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Liebe Mitglieder des ADFD-Forums, liebe Interessierte,

Update: Die Wiedereröffnung für neue Teilnehmer verzögert sich noch ein wenig. Geplanter Termin ist der 1.8. Das neue Konzept steht aber mittlerweile und wir arbeiten im Hintergrund an der Umsetzung.

Erste Veränderungen in Form zweier neuen Rubriken sind nun eingestellt, Erläuterungen siehe den Artikel über die geplanten Änderungen.


Seit dem 31.03.2019 Ist das Forum für Neuanmeldungen geschlossen. Bislang freigeschaltete Mitglieder können das Forum natürlich wie gewohnt nutzen und dort schreiben.

Es tut uns leid für diejenigen, die sich nun gerne anmelden möchten und nicht können, aber aufgrund einer völligen Überlastungssituation sind wir nicht mehr in der Lage noch mehr Mitglieder zu betreuen. Wir müssen uns in den kommenden Wochen auch überlegen, wie das Forum künftig organisiert werden kann, so dass es fortbestehen kann. Das Forum wurde in den letzten Wochen geradezu mit Neuanmeldungen geflutet und es ist uns nicht mehr möglich, diese Massen an Anfragen auf Basis unseres ehrenamtlichen Engagements zu bewältigen.

Trotzdem wollen wir keinen von Euch hängen lassen.
Zum einen steht in diesem Forum wirklich alles Relevante, was Ihr wissen müsst, wenn Ihr Eure Psychopharmaka verantwortungsvoll, schonend und nachhaltig absetzen wollt und zum anderen haben wir auch extra noch mal die allerwichtigsten Artikel und Tipps für Euch zusammengestellt.
Nehmt Euren Wunsch, Eure Medikamente auszuschleichen aktiv in die Hand, lest die Infoartikel, wühlt Euch durch die Threads der anderen Betroffenen und erlebt, dass alle im gleichen Boot sitzen, benutzt gerne auch die Suchfunktion... Ihr werdet sehen, so gut wie keine Frage wird unbeantwortet bleiben.

=> Hier sind nochmal häufige Fragen von Neuankömmlingen für Euch beantwortet. <=

Für unsere Bestandsmitglieder und natürlich auch für diejenigen, die an den tiefer gehenden Gründen interessiert sind, weswegen wir den Anmeldestopp verhängt haben, haben wir eine genauere Erklärung verfasst.

Wir danken für Euer Verständnis und erbitten zahlreiches und konstruktives Mitwirken
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Filzblume: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

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Filzblume
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Filzblume: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Filzblume » Donnerstag, 09.02.17, 20:55

Hallo Zusammen,

ich habe in der letzen Zeit extrem viel hier im Forum gelesen. Da ich leider nicht ausschleichen konnte, weil das Medikament nicht mehr im Handel ist hier mal mein Tagebuch des Kaltenzugs. Vielleicht überlegt sich dann der eine oder andere so laaaaaaaaaaaaaaangsam wie möglich auszuschleichen. Ein Segen für jeden, der einen Arzt hat der sich damit auskennt bzw. auch auskennen will. Ich habe bis heute nur einen Arzt gefunden, der klar Stellung dazu bezogen hat, jedoch auch vollkommen überfordert ist. Der Rest - naja, kann man vergessen. Ich vermisse ein wenig die genaue Symtomatik hier im Forum. Deshalb dieses Tagebuch mit allem, was dazu gehört. Vielleicht hilft es einem zu sehen er ist nicht alleine, es geht im genauso und verinnerlich es dann schneller, dass es Entzug ist (wenn man das mal so nennen kann?!?)

Meine Absetzsymtome sind:

grippeartige Schmerzen in den Beinen, im Rücken und Schultern
Nacken total verspannt
Kopfschmerzen
Übelkeit
Schwindelgefühl
Konzentrationsschwäche
Koordinationsprobleme
was die Augen sehen, kommt im Hirn zum Teil gar nicht an
Abgeschlagenheit bis hin zu Depressionen, Lustlosigkeit
Appetitlosigkeit
reizüberflutet
pelziger Mund
abends saurer Geschmack im Mund
inhaltslose Gespräche machen mich fertig
bewegte Bilder sind ganz fürchterlich (TV, Auto fahren vor allem im dunklen)

Tagesablauf: :(

ca. 1 Stunde nach dem Aufstehen habe ich das Gefühl meine Gesicht rund um die Augen und meine Stirn ziehen sich zusammen. :cry: Es beginnt ein Dusel im Kopf. Die Augenlider werden schwer, das Gefühl von unendlicher Müdigkeit macht sich breit. Ich versuche etwas zu essen. Das ist dann immer die Sache mit dem Barfuss und dem Lackschuh. Entweder wird es mir speiübel oder alles ist gut in der Magengegend.

