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Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

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ultrafox
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Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von ultrafox »

Hallo,

bin ganz neu hier. Weil ich auf der Suche nach Antworten bzgl. des Absetzens von Sertralin nach etwa zehn Jahren Einnahme habe, stieß ich auf euer Form. Aufgrund einer bereits länger andauernden Angststörung bekam ich Sertralin (50 mg).

Vor zirka sechs Wochen begann ich, mit dem Absetzen, indem ich eine Woche lang nur noch eine halbe Tablette täglich einnahm. Nach dieser Woche, also vor fünf Wochen beendete ich die Einnahme komplett.
In den darauffolgenden zwei Wochen hatte ich Absetz-Symptome: Schwindel, Zaps (wie kleine elektrische Schläge im Kopf), lebhafte und irritierende Träume, mit denen ich mich auch noch tagsüber beschäftigte. Diese Symptome verschwanden innerhalb der zwei Wochen komplett.

Nun, nach eben diesen sechs Wochen bekam ich fast schlagartig depressive Gefühle, leichte Ängste und bin total antriebslos. Nun bin ich sehr verunsichert, ob es sich hier noch um Symptome des Absetzens handelt, oder ob es sich um eine Art Rückfall handelt.
Die eigentliche Frage ist, Sertralin wieder nehmen - weil ich es wohl doch für immer benötige oder noch abwarten, weil es ein Absetz-Symptom ist.

Wäre schöne, wenn mir jemand hier weiterhelfen kann, bzgl. selbst eine solche Problematik bereits hinter sich hat.

liebe Grüße
Uwe
Jamie
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von Jamie »

Hallo ultrafox,

willkommen im ADFD :).

nach 10jähriger Einnahme hätte das Sertralin-Absetzen mehr als 1 Jahr gedauert - bei deinem Turboansetztempo wundert es nicht, dass du mit Symptomen kämpfst; das ist fast ein Kaltentzug :o .

Von SSRI wissen wir, dass diese zeitverzögert, so wie du es gerade erlebst, Absetzsymptome verursachen können.
Die Zaps / Stromstöße waren bereits ein deutliches Warnsignal deines ZNS, dass es mit dem viel zu schnellen Absetzen nicht zurecht kommt und man hätte pausieren müssen, aber das wusstest du vermutlich nicht.
Hier eine Liste möglicher Absetzsymptome (nicht vollständig). Erkennst du dich da wieder?: http://www.antidepressiva-absetzen.de/Stufe_3.html

Ich denke, es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Absetzen und Auftauchen deiner Beschwerden - ich bin mir relativ sicher, dass es sich nicht um die Grunderkrankung handelt, sondern eben Absetzsymptome.
So Fälle wie deiner schlagen bei uns täglich auf; das Muster ist immer das selbe und die Erfahrung zeigt, dass man dies zumeist durch die Wiedereinnahme einer niedrigen Menge Wirkstoffs kompensieren kann.
Ziel ist dann die Stabilisierung und danach das sorgfältige und geduldige Ausschleichen. (Wir im Forum empfehlen hier die Methode nach Dr. Peter Breggin, das heißt alle 4-6 Wochen 10% der Dosis absetzen).

Ich würde dir eine Wiedereinnahme von 6,25mg empfehlen, diese Dosis kannst du mit der Wasserlösemethode erreichen. Keinesfalls würde ich mehr als max. 12,5mg für den Anfang nehmen (besser die von mir vorgeschlagenen 6,25mg), weil auch die Wiedereinnahme das ZNS reizen kann.
Oft reichen unserer Erfahrung nach auch bereits wirklich kleine Mengen, um das ZNS zu beruhigen und das Befinden zu bessern.
Wasserlösemethode

Bitte lies auch hier, was beim AD Einnehmen und Absetzen passiert: http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=6&t=8621

Grüße
Jamie
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ultrafox
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von ultrafox »

Hallo Jamie,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort - hatte ich so schnell gar nicht erwartet :)
Außer den beschriebenen Symptomen in den ersten zwei Wochen und vor allem in den darauffolgenden vier Wochen ging es mir blendend - besser als mit dem Medikament. Und dann quasi von einem auf den anderen Tag diese Symptome.

