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10 Jahre Fluctin

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Das-kleine-Runde

10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Montag, 06.09.10, 16:21

Hallo Ihr Lieben, :hug:
ich bin sehr froh, endlich ein Forum gefunden zu haben, in dem kritisch und unzensiert über SSRI gesprochen wird.
Ich habe von 1998 bis 2008 fast ununterbrochen Fluctin genommen und dadurch mein Leben ruiniert. - :cry:
Angefangen hat die Misere nach der Trennung von meinem damaligen Mann, die mich sehr aus dem Lot gebracht hat. Ich war verzweifelt und auch ein Stück depressiv, dazu kamen Wohnungssuche und was sonst alles nach einer Trennung zu tun ist, während meine Berufsausbildung kurz vor dem Abschluß stand.
Freunde rieten mir zu einer Psychotherapie, um besser mit der neuen Situation zurechtzukommen, und ich dachte, "warum nicht".
Der Therapeut empfahl mir zusätzliche medikamentöse Behandlung mit Fluctin nach der Diagnose Depression und Angststörung. Vorher hatte ich gelegentlich 20mg Diazepam gegen Angstzustände genommen, das wollte er nicht verschreiben wegen der Suchtgefahr, obwohl ich nie dazu tendiert habe, regelmäßig Valium zu nehmen oder die Dosis zu erhöhen und damit auch arbeiten konnte.
Ich beschaffte mir das damals einzige deutschsprachige Buch zum Thema SSRI, "Glück auf Rezept" von Peter Kramer, das ja eigentlich ein wissenschaftlich verpacktes Werbeheftchen ist, was ich leider erst heute weiß. Ich fand Fluctin nach der Lektüre unbedenklich und begann es einzunehmen.

Leider hatte ich keine für mich schlimme Nebenwirkung, das hätte mich vielleicht dazu gebracht, es abzusetzen. Ich fühlte mich damit wohl, richtig oben auf, stark, selbstbewußt, dem Leben wieder gewachsen. Ich hatte das Gefühl, jetzt wäre ich endlich ich selbst.

Ich wurde unter Fluctin ein anderer Mensch, meine Persönlichkeit hatte sich sehr verändert. Gelegentlich machte eine Bekannte eine kritische Bemerkung darüber, was mich aber nicht im geringsten gekratzt hat in meiner chemischen Vernebelung.
Unter Fluctin hatte ich andere Prioritäten als zuvor oder danach, Verhaltensweisen, die ich nüchtern nicht akzeptieren kann.
Aber ich war voll und ganz überzeugt, das Richtige zu tun. Ich war nicht mehr fähig, mich selber kritisch zu hinterfragen.
Blind und taub für alles, ermuntert von meinem ewig lächelnden, kein Problem wahrnehmenden Behandler demontierte ich derweil mein Leben: :sick: :(

Ich kündigte kurz nach Medikationsbeginn meinen Job in meinem Traumberuf, für den ich vorher so hart gekämpft hatte, weil ich das momentane Wohlbefinden meines Urlaubs ins Unendliche ausdehnen wollte.
Ich wurde sehr aggressiv und geriet in Auseinandersetzungen um Themen, die ich vorher ruhig besprochen habe. Ich war gewaltbereiter als jemals sonst in meinem Leben.
Ich empfand keine Verbundenheit zu meinen Freunden mehr. Bei Dissonanzen habe ich schnell den Kontakt abgebrochen, obwohl ich ein geselliger Mensch bin.
Ich konnte keine Liebe mehr empfinden. Ich bin eigentlich ein sehr partnerbezogener Mensch.
Ich scherte mich nur noch wenig um Normen und Regeln. Ich handelte mir Anzeigen wegen Bagatellen ein, obwohl vor und nach Fluctin nie mit dem Gesetz in Konflikt.
In meiner Gleichgültigkeit begann ich, Sauberkeit und Ordnung für nebensächlich zu halten, bis meine Wohnung fast verwahrlost war, obwohl kein Hang zum Messietum ohne Fluctin.
Ich machte mehrere 1000€ Schulden, obwohl ich sonst ein Sparerle war und wieder bin.

Ich teilte alle Fakten in meinem Leben dem verantwortlichen Behandler mit. Der erklärte mir, meine psychische Erkrankung hätte sich verschlimmert.
Kritische Informationen, die in der englischsprachigen Literatur bereits Mitte der 90er veröffentlich wurden, z.B. Peter Breggin "Talking back to Prozac", erwähnte er in einem kleinen Nebensatz zusammen mit "Verschwörungstheorie" . Ich glaubte immer noch...
Ich lebte in meinem Universum, in dem nur ich wichtig war und Fluctin.