Ich gehe Vollzeit arbeiten. Das ist sehr anstrengend. Ich arbeite im Büro und da ich Probleme habe zu koordinieren, habe ich oft das Gefühl ich sei Edward mit den Scherenhänden. :zombie: Ich muss mir wirklich alles aufschreiben, denn was man mir vor fünf Minuten gesagt hat ist evtl. weg oder erst wieder abrufbar, wenn man mich daran erinnert. Wenn meine Kollegen mal wieder aufdrehen (kannst Du mal hier, kannst Du mal da, wo ist der Chef, ich versteh das nicht und dies nicht und ich werde zur zentralen Anlaufstelle für alle denen man alles 10 mal erklären muss) muss ich mich echt zusammenreißen nicht auszurasten. :evil:

Gegen Mittag esse ich eine kleine warme Mahlzeit. Die Betonung liegt auf klein, groß geht einfach nicht. Dann wird es mir sofort übel. :vomit:

Je länger der Arbeitstag wird, desto mehr macht sich Unruhe und Rastlosigkeit in mir breit. Es kommt ein Punkt, an dem nichts mehr geht. Dann lasse ich alles fallen und fahre nach Hause. Denn dann fühle ich mich so als wäre ich wirklich kurz vorm Ausrasten, wenn ich nicht endlich in die Entspannung gehe. Mein Chef ist informiert und sehr verständnisvoll - what a luck! J. du bist der Beste! :hug:

Wenn ich Feierabend habe, weiß ich manchmal nicht mehr ob ich einen bestimmten Anruf jetzt getätigt habe oder eine bestimmte Mail geschrieben habe. Kann manchmal ganz schön peinlich sein.

Nach Feierabend ganz schnell nach Hause. Klamotten regelrecht runterwerfen, bequeme Sachen anziehen. Ab aufs Sofa. Glotze an und feststellen, dass das jetzt wieder gar nichts geht. Glotze aus. Evtl. hier im Forum lesen, etwas zu wenig Essen. Austausch mit einem Bekannten, der Verständnis hat. Früh ins Bett, im Bett im Mund einen total sauren Geschmack kriegen, ein wenig Hörbuch hören und pennen wie ein Bär :bettzeit: bis der Wecker angeht und alles wieder von vorne losgeht. :zombie:

An den Wochenenden die von der Woche total verwüstete Wohnung aufräumen - aber ganz langsam, dennoch mit Ziel und das klappt auch. Den Rest des Wochenendes Zuhause und brüten. Für Unternehmungen fehlt mir einfach die Kraft. Und Montag dann wieder hü, ab ins Büro.

Heute ist Tag 103!

Bisher habe ich viel ausprobiert. Süßkram weggelassen, viel frisches Obst und Gemüse gegessen, frische Luft, Ablenkung, Omega 3, Magnesium, Vit B 12, D3, basisches Essen, Kräutertees, Entspannungsübungen. So ganz dolle war es nicht. Das frische Gemüse war bis jetzt das Beste. Aber irgendwann hat man dann auch mal den Papp auf vom Kaninchenfutter.Wenn man ohnehin schon nicht viel Essen kann, belastes das rohe Zeug den Magen enorm. Habe inzwischen viel an Gewicht verloren.

Ich bin der Meinung, dass die Knochenschmerzen nachgelassen haben. Auch ist die Übelkeit nicht mehr so tösend. :party2: Es gab bisher 5 Fenster, der Rest nur Wellen.

Ich lasse das Radio im Auto aus. Auch der Fernseher hat meistens Pause. Ich lese lieber und genieße die Ruhe. Gespräche mit Menschen, die nicht auf den Punkt kommen, nur negativ reden oder einfach nur sabbeln, weil sie gerade sabbeln wollen meide ich. Wenns mir zu anstrengend wird, gehe ich aus den Situationen raus. Ich nehme kein Parfüm und parfümiertes Deo, Waschmittel etc. Die Gerüche könnten reizen und einen auf den Nerv gehen. Spare ganz allgemein gesagt mit Reizen von außen.

Die Sache mit den Ärzten geht gar nicht. Ich komme mir vor wie ne Lügentante. Immer wieder der Tenor "NL machen keine Absetzungssymptome" oder "das ist ihr Krankheitsbild" - auch wenn die Symptome von jetzt nicht im Ansatz mit meinem Krankheitbild von vor vielen Jahren ?!?! zutun haben. Aber so sind sie halt die Ärzte! :frust:

Ich freue mich aber wie Bolle auf das was kommt, wenn das mal endlich weg ist. Ich frage mich, was ich dann alles in meiner Freizeit machen werde. Ich habe Nachholbedarf!

Ängste habe ich gar keine. Depressionen gesellen sich dazu, weil es einfach grausam ist und sicherlich keiner fröhlich auf dem Tisch tanzt, wenn er sowas hat. Gestern habe ich mir Entspannungshörbücher runtergeladen. Ich bin echt schwer mit Entspannungsübungen zu entspannen. Aber nichts unversucht lassen. Ich muss mir wirklich jeden Tag sagen "weitermachen, Du schaffst das schon, das packst Du, hast schon 103 Tage weg, den Rest kriegst Du hin"- auch wenn es echt nicht leicht ist. Mein Appell von heute - ausschleichen, ausschleichen, ausschleichen! Glaubt nicht den Ärzten, glaubt den Leuten hier im Forum. Denn die haben es im Gegensatz zu den Gelehrten hinter sich gebracht oder sind auf einem sehr sehr guten Weg. :party2:

Bis die Tage! Eure Filzblume :pillowtalk:
Zuletzt geändert von Gwen am Montag, 25.06.18, 8:05, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Name im Titel ergänzt zur besseren Übersichtlichkeit im Forum
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Re: Mein Absetztagebuch Neuroleptika

