Klick auf das Kreuzchen um das hier auszublenden ->

Aktuell: viele Aktive hier sind zur Zeit sehr eingespannt und es gibt viele Neuanmeldungen und große Aktivität. in Zeiten wie diesen ist der Selbsthilfeaspekt besonders wichtig. Bitte unterstützt Euch gegenseitig und wenn ihr neu seid: habt Geduld - das Freischalten moderierter Beiträge kann ein länger dauern.

Dieses Forum ist rein privat und ehrenamtlich betrieben. Um unsere Unabhängigkeit zu gewährleisten, nehmen wir auch keine Spenden an.

Die meisten Beiträge sind für nicht angemeldete Besucher nicht einsehbar. Der Erfahrungsaustausch über das Ausschleichen von Psychopharmaka ist nur registrierten Mitgliedern zugänglich.

Wir sind ein Selbsthilfeforum. Wer sich registriert, um einen eigenen Thread zu eröffnen, entscheidet sich auch dafür, sich aktiv mit den bereitgestellten Informationen auseinanderzusetzen. Neue Mitglieder bitten wir daher, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Grundlagentexte durchzulesen und anzueignen. Wer nach der Registrierung nur still mitlesen will, ist auch willkommen.

Wenn Du am Austausch teilnehmen möchtest, lies bitte bevor Du Dich registrierst, die Info für Neue und Interessierte:

Wenn Du Nebenwirkungen von den Medikamenten oder vom Absetzen hast, dann melde sie auf jeden Fall den öffentlichen Stellen.

juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Stell Dich bitte hier vor, wenn Du Probleme mit Psychopharmaka hast, Infos brauchst oder noch nicht weißt, ob Du abdosieren solltest.
:schnecke: Bitte lies unsere Forenregeln, bevor Du Dich registrierst.
juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Mittwoch, 04.03.20, 14:09

Hallo ihr Lieben,
mein Name ist Julia und ich lese seit einiger Zeit Beiträge bzw die Infomationen zum Absetzten.

Meine Geschichte (Kurzfassung)
2012 - Sertralin bis auf 100mg hochdosiert aufgrund unspezifischer Symptome (keine Energie, Schwindel, Angst und Panik)
nach einem halben Jahr Krankenstand und anschließendem Wechsel des Krankenstandes mehr oder weniger symptomfrei
zwischendurch immer wieder Auf- und Abs - alles in erträglichem Ausmaß
August 2019 - Entschluss gefasst Sertralin abzusetzen - da ich die Wirkung stark bezweifelte
Rat meiner HA: Zuerst auf 50mg und dann nur noch jeden zweiten Tag und dann auf 0mg
Dank dem Forum habe ich es natürlich nicht so gemacht und von August bis Dezember 2019 Dosis wie folgt reduziert und immer 4 Wochen beibehalten:
100mg - 87,5mg - 75mg - 62,5mg - 50mg - 37,5mg - 25mg - 12,5mg
bis 12,5mg alles in bester Ordnung - zumindest keine Symptome die ich nicht zuvor auch gehabt hätte
im Jänner 2020 dann auf 7,5mg .. zuerst keine Veränderung - jedoch ab Februar vermehrte Panikattacken, Schwindel und Weinerlichkeit und Verzweiflung die ich so nicht kenne. Insbesondere am Vormittag, Nachmittag war meistens gut.

Letzte Woche Donnerstag dann der Super Gau - starke Panikattacke im Büro, hab ich abholen lassen und bin erst mal zu Hause geblieben. Am Montag wollte ich dann zum HA um mich krankschreiben zu lassen - nächste Katastrophe - ich hatte solche Panik dass ich nicht ins Gebäude reinkonnte.
Also hat das mein Freund gemacht und ist mit einem Rezept und Info vom Arzt rausgekommen, ich solle 50mg Sertralin nehmen und dazu Beruhigungsmittel + Krankschreibung diese Woche.

Die Beruhigungsmittel werde ich nicht anrühren - mir reicht das Sertralin Desaster. Und obwohl ich mir geschworen habe nie mehr Antidepressiva zu nehmen, habe ich in meiner Verzweiflung gestern auf 12,5mg hochdosiert. Gestern war bis auf leichte Unruhe noch alles in Ordnung, heute nach der Einnahme Totalausfall. Ich wurde plötzlich so extrem müde und schwindlig dass ich mich nur noch hinlegen konnte. Mittlerweile geht es mir wieder besser.

