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Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

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Naniwa
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Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Naniwa » Montag, 24.12.18, 20:35

Ein frohes Fest ihr lieben,

So Vorstellungen sind immer ziemlich schwierig für mich...
Also, ich bin Naniwa aus NRW und ich möchte dazu lernen. Ich bin Neurowissenschaftlerin und Psychologin, eigentlich mit einem Fokus auf Schmerzforschung. im Studium wird über das Absetzsyndrom wenn überhaupt am Rande gesprochen, wobei ich in der präviligierten Situation bin, immer Dozenten und Kollegen gehabt zu haben, die mich daran erinnert haben dass meine Hauptaufgabe als Forscherin das Zweifeln und Fragen ist.
Hier gelandet und ein besonderes Interesse entwickelt habe ich, da meine Partnerin gerade sehr schmerzlich ihren 2ten Absetzversuch von 10mg Paroxetin beendet hat und wieder dabei ist sich zu stabilisieren. Goth sei Dank haben wir ein Umfeld wo zwar wenig Wissen aber viel Verständnis vorherrscht und sie wird im neuen Jahr das Projekt nochmal mit besserer Unterstützung angehen.
Wo sie sagt, dass zu viel lesen sie kirre macht, hab ich mich allerdings festgelesen und will so viel wissen und verstehen wie’s nur möglich ist. Ganz klar nicht um meiner Liebsten zu helfen -Cotherapie möchten wir auf alle Fälle vermeiden- sondern um in meinem Feld auch besser sensibilisiert zu sein.
Ich hoffe ich bin hier Willkommen :? Falls ihr Fragen habt, löchert mich ruhig : ) ich bin eigentlich ganz handzahm

Murmeline
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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 25.12.18, 12:17

Hallo!

Angehörige sind immer auch willkommen, schön dass du dich interessierst und kümmerst.

Vielleicht ist dieses PDF mit Tipps ein Anfang für dich:
https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=16084

Im Bereich Hintergrundinfos gibt es auch einiges zu lesen, auch verweise auf aktuelle Fachartikel.
https://adfd.org/austausch/viewforum.php?f=6

Grüße, Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

Lithium
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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Lithium » Dienstag, 25.12.18, 12:40

Hi Naniwa, :)

erstmal herzliche Willkommen hier im Forum :) Weiß deine Freundin dass es dieses Forum gibt?

Ich hätte da auch noch eine Frage da du Psychologin und Neurowissenschaftlerin bist:

In den letzten 100 Jahren hat sich in der Medizin enorm viel bewegt. In der Behandlung von psychischen Erkrankungen habe ich als Betroffener keine Veränderung im Vergleich zu 1918 feststellen können. Wenn ich vor 100 Jahren gelebt hätte, dann hätte ich exakt die selbe Lebensqualität wie jetzt (also auf die psychische Erkrankung bezogen). Eventuell mit geringfügigen, unwesentlichen Verbesserungen / Verschlechterungen durch das Mirtazapin. Und ich war bei Psychiatern und Psychologen in Behandlung bei denen ich gemerkt habe dass sie wirklich helfen wollen.

Wo siehst du die konkreten Fortschritte für Patienten die an psychischen Erkrankungen leiden im Vergleich zu vor 100 Jahren? Abgesehen von Bedarfsmedikamenten die für den Notfall bestimmt sind.

Liebe Grüße

Lithium

PS: Ich glaube ja sogar dass sich seit 1000 Jahren in der Behandlung psychischer Erkrankung nur geringfügig etwas verändert hat. Meditation, Atemübungen, Entspannungsübungen und sportliche Betätigung gibt es wahrscheinlich schon sehr viel länger als 1000 Jahre. Und das sind immerhin die wirksamsten Techniken die ich kennengelernt habe.
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Aktuell:
13.05.2019 10,5mg Mirtazapin

Naniwa
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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Naniwa » Dienstag, 25.12.18, 17:35

@Murmeline: Hallo und danke für die Begrüßung und die Links, da werde ich mich durch “graben”

@Lithium: Ja, weiß sie, sie hat mich ja erst auf dieses Board gebracht. Ich muss leider zugeben, dass ich beim ersten Versuch auch noch gedacht habe, dass ihre Depressionen wieder kommen und dass das absetzen einfach zu früh war. Naja, bis die Angst kam: meine Frau ist alles, nur nicht ängstlich, noch nie gewesen (wir kennen uns seit der Schule, schlimm kitschig eigentlich ; ). Danach habe ich angefangen hier passiv zu lesen. Für Sie ist das Stress und sie möchte sich lieber einen Arzt suchen der sich auskennt, mal sehen wie das läuft. Aber sie hat sich Tipps zu Herzen genommen.