Beitrag von Filzblume » Donnerstag, 09.02.17, 21:03

Total vergessen: ich habe vor zwei Wochen eine Weiterbildung gemacht mit Prüfung am Ende. War echt hartes Brot. Aber ich habe es geschafft mit Glanz und Glorie diese Prüfung zu meistern. Das zum Thema der Kopf will nicht. Er kann doch, wenn er will! Auch wenn ich danach in ein Koma fiel! Lach! Und trotz der derzeit grauen Wolken - ich habe meinen Humor nicht verloren. Ich mache gerne Schabernack und albere herum und hau blöde Sprüche raus. Das haben mir die Medis nicht genommen und das finde ich richtig gut!
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Re: Mein Absetztagebuch Neuroleptika

Beitrag von padma » Freitag, 10.02.17, 19:06

liebe Filzblume, :)

danke dir, dass du deinen Verlauf hier dokumentierst.
Kann ich den Titel erweitern mit " nach unfreiwilligem Kaltentzug" ? oder Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL ?

Ich finde es bewundernswert, dass du totz heftiger Entzugssymptome es schaffst, zu arbeiten.
Klasse, dass du deinen Humor nicht verloren hast. :rotfl:

Und herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung. :party2: :party2: :party2:
Unter solchen Umständen ist das echt eine herausragende Leistung. Da kannst du stolz auf dich sein.

liebe Grüsse,
padma
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Re: Mein Absetztagebuch Neuroleptika

Beitrag von Filzblume » Freitag, 10.02.17, 20:14

Liebe Padma,

Du darfst! Das ist ganz in meinem Sinne. Denn als ich alles abgeschickt hatte fiel mir auf, dass die Überschrift so gar nicht den Punkt trifft und die Zielgruppe eher verfehlt. :cry:

Bussl Filzblume


Für alle, die wissen wollen wie es weiter geht - Info kommt im Wochentakt! :pillowtalk:
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von lunetta » Samstag, 11.02.17, 11:13

Hallo Filzblume!

Wahnsinn was du durchgemacht hast udn wie tapfer du dich durchgekämpft hast!
Gratuliere dir auch zu bestandenen Prüfung! Respekt!!

LG
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Filzblume » Samstag, 11.02.17, 21:00

Ubik, das frage ich mich teilweise auch. Jedoch bleibt mir keine andere Wahl. Mein Vertrag ist befristet und wenn ich jetzt einen langen Krankenschein ziehe, wird das nichts mit einer Verlängerung. :frust: Ich muss jedoch sagen, dass mir die Arbeit gut tut. Man hängt nicht alleine zuhause rum und beguckt sich von innen. So habe ich eine Aufgabe und kann mit Ablenkung auch viele überbrücken. :roll:

Mein Chef steht voll hinter mir. Er selbst hat einen Drogenentzug hinter sich. Wenn ich eine Auszeit brauche, dann nehme ich eine Auszeit - auch wenn es nur in Form von 5 Minuten Augen schließen ist. Er schottet mich in den Momenten komplett von den anderen ab. Jedoch ist er nicht derjenige der entscheidet, wer bleibt und geht. Und ich bin in einem Alter, wo es nicht wirklich leicht ist, einen Job zu finden. :frust: Meine Kollegen geben mir auch viel. Auch wenn sie nichts davon wissen, was sich derzeit bei mir innerlich abspielt. Aber sie geben mir Kraft. Zuhause wartet niemand auf mich und ich glaube ich würde dann echt verlottern und teilweise auch in Selbstmitleid vergehen. Ein Vorteil auch ist, dass ich super gut schlafen kann. :bettzeit: Klar, nach Feierabend spielt sich so gar nichts mehr ab. Bin mal gespannt wie es ist, wenn man sich wieder wohl fühlt. Weiß gar nicht mehr wie das ist. :party:

Die Fortbildung war schon knüppelhart. Zudem noch 60 km jeden morgen durch den Großstadtstau. Ich habe immer gedacht, ich falle jeden Moment vom Stuhl. So hat sich für meine Wahrnehmung da der Boden bewegt. :vomit:

Ich werde sehen, wie es weiter geht und ihr werdet es hier lesen.

Gruß Filzblume :zombie:
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Filzblume » Sonntag, 12.02.17, 15:20

:pillowtalk: Tag 106:

Und täglich grüßt das Murmeltier! - nein, nicht Du Murmeline! :D Ihr wisst, was gemeint ist.

Ich habe jetzt ein paar Tage frei auf Rezept. Ich war mit meinen Kräften wirklich am Ende.

Es läuft immer wieder der gleiche Film ab. Nach dem Aufstehen alles gut, nach ca. 1 Stunden das Zusammenziehen des Gesichts mit Dusel im Kopf. Gefühlt super müde. Gegen Mittag kommt dann der highest point. Wenn ich ich Möglichkeit habe, lege ich mich hin. Döppen zu und entspannen. Gegen Nachmittag tut mir dann alles weh. Der Schmerz hat sich aber schon verändert. Er ist dumpfer geworden. Dazu gesellt sich dann eine Unruhe die wirklich unangehm ist. Gebe ich dem nach und aggieren unruhig habe ich das Gefühl kurz vorm Durchdrehen zu sein. :frust: Notbremse ziehen! Gegen Abend wird es alles etwas gemäßigter. Er geht mir viel besser - doch zufriedenstellend ist anders. Manchmal geht es mir gegen Abend richtig gut, als wenn nichts ist. Das könnte es öfters geben.