Ich weiß dass ich zu schnell reduziert habe, aber ich war so glücklich über den Erfolg dass ich gedacht habe alles überstanden zu haben.

Was soll ich eurer Meinung nach tun? Versuchen bei den 12,5mg erstmal zu bleiben trotz Nebenwirkungen und abwarten was passiert?
Bin ganz verzweifelt und ratlos und hoffe auf eure Hilfe..

Danke an alle!
Liebe Grüße
Zuletzt geändert von Murmeline am Mittwoch, 04.03.20, 15:33, insgesamt 1-mal geändert.
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

Straycat
Teamunterstützung
Beiträge: 3199
Registriert: Montag, 10.10.16, 16:51

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von Straycat » Mittwoch, 04.03.20, 17:24

Liebe Julia,

willkommen im ADFD.

Hier zunächst einige wichtige Punkte zum Austausch im Forum:

Das ADFD ist ein Selbsthilfeforum und lebt vom gegenseitigen Austausch von Betroffenen untereinander. Mit der Anmeldung hast du dich für gelebte Selbsthilfe und aktiven Austausch auf der Basis der bereitgestellten Informationen entschieden.

Im Forum ist der Selbsthilfeaspekt zentral. Es ist sehr wichtig, dass du dich bemühst, dir selbstständig die wichtigsten Informationen anzueignen. Wenn du in den nachfolgenden Verlinkungen nicht fündig wirst, benutze bitte auch die Suchfunktion (rechts oben auf der Seite - Lupensymbol).

Bitte beachte, dass im Forum keine medizinischen Ratschläge gegeben werden. Du entscheidest dich selbstverantwortlich, ob du etwas von den Erfahrungen anderer Betroffener umsetzen möchtest.

Auch Teammitglieder sind keine medizinischen oder psychologischen "Berater", "Profis", "Fachleute" oder "Experten"! Wie alle anderen Teilnehmer auch, sind sie selbst Betroffene oder Angehörige und beteiligen sich, soweit es ihre Kräfte zulassen, am Austausch und geben Erfahrungen weiter.

Bevor du dich am Austausch beteiligst, lies dich bitte zunächst unbedingt in unsere Grundlageninfos zum Absetzen von Antidepressiva ein: Infoartikel: Ausschleichen von Antidepressiva und Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen

Dies hier ist jetzt dein persönlicher Thread. Hier kannst du über deine Erfahrungen mit deinem Absetzverlauf berichten und dich mit anderen darüber austauschen. Du kannst hier auch deine Fragen zu deinem Absetzprozess stellen.

Damit du Rückmeldungen zu deinem Absetzverlauf bekommen kannst, ist es erforderlich, dass du eine Signatur erstellst. Die Anleitung wie das geht und was rein gehört findest Du hier: Signatur erstellen

Erfahrungen mit dem Umgang mit entzugsbedingten Schwierigkeiten/Symptomen findest du in den Bereichen Umgang mit dem Entzug und Gesundheit. Eine Übersicht über ausgewählte Themen findest du unter Was finde ich wo im Forum? Bitte benutze auch die Suchfunktion oben rechts.

Uns ist ein freundlicher, wertschätzender Umgang im Forum sehr wichtig.
Dazu gehört, Beiträge mit einem "hallo" zu beginnen und einem Gruß zu beenden.
Wenn du dich für eine Antwort bedanken möchtest, kannst du auf den Daumen hoch Button rechts oben in dem jeweiligen Beitrag klicken.

Wenn du Kraftausdrücke verwenden willst, benutze dafür bitte den censored smiley, also z.B. sch :censored: Beachte bitte auch unsere Regeln.

Damit die Beiträge besser lesbar sind, füge bitte Absätze und Leerzeilen ein.

Es kann etwas dauern, bis du eine persönliche Antwort auf dein Anliegen bekommst, bitte habe dann etwas Geduld.

Wichtig: Du wirst nicht automatisch darüber informiert, wenn du Antworten in deinem thread bekommst! Wenn du eine Information über mail wünschst musst du das zunächst einstellen.

Dein Thread befindet sich aktuell in der Rubrik "Hier bist du richtig". Sobald du im Forum "angekommen" bist, wird er von einem Moderator in die passende Rubrik Antidepressiva absetzen verschoben.

