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Absetzen von Seroxat

Verfasst: 24.06.2004 14:40
von AnjaC
Hallo an alle!
Fast habe ich geglaubt, es geht alles von vorne los, da habe ich dieses Forum entdeckt. Bin so dankbar, daß es dieses Forum gibt.
Aufgrund einer Angsterkrankung mit somatischen Beschwerden (ich habe monatelang geglaubt, ich sei totkrank), habe ich mich im vergangenen Jahr während meiner Psychtherapie entschlossen Seroxat (20mg) zu nehmen. Ich habe lang gezögert, da ich doch immer die "Starke" bin, die alles allein kann und niemand braucht und die sämtliche Arten von Abhängigkeiten (Nikotin, Alkohol etc.) haßt.
Irgendwie kam ich trotz Therapie aus diesem Loch nicht heraus. Mitten in der Krankheit ist auch noch unsere Tochter (damals acht Jahre) sehr krank geworden und wir wußten nicht, ob die es überlebt (Ist alles wieder 100% in Ordnung).
Ich habe die Verbesserung nur schleichend wahrgenommen, die Zeiten in denen es gutging wurden nach und nach immer länger und mehr. Mit meinen körperlichen Beschwerden kam ich immer mehr klar und irgendwann habe ich sie wochenlang nicht mehr gespürt. Ich habe die Therapie im Februar dann ausschleichen lassen, da ich meinte,meine Probleme erkannt zu haben. (Ist nichts besonderes, immer wieder kommt die Abhängigkeit von meinen Eltern ins Spiel).
Seroxat habe ich auf 10mg reduziert ohne irgendetwas zu merken. Dann habe ich auf 5mg reduziert vor ca. 3-4 Wochen. Meine Therapeutin meinte, ich kann sie auch ganz absetzen, sie hätte von Absetzsyndromen bei ihren Patienten nie gehört. Leider bekam mir das Absetzen nicht so gut und deshalb meine Frage:
Können von der Reduzierung auf 5mg vor 3 Wochen jetzt erst Reaktionen eintreten? Zu Beginn hatte ich die bekannten Stromstöße -ich habe sie immer Hirnzucken genannt-, mit denen ich aber leben konnte. Jetzt bin ich sehr antriebslos und müde, viele körperlichen Symptome wie Kopfdruck, Oberbauchbeschwerden und allgemeines oft nicht zu beschreibendes Unwohlsein. Können dies wieder erste Symptome für eine Neuerkrankung sein oder handelt es sich wirklich um Absetzsymptome, die erst jetzt so massiv werden? Für eure Antworten bin ich euch dankbar und grüße alle

Anja

Verfasst: 24.06.2004 14:57
von Oliver
Hallo Anja.

Willkommen im Forum :)

Hoffe, das Du hier die Unterstützung findest die Du brauchst.

Wenn Du wissen willst, ob Du Absetzerscheinungen hast, gehe am besten wieder auf die letzte Dosierung, bei der Du noch keine Probleme hattest zurück. Wenn es Dir dann innerhalb von ein paar Tagen wieder bessser geht, weisst Du es genau. Lies mal unser Infopaket (Link in meiner Signatur)

Alles Gute
Oliver

Verfasst: 24.06.2004 16:30
von Hippo
Hallo Anja,

da ich in Deiner Geschichte einige Parallelen zu meiner eigenen gefunden habe, möchte ich mal spontan antworten...
Ich denke erstens, daß Du beim Absetzen etwas zu schnell vorgehst. Aber klar, wenn die ersten 10 mg scheinbar spurlos an einem vorrübergehen, ist man geneigt, in ähnlichem Tempo weiterzumachen. Eine verzögerte Reaktion auf die 5mg ist glaube ich schon möglich, hört man immer wieder. Da das "Hirnzucken" (...treffende Bezeichnung übrigens) zu 100% ein Absetzsymptom ist (auch wenn Ärzte oder Therapeuthen noch niiiiiiie was davon gehört haben...), halte ich es bei Dir für sehr wahrscheinlich, daß auch die übrigen (typischen) Symptome eher vom Absetzen kommen. Gerade für "Krankheits-Phobiker" ist diese Unterscheidung natürlich extrem wichtig.
Wenn die Symptome momentan einigermaßen auszuhalten sind, könntest Du versuchen, die 5 mg durchzuziehen und eben auf keinen Fall weiter zu reduzieren, bevor diese nicht verschwunden sind (...könnte aber dauern). Wenn nicht, eben wieder auf 8 oder 10 erhöhen, um nach Besserung in noch kleineren Schritten zu reduzieren.

Alles Gute noch !
Hippo

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Absetzzeit 8 Monate
seit 12.04.04 auf 0

Verfasst: 25.06.2004 12:35
von AnjaC
Hallo Hippo,
danke für deine Antwort (auch an Oliver). Ich habe keine Lust, die Dosis zu erhöhen. Bei mir ist es einfach so: wenn ich mir erklären kann, woher die Symptome kommen (Absetzen und nicht Neuerkrankung) kann ich damit leben. Ich habe eben nur wahnsinig Angst, daß wieder alles von vorne losgeht.
Dein Gewichtsverlust nach Seroxat läßt mich hoffen. Ich bin zwar groß (1,78m) und das Gewicht ist nicht so leicht zu erkennen, aber leider passen viele Kleider nicht mehr.
Mich würde aber interessieren, wie es dir nach Seroxat sonst noch geht, ob du "ganz geheilt" bist oder mit einigen Dingen einfach besser klar kommst?
Danke und Gruß ANJA

Verfasst: 25.06.2004 15:14
von Hippo
Hallo Anja,

O.K., das kenne ich auch. Man kann durch Symptome oder gar Schmerzen gehen, schlimmer ist die Angst oder die Ungewissheit über die Gründe dafür. Extreme Realisten haben genau mit den Sachen Probleme, die nicht oder nur schwer erklärbar sind (...und darunter fällt ein großer Teil der Psychosomatik).
Die Frage nach meinem Befinden würde ich prinzipiell mit GUT beantworten, aber was ist schon "ganz geheilt" ?
Paroxetin hat mich therapierbar gemacht und hat vor allem einen großen Teil dazu beigetragen, daß so was wie "phobischer Schwindel" überhaupt in meinem Realistenschädel ankommt, da sich alle meine körperlichen Symptome erheblich und schlagartig besserten. Zusammen mit der ausführlichen und eindeutigen Befundlage war es letztendlich das einzige, was mich überzeugen konnte. O.K., mit der Absetzproblematik wurde ich erst später konfrontiert und auch da möchte ich mit einem abschließenden Urteil noch etwas warten...
Es gibt einige Erklärungen dafür, wie ich in diesen Sumpf hineingeraten bin und ich glaube auch nicht, daß ich jemals wieder solche Angst haben werde. Dennoch, neue, diffuse Symptome und ein aktivierter "Body-Scanner" - und man wird zumindest wieder unsicher...

LG
Hippo