Dann kamen neue Medienberichte über die Gefahren von SSRI, bis endlich neben Selbstmord auch Agressivität und Persönlichkeitsverändderungen erwähnt wurden und ich entsetzt vorm Fernseher gesessen bin und gedacht hab "Oh Gott, das könnte meine Geschichte sein..." :shock:
Ein Teil in mir erkannte die Wahrheit und weigerte sich, noch länger das Fluctin zu schlucken...
Zum Glück kams bei mir nicht zu Absetzsymptomen größeren Ausmaßes. Im Gegenteil: Ich fühlte mich allmählich wieder lebendig, wurde auch nach Aussagen von langjährigen Bekannten allmählich wieder die Alte.

Gesundheitliche Schäden habe ich, soweit ich jetzt weiß, keine, außer vielleicht leichten Schlafstörungen, die mich nicht belasten. Aber was Fluctin aus meinem Lebenslauf gemacht hat, ist einfach nur schlimm!
Aus einer intelligenten, eigentlich lebenslustigen Frau, die beruflich engagiert war, mitten im Leben gestanden hat, unabhängig und ohne Schulden wurde ein Mensch ohne beruflicher Perspektive, mit Schuldenberg.
Das alles nicht, weil die Risiken von SSRI unbekannt waren, sondern weil sie totgeschwiegen wurden und immer noch werden! :evil:

Ich habe schon öfters, per SH oder in Foren versucht, andere Gutgläubige vor SSRI zu warnen. Für viele ist das wie Gotteslästerung. Oder mir wird unterstellt, ich bräuchte eine Ausrede für mein verpfuschtes Leben. Warum sollte ich peinliche private Infos ins Netz stellen, um mich vor Fremden zu rechtferigen?!- Ich versteh´s nicht.
Ich hoffe, ich finde hier jemand mit ähnlichen Erfahrungen. :)
Oder- viel besser- kann jemand davor bewahren... :wink:

Marsupilami

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Marsupilami » Dienstag, 07.09.10, 13:17

Hallo,

sei gegrüßt.
Was Du über die Veränderungen unter diesen Mitteln schreibst, habe ich so dermaßen krass noch nie gehört. Kommt für mich so rüber, als ob Dir irgendwie die ganze Mitwelt scheißegal wurde, ein Gefühl, das ich ansatzweise auch mal hatte, als ich Sertralin (Zoloft) einschlich und das ich auch habe, wenn ich mal eine Schmerztablette nehme (was bei mir auch wie ein Psychopharmakon wirkt) bzw. dass das in Richtung Manie ging. Dass diese Veränderungen wieder als Verschlimmerung gedeutet wurden, ist auch typisch und unfassbar. Gut, dass Du wenigstens noch aus der Nummer rauskamst.
Wahnsinn, wirklich. Finde ich sehr informativ, mal so etwas zu lesen. Mich würde noch interessieren, ob Du denkst, dass Du damals überhaupt eine Medikalisierung gebraucht hast oder ob Dir Gespräche oder andere Dinge in Deiner Krise auch geholfen hätten und was Du darüber denkst, dass das Ganze dann in Dauermedikation ausartete. Wie hatte man das denn begründet? Irgendwann ist man ja über eine Krise hinweg, weshalb solltest Du dann dauernd weiterschlucken? Vielleicht magst Du ja noch was dazu sagen.

Gruß,

Marsu

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Dienstag, 07.09.10, 14:34

Hallo Marsu, :)
danke für Dein Interesse!
Nein, eigentlich wirklich nötig wäre Medikation glaub ich nicht gewesen. Ich hatte in der schweren Zeit nach der Trennung für mich ne akzeptable Lösung mit notfalls mal einer Valium. Aber mein damaliger Therapeut war ein überzeugter Fluctin-Vertreter, der mir über die Suchtgefahr von Valium in den Ohren lag bis zum Abwinken und SSRI gegenüber gänzlich unkritisch gedacht hat. :wacko:
Vor 12 Jahren waren kritische Informationen noch sehr dünn gesät und deutschsprachig kaum zu finden. Ich hab mich nach Kramers Buch auch gut informiert gefühlt und war wohl recht naiv.
Das Zeug hat gewirkt wie eine Droge. Nach kurzer Zeit hab ich mich derartig belebt und ich-selbst gefühlt, daß ich selber erst mal gedacht hab, ich muß wirklich krank gewesen sein, wenn ich mich durch ein MEDIKAMENT :evil: derartig viel besser fühle... Also quasi Umkehrschluß: Medikament :sick: wirkt, daraus folgt vorheriger Zustand war ne Krankheit... Na ja, ohne Worte... :roll:
Leider hab ich kurz nach Einnahmebeginn die Fähigkeit, mich selber kritisch unter die Lupe zu nehmen gänzlich verloren. :wacko:
Der Behandler hat die Dauer der Medikation nie großartig in Frage gestellt, ihm schien meine Depression hinreichend schwerwiegend und die "Verschlechterung" Beweis meiner Behandlungsbedürftigkeit :sick: ...
Ich war ja auch neben der Spur, bloß aus anderen Gründen :?
Daß seine Wunderpillen jemand derart das Leben versauen, wollte dieser Psychiater nicht in Erwägung ziehen. :wacko:
Wieso er aber nach heutiger Informationslage immer noch hartnäckig jede Kausalität leugnet, kann ich nicht verstehen! Ich hab ihn lang und breit erklärt, wie diese 10 Jahre für mich waren, wie ich meine Entwicklung sehe... Ohne Erfolg! Vor kurzem verschrieb er einer Freundin Citalopram ohne ein Sterbenswörtchen von Gefahren zu sprechen. :sick:.