Ich wünsche dir einen guten Austausch im Forum,
liebe Grüße
Cat
rezidivierende Depression (seit 2006)/ Bipolar II (2008 - Fehldiagnose?)
Erfahrungen mit Escitalopram (9 Jahre) und kurzfristig auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion, Alprazolam - alles wieder abgesetzt
protrahiertes Entzugssyndrom: wiederkehrende Muskelschmerzen, gelegentlich Panikattacken
Aktuelles Absetzen von Venlafaxin seit 04/2018
für detaillierte Infos: auf "Text zeigen" klicken
► Text zeigen
Link zu meinem Thread

Straycat
Teamunterstützung
Beiträge: 3199
Registriert: Montag, 10.10.16, 16:51

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von Straycat » Mittwoch, 04.03.20, 17:40

Liebe Julia,

nun noch persönlich ein herzlich willkommen :) und ein Feedback auf deinen Bericht und deine Fragen:
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 14:09
Rat meiner HA: Zuerst auf 50mg und dann nur noch jeden zweiten Tag und dann auf 0mg
Ja, solche suboptimalen Absetzpläne werden leider häufig von Ärzten empfohlen :( Gut dass du es nicht so gemacht hast!
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 14:09
Dank dem Forum habe ich es natürlich nicht so gemacht und von August bis Dezember 2019 Dosis wie folgt reduziert und immer 4 Wochen beibehalten:
100mg - 87,5mg - 75mg - 62,5mg - 50mg - 37,5mg - 25mg - 12,5mg
bis 12,5mg alles in bester Ordnung - zumindest keine Symptome die ich nicht zuvor auch gehabt hätte
im Jänner 2020 dann auf 7,5mg .. zuerst keine Veränderung - jedoch ab Februar vermehrte Panikattacken, Schwindel und Weinerlichkeit und Verzweiflung die ich so nicht kenne. Insbesondere am Vormittag, Nachmittag war meistens gut.
Dein Absetzplan war definitiv besser, als das, was deine Hausärztin vorgeschlagen hat. Dennoch waren die Absetzschritte relativ groß.
Unserer Erfahrung nach mindert es das Risiko von Absetzsymptomen, wenn man maximal 10% der letzten Dosis höchstens alle 4-6 Wochen reduziert.

Je niedriger die Dosis ist, desto haariger wird es erfahrungsgemäß. Das liegt vermutlich an der Rezeptorenbelegung.
Hier findest du nähere Infos dazu: viewtopic.php?f=19&t=8829

Dein letzter Absetzschritt von 12,5 auf 7,5mg waren 40%. Das hätte wohl bei vielen zu Absetzsymptomen geführt. Wenn es erstmal gut läuft, dann verleitet es einen leider häufig dazu, schneller zu machen. Das muss man dann manchmal leider bitter bereuen :(
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 14:09
Letzte Woche Donnerstag dann der Super Gau - starke Panikattacke im Büro, hab ich abholen lassen und bin erst mal zu Hause geblieben. Am Montag wollte ich dann zum HA um mich krankschreiben zu lassen - nächste Katastrophe - ich hatte solche Panik dass ich nicht ins Gebäude reinkonnte.
Also hat das mein Freund gemacht und ist mit einem Rezept und Info vom Arzt rausgekommen, ich solle 50mg Sertralin nehmen und dazu Beruhigungsmittel + Krankschreibung diese Woche.
Oje das klingt echt heftig, du Arme :(
Ja, diese ärztlichen Empfehlungen zu starken Aufdosierungen und zusätzlich Beruhigungsmitteln lesen wir häufig. Absetzsymptome werden schnell mal als "Wiederkehren der Grunderkrankung" fehldiagnostiziert.
Leider können andere PP aber den Entzug meist nicht deckeln und auch eine so starke Steigerung der Dosis würde dein ZNS stark reizen. Kleinere Steigerungen der Dosis, zum Abfangen der schlimmsten Absetzsymptome, sind da meistens effektiver.
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 14:09
Die Beruhigungsmittel werde ich nicht anrühren - mir reicht das Sertralin Desaster. Und obwohl ich mir geschworen habe nie mehr Antidepressiva zu nehmen, habe ich in meiner Verzweiflung gestern auf 12,5mg hochdosiert.
Das war grundsätzlich keine so schlechte Idee. Allerdings wäre vielleicht eine kleinere Dosis schon ausreichend, um deine Absetzsymptome abzumildern. Und - wie schon geschrieben - auch zu große Steigerungen können das ZNS reizen.
Da du nun schon seit Jänner 2020 (seit wann genau?) auf den 7,5mg warst, könnte es vielleicht sinnvoll sein, du gehst auf eine Dosis zwischen 12,5mg und 7,5mg zurück - eventuell 9mg?
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 14:09
Gestern war bis auf leichte Unruhe noch alles in Ordnung, heute nach der Einnahme Totalausfall. Ich wurde plötzlich so extrem müde und schwindlig dass ich mich nur noch hinlegen konnte. Mittlerweile geht es mir wieder besser.
Leider bewirkt auch ein Höhersetzen der Dosis oft nicht eine sofortige Besserung. Da wirst du erstmal etwas Geduld brauchen, bis sich das ZNS von der zu großen Reduktion im Jänner erholt.

Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass sich deine Symptome möglichst bald wieder legen oder zumindest verbessern.
Ich würde nun erstmal eine längere Stabilisierungsphase einplanen - wenn das ZNS erstmal aus dem Takt geraten ist, kann es etwas dauern, bis es sich wieder einkriegt. Aber das wird es wieder, ganz sicher!

Alles Gute,
Cat
rezidivierende Depression (seit 2006)/ Bipolar II (2008 - Fehldiagnose?)
Erfahrungen mit Escitalopram (9 Jahre) und kurzfristig auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion, Alprazolam - alles wieder abgesetzt
protrahiertes Entzugssyndrom: wiederkehrende Muskelschmerzen, gelegentlich Panikattacken
Aktuelles Absetzen von Venlafaxin seit 04/2018
für detaillierte Infos: auf "Text zeigen" klicken
► Text zeigen
Link zu meinem Thread

juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Mittwoch, 04.03.20, 18:08

Hallo liebe Cat,

vielen Dank für die ausführliche Beantwortung! Ich finde es nicht selbstverständlich soviel Hilfe und Anteilnahme von fremden Menschen zu bekommen und schätze das enorm, auch besonders weil du/ihr selber in dem Schlamassel steckt und trotzdem Kraft findet anderen zu helfen.

Wie lange dauert eurer Erfahrung nach bis sich das ZNS wieder erholt? Und wie macht ihr das mit Arbeiten? Ist das möglich oder muss ich mich auf einen längeren Krankenstand einstellen? Im Moment kann ich mir irgendwie nicht vorstellen nächste Woche ins Büro zu fahren.

Und was mache ich mit dem HA? Wenn ich sage dass ich nicht wieder 50mg nehmen will, hab ich Angst dass er dann denkt ich will keine Verbesserung. Und ich muss da ja immer hin wenn ich eine Krankschreibung brauche. Soll ich dann einfach Lügen und sagen dass ich die Anweisung befolge?

Ich habe zum Glück eine sehr gute Therapeutin. Hatte gerade eine Sitzung und am Samstag wieder eine. Hoffe dass ich damit meine Panik wieder in den Griff bekomme, wobei ich derart starke Attacken vor dem Absetzen nicht hatte.

Liebe Grüße und danke an alle die mir Schreiben!
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

Straycat
Teamunterstützung
Beiträge: 3199
Registriert: Montag, 10.10.16, 16:51

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von Straycat » Mittwoch, 04.03.20, 18:29

Hallo Julia,
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 18:08
vielen Dank für die ausführliche Beantwortung! Ich finde es nicht selbstverständlich soviel Hilfe und Anteilnahme von fremden Menschen zu bekommen und schätze das enorm, auch besonders weil du/ihr selber in dem Schlamassel steckt und trotzdem Kraft findet anderen zu helfen.
Vielen Dank, das freut mich immer sehr, wenn ich solche Wertschätzung lese :)
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 18:08
Wie lange dauert eurer Erfahrung nach bis sich das ZNS wieder erholt? Und wie macht ihr das mit Arbeiten? Ist das möglich oder muss ich mich auf einen längeren Krankenstand einstellen? Im Moment kann ich mir irgendwie nicht vorstellen nächste Woche ins Büro zu fahren.
Wie lange solche Wellen anhalten ist leider sehr unterschiedlich, weshalb man die Frage nicht pauschal beantworten kann.
Bei manchen dauern sie Tage, bei anderen Wochen, bei manchen Monate und in sehr heftigen Fällen Jahre. Aber du musst nicht davon ausgehen, dass es bei dir gleich der schlimmste Fall ist. Bis jetzt hast du das Ausschleichen gut vertragen, nur die Schritte waren einfach zu groß (insbesondere der letzte). Da braucht es einfach etwas Zeit, bis wieder alles in Balance kommt.