Im Moment fange ich an eine Wut zu entwickeln auf die Pharma-Industrie, auf die Ärzte und auf das Umfeld, welches mir die ganze Misere beschert hat. :frust: Kriege einen Heulkrämpfe, die sich gewaschen haben. :cry: Ich verteufle alle Beteiligten, die mit der jetzigen Lage im Zusammenhang stehen. Einer der Menschen, die dafür verantwortlich sind hatte ich vor einigen Tagen am Telefon. Dieser Mensch zieht nach wie vor seine Masche durch - was er nicht will das will er nicht - gibt es aber nicht zu - beim Versuch ihm das aus der Nase zu ziehen redet er den berühmten Unfug den er braucht, um ganz sauber aus der Sache heraus zu kommen. Bloß nicht sagen, dass er was nicht will. Er könnte ja dann ein Problem kriegen, was er persé nicht beackert - aber die anderen dann beackern lässt. Er ist sauber raus und nach wie vor everybodys darling! Dr :censored: ck!! Dankeschön! Ich frage mich, wie ich das über Jahre ausgehalten habe und nicht gemerkt habe, wie der tickt und mich damit systematisch kaputt gemacht hat. :x Ich habe anderen mein Herz geliehen und sie haben es mir ohne Rücksicht auf Verluste kaputt zurück gegeben. Dabei wollte ich nur eins: auch glücklich sein. Hatte gestern das Gefühl, mein Herz zu beerdigen, weil es irgendwie nicht mehr lebt.

Richtig gut tut aber mir das Lesen hier im Forum und auch das Aufschreiben meiner Gefühle und was mir so durch den Kopf geht. Dann braucht sich mein Köpfchen nicht mehr damit beschäftigen und legt Ballast ab. Beim Lesen bin ich dann auch auf einen Artikel gestoßen, in dem es um Rückenprobleme beim Absetzen ging. Da habe ich auch meinen geregelten Ärger mit. Es ist aber schon viel besser geworden. Mein Nacken hat sich in den ersten Wochen extrem schmerzhaft zusammengekrampft. Das gabs auch beim Doxepin-Entzug. Vor vielen Jahren habe ich schonmal Fluspi abgesetzt - ohne Absetzungserscheinungen (frage mich warum). Damals habe ich Bachblüten genommen. Heute geht das nicht mehr, ich kann davon nicht schlafen. Jedoch hatte ich ca. 3 Monate nachdem ich clean war einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule. Habe das damals nicht miteinander in Verbindung gebracht.

Auch lese ich hier, wie die Medis einen in seiner Persönlichkeit entfremdet haben. Genauso ging es mir auch. Das merkt man aber erst so richtig, wenn das Zeug aus dem Körper raus war. Mit Fluspi habe ich mich klein gefühlt. Habe brav die Klappe gehalten und einfach alles über mich ergehen lassen. :schnecke: Zur Freude meiner Umwelt - denn ich wurde pflegeleicht. :hug: <----- ??? Meine Umwelt fand das einfach toll. War ja sehr komfortabel, dass ich nicht mehr meine Meinung gesagt habe und meinen Willen gelebt habe. Und dann sind wir wieder bei dem berühmten Teufelskreis von AD, NL und Benzos. Das Kernproblem wurde nicht beackert - eher noch schlimmer, gerade wenn es von außen kommt. Denn somit bot ich meinem Umkreis mal so richtig Angriffsfläche und alle meinten mein Leben mitleben zu müssen. Mittendrin die kleine Mücke, die ja eh nix dazu gesagt hat und alle hatten die Macht! Ganz schön perfide das System. :frust: Aber so sind sie eben die Menschen! Da könnte man Bibliotheken mit füllen.

Seit NL aus mir raus ist, laufe ich trotz der Absetzungssymtomatik persönlich wieder zu hochformen auf. Jedoch wesentlich diplomatischer und mit dem Geschick, allen gekonnt den Mund zu stopfen. :haha: :rotfl: :rotfl: Mein Selbstbewusstsein ist wieder da ebenso die Selbstsicherheit - das war immer eine meiner Stärken (und auch der Schutzpanzer). Das ist etwas, was mich richtig hoch hält und mir viel Mut gibt weiter zu machen. :sports: Auch der Gedanke mal ganz ohne Medis auszukommen reizt sehr. So richtig zu funktionieren - wie andere es auch tun. :wink:

In meiner unbändigen Wut habe ich gestern 16 Briefe an 16 verschiedene Neurologen aus dem umliegenden Stätten abgeschickt und darin die Problematik geschildet und um Hilfe gebeten. (hatte es schon zu einem anderen Thema gepostet). Mal sehen was da so kommt!

