber wenn man doch nicht weiter kommt!!!???
Und Tavor macht auch süchtig, die einzige Möglichkeit ist, daheim zu bleiben, Türe abschließen und dahinsiechen.
Liebe Grüsse von Chingo

Verfasst: 06.07.2004 13:36
von Uschi
Hallo chingo,
ich würde Dir raten mit Deinem Arzt über Deine Medikamente zu reden, oder eventuell auch einen Arztwechsel.Diese Medikamente scheinen Dir ja nicht wirklich zu helfen.
Wenn Du schon Medikamente nimmst, sollten es auch welche sein, die Dir helfen. Dann fällt es Dir auch leichter an Deinen Ängsten zu arbeiten.
Pass auf mit dem Alkohol er bringt Dir nur noch ein zusätzliches Problem. Auch mit Deinen neuen Freunden sei vorsichtig, diese christlichen Organisationen suchen sich oft Menschen aus, die Probleme haben. Es ist ja sicher nicht verkehrt die Bibel zu lesen, aber ob Dir das was bringt?
Du mußt Dich dem Leben jetzt stellen, Du mußt an Deinen Ängsten arbeiten. Alles andere hilft Dir nicht, das kann ich nur aus Erfahrung schreiben. Versuch doch mal in ganz kleinen Schritten Dich Deiner Angst zu stellen, anstatt Dich daheim zu verkriechen und dahinzusiechen! Du mußt Dir einfach sagen, was hab ich zu verlieren, außer meinem Leben.
Und das verlierst Du nicht, auch wenn Du denkst Du stirbst vor Angst. Einfach Schritt für Schritt. Versuchs doch einfach mal!
Wenn Du da mal einen Vorschritt siehst wird es sicher auch mit Deinen Depressionen besser.

Ich wünsch Dir viel Kraft und alles liebe Uschi

Verfasst: 06.07.2004 14:04
von Oliver
Hallo Chingo.

Solange Du noch auf der Suche bist, besteht auch Hoffnung. Was dann Deine persönliche Lösung ist, kannst nur Du wissen.

Oliver

Verfasst: 06.07.2004 20:16
von tcu46049
Hi,

mit Selbsthilfegruppen habe ich bisher - außer die, die sich im Kranken-
haus vorgestellt haben - keine Erfahrung.

Vor allem denke ich auch, bezogen auf meine Suchtprobleme, dass wenn
ich zu einer Selbsthilfegruppe gehe und darüber rede, ich nur wieder ein
stärkeres Verlangen nach den Suchtmitteln haben könnte....

....oder auch nicht...... also zur Zeit weiss ich leider nicht so genau was
richtig und falsch ist. Dummerweise hat es mich gestern quasi wieder
überkommen und habe mir wieder zwei Packung "Codein" besorgt :shock:

"Musste" dann gestern natürlich auch wieder eine knappe Packung
schlucken, was (leider) auch ein ziemlich geniales Gefühl war......
Dafür konnte ich dann nachts überhaupt nicht schlafen weil ich davon
so aufgekratzt war, dass ich mich heute hauptsächlich körperlich total
erschlagen fühle und den halben Tag verschlafen habe (anscheinend
musste ich den Schlaf unbedingt nachholen).

Üble Sache .........

Grüße
tcu46049

chingo hat geschrieben:Hallo tcu46049,
danke für deine Antwort, ich hab mir jetzt mitlerweile fest vorgenommen, meinen Arzt um einen Therapiewechsel zu bitten. Bn gespannt, diese Woche gehe ich noch zu ihm.
Hast du selbst schon Erfahrung mit solchen Selbsthilfegruppen, von denen du schreibst?