Zu deiner anderen Frage: Hmm, ich hoffe eigentlich sehr, dass wir (ich selber bin ADHSler und werfe hier für die Frage mal neurountypische und psychisch leidende Personen in einen Topf) heute besser behandelt werden als 1918, wenn auch sicher nicht ideal. In den Endzügen des Kaiserreichs kam die Idee, dass man eventuell erkrankt und nicht Schwachsinnig sein könnte ja erst auf und Bestrafung bzw Züchtigung war ja noch Alltag. Auch Freuds damals recht neue Ideen zB zu Hysterie und zu dem ganzen Ding mit dem Aufmeißeln der Nase bin ich ganz froh nicht erleben zu müssen, eigentlich die ganze Psychoanalyse.
Insgesamt sehe ich die Fortschritte also in a) dem Grundverständnis und der Anerkennung als Krankheit und nicht als Selbstschuld b) Behandlungsmethoden wie dem DBT Programm und der kognitiven Verhaltenstherapie und c) in dem immer weiter gehenden Verständnis für alternative Heilmethoden.
In der Schmerztherapie zB finde ich zum Beispiel die Weiterentwicklung der Spiegeltherapie per VR absolut revolutionär. Genauso vielversprechend sehen gerade aber auch Konzepte, die von budistischer Meditation inspiriert sind aus. Diese Vielfalt und der Drag vieler Forscher immer noch mehr raus hohlen zu wollen ist glaub ich ein Schritt in die richtige Richtung.
Allerdings, und das kann ich nicht gut genug betonen, sehe ich auch die Probleme die dazu führen können dass man sich extrem schlecht aufgefangen fühlt. Vieles von dem was ich in der Forschung als möglich entdecke, lässt sich in der Realität kaum in einem Praxisalltag umsetzen. Dafür wären erheblich mehr niedergelassene Behandler mit erheblich mehr Zeit für die Patienten und erheblich mehr Fortbildungszwang nötig. In der Praxis habe ich das Gefühl, dass fast alle Behandler schon froh sind, wenn sie ihren Patien auch nur annähernd gerecht werden können, für aufwändige “Experimente” ist kaum die Zeit oder der Raum.

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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Naniwa » Montag, 16.03.20, 13:06

Hallo ihr Lieben : )

Ich wollte mal nach langer Zeit ein Update geben: Meine Liebste ist nach einem zu schnellem Absetzvesucht (Paroxetin 20 - 10 - 5 - 0 innerhalb von 4 Monaten) und darauf folgenden massiven Symptomen Ende 2018 jetzt seit 2 Jahren wieder "stabil" auf 10 mg Paroxetin.

Es ging eine Zeit auf 5 mg gut, aber da sie Probleme mit ihrem Psychiater hat und die Tabeltten nicht gut geviertel bekommen hat, hat sie entschieden nach einer Weile wieder auf 10
Das Wiederansetzen hat damals unglaublich schnell binnen 5 Tagen geholfen und ich bin überzeugt, dass sie reine Absetzsymptome hatte.

Sie sieht das rational auch so, hat aber unglaublich Angst davor, sich wieder so zu fühlen. Mir bricht bei dem Gedanken an das kleine, verzweifelte Häufchen Elend das sie war auch das Herz...
Sie hat damals eine sehr schlimme Zeit druchgemacht für ca 2 Wochen, wobei sie vor auftreten der Symptome gute 3 Monate auf unter 5mg war und gute 3 Wochen auf 0. (Das Absetzen war zu schnell, ganz klar. Ist aber es ist ihre Psyche und ihr Körper und sie hat jedes Recht damit so vorsichtig oder unvorsichtig zu sein, wie sie mag :hug: Bei allem mit meiner zwar manchmal nörgeligen, aber vollen Unterstützung)

Verändert hat sich seit dem deutlich, dass sie ist emotional unflexibler ist. Besonders deutlich ist der Unterschied natürlich zu der Zeit ganz auf Null, aber auch im Vergleich zur Zeit vor dem Absetzversuch. Das macht der Beziehung zwar manchmal zu schaffen, aber wir sind stärker als der Chemie-Kxxk :haha: <3

Und die Libido ist nach wie vor auf :schnecke: und ohne Besserung in Sicht, was Zusammen mit einem eventuellen Kinderwunsch, eigentlich die Hauptgründe waren an's Absetzen zu denken. Hierbei beschreibt sie ein fast dissoziatives Körpergefühl - also ein den "Körper nicht fühlen", aber ohne schlechte Assoziationen.