Ich gehe arbeiten, hatte aber auch schon einen langen Krankenstand, als es einmal einen Totalzusammenbruch gab. Ich handhabe das so, dass ich mich an besonders schlimmen Tagen auch krankschreiben lasse und wenn möglich auch Home Office in Anspruch nehme.
Ich denke das muss man individuell für sich austesten, wie viel man gerade verträgt. Wenn es gar nicht geht, dann geht es einfach nicht und deswegen sollte man sich möglichst nicht zu schlimm unter Druck setzen.
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 18:08
Und was mache ich mit dem HA? Wenn ich sage dass ich nicht wieder 50mg nehmen will, hab ich Angst dass er dann denkt ich will keine Verbesserung. Und ich muss da ja immer hin wenn ich eine Krankschreibung brauche. Soll ich dann einfach Lügen und sagen dass ich die Anweisung befolge?
Ich finde es immer ganz schrecklich zu lügen, aber ich muss gestehen: Ich mache es auch so. Da Ärzte leider oft viel zu wenig über Absetzsymptome und das risikominimierende langsame Ausschleichen Bescheid wissen, bleibt einem manchmal nichts anderes übrig.
Wir haben hier auch einen Thread zu diesem Thema: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=50&t=17091
juli1 hat geschrieben:
Mittwoch, 04.03.20, 18:08
Ich habe zum Glück eine sehr gute Therapeutin. Hatte gerade eine Sitzung und am Samstag wieder eine. Hoffe dass ich damit meine Panik wieder in den Griff bekomme, wobei ich derart starke Attacken vor dem Absetzen nicht hatte.
Das ist super! Eine gute verständnisvolle Therapeutin ist schon mal viel wert. In der Therapie kann man oft auch gute Skills lernen, um mit Panik besser umzugehen.

Alles Liebe,
Cat
rezidivierende Depression (seit 2006)/ Bipolar II (2008 - Fehldiagnose?)
Erfahrungen mit Escitalopram (9 Jahre) und kurzfristig auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion, Alprazolam - alles wieder abgesetzt
protrahiertes Entzugssyndrom: wiederkehrende Muskelschmerzen, gelegentlich Panikattacken
Aktuelles Absetzen von Venlafaxin seit 04/2018
für detaillierte Infos: auf "Text zeigen" klicken
► Text zeigen
Link zu meinem Thread

juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Mittwoch, 04.03.20, 19:24

Hallo und vielen Dank für deine Antworten!

Das mit dem Arbeiten bereitet mir am meisten Sorgen, da ich mir deswegen wirklich Druck mache. Aber du hast recht, wenn es nicht geht dann geht es nicht.

Gibt es Möglichkeiten das ZNS zu "stärken"?

Danke für alles,
Liebe Grüße
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

padma
Moderatorenteam
Beiträge: 20973
Registriert: Sonntag, 06.01.13, 17:04

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von padma » Mittwoch, 04.03.20, 19:30

hallo Juli, :)

schau mal in den oben verlinkten Infoartikel zum Absetzen von AD. Da findest du unter "Was tun bei Entzugssymptomen" Tipps was helfen kann, das ZNS zu beruhigen.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen
1.1.2020: 0 mg, Die :schnecke: steht auf dem Kilimanjaro :D



Was finde ich wo im Forum
Infoartikel: Antidepressiva absetzen
FAQ: Alles, was Ihr übers Absetzen wissen müsst!




Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.


Straycat
Teamunterstützung
Beiträge: 3199
Registriert: Montag, 10.10.16, 16:51

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von Straycat » Mittwoch, 04.03.20, 21:15

Liebe Julia,

wenn du kannst, wäre es sicherlich von Vorteil, dir nicht zu viel Druck zu machen wegen der Arbeit. Druck und Stress sind immer kontraproduktiv für ein gereiztes Nervensystem. Aber das ist leider oft leichter gesagt als getan.
Hast du denn viel Druck seitens deines Arbeitgebers oder machst du dir den Druck vor allem selbst?

Immer im Kopf behalten: Die Welt geht nicht unter, wenn man mal nicht so leistungsfähig ist und nicht arbeiten kann :)
Das muss jeder Arbeitgeber und die Wirtschaft erst recht einfach auch aushalten, dass mal jemand ausfällt.