Ich steh inzwischen dem ganzen "Psycho-Zirkus" kritisch gegenüber, einige Therapeuten erscheinen mir leider ähnlich weltanschaulich befangen wie Psychiater.

Das sinnvollste erscheint mir , Krisen zu durchleiden und Schmerz und Trauer als Teile des Lebens zu akzeptieren.
Daß "Hilfe holen" bei Professionellen führt leider u.U. in schädliche Abhängigkeiten und ans untere Ende eines Machtgefälles... :wacko:
Also ist eine gewisse Vorsicht geboten.

Wenn mich jemand um Rat fragt, empfehle ich außerdem, alle Möglichkeiten zu nutzen, die das eigene Umfeld bietet, - Freunde, Partner, Alltagsgestaltung- vielleicht Selbsthilfe...

Liebe Grüße

(überarbeitet 03.05.2012)

Marsupilami

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Marsupilami » Mittwoch, 08.09.10, 15:57

Hallo kleines Rundes (putziger Nick übrigens, ich muss jedesmal lächeln, womit Du eine gute Tat begehst, :D ),

danke für Deine Antwort. Ich stimme Dir größtenteils zu, und die Erfahrung, sich im schulmedizinischen Behandlungsrahmen nicht verstanden, gewürdigt und angemessen behandelt zu fühlen, ist ja eine Grundkritik, die die meisten Betroffenen so erleben. Ich kann nur den Spruch zitieren: "Wenn Du über etwas was wissen willst, frage nicht einen Experten, sondern einen Erfahrenen". Ich würde das Machtgefälle zwischen einem Therapeuten jetzt als weniger stark ansehen als gegenüber einem Psychiater, der ja, weil er als Wissenschaftler gilt, das absolute Wissen für sich in Anspruch nimmt, aber ich hatte gegenüber Therapeuten auch oft das Gefühl, dass man nicht auf gleicher Augenhöhe ist und dass Viele ihren Job machen, damit sie sich über Andere stellen und sie bevormunden können, unter dem edlen Vorwand des Helferberufs. Meine Erfahrung ist auch, dass reine Therapeuten erschreckend unkritisch und unwissend sind, was Psychopharmaka angeht. Erst neulich hörte ich von einer Therapeutin wieder so einen Spruch, der in die Richtung ging, dass nur jemand, der Pillen schluckt, richtig krank ist. Jemand, dem es saudreckig geht und der sich ohne Pillen durchquält, weil er das vielleicht nicht will oder weil sie nicht helfen, ist demnach dann ja nicht wirklich krank. Dass diese Mittel sehr vielen Leuten gar nicht helfen, davon hatte sie noch nie etwas gehört. Mir standen mal wieder die Haare zu Berge, so etwas kann doch nicht die Möglichkeit sein. Es ist wirklich erstaunlich, dass Du nach so langer Zeit wieder von dem Mist runtergekommen bist und dass Du auch den Mut dazu hattest. Denn sicher ist es ja irgendwie auch leichter, wenn man künstlich aufgeputscht total cool durchs Leben springt und Alles locker ist. Du kannst Dich ja hier auf jeden Fall einbringen, wenn Du irgendwelche Fragen liest, von denen Du denkst, dass Du etwas dazu sagen kannst. Oder Links verbreiten, wenn Du irgendwo etwas Interessantes liest, usw.

Grüße,

Marsu (nicht krank, weil es keine Tabletten schluckt...)