Einen Arzt der den Entzug betreut hat sie leider nicht gefunden; auch keinen, der bereit wäre sie auf Tropfen um zu stellen.
Da das Thema aber immer häufiger wieder aufkommt bei unseren Gesprächen, lese ich hier gerade wieder vermehrt und würde ihr gerne die Wasserlös-Methode vorschlagen, bis wir wen aufgetrieben haben, der die Tropfen verschreiben mag.

Naja, so viel hier von der Paroxetin-Monster-Front. Ich promoviere übrigens inzwischen in der Epidemiologie und habe feste vor auf Dauer der Verharmlosung und der alternativlosen Darstellung von ADs den Kampf anzusagen :sports:

Liebe Grüße und durch halten an alle,
Naniwa
Zuletzt geändert von Jamie am Montag, 16.03.20, 13:12, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Absätze zur besseren Lesbarkeit eingefügt, Kraftausdruck editiert

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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Jamie » Montag, 16.03.20, 13:16

Hallo Naniwa, :)

leider kann man die Paroxetin Tabletten nicht in Wasser lösen, es ist einer der wenigen Wirkstoffe, der schlecht wasserlöslich ist und da Probleme macht.

Inwiefern besteht die Möglichkeit, sich Paroxetin Tropfen auf Privatrezept verordnen zu lassen, wenn der Arzt da nicht mitspielt? Es dürfte nicht zu teuer sein.

Dann könnte man weiterhin mit Tabl operieren und die Tropfen zusätzlich einsetzen.

Viele Grüße,
Jamie
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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Naniwa » Montag, 16.03.20, 13:49

Hallo Jamie,

Danke für deine Antwort. Und Entschuldigung für das Schimpfwort. Das läuft bei mir schon so unter Alltagssprache, dass mir das nicht aufgefallen ist. Ich werde besser darauf achten.

Schade, das wäre eine so gute Lösung gewesen mit der Wasserlösmethode.

Leider hat der Arzt sich geweigert, egal ob auf Privatrezept oder Kassenrezept. Eventuell kann auch ein befreundeter Arzt hier helfen. Damals wollte sie nicht fragen, da sie auch der Meinung war, das Paroxetin wasserlöslich sein. Mal schauen, was sie mit der neuen Info anfängt.

So eine Vermischung von privaten Kontakten und medizinischem kann ja auch schnell schwierig werden.

Wie super ich mich hier auf ihre Bitte hin eingelesen habe, da ich gerade im Homeoffice bin und Zeit habe, und schonmal alles ausgerechnet hab mit Schritten etc pp. und das wichtigste überlesen hab' :rotfl:.

Danke noch mal und viele Grüße,
Naniwa

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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Naniwa » Dienstag, 24.03.20, 12:06

Hallo ihr lieben,

ich habe mich dazu entschieden, immer wenn etwas im Zusammenhang mit dem Projekt "weg vom Paroxetin" oder meiner Forschung in Richtung Absetzsyndrom passiert, euch zu berichten.

Am Wochenende hatten meine Frau und ich ein langes und emotionales Gespräch, unter anderem über das Paroxetin.
Emotionale Gespräche werden immer seltener, deswegen war das so besonders.

Sie sagt, dass sie das Gefühl hat immer weniger zu fühlen und umbedingt von den Tabletten unter möchte. Außerdem hat sie mir anvertraut, dass sie schon sehr lange Zeit kaum wirkliche Freude empfinden kann. Sie weiß dann, dass sie sich freut, sagt aber das wie ein "Nebel" dadrüber liegt und sie es nicht wirklich fühlt. Unsere Beziehung belastet diese Gefühlsstarre teilweise sehr, aber ich bin mir sicher, dass wir das durch dieses Tal schaffen.

So weit ich bisher in Erfahrung bringen konnte, sind das klassische Nebenwirkungen, oder? Eine Schande, dass ich das in keinem Psychopharmakologie Kurs je gelernt habe.