Meinst du wirklich, dass es nach sechs Wochen tatsächlich Absetzsymptome sind? Konnte ich mir vor dem heutigen Kennenlernen dieses Forums gar nicht vorstellen.

Übrigens: Ich habe ein solch schnelles Absetzen vor drei Jahren schon einmal gemacht, um dann nach ca. sechs bis acht Wochen wieder voll einzusteigen. Damals ging es mir ähnlich und ich glaubte, dass ich das Medikament eben doch für immer benötigen würde. Dachte also nicht im Geringsten daran, dass es sich um Absetzsymptome handeln könnte. Bin damals wieder schlagartig auf 50 mg gegangen - was ich in den darauffolgenden zwei Wochen mit entsprechenden Nebenwirkungen auch zu spüren bekam.

Allerdings konnte ich mit solchen Nebenwirkungen ganz gut leben, sobald mir klar war, dass es eben Nebenwirkungen sind.

Ich denke, ich werde ab sofort 12,5 mg, also eine viertel Tablette, täglich nehmen, und schau mal was sich tut.

Vielen Dank für deine Hilfe
Liebe Grüße
Uwe
Murmeline
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von Murmeline »

Hallo Uwe,

Sechs bis acht Wochen lesen wir oft! Das plötzliche, fast schlagartige Auftreten ist auch bekannt. Bei Dane ging es nach 4 Monaten los, bei Morula noch später.

Amerikanische Psychiater wie Dr. Peter Breggin und Dr. Shipko beobachten das in der klinischen Praxis auch und erkennen das Phänomen an.

Hattest du denn jemals solche depressiven Zustände (außer beim letzten Absetzversuch)? Fühlt sich irgendwas anders an als sonst, und/oder neue körperliche Symptome?

Grüße, murmeline
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ultrafox
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von ultrafox »

Hallo Murmeline,

vielen Dank für Deinen Post. Hätte ich wirklich nicht gedacht, dass es zu solchen Absetz-Symptomen nach so langer Zeit kommen kann.

Du fragst, ob ich solche Symptome schon einmal hatte. Oh je, da muss ich jetzt doch weit ausholen.
Vor vielen Jahren war ich selbständig und arbeitete ab einen bestimmten Zeitpunkt in einem Büro im Keller unseres Hauses. Nach ca. 6 Monaten bekam ich starke depressive Gefühle. So etwas hatte ich bis dahin nie, bin ein sehr aufgeschlossener und lustiger Mensch.

Mit diesen Gefühlen konnte ich überhaupt nicht umgehen. Es war, als ob auf einmal das Leben zu ende wäre. Keine Freude, kein Freuen auf etwas - nur diese Gefühle und ein Ausgeliefert sein. "Bleibt das jetzt immer so"-Fragen usw. Ich suchte einen Psychotherapeuten auf (als Privatpatient), der mir sagte, dass ich das jetzt wohl mein ganzes Leben haben werde und ich therapeutisch intensiv bereut werden müsste. Habe dort eine über zweijährige Therapie gemacht. Irgendwie redete der mir immer ein, ich sei ziemlich krank. Heute weiß ich, dass das damals im Keller (im Winter) lediglich eine Winterdepression war - mir hat das Licht gefehlt. 14 Stunden täglich im Keller bedeutete, zu wenig Licht. Wusste ich damals natürlich nicht. Übrigens: Die depressiven Gefühle waren schnell weg, bereits während der Therapie. Aber der Doc vermittelte mir immer wieder, ein psychisch kranker Mensch zu sein. Kurz nach Beendigung der Therapie ging es mir blendend - allerdings sorgte der Doc dafür, dass ich nun eine ausgewachsene Angst-Phobie vor Depressionen entwickelte. Ach so, Medikamente gab er mir nie.

In den Folgejahren bekam ich immer wieder Paniken, wenn ich nur an das Wort Depression dachte. Ging es mir mal nicht so gut, war ich in schlechter Stimmung, brach immer wieder diese Angst aus.