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Donnerstag, 09.09.10, 15:19

Hallo Marsu :)
Danke für Deine netten Worte. :)
Ich glaube, ich hab im Psycho-Zirkus ein Abo auf negative Erfahrungen... :wacko:
Mit meinem letzten Therapeuten mußte ich erleben, was ideologische Verblendung zusammen mit einer Autortätsposition bedeuten kann...
Ich hatte von ihm einen sehr positiven Eindruck und mich dementsprechend intensiv seelisch auf die Beziehung eingelassen. Im Lauf der Zeit entstand eine regressive Abhängigkeit, ich konnte ihn nicht mehr distanziert genug betrachten und es entstand gefühlsmäßig eine Art Eltern-/KInd-Struktur, was in einer Gesprächstherapie eigentlich nicht angedacht ist und besagter Behandler nicht wahrgenommen hat. Dadurch hab ich dann mehr nach seinen Werten gehandelt, als nach meinen eigenen. :roll:
Allerdings hat die Erkenntnis diesmal nicht 10 Jahre auf sich warten lassen :wink: .
Ich hatte mich zu einem Umzug überreden lassen, aus meiner Heimatstadt weg aufs Land, ohne Kontakte, ohne ausreichende Verkehrsanbindung... Problematisch war besonders, daß ich damals noch Geld vom Sozialamt bekommen hab, sprich mir einen Umzug von denen absegnen lassen mußte, was die Rückkehr schwer gemacht hätte...
Mein Freund hat mich zum Glück aus der Misere gerettet :D (Blindes Huhn findet Korn :lol: )
Jedenfalls kann auch in einer Therapie etwas falsch laufen und es gibt ja auch dazu sehr kritische Stimmen, z.B. Jeffrey Masson, die das Konzept wegen der Einseitigkeit des Machtgefälles und der teils einseitigen Glaubenssätze ablehnen.
Ich denke, die Macht des Therapeuten ist weniger offensichtlich als die des Psychiaters, allerdings entblößt man sich seelisch einem Therapeuten gegenüber wesentlich mehr...
Die Unwissenheit psychologischer Therapeuten was Medikamente betrifft, ist ein anderes Thema.

Beim Absetzen von Fluctin hab ich zum Glück nicht viel von möglichen Entzugssymptomen gewußt, sprich einfach drauflos... und Glück gehabt :lol: :D
Liebe Grüße vom kleinen Runden :hug:

(überarbeitet 03.05.2012)

Marsupilami

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Marsupilami » Donnerstag, 09.09.10, 16:06

Hallo kleines Rundes,

kann mich mit Vielem, was Du schreibst, auch voll identifizieren, denn auch ich habe viele negative Erfahrungen mit Therapeuten gemacht, inkl. Herbeiführung von Abhängigkeit bei einem Therapeuten, der durchgängig die Abhängigkeit seiner Klientinnen missbrauchte und teilweise private Affären mit ihnen anfing. Ich sehe PT-Methoden auch sehr kritisch, weil es ja eigentlich keine wirkliche wissenschaftliche Nachprüfbarkeit gibt, mir erscheint das Alles auch recht schwammig. Leider hat man aber, z.B., wenn man EU-Rente braucht, keine Wahl, sich einer Verfrachtung in eine Klinik zu widersetzen, wenn das angeordnet wird und muss da auch noch so tun, als ob man voll motiviert dabei ist, auch wenn man keine Motivation und kein Vertrauen mehr hat in das Tun von Therapeuten, weil man die Erfahrung gemacht hat, wie schnell diese an ihre Grenzen stoßen und auch die Erfahrung, sich völlig falsch eingeschätzt und unverstanden zu fühlen. Ich dachte ja immer, ich bin die Einzige mit solch negativen Erfahrungen. Mit Medikamenten war ich von Anfang an misstrauisch, und ich habe mich zum Glück nie in eine Dauerbehandlung bei Psychiatern begeben und konnte mich so dem Druck entziehen, mich zu einer Dauermedikalisierung bequatschen zu lassen. Der letzte Psychiater, bei dem ich war, war auch Psychotherapeut, der sich tierisch ärgerte, dass ich ihn nur brauchte, weil die Behörden immer Berichte verlangen, wenn man Almosen vom Staat braucht und gegenüber Pillen und den vorgeschriebenen Psychomethoden gegenüber kritisch äußerte und auch nie in eine Klinik wollte (primär, weil ich mich völlig überfordert davon fühle und panische Angst davor habe, was da wieder Alles abläuft und wozu ich da wieder genötigt werden würde). Als er hörte, dass ich EU-Rente beantragen muss, hat er sich tierisch gefreut und mir prophezeit, dass ich dann ja auf jeden Fall in eine Klinik müsste (was im Endeffekt für eine zeitliche Berentung auf 1 1/2 Jahre erstmal nicht der Fall war). Dem ist richtig einer abgegangen, dass mich die Behörden jetzt zwingen können, was er ja nicht konnte. So viel Machtgeilheit, andere Menschen einfach nur am Boden sehen zu wollen und Herr über sie sein zu müssen, das war so abartig. Er konnte es einfach nicht ertragen, dass ich nicht ja und amen zu Allem sagte und in ihm nicht den großen Macker sah, der weiß, was Sache ist. Und der Mann ist Therapeut... Ich denke, dass ein großer Teil der Therapeuten in erster Linie sich selbst hilft, denn wenn man schwächere Leute vor sich hat, kann man sich gut aufbauen und das Gefühl haben drüberzustehen. Viele sind einfach menschlich auch total unreif und haben keine Ahnung von dem Leid, das ihre Patienten durchleben und oft auch keine Ahnung vom Leben. Eine Therapeutin, bei der ich war, konnte meine Existenzängste, die man ständig hat, wenn man kaum noch genug zum Leben hat, geschweige denn für alternative Behandlungsmethoden, und auch die absolute Marginalisierung, die einhergeht, wenn man kein Geld mehr hat und auch nicht mehr arbeitet, in keiner Weise nachvollziehen. Seufz...
Jetzt noch eine konkrete Frage: Wer ist Jeffrey Masson, den Namen habe ich noch nicht gehört?