Da wir noch in der Planungsphase sind, habe ich ein paar Fragen, auf die ich noch keine genaue Antwort finden konnte:

Wenn man die Tabletten teilt bzw zermörsert und mit der Feinwaage abwiegt, kann man das für ein paar tage vorbereiten? Also bleibt das Paroxetin in Tabelettenform an der Luft stabil?

Kann man Paroxetin in Gelantinekapseln abwiegen oder behindert das die Aufnahme so, dass es Probleme gibt?

Ich habe mich durch's Forum gelesen und keine Antworten darauf gefunden.

Dann habe ich noch eine recht emotionale Frage von meiner Liebsten, die ich weiterleiten wollte:
Wenn es nach zu schnellen Entzügen zu starken emotionalen Nebenwirkunen gekommen ist (Panik, Unruhe, Verzweiflung), gibt es dann Hoffung, dass bei langsameren Absetzen diese Symptome nicht oder weniger heftig auftreten?

Außerdem wollte ich noch was persönliches mit euch teilen, weil ich mich sonst hier wie so ein Fremdkörper fühle:
ich hab in meinen Anfang 20ern stark depressive Symptome nach zuviel "Partydrogen" entwickelt und habe darauf im fliegendem Wechsel Citalopram, Cymbalta und Venlafaxin + Zopilcon bekommen. Alles davon hat sich wirklich paradox ausgewirkt. Es wusste damals auch keiner, dass ich ADHS habe und zu paradoxer Wirkung neige.

Alles davon hab' ich nach wenigen Wochen abgesetzt und mich Monate lang wie ein Haufen Elend gefühlt. Da ich aber damals dachte, dass das von den Drogen und den daraus folgenden Depressionen kam, hab' ich das nicht mehr mit den ADs zusammen gebracht. Ich dachte einfach, es wäre noch der Drogenentzug.

Hier zu lesen hat mir darüber die Augen geöffnet. Auch wenn das schon über 10 Jahre her ist, ich würde viel dafür tun, mich nicht nochmal so zu fühlen und es hat lange lange Zeit gebraucht, bis ich wieder völlig "ich" war.

Liebe Grüße,
Naniwa

Liebe Grüße,
Naniwa

Jamie
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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Jamie » Dienstag, 24.03.20, 16:24

Hallo Naniwa :)

Zu deinen Fragen:
Da wir noch in der Planungsphase sind, habe ich ein paar Fragen, auf die ich noch keine genaue Antwort finden konnte:

1. Wenn man die Tabletten teilt bzw zermörsert und mit der Feinwaage abwiegt, kann man das für ein paar tage vorbereiten? Also bleibt das Paroxetin in Tabelettenform an der Luft stabil?

2. Kann man Paroxetin in Gelantinekapseln abwiegen oder behindert das die Aufnahme so, dass es Probleme gibt?

Ich habe mich durch's Forum gelesen und keine Antworten darauf gefunden.

3. Dann habe ich noch eine recht emotionale Frage von meiner Liebsten, die ich weiterleiten wollte:
Wenn es nach zu schnellen Entzügen zu starken emotionalen Nebenwirkunen gekommen ist (Panik, Unruhe, Verzweiflung), gibt es dann Hoffung, dass bei langsameren Absetzen diese Symptome nicht oder weniger heftig auftreten?
Zu 1:
Paroxetin bleibt meines Wissens nach, dicht verschlossen, bei 20°C gelagert und vor Licht geschützt, ein paar Tage stabil (als zermörsertes Pulver).
Länger als 3 Tage würde ich es aber nicht lagern.

Zu 2:
Ja, Paroxetin kann problemlos in Gelatine oder Cellulose-Kapseln (wenn ihr es vegan wollt) verpackt werden / eingefüllt werden.
Resorptionsprobleme gibt es da nicht. Auch hier gelten o.g. Lagerungsbedingungen.

Zur letzten Frage / 3:
Das ADFD empfiehlt ja unter anderem die 10%-Methode, weil wir uns genau das erhoffen: Dass durch das langsame, geduldige und gewissenhafte Ausschleichen das ZNS und Gehirn geschont wird / nicht zu sehr erschüttert wird und man gerade deshalb darauf hoffen darf, dass das Absetzen nicht zu schlimm wird.
Leider können wir keine Versprechungen machen, dass dem auch immer so ist, aber das Vorgehen ist erprobt und wesentlich sicherer als Vieles, was man sonst von vielen Ärzten etc., die nicht wirklich gut informiert sind, hört.