Bis mir dann vor ca. 10 Jahren, nach langer Recherche, klar wurde, dass ich ein Medikament, wie Sertralin nehmen sollte. Bin also zu einem beliebigen Neurologen, um mir Sertralin verschreiben zu lassen. Nach ca. vier Wochen spürte ich eine deutliche Besserung - alles war in Ordnung. Tja - und seit dem nehme ich eben dieses Medikament.

Übrigens: Solche depressiven Gefühle hatte ich nie mehr,

Sorry, das war jetzt sehr viel, aber vielleicht ist es wichtig, diese Hintergründe zu wissen.

Liebe Grüße
Uwe
Murmeline
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von Murmeline »

Hallo Uwe,

das macht mich sauer:
Ich suchte einen Psychotherapeuten auf (als Privatpatient), der mir sagte, dass ich das jetzt wohl mein ganzes Leben haben werde und ich therapeutisch intensiv bereut werden müsste. Irgendwie redete der mir immer ein, ich sei ziemlich krank.
Die depressiven Gefühle waren schnell weg, bereits während der Therapie. Aber der Doc vermittelte mir immer wieder, ein psychisch kranker Mensch zu sein. Kurz nach Beendigung der Therapie ging es mir blendend - allerdings sorgte der Doc dafür, dass ich nun eine ausgewachsene Angst-Phobie vor Depressionen entwickelte.
Therapie sollte sich darauf konzentrieren,Zusammenhänge zu verstehen, die zu depressiven Symptomen führen. Sie soll die Ressourcen des Hilfesuchenden stärken und gemeinsam Strategien erarbeiten, wie man Zuständen vorbeugt oder wie man sie durchsteht. Sie sollte NICHT das schwarze Gespenst einer dauerhaften psychischen Störung heraufbeschwören.
In den Folgejahren bekam ich immer wieder Paniken, wenn ich nur an das Wort Depression dachte. Ging es mir mal nicht so gut, war ich in schlechter Stimmung, brach immer wieder diese Angst aus.
Ich hatte in schweren Phasen oft einen Druck auf der Brust. Kam der in Stressituationen wieder, hatte ich sofort die Sorge, jetzt geht es wieder los und der Strudel beginnt erneut... Irgendwann konnte ich es umdeuten als Belastungszeichen, und dass ich dann etwas verändern und auf mich aufpassen muss. Ich habs es nicht mehr als Anfang einer Krise gesehen und das ging besser.

Berichte doch bitte, wie es Dir mit der erneut eingenommenen Dosis geht. Ich hoffe, 12,5mg passt für Dich - wir sind zumeist dafür, eher erstmal weniger zu testen, da auch ein schnelles Eindosieren einer höheren Dosis das ZNS irrtitieren kann.

Grüße, Murmeline
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von ultrafox »

Hallo Murmeline,

was glaubst du, wie sauer ich auf diesen Therapeuten war und immer noch bin?
Ich war auf die ganze "Branche" sauer :)

Dank Internet und der Recherche konnte ich mir erfreulicherweise selbst helfen.
Musste tatsächlich feststellen, dass man als Privatpatient besonders vorsichtig sein muss, nicht übertherapiert zu werden.

Ich habe gestern schon gespürt, dass ich wieder eindosiere. Ich weiß, dass ich in den ersten Tagen panikartige Symptome bekomme. Allerdings, wenn man sich dessen bewusst ist, ist es OK.
Als ich Sertralin 50 mg zum ersten Mal nahm (nicht eingeschlichen, sondern von 0 auf 50mg), hatte ich am Folgetag den totalen Panik-Flash, und das auch noch auf der Autobahn und ohne zu wissen, dass es Nebenwirkungen waren.

Nach dem Absetzen vor drei Jahren bin ich nach ca. acht Wochen wieder von 0 auf 50 mg gegangen. Die Symptome waren die gleichen wie beim ersten Mal. Allerdings wusste ich darum und konnte entsprechend ruhiger darauf reagieren.

Deshalb mache ich mir momentan keine zu große Sorgen, was die Symptome beim Wiedereindosieren von 12.5mg betrifft.