Gruß,

das Marsu

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Freitag, 10.09.10, 14:43

Hallo Marsu :hug:
das ist sehr traurig, was Du mit PT erleben mußtest! Für mich hört sich das sehr sadistisch an... :?
Ich habe selber 13 Lahre Behördenkarriere (AA und/ oder Soz) hinter mir. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie zermürbend das auf Dauer ist...
(Nette Sachen wie Kürzung auf Null wegen angeblich nicht geklärtem Aufenthalt, da Klingel aus, weil ich keinen unangemeldeten Besuch mag, monatelang Leistung nur durch einstweilige Anordnung erzwungen... :vomit: )
Allerdings kann man sich mit Hilfe eines kooperativen Behandlers schon vor stationären Aufenthalten schützen - nämlich,indem der einen attestiert, daß man nicht belastbar genug ist für den Aufenthalt in einer stationären Einrichtung. Habe ich selber schon mal gemacht und ist problemlos gegangen.
Müßte man ja eigentlich auch erwarten können, theoretisch, daß ein Arzt den Patienten vor Überforderung schützt!

Ich habe nach relativ kurzer PT den Eindruck gehabt, das Konzept ist in erster Linie auf eine bestimmte Bevölkerungsschicht mit einem bestimmten Einkommen anwendbar, denn erstens kosten die meisten Dinge, die einem zur Besserung der Befindlichkeit empfohlen werden Geld, zweitens sind die Aktivitäten wie SHG, Sport, Ehrenamt, Kulter nur umsetzbar, wenn man nicht in der Walachei lebt oder ein Auto hat, drittens bekommt man keine Antwort, wie man permanente existentielle Probleme bewältigt...

Die sozialen Faktoren bei der Entstehung sog. psychischer Erkrankungen wird von der PT-Zunft gerne ausgeklammert, es gibt nur den Patienten, der krank ist, weil bei ihm was nicht stimmt- Neurochemie, Kindheit, unangemessene Reaktion auf Umwelt...
Wenn ich mir anhöre, was Leute mit ARGE/Soz alles erleben, finde ich s ehr krank, KEINE Angstzustände/Depressionen zu bekommen... :wink:
Es ist schon schwierig, wenn Menschen mit doch recht gehobener sozialer Position wie PT - Arbeit ohne Vorgesetzten, eigene Termingestaltung, kaum Kritik anhören müssen, keine Qualitätskontrolle, kein Leistungsdruck...- die einen Alg2-Monatssatz in wenigen Tagen ausgeben, Menschen in Armut zum seelischen Gleichgewicht verhelfen sollen...
Also, Du bist defintiv nicht allein von vielen mit schlechten PT-Erfahrungen... :roll:
Ich bin momentan dabei, ein SH-Netz zu dem Thema aufzubauen, und anscheinend ist emotinaler Mißbrauch ein öfters anzutreffendes Phänomen, nach alllem, was ich erfahren mußte.
Leider kann man Behandlungsfehler in der PT kaum nachweisen, von sexuellem Mißbrauch abgesehen, ist es fast aussichtslos, gegen PT vorzugehen.
Davon abgesehen, daß viele Patienten zu höflich, hilflos oder in der Übertragung gefangen sind, um Kritik zu äußern.
Gefällt mir, daß Du Deinem Behandler Kontra gegeben hast :)
Oh, fast vergessen :roll: Jeffrey Masson ist ein ehemaliger Analytiker, der an PT das Machtgefälle zwischen Therapeut und Patient kritiesiert, der Korruptheit des gesellschaftlich wohletablierten Therapeutenstands um Freud (mißliebige Berichte von Mißbrauchsfällen hat Freud der Phantasie der Patientinnen zugeschrieben) und der Tatsache, daß jedes therapeutische Konzept eine Frage der Weltanschaung ist.
Ich hab das Buch grad verliehen, demnächst kann ich genaueres berichten. :)
Mit PT Befassen sich zwei seiner Bücher: "Was hat man Dir, armes Kind, getan?" und "Die Abschaffung der Psychotherapie".
Liebe Grüße
:group:

(03.05.2012 überarbeitet)

Birmanie
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Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Birmanie » Sonntag, 23.01.11, 19:43

Hallo !