Ich wünsche euch alles Gute :)
Jamie
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Rap
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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Rap » Montag, 06.04.20, 7:08

Hallo Naniwa,

Da du und deine Frau noch in der Planungsphase zum absetzten sind möchte ich dir noch eine Info mitgeben.

Da paroxetin eines der übelsten(Nebenwirkungen) und auch am schwierigsten abzusetzenden AD's ist, wird auf surviving antideppresants auf die Möglichkeit hingewiesen
Einen Wechsel zu fluoxetin zu machen. Die Amis nenen das Prozac Bridge. Oder wenn man mit paroxetin in der Dosis weiter unten ist eine klein wenig fluoxetin dazu zu nehmen um den Spiegel zu stabilisieren. Paroxetin hat die kürzeste halbwertszeit aller ssri wodurch im unteren Dosis Bereich kein
Konstanter Spiegel über den Tag hinzubekommen ist.

Lies dich doch mal bei SA ein paroxetin heißt bei den amis paxil. Man findet immer wieder diesen Ratschlag. Es kann aber nur funktionieren wenn das System noch nicht zu sehr gereitz ist. Für mich leider keine Option.

Aber eventuell eine Möglichkeit um leid zu ersparen. Aber bitte ließ dich erst dort ein und wäge ab ob es für euch sinnvoll wäre.


Viel Glück und liebe Grüsse
Rap
2003 paroxetin 20mg Depression Diagnose vom Hausarzt ohne Aufklärung über das Mittel
2004 gescheiterter absetzversuch Hausarzt meinte einfach weglassen
2004-2018 versucht immer mal wieder zu reduzieren Unwissenheit bei Absetzerscheinungen
Immer wieder Magen Probleme. Keine weiteren Absetzversuche da einige Schicksale in der Familie
2013 Gesprächstherapie bei einer Psychotherapheutin
Seit ca. 2017 starke Magen Probleme, Übelkeit, über 15Kg Gewichtsverlust, schlechte Blutwerte, Brummen im Kopf, immer hibbelig und gestresst, frieren von innen
Absetzen:
14.08.18 20mg auf 10mg , Übelkeit
11.09.18 10mg auf ca 7,5mg , Schwindel, Brainzaps, Übelkeit, nicht stressresistent
16.10.18 7,5mg auf ca 5mg, Schwindel, Brainzaps, Übelkeit, nicht stressresistent
15.11.18 5mg auf ca 2.5mg, Schwindel, Brainzaps, Übelkeit, nicht stressresistent
13.12.13 ca.2.5mg auf 0 alles in Pillenform, Lösung war mir nicht bekannt
Schwindel, Übelkeit, absolute schlaflosigkeit, Panik, Angst, Herzrasen, Nachtschwitzen, weinerlich
3.02.19 0,25mg Lösung Schwindel, Zittern, Schwitzen, Angst
17.02.19 0,38mg Lösung schlafloseigkeit, Wahrnehmungs und Sehprobleme, Panik, Angst, zittern, frieren eigentlich ganze Palette
23.02.19 1,7 mg in Pillen (errechnet schwierig zu dosieren bei 40mg Wirkstoff Pillen) erst minimale Besserung dann starke Veschlimnerung aller Symptome.
13.03.19 2mg fast unverändert, Hauptsymptom schlafstörung
23.03 19 2,5mg
Ende März 2019 5mg
Ende April 2019 10mg Paroxetin 40mg Dominal
11. Juni 2019 10mg Paroxetin 60mg Dominal
4. Aug 2019 10mg Paroxetin 52,5mg Dominal
31.Aug 2019 9,7mg paroxetin 52,5mg Dominal
30.Sep 2019 9,7mg Paroxetin 47,5mg Dominal
13.Okt 2019 9,2mg Paroxetin 47,5mg Dominal
10.Nov 2019 8,5mg Paroxetin 45mg Dominal
21.Dez 2019 8,3mg Paroxetin 45 mg Dominal
Ab jetzt jede Woche um 2,5% reduzieren
15. Jan 2020 7,7mg Paroxetin, 45mg Dominal
Ab Februar alle 5 Tage um 0,5mg reduziert (wahnnsin viel zu schnell)
12.April 2020 0mg paroxetin, 45mg Dominal) in Woche 4 0,35mg eindosiert (Anfall mit delirium) in der 5. Woche 0,25mg eindosiert ( akhathisie, um sich schlagen, total außer Rand und Band. Seitdem kein paroxetin mehr
Bei Bedarf alle 2 Tage 0,5mg Tavor
schlafstörung, zittern und vibrieren , wahnnsinige Angst, Unruhe und Panik meist morgends oft den ganzen Tag, Schwitzen und frieren, seh und wahrnehmungstörungen DP, DR, Trance Zustände (gilt alles seit Ende März)