Heute, nach der zweiten Einnahme gestern Abend, geht es mir schon besser. Ich berichte gern weiterhin über den Fortgang.

Liebe Grüße
Uwe
MorulaMyomatosus
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von MorulaMyomatosus »

Hallo Uwe, ich weiß nicht, ob es noch einen Versuch wert wäre, wieder eine Minimenge einzudosieren, um es dann langsam angehen zu lassen. Vielleicht kann dir da ein erfahreneres Mitglied einen Rat geben?
Was ich dir aber sagen kann ist, dass ich, nach vielen Jahren auf SSRI, auch 2 kalte Entzüge gemacht habe. Ich wusste es auch nicht besser. Nach dem ersten Mal kamen die Hammer-Absetzerscheinungen irgendwann zwischen 5 und 11 Monaten (ich kann es nicht mehr genau sagen) und beim 2. Mal hat es circa 4-5 Monate gedauert. Während dieser vielen Monate hatte ich höchstens milde Symptome, aber nichts wildes. Als es dann richtig losging, wurde ich wirklich, innerhalb von Stunden, aus meinem "normalen" Leben gerissen. Ich bin heute genau 20 Monate und 15 Tage im protrahierten Entzug und hätte das niemals für möglich gehalten. Ich kann dir nur wirklich ans Herz legen, jeden weiteren Schritt hier im ADFD zu besprechen.

Ich wünsche dir alles Gute, aber vorallem, dass du gut durch den Entzug kommst!

Morula
Irgendwann 2007
Diagnose „Panikstörung“.
Erste Einnahme von Citalopram 20 mg.
Wegen Schlafstörungen Zopiclon 7,5 mg über ein halbes Jahr.
Zopiclon selbstständig innerhalb von 8 Wochen ausgeschlichen. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Tiefenpsychologische Therapie über 2,5 Jahre.

Anfang/Mitte 2010
Citalopram nur noch unregelmäßig genommen, dann eigenständig kalt abgesetzt, da ich dachte ich wäre über den Berg.

Ende 2010
Nach einigen Monaten auf 0 mg setzt, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptom: Extreme Suizidgedanken. Ich wusste allerdings nichts von einem Entzug!
Neue Diagnose: „Autoaggressive Zwangsgedanken“ und "mittelschwere bis schwere Depression".
Zweite Einnahme von Citalopram 30 mg und begleitend Lorazepam 1,5 mg
Lorazepam nach ca. 3 Wochen abgesetzt. Keine Entzugssymptome wahrgenommen.
Citalopram wirkt nach 3 Wochen wieder, die Suizidgedanken und alle anderen Symptome sind weg.
Verhaltenstherapie über 3 Jahre.

Ende 2013
Citalopram wieder unregelmäßig genommen, dann wieder eigenständig und kalt abgesetzt, da ich einigermaßen symptomfrei war.

Mai 2014
Nach ca. 5 Monaten auf 0 mg setzt wieder, von jetzt auf gleich, der verzögerte Entzug ein. Hauptsymptome: Schreckliche Suizidgedanken, Gedanken an Fremdgefährdung, völlige Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust.
Auch hier wieder keinen Zusammenhang erkannt, deshalb Wiedereindosierung von Citalopram 40 mg, dazu Lorazepam 1,5 mg.
Lorazepam nach ca. 8 Wochen, ohne erkennbare Probleme, abgesetzt.
Auch nach wochenlanger Einnahme zeigt das Citalopram diesmal keinerlei Wirkung. Es wurde immer schlimmer.
Ich beschäftigte mich langsam mit der Problematik der Psychopharmaka.

Juli 2014
Stationärer Aufenthalt und kurze Umstellung auf Escitalopram. Auch dann kein Wirkeintritt und keine Besserung.
Viel zu schnelles und deshalb unbewusst kaltes Absetzen des Escitalopram innerhalb von 2 Wochen, unter ärtztlicher Begleitung in der Klinik.
Letzte C*pralex am 14.07.2014, seitdem im protrahierten Entzug!
Erst nach der letzen Tablette habe ich langsam verstanden was da eigentlich passiert ist und einen klaren Zusammenhang zu der SSRI-Einnahme erkannt.