Bei mir ist es genau anders rum. Während der Einnahme von Fluoxetin ging es mir super!

Jetzt, wo ich sie absetzte geht es mir nicht mehr so gut. Ich bin unausgeglichen und aggressiv. Auch vorher, wo ich Fluoxetin noch nicht genommen habe, ging es mir sehr, sehr schlecht.
Ich habe 2 Jahre Fluoxetin genommen, setzte es gerade ab und hoffe, dass die Absetzsympthome bald weg sind!!

Alles Gute!

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Donnerstag, 21.07.11, 16:41

Hallo Ihr Lieben :) ,

gelegentlich treffen bei mir Fragen ein, woher die Informationen stammen, die ich hier weitergebe.
Dazu kurz ein wenig:

Umfassende Recherche und Auswertung von Erfahrungsberichten und persönlicher Gespräche mit Betroffenen aus diesem Forum, PaxilProgress und Surviving Antidepressants (zwei englischsprachigen Absetzforen), sowie der entsprechende Literatur wie Breggin, Glenmullen, Ashton, u.a. gelegentliche Benutzung konservativ-psychiatrischer Fachbücher wie Benkert/Hippius, sowie der hier im Forum verlinkten Quellen.

Lieben Gruß
Rundi :)

Duffy
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Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Duffy » Montag, 12.09.11, 11:58

Ich beschaffte mir das damals einzige deutschsprachige Buch zum Thema SSRI, "Glück auf Rezept" von Peter Kramer, das ja eigentlich ein wissenschaftlich verpacktes Werbeheftchen ist, was ich leider erst heute weiß. Ich fand Fluctin nach der Lektüre unbedenklich und begann es einzunehmen.
Ooohhh.. dieses Buch habe ich auch schon seit Jahren! Ich fand es "witzig", dass sogar Tierärzte in den USA den Hunden Prozac geben, damit sie lebhafter werden...unglaublich, oder? In USA wird das Prozac ja wie smarties rausgegeben.
Kennst Du den Film "Prozac Nation"? Ist leider nie in Deutschland gelaufen...komisch, oder? Falls Du ihn nicht kennst, ich könnte ihn dir schicken, wenn Du magst. In USA gibt es auch den Nachfolgerfilm "More, Now, Again: A Memoir of Addiction" von Elizabeth Wurtzel . Den kenne ich leider noch gar nicht.

LG Duffy
Diagnose: Depressionen, Ängste und Fibromyaldie
1997 - Sommer 2006 Gladem = Gings mir richtig gut!! Dann bis 2009 Generika (Sertralin) Symtomverschlechterung (3 1/2 krankgeschrieben)
seit Dez. 2009 = 15 mg Mirtazapin, 37,5 mg Venlafaxin Hartkapseln rtd. von Hexal
ab 03.03.11 = 75 mg Venlafaxin rtd. (+ 15mg Mirtazapin) ... trotzdem Angst und Antriebsstörung
ab 16.06.11 = 112,5 mg Venlafaxin rtd. (+ 15mg Mirta) = Absolute Verschlechterung mit Herzrasen, hoher Blutdruck, unerträgliches Schwitzen, Blutwerte katastrophal ! ...
am 13.08.11 runter auf 75 mg reagiert mit Zaps, Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit,
seit 13.07.11 = Nur ausschleichen von Venlafaxin - Stand jetzt= 75 mg .
Auschleichen mit der Kügelchen-Methode:
Ab 04.08.11 = alle 4 Tage 10 Kügelchen weniger ... gar nicht gut: Wieder Kopfweh und nicht schlafen können.
Ab 09.08.11 = Jeden Tag 5 Kügelchen weniger.
Fr. 19.8. - Di. 23.9 = Jeden Tag 10 Kügelchen weniger, dann:
Am 24.08.11 auf 37,5 mg Venlafaxin angelangt!
Ab 31.08. jeden Tag 10 Kügelchen weniger =
Auf O am: 13.09.11 !