Einen Knaller habe ich aber noch. Nur eine kleine Geschichte von den Dingen, die vollkommen quer laufen. Es ist eher ein wenig zum lachen - aber leider bitterernst: Meine Körnersäcke sind im Moment meine besten Freunde. Ich die Dinger in die Micro gesteckt. Nach 5 Minunten auch wieder raus geholt und mit ins Wohnzimmer geholt. Nach ca. 30 Minuten fällt mir ein, dass da ja noch Körnersäcke in der Micro sind. Ich latsche zur Micro und sehe NIX DRIN! Hä??? Ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, dass das schon alles erledigt war. So geht es mir mit vielen Dingen im täglichen Leben und es nervt. Klar, wir sind alle mal kolone im Kopf. Doch die Häufigkeit ist echt erschreckend und auch belastend. Ich habe mich gefragt, warum es zu solchen Ausfällen kommt. Bin erstmal zu dem Ergebnis gekommen, dass man einfach nicht bei der Sache ist. Das wäre der Normalfall. Doch bei solchen Kloppern stelle ich immer wieder fest, dass mein Kopf eher wie leer gefegt ist. Das sogenannte Brett vorm Kopf, worüber wir Schmunzeln aber hier leider bitterer Ernst ist.

Bis dennchen zum nächsten :pillowtalk:

Eure Filzblume
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Filzblume » Sonntag, 12.02.17, 20:29

Au Backe, ich habe da einen ganz ganz bösen Verdacht. Ich habe mir am Freitag mal die ganzen Daten vom Doc geholt, an denen ich Fluspi bekommen habe. Ebenso die Daten von dem Doc, zu dem ich mit meinen Entzugserscheinungen gegangen bin - und zwar von anfang an. Den Fluspi-Doc habe ich da zunächst rausgelassen (wer tät das nicht!)

Dann habe ich mir meine alten Kalender aus dem Keller gekramt. Es reicht zurück bis in das Jahr 2008. Ich habe mit immer aufgeschrieben, wann ich Zolpidem gemommen habe. Bis zu einem gewissen Punkt war das auch sehr moderat. Bis 2010 war alles ok. Dann kam was in meinem Leben, was so gar nicht ging und ich habe mir ab ca. 2011 Zolpidem ganz ordentlich reingeschaufelt. Nicht jeden Tag, aber einmal im Monat in drei Tagen 20 Tabletten rein! Abgeschossen sozusagen.

Ich habe jetzt mal alles übereinander gelegt und bin schockiert. Vieles passt nicht zusammen in Bezug auf NL und in Bezug auf Zolpidem. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen. Der NL-Entzug ist es nicht alleine. Da ist auch noch Benzo-Entzug mit drin. Ich habe lt. meinem Kalender im Frühjahr 2016 das letzte Mal Zolpidem genommen. das hatte ich so gar nicht mehr auf dem Schirm. Hatte danach nen ordentlichen Schädel und beschloss dann, damit aufzuhören. 2012 habe ich schon gemerkt, dass Zolpidem mit den Kopf vernebelt. Bin da aber im ganzen Streß nicht von weg gekommen.

Ergo - die Kalender verraten die bittere Wahrheit. Bin jetzt gerade richtig daneben. Im September 2016 war mein Doc nicht da. Also ging ich zur Vertretung. Diese Vertretung weigerte sich jedoch, mir Fluspi zu spritzen und gab mir Diazepam. Ich nahm das Diazepam, merkte aber dass ich eigentlich nur extrem müde davon wurde und entsorgte die Hälfte der Packung. So habe ich mal ganz geschickt für einen Rückschlag mit Benzos gesorgt ohne mir was dabei zu denken (Boah, nee, sowas von blöd!!!)

Jetzt haben wir die Frage "Was war zuerst, die Henne oder das Ei?" mal ganz klassisch und ich kann es nicht beantworten. Ich denke aber den meisten Anteil daran hat das Zolpidem.

Bin gerade gebügelt. Weiß nix zu sagen. Super traurig über mich selbst. Könnte mir selbst in den Allerwertesten treten. Da geht man wie ein :zombie: auf der Stelle!

Ich glaube ich gehe jetzt mal ne runde Heulen. :bettzeit: Mit Kuscheltuch und allem. Ich blödes Stück! Aber nichts desto trotz sollte ich nicht vergessen auf die Menschen sauer zu sein, die mich soweit gebracht haben. Ich wurde gerade von dem Freund mit der Canabis-Psychose gefragt was geschehen wäre, wenn ich 2001 in die richtige Hände gefallen wäre. Ohne Fluspi, mit einem guten Therapeuten..... sorry, aber da kamen mir die Tränen. Vielen lieben Dank ihr Ärzte und Therapeuten. (75 Stunden Psychotherapie und es wurde nur blöd gesabbelt! Problem auf dem Silbertablett präsentiert und mir wurde immer und immer nur gesagt "Leben Sie ein aktives Lebens!" - HaaaHaaaaaaa!) Bin gerade sehr begeistert! :frust:

Bis spädda Ihr Lieben! :cry:
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Murmeline » Montag, 13.02.17, 9:47

Hallo Ubik,

bitte gib die Quelle an, sonst müsste ich das Foto wieder herausnhemen. Danke!

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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von padma » Montag, 13.02.17, 17:17

hallo Filzblume, :)

es ist gut möglich, dass da auch noch ein Benzoentzug mit reinspielt.

Mach dich deswegen nicht runter, Fakt ist, du hast es geschafft von den Benzos wegzukommen, das ist, was zählt.

Und du bist auf einem sehr guten Weg, dir wieder dein Leben zurück zu erobern :D

Falls du es mit Vitaminen versuchen möchtest, bitte vorsichtig austesten. Eins nach dem anderen versuchen und zunächst niedrig dosiert.