Ende August/Anfang September 2014
Es stellen sich die typischen Wellen & Fenster ein.

Update Oktober 2015
Ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Es ist extrem wechselhaft und betrifft besonders die Emotionen.

Update April 2016
Seit der letzten Tablette sind nun 21 Monate vergangen. Leider halten die Symptome immer noch an. Seit ca. Jahresbeginn wechseln sich die Wellen und Fenster fast täglich, häufig auch stündlich bis minütlich, ab. Das ist alles extrem anstrengend. Tja... Weiter geht's :schnecke:

Update Mai 2017
34 Monate nach Null. Immer noch im protrahierten Entzug.

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!
Jamie
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von Jamie »

Hallo ultravox :),

gut, dass du wieder eindosiert hast. Bitte berichte uns.

Grüße
Jamie
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von ultrafox »

Vielen Dank euch allen,

natürlich werde ich weiter berichten, fühle mich hier gut aufgehoben.
Liebe Grüße
Uwe
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von ultrafox »

Hallo Ihr Lieben,

schon heute geht es mir um Längen besser als noch vor drei Tagen. Ich nehme die 12,5 mg jeweils Abends. Drei Einnahmen habe ich somit erst hinter mir. Nun frage ich mich, kann das sein? Kann das Eindosieren schon nach solch kurzer Zeit Wirkung zeigen? Ich kann es mir gar nicht vorstellen.

Oder ist es ein Placebo-Effekt? Oder möglicherweise die Kenntnis und das Verständnis (durch euch), dass es wohl Absetzsymptome sind - und nichts mit der Grundkrankheit zu tun zu haben scheint?

Zunächst freue ich mich aber sehr darüber, dass es mir besser geht. Ich freue mich auch sehr, euch mit und in diesem Forum gefunden zu haben. Mit eurer Hilfe habe ich mir ziemlich viel für mich wichtiges Wissen aneignen dürfen. Ich denke, mit diesem Wissen nie mehr in eine solche "Absetzfalle" zu geraten.

Danke und liebe Grüße
Uwe
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Re: Sertralin absetzen - nach fast zehn Jahren

Beitrag von LinLina »

Hallo Uwe :-)

schön, dass es dir besser geht :-) ich freu mich auch das zu hören. Dass es so schnell wirkt, zeigt dass deine Probleme definitiv Absetzsymptome waren. Wenn man im akuten Entzug ist und das gewohnte Mittel wieder nimmt wird es meist sehr schell besser. Manchmal schon nach der ersten Einnahme.

Du warst jetzt aber schon länger auf null, da funktioniert es nicht immer - Glück gehabt :-)

Der Placeboeffekt und die Erleichterung kann natürlich auch mitreinspielen, aber der Hauptgrund ist sicher dass dein System jetzt wieder etwas von der gewohnten Substanz bekommt, und daher wieder besser funktioniert.

Ich hoffe es geht weiterhin bergauf, alles gute dafür!

Halte die Dosis am besten erstmal noch eine Weile, du wirst sicher merken ob du auf dieser Dosis stabil bist oder ggf. noch etwas hoch musst. Wäre natürlich super wenn du gar nicht mehr brauchst, dann hast du weniger zum ausschleichen.

lg Lina
Im Absetzprozess seit 2014: Lorazepam (Benzo) erfolgreich abgesetzt. Mirtazapin aktuell (seit Sommer 2018) 0,005 mg.

Ich bin zur Zeit nicht im Forum aktiv. Bei Fragen und Bitten an das Team an padma, Ululu69 oder murmeline wenden.

Hinweis: Alle meine Aussagen dienen der allgemeinen Information und begründen sich auf Erfahrungswerte - meine eigenen, und die anderer Betroffener - und die wenigen bekannten Studien zur Absetzproblematik. Ich bin weder Ärztin noch Psychologin. Meine Erfahrungen und Tipps sind daher keine medizinische Beratung und können eine solche nicht ersetzen.
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