padma
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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von padma » Montag, 06.04.20, 13:36

hallo zusammen, :)

wir raten hier üblicherweise nicht zu einen Wechsel auf Fluoxetin. Dies hat mehrere Gründe:
Der Wechsel kommt einem Kaltentzug gleich, ob Fluoxetin die Entzugssymptome abfangen kann ist fraglich. Ein solcher Wechsel reizt auf jeden Fall das ZNS.

Ausserdem kann auch Fluoxetin sehr schwer abzusetzen sein, da spreche ich aus eigener Erfahrung. Und es sind noch mehr Betroffene im Forum, bei denen sich der Fluoxetinentzug sehr schwierig gestaltet.
Oder wenn man mit paroxetin in der Dosis weiter unten ist eine klein wenig fluoxetin dazu zu nehmen um den Spiegel zu stabilisieren.
Auch das würde ich nicht riskieren. Die beiden sollten nicht kombiniert werden.

Wir können hier aus unseren Erfahrungen heraus nicht bestätigen, dass Paroxetin das am schwierigsten abzusetzenden AD ist. Andere AD können genau so schwierig sein, das ist immer sehr individuell.

Hier findest du Beiträge dazu: https://adfd.org/austausch/search.php?k ... zac+bridge

Ich würde daher Paroxetin sehr langsam reduzieren. Im Einzelfall, wenn es sich als unmöglich herausstellen sollte, Paroxetin zu entziehen, könnte man über eine Prozac Bridge nachdenken, als letzte Möglichkeit sozusagen.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen
1.1.2020: 0 mg, Die :schnecke: steht auf dem Kilimanjaro :D



Was finde ich wo im Forum
Infoartikel: Antidepressiva absetzen
FAQ: Alles, was Ihr übers Absetzen wissen müsst!




Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.


Rap
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Re: Naniwa: Hallo, ich möchte dazu lernen ( Neurowissenschaftlerin und Angehörige)

Beitrag von Rap » Dienstag, 07.04.20, 6:00

Hallo Padma,

Danke für die Ausführung. Wollte hier auch nicht für Verwirrung sorgen wenn das passiert sein sollte dann Sorry!
Wollte lediglich über diesen Aspekt informieren.

Gruss
Rap
2003 paroxetin 20mg Depression Diagnose vom Hausarzt ohne Aufklärung über das Mittel
2004 gescheiterter absetzversuch Hausarzt meinte einfach weglassen
2004-2018 versucht immer mal wieder zu reduzieren Unwissenheit bei Absetzerscheinungen
Immer wieder Magen Probleme. Keine weiteren Absetzversuche da einige Schicksale in der Familie
2013 Gesprächstherapie bei einer Psychotherapheutin
Seit ca. 2017 starke Magen Probleme, Übelkeit, über 15Kg Gewichtsverlust, schlechte Blutwerte, Brummen im Kopf, immer hibbelig und gestresst, frieren von innen
Absetzen:
14.08.18 20mg auf 10mg , Übelkeit
11.09.18 10mg auf ca 7,5mg , Schwindel, Brainzaps, Übelkeit, nicht stressresistent
16.10.18 7,5mg auf ca 5mg, Schwindel, Brainzaps, Übelkeit, nicht stressresistent
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13.12.13 ca.2.5mg auf 0 alles in Pillenform, Lösung war mir nicht bekannt
Schwindel, Übelkeit, absolute schlaflosigkeit, Panik, Angst, Herzrasen, Nachtschwitzen, weinerlich
3.02.19 0,25mg Lösung Schwindel, Zittern, Schwitzen, Angst
17.02.19 0,38mg Lösung schlafloseigkeit, Wahrnehmungs und Sehprobleme, Panik, Angst, zittern, frieren eigentlich ganze Palette
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Ab Februar alle 5 Tage um 0,5mg reduziert (wahnnsin viel zu schnell)
12.April 2020 0mg paroxetin, 45mg Dominal) in Woche 4 0,35mg eindosiert (Anfall mit delirium) in der 5. Woche 0,25mg eindosiert ( akhathisie, um sich schlagen, total außer Rand und Band. Seitdem kein paroxetin mehr
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