@ hallo Ubik :)
Ubik schrieb
Darf man das eigentlich aus Büchern einfach was einscannen und ins Internet setzen?
Ich glaube das darf man nicht, wegen des Urheberrechtes.

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Histaminintoleranz und NL! Gibt es da einen Zusammenhang?

Beitrag von Filzblume » Montag, 13.02.17, 21:29

Hallo zusammen,

die Frage im Betreff - hat mal jemand darüber was gehört? :shock:

Gruß Filzblume

:pillowtalk:
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Murmeline » Montag, 13.02.17, 21:53

Hallo Filzblume,

bitte mach nicht für einzelne Fragen einen neuen Thread auf - ich hab das mal zusammengeschoben.
Es gibt hier einen ganzen Thread zum Thema, da kannst Du mal reinschauen:
viewtopic.php?f=57&t=7819

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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von padma » Dienstag, 14.02.17, 19:04

hallo Filzblume, :)

zumindest einige NL blockieren auch Histaminrezeptoren, daher kann der Entzug zu einer HIT führen.

liebe Grüsse,
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Filzblume
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Filzblume » Mittwoch, 15.02.17, 11:35

Hallo Ihr Lieben,

der Kasus ist geknackt. :D Ich habe HIT. Endlich eine Diagnose, die auch Hand und Fuß hat. Und auch ein Arzt, der sich auskannte. Folgendes ist passiert:

Mein Senior-Chef rief mich an, um sich zu erkundigen, wie es mir geht. Habe ihm die ganze Misere erzählt und auch von meinem Verdacht mit HIT. Der hat nicht lange gefackelt, hat ein wenig telefoniert und mich dann nach Holland in eine Privatklinik gebracht. :hug: :fly: Er selbst ist Holländer und die HIt-Geschicht war ihm nicht unbekannt. Bei ihm in der Familie war das auch bei jemandem.

Die dort tätigen Ärzte waren richtig klasse. :party2: Eine wahnsinns Anamnese, Test über Test und vor allem: Man hat mir zugehört. :party2: Und das nicht nur mit einem halben Ohr. :party2: Die haben mich ausgefragt und wirklich jedes Detail beleuchtet und gewertet. :group:

Das Ergebnis war dann eindeutig. Folgende Parameter sind bei mir, die HIT ausgelöst haben: (Und über diese Parameter hätte eigentlich jeder Depp stolpern müssen. Eigentlich?) :frust:

Wechseljahre
einen hartnäckigen Darmpilz
Fluspi ist wie viele NL ein Histaminhemmer

Ich bin zwei Nächte dort geblieben. :bettzeit: Was genau ursächlich bei mir ist, könnte man jetzt auch noch herausfinden. Stellt sich nur die Frage, was es mir unterm Strich bringt. Es gibt verschiedene Ursachen für diese Störung. Um mir erstmal akut zu helfen gab man mir dort Antihistaminika und hat mich dort auf eine Histamin-Diät gesetzt. Zudem hat man mir 500 ml Blut abgezapft.

Ich bin jetzt wieder zuhause und bin fast symptomfrei.Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie schön das ist. Ich lebe wieder :party2: - traue aber dem Braten noch nicht so ganz über den Weg. Habe zuviel dummes Zeugs :frust: in den letzten Jahren von den Ärzten gehört. Da verliert man das Vertrauen. :frust: Ich lege heute einfach mal den Tag fest, an dem es endlich aufgehört hat. Habe mich jetzt fast 3,5 Jahre gequält.

Ich habe jetzt noch eine Darmsanierung vor mir, was auch ne ganze Zeit brauchen wird. Ebenso wie eine strenge Diät. Ich habe gute Karten, dass sich dauerhaft alles wieder reguliert.

Fragt mich jetzt bitte nicht, was das alles gekostet hat. :o Ich weiß es nicht und werde es wohl nie erfahren. Mein Chef hat das finanziert. Er hat das ganze Drama ja in den letzten Monaten hautnah miterlebt. Ich werde aber definitiv in der nächsten Zeit nicht nach einer Gehaltserhöhung fragen. :whistle: Er hat echt was gut bei mir. Ich stehe tief in seiner Schuld. Mein Chef ist trotz seines Imperiums und seiner Millionen einfach nur Mensch geblieben. Er lässt seinen Finanzstatus für normal auch nicht raushängen. Aber bei der Aktion in Holland kann man mal sehen, was Geld und Einfluss bewirken kann. Ich denke ich hätte als Kassenpatient ewige Zeiten auf einen Termin beim Allergologen warten müssen. V. ich danke Dir! <3 Du bist echt ein Knaller-Chef!

Was mich aber so richtig ärgert ist die Tatsache, dass die Ärzte aus meiner Vergangenheit (ja, sie sind Geschichte- da gehe ich nie wieder hin! :haha: ) nicht im Ansatz darauf gekommen sind. :frust: In Holland war auch ein Pharmakologe der es überhaupt nicht verstand, warum man mir nach Fluspi und mit den Symptomen verschiedene Medis aus dem Bereich das AD's gegeben haben. Er sagte wörtwörtlich: "Das sind zwei verschiedene Klompen!" (Klompen = Holzschuh! Hihi). Ich habe auch vor einiger Zeit bei meinen Ärzten meinen Verdacht mit der HIT geäußert. Wurde aber voll abgeschmettert. Welchen Spruch ich aber dann gehört habe: (brauche ich glaube ich gar nicht zus schreiben, den kennt Ihr alle) "Sie müssen in die Psychiatrie". Wenns nicht so traurig wäre, könnte man da ne Comedy draus machen. 3,5 Jahre meines Lebens einfach so in der Tonne!