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Dienstag, 13.09.11, 9:44

Liebe Duffy :) ,

vor Jahren habe ich mir den Film mal angesehen, ich muß mal im Gedächtnis kramen... :lol: :lol: .
Hmm, wäre dieses Buch von Kramer nicht übersetzt worden, sondern lieber "Talking back to Prozac" von Peter Breggin, dann sähe mein Leben jetzt anders aus, ... schon verrückt... :roll:

Liebe Grüße
Rundi :)

mamarie
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Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von mamarie » Dienstag, 11.10.11, 11:52

das hast du voll schön erzählt.
Großes Kompliment, du kannst stolz auf dich sein.
:cry: :)

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Dienstag, 11.10.11, 12:06

Danke :D :D :hug: :hug: :hug: :)

amanda

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von amanda » Mittwoch, 02.11.11, 23:55

Hallo
Ich habe jetzt erst deine Geschichte hier gelesen...........:-(
und ich kann einiges bestätigen...mein Mann hatte auch Jahre OHNE MEIN WISSEN Antidepressiva eingenommen und ich hatte mich immer über ihn gewundert.....meine Bedürfnisse hat er einfach ignoriert...er machte wohl seinen Job, schaffte also das Geld ran aber meine Probleme oder die Probleme der Familie waren im EGAL........er wirkte wie eine MASCHINE nicht wie ein MENSCH.

Dann habe ich in der Klinik einen Patient kennen gelernt...
Als er noch keine Medikamente nahm oder sie erst kurze Zeit eingenommen hatte war er ein sympatischer und mitfühlender Mensch........
nach ein paar Wochen ( die Medikamente wirkten anscheinend ) war er wie ausgewechselt...er würdigte den anderen Patienten und mir keines Blickes mehr, ich erfuhr dass er berufliche Veränderungen vorhatte usw.........ZACK ein neuer Mensch...
und dann schreiben die Parmariesen immer : SSRI und CO verursachen angeblich keine Persönlichkeitsveränderungen :sick:

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Donnerstag, 03.11.11, 9:30

Liebe Amanda :hug: ,

was Du ansprichst, habe ich öfters von Angehörigen gehört.

Ich kann mir gut vorstellen, daß Du Dich im Stich gelassen gefühlt hast von Deinem Mann.
Und erhrlich gesagt, kann ich verstehen, wenn sich Partner und Freunde abwenden, denn alles Reden prallt am Betroffenen ab...
und dann schreiben die Parmariesen immer : SSRI und CO verursachen angeblich keine Persönlichkeitsveränderungen
Da muß ich lachen... 8-)
Bei vielen Betroffenen sind die Veränderungen weniger auffällig als bei mir, und oft ist man selbst erst mal begeistert über das, was man tut, weil man sich dabei gut fühlt...
Hätte ich damit erfolgreich Karriere gemacht, dann wäre es fraglich, ob ich jemals die Einnahme kritisch hinterfragt hätte...

Ein schwieriges Kapitel... :roll:

Alles Liebe
Rundi :hug:

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Donnerstag, 05.01.12, 9:10

Hallo Ihr Lieben :) ,

gestern habe ich den Erfahrungsbericht einer Betroffenen gelesen, die ähnliche Persönlichkeitsveränderungen erlebt hat wie ich selbst und wie ich Dinge getan hat, die sie ohne Psychopharmaka nicht getan hätte.

http://survivingantidepressants.org/ind ... -about-it/

Traurig, daß NW wie Persönlichkeitsveränderungen und Hypomanie so wenig im Bewußtsein der Ärzte zu existieren scheinen, daß einem Drogenmißbrauch unterstellt wird, obwohl man unter NW der Mittel leidet, die einem verordent wurden...

Liebe Grüße :group:
Rundi

silja
Beiträge: 4
Registriert: Sonntag, 01.01.12, 12:56

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von silja » Donnerstag, 05.01.12, 14:52

hallo,
habe deinen Beitrag über Fluctin gelesen, habe so ähnliche Erfahrung gemacht, habe mich von der Persönlichkeit her sehr verändert, zeitweise aggressiv, ungehalten,
massive Schlafsgtörungen etc. Kein Arzt nimmt die Nebenwirkungen so richtig ernst. Habe versucht, Fluxetin abzusetzen, danach massive Verschlechterung der
symptome. Mein Arzt hat mir jetzt Amitryptilin verschrieben, vertrag ich auch nicht, habe massive Mißempfindungen und anahaltende Müdigkeit.
Ich fühle mich total schlecht, dein Beitrag könnte meine Geschichte sein. Weißt due vielleicht noch einen Rat??
grüße Silja

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Donnerstag, 05.01.12, 15:43

Liebe Silja :) ,

es tut mir leid, daß Du auch solche Dinge erleben mußtest. :hug:

Zum Absetzen habe ich Dir hier http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=6752 etwas geschrieben.

Leider werden Persönlichkeitsveränderungen als NW oft überhaupt nicht richtig wahrgenommen, sondern als Folge der Grunderkrankung angesehen oder als zusätzliche psychische Problematik gedeutet. Erst wenn man eine handfeste Manie entwickelt, fällt es auf, der Bereich dazwischen, solange man nicht völlig von den gängigen Normen abweichendes Verhalten zeigt, fällt nicht auf.