Einen kleine faden Beigeschmack hat die Sache jedoch - mein Senior-Chef weiß jetzt Dinge über mich, die er so eigentlich gar nicht wissen sollte. Aber - es ist mir total egal! :party:

Mir fällt dazu spontan der Spruch von Gaymann ein "Mache ich jetzt ne Therapie oder trink ich erst ne Tasse Kaffee!" Ich ändere den Spruch wie folgt: Gehe ich jetzt in die Psychiatrie oder trink ich noch eine Tasse Kaffee" :sports: :whistle: Ich nehm den Kaffee! :party2:

Ihr Lieben, ich danke Euch für Eure Geduld mit mir. Ohne Euch wäre ich jetzt nicht da, wo ich jetzt bin.

Eure Filzblume :party2:

PS - Und den ------> :zombie: schicke ich jetzt erstmal in Wüste.
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 15.02.17, 15:29

Histaminintoleranz
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 15.02.17, 18:34

Hallo Filzblume, dein Chef ist Spitze! Wenn mehr Vorgesetzte wie er drauf wären, würde die Anzahl der Burn- Outbetroffenen in diesem Land zurückgehen. Ich freue mich für dich.
liebe Grüße Arian
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Filzblume » Mittwoch, 15.02.17, 18:44

Hallo Ihr Lieben,

den Kracher kann ich mir jetzt nicht verkneifen. Ich gehe gerade an meinen Briefkasten. Einer der 16 angeschriebenen Neurologen betreibt jetzt sogar noch die verschärfte Version der Handauflegetaktik: Ferndiagnose!!!!!!!!!!!!! :evil:

Folgendes steht da drin (jetzt mal mit meinen Worten und dem nötigen sakastischen O-Ton):

"Gehen Sie in die Psychiatrie. Begeben Sie sich direkt dorthin! Gehen Sie nicht über Los. Ziehen Sie keine 4000 Euro ein!" :frust:

Wer es mir nicht glaubt, kann mir gerne ein PN schicken.

Der niederlandische Allergologe würde jetzt wohl vor lachen vom Stuhl fallen. Meine Gynäkologin ist es schon. Ich habe mich heute nach Anraten des Allergologen auch an meine Gynäkologin gewendet. Diese Histamin-Geschichte ist bei mir ein Zusammenspiel von vielen Komponenten. So auch klimakterisch bedingt. Es bedarf nun ein gutes Zusammenspiel zwischen den einzelnen Komponenten hinzukriegen. Frau Gyn hat schon reagiert und mich hormonell anders eingestellt.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Aber eines steht fest. Mir geht es nach wie vor wesentlich besser. Warten wir ab, was die nächsten Tage und Wochen bringen.

Gruß Filzblume :pillowtalk:
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Filzblume » Mittwoch, 15.02.17, 18:48

Arian, da hast Du Recht. Erstens das mit den Burn-Out und zweitens das mit Chef der spitze ist. Ich will gar nicht mehr woanders arbeiten. Nie habe ich in einem Unternehmen soviel Menschlichkeit erfahren wie dort. Und das von allen Seiten! :party2:
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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Filzblume » Freitag, 17.02.17, 22:25

Hallo Ihr Lieben,

hier mal wieder ein weiterer Schritt! Mich hat es so in den Fingern gejuckt und nach dem Gespräch mit der Gynäkologin sind mir tausend Dinge eingefallen. :roll: Ich habe sie mir aufgeschrieben und wieder zur Gynäkologin. Sie hat sich auch im Gegensatz zu anderen Ärzten und Gynäkologen die Zeit - auch außer der Reihe - genommen. Dabei ist mir aber auch ein ganz großer Patzer von anderen Ärzten aufgefallen. :evil:

Als ich das erste Mal die Anwandlungen von Wechseljahren bekam, war ich noch voll mit AD's. Ich selbst hatte so einige Dinge spontan nicht mehr parat. Erst nach vielem Nachdenken (gestern Nacht), fiel mir das ein. Also hat mein Hausarzt gar nicht richtig in meine Akte geschaut. :frust: Ich finde das ganz schön nachlässig. :frust: Wäre ich am Arbeitsplatz so nachlässig, hätte ich nicht so einen guten Draht zu meinem Chef bzw. er zu mir. Drücken wir es mal nett aus. Doch leisten sich Ärzte so einen Schnitzer - ist ja egal - nen paar AD's mehr oder weniger können ja nicht schaden. Ich finde da beißt sich die Katze selbst in den Schwanz. Vor allem wollte er mir genau das gleiche wie früher aufschreiben, was ja anscheinend wirkungslos war. :frust:

Meine Hormonwerte sind heute auch da gewesen. Die sind vollkommen aus dem Ruder. :party: Also kein Wunder. :haha:

Bei dem langem Gespräch :group: mit der Gynäkologin kam aber auch noch einiges mehr zur Sprache:

- Ihre jüngste Patientin ist gerade mal 33 Jahre jung :o
- Sie hat schon Patientinnen gehabt, die so fertig waren und suizidale Gedanken hatten :cry:
- viele ihrer Patienten bekommen AD's und NL's obwohl sie in den Wechseljahren sind. AD's deckeln auch diese Beschwerden. :evil: Gerne auch beides schön miteinander kombiniert. :evil: Wird ja gerne auch als Allheilmittel einfach mal so genommen. :evil: So nach dem Motto "Versuch macht klug!" Meine Meinung: Der denkbar schlechteste Versuch. :sports:
- viele Ärzte haben einfach einen Tunnelblick oder wollen sich mit dem Thema Wechseljahre nicht beschäftigen.Ich halte sowas aber für Allgemeinwissen, dass Wechseljahre kein Mythos sind. :? Oft erlebt sie auch Ehemänner, die meinen dass ihre Frau da einfach durch muss. :o - Vollkommener Quatsch!
- auch Männer können in die Wechseljahre kommen. :D Ein Aufruf an die Herren hier im Forum - lasst Euren Hormonspiegel bestimmen. :wink: Das geht auch beim Gynäkologen - kostet 30 Euro. Wenn was aus dem Ruder gelaufen ist, kostet es nichts. Aber man hat Gewissheit und kann hormonell eingestellt werden. Besser als AD's und NL's schlucken und vielleicht verzagen. Vielleicht macht es den Entzug dann viel viel leichter - oder noch besser - es ist gar kein Entzug. So wie bei mir.
- bleibt hartnäckig :sports:
- öffnet Euch an Stellen, wo Ihr eigentlich keine Hilfe erwartet. :hug: Man muss ja nichts von den AD's oder NL's sagen. Das wusste mein Chef auch nicht, bis er mich zum dem Allergologen geschliffen hat. :whistle: Er hat Verständnis gezeigt, nachdem er meine Geschichte gehört hat.(Mein Oberboss ist nicht der Herr, der den Drogenentzug hinter sich hat - aber genauso verständnisvoll!) :party2:

Und auch wenns mir natürlich noch im Kopf duselt und das jetzt auch ne ganze Zeit dauert,bis sich alles reguliert hat bin ich einfach nur glücklich darüber, dass meine Seele ok ist. :party2: Schon alleine damit geht es mir ein Stückchen besser und nicht mehr so wie dieser Knabe: :zombie: Ich hatte in der Vergangenheit Krach mit der Seele gehabt und weiß wie hart es ist, etwas dagegen zu tun um dann ohne Medis auszukommen. :frust:

Wenn ich meinen Zustand von früher (Seele) mit heute (Wechseljahre) vergleiche, kann ich auch klar differenzieren. Früher war es mir egal, ob meine Wohnung im Chaos versunken ist, das war mir alles zuviel und was solls. :( Heute geht es mir auf den Keks, bin einfach nur körperlich platt. :party: Mich ärgert die Unordnung in meiner Wohnung, was es früher nicht gab. Auch vom ganzen Gefühl war es anders. Ich habe auch immer wieder gesagt, dass es sich komplett anders anfühlt, als früher. Aber wie war das mir dem Gehörgang der Mediziner - schlecht zuhören konnten die schon immer gut. :evil:

Ich muss jetzt noch ein paar Tage auf meine Hormonpräparate warten. In Deutschland derzeit nicht lieferbar. Aber in Holland. Mein Chef springt schon wieder in die Bresche. Er hat mal wieder telefoniert und am Montag, spätestens Dienstag ist alles da. "V. wie kann ich das nur wieder gut machen!"

Das war es jetzt erstmal wieder von mir. Es hat zwar mit dem eigentlichen Thema nichts mehr zutun. Aber vielleicht ist es für irgendjemanden hilfreich. Ach ja, nächste Woche geht es erstmal ab zum Orthopäden. Der darf jetzt die Suppe mit meiner Wirbelsäule auslöffeln. Denn mein Rücken tut von der ganzen Anspannung der letzten Monate einfach nur weh. Er wird's schon richten. Er hat bis jetzt noch nie gesagt: "Das kann auch psychisch sein!" Welch Wohltat! :roll:

Gruß und schönes WE

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Re: Mein Tagebuch nach einem unfreiwilligen Kaltentzugs eines NL (Fluspirilen)

Beitrag von Arianrhod » Samstag, 18.02.17, 18:07

Hallo Filzblume,
ich hatte es schon mal verlinkt, psychiatrische Diagnosen kommen erst in Frage, wenn körperlich naheliegendes abgeklärt ist. Wird leider oft nicht gemacht, da aufwendig, und der Patient bekommt Neuroleptika und Antidepressiva. Dann fühlt er sich noch mieser, weil er ja auch noch die Nebenwirkungen bzw. die unangebrachte Hauptwirkung wie beispielsweise Dopaminblockierung, obwohl mit seinem Dopaminspiegel alles völlig in Ordnung war, obendrauf hat , und die Ärzte sagen dann: "Ja, jetzt hat sich Ihre psychische Krankheit verschlimmert" und nutzen die Gelegenheit, die Dosis zu erhöhen bzw. evtl. noch ein Benzo draufzupacken, bis der Patient :zombie: ....

F-Diagnosen bedürfen immer der Ausschlussdiagnostik.

ich freue mich für dich, dass jetzt eine Ursache dafür gefunden wurde, dass es dir nicht gut geht , und dass die Gynäkologen evtl. was für dich tun können.
liebe Grüße Arian
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