Ein großer Vorteil ist es bereits, wenn man wahrnimmt, daß man sich in eine ungute Richtung verändert, wie Du es tust, das war bei mir lange Zeit nicht der Fall.
Viellicht sprichst Du mit jemand, der Dich gut kennt und öfters mit Dir zusammen ist und auch den Mut hat, Dir eine ehrliche Antwort zu geben, über das, was momentan mit Dir los ist und bittest um eine klare Ansage, sollest Du weiter abdriften und Dir selber schaden.

Wenn man verstärkt in eine manische Stimmung gerät, verliert man u.U. die kritische Selbsteinschätzung und beginnt, sein Geld sinnlos auszugeben, Beziehungen zu ruinieren, Pflichten nicht mehr zu erfüllen, inkl. Arbeit und verliert evtl. seine moralischen Grundsätze.
Ich wäre seinerzeit sehr danbar gewesen (im Nachhinein, in der Situation hätte ich vermutlich sehr giftig reagiert), hätte mich jemand gebremst.
Veruche auch, die nächste Zeit keine wichtigen Entscheidungen zu treffen, bis Du wieder ganz Du selbst bist.

Es ist auch wichtig, einen halbwegs vertrauenswürdigen Arzt zu finden, der das Risiko sieht, deswegen würde ich mich nach einem anderen Behandler umsehen.

Hast Du die Veränderungen rechtzeitig bemerkt oder ist bei Dir ebenfalls bereits Schaden entstanden?

Alles Liebe
Rundi :hug:

silja
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Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von silja » Freitag, 06.01.12, 12:40

Hallo,
hab die Veränderungen schleichend bemerkt, ist bereits finanzieller Schaden entstanden, leider. Habe mir für montag einen Termin beim Neurologen gemacht,
da ich ohne antidepressiva nichgt zurecht komme. Habe massive angstststörungen und Schlafgstörungen, zittern und konzentrationstörungen. Bin völlig fertig.
Ertrag z.Zt. keine Menschen um mich ,igel mich regelrecht ein.Komme nicht mehr weiter.Beruflich geht es so, gehe zur Arbeit, schlafe die übrige Zeit dann aber
tagsüber, da ich nachts keinen Schlaf finde.
silja

Das-kleine-Runde

Re: 10 Jahre Fluctin

Beitrag von Das-kleine-Runde » Sonntag, 08.01.12, 10:46

Liebe 12345 :) ,
Fluoxetin hat mich wieder aufleben lassen. Ich bin wieder gelöster und die düsteren Gedanken (also das was Geschehen ist) - sind noch da, aber sie tun nicht mehr so weh. Es ist als wenn Kruste endlich auf die Wunden drauf kommt.
Ich fühle mich jetzt nicht happy bis zum geht nicht mehr. Hatte auch Prozac Berichte gelesen und ebenfalls Bedenken das es mich zu einen anderen Menschen macht. Es ist einfach nur wieder endlich mal leichter.
Allerdings bin ich kein Fan von diesen Mittelchen und möchte hier auch schnell wieder raus kommen.
Persönlichkeitsveränderungen und hypomaneTendenzen könne eine NW von SSRI/SNRI sein bis hin zur Manie.
Nicht jeder erlebt derartiges, bei anderen Betroffenen wirken die Mittel wie angedacht.
Allerdings wäre ich sehr vorsichtig, solltest Du feststellen, daß Du Dich in irgendeiner Weise veränderst, plötzlich andere Prioritäten hast, risikobereiter bist, als es Dir normalerweise entspricht, Du sehr aufgekrazt bist u.a.

Wie schon weiter oben erwähnt, ist es eine gute Sache, jemand im persönlichen Umfeld zu bitten, Dich auf Veränderungen aufmerksam zu machen.
Ich habe leider die Erfahrung gemacht, daß man als Betroffener begeistert sein kann von der Wirkung des AD und glaubt, es wäre alles in Ordnung, wo Angehörige bereits klar und deutlich sehen, daß man hypomane Tendenzen erlebt oder Wesensveränderungen auffallen.
Auffallenderweise hatte ich bei dem Versuch, eine lokale SHG zum Thema zu gründen, sehr viel Ressonanz von Angehörigen, jedoch kaum von Betroffenen.
Das gibt mir gewaltig zu denken.

Es ist ebenfalls wichtig, bei einer längerfristigen Einnahme, immer wieder bewußt zu überdenken, wie die eigene Entwicklung verläuft, denn solche Entwicklungen können langsam geschehen.
Prinzipiell kann ein Medikament nur ein seelisches Schmerzmittel sein und vielleicht aus einem Tief heraushelfen, die Zeit sollte man nutzen, Ursachenforschung zu betreiben und alte Muster therapeutisch aufzuarbeiten.

Alles Liebe
Rundi :hug:

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