Alles Liebe,
Cat
rezidivierende Depression (seit 2006)/ Bipolar II (2008 - Fehldiagnose?)
Erfahrungen mit Escitalopram (9 Jahre) und kurzfristig auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion, Alprazolam - alles wieder abgesetzt
protrahiertes Entzugssyndrom: wiederkehrende Muskelschmerzen, gelegentlich Panikattacken
Aktuelles Absetzen von Venlafaxin seit 04/2018
für detaillierte Infos: auf "Text zeigen" klicken
► Text zeigen
Link zu meinem Thread

juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Donnerstag, 05.03.20, 8:36

Liebe Cat,

danke für deine aufmunternden Worte.

Eigentlich mache ich mir den Druck hauptsächlich selbst, ich möchte immer funktionieren. Im Moment kann ich mir jedoch einfach nicht vorstellen zur Arbeit zu gehen, zumal ich auch vermute dass meine psychischen Probleme von dort kommen, bzw zumindest verstärkt werden. Momentan arbeite ich die wichtigsten Sachen von zu Hause ab... Freude dran hab ich aber nicht.

Wie ist das bei dir/euch, weiß euer Arbeitgeber Bescheid über die Situation?

Danke alles Liebe,
Julia
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

Straycat
Teamunterstützung
Beiträge: 3199
Registriert: Montag, 10.10.16, 16:51

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von Straycat » Donnerstag, 05.03.20, 10:48

Liebe Julia,

ja diesen selbstgemachten Druck kenne ich. Es wird ja leider auch meistens vom Arbeitgeber erwartet, dass man einfach "funktioniert". Nur sind wir eben keine Maschinen, bei denen immer alles reibungslos funktioniert.

Bei mir weiß meine Vorgesetzte über die Situation in Grundzügen Bescheid und ich kann auch ggf. von zu Hause aus arbeiten, was mir die Situation erheblich erleichtert.

Wenn deine Probleme aus dem Arbeitsumfeld kommen oder dadurch verstärkt werden, könnte es sich auch lohnen, das im Zuge einer Therapie/eines Coachings zu besprechen. Oft lernt man dort gute Strategien, wie man mit dem Druck und anderen psychischen Stressfaktoren am Arbeitsplatz besser umgehen kann.

Liebe Grüße,
Cat
rezidivierende Depression (seit 2006)/ Bipolar II (2008 - Fehldiagnose?)
Erfahrungen mit Escitalopram (9 Jahre) und kurzfristig auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion, Alprazolam - alles wieder abgesetzt
protrahiertes Entzugssyndrom: wiederkehrende Muskelschmerzen, gelegentlich Panikattacken
Aktuelles Absetzen von Venlafaxin seit 04/2018
für detaillierte Infos: auf "Text zeigen" klicken
► Text zeigen
Link zu meinem Thread

juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Donnerstag, 05.03.20, 17:22

Hallo liebe Cat,

noch eine Frage, denkst du die depressive Stimmung kommt auch vom Entzug? Ich kenne das gar nicht von mir und irgendwie hab ich Angst dass ich jetzt auch noch eine Depression bekomme? Vielleicht liegt es auch daran dass ich nirgends hin kann und mir irgendwie alles zu viel ist.

Alles Liebe,
Julia
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

Straycat
Teamunterstützung
Beiträge: 3199
Registriert: Montag, 10.10.16, 16:51

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von Straycat » Donnerstag, 05.03.20, 17:57

Hallo Julia,

wenn du so etwas vorher noch nie hattest, dann könnte es schon sehr wahrscheinlich am Entzug liegen.
Das lässt sich natürlich sehr schwer so sagen. Aber wenn es einen zeitlichen Zusammenhang gibt mit dem Absetzen und dann dem erstmaligen Auftreten solcher Symptome, vermute ich da schon, dass das eine das andere bedingt.
Überforderung und Isolation können das ganze natürlich verstärken.

Viele Absetzsymptome decken sich mit Symptomen einer Depression (zB Weinerlichkeit und Müdigkeit). Aber da man auch Depressionen nicht irgendwie "messen" kann im Körper, ist es in jedem Fall (egal ob vom Absetzen oder von einer Depression) einfach eine Ansammlung an unangenehmen Symptomen.
Das gute ist aber, wenn es vom Absetzen kommt, dann wird es sich irgendwann auch wieder legen :)

Ich habe vor kurzem alles zusammengeschrieben, das mir bei Depressionen so hilft: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=4&t=17369
Vielleicht ist da für dich ja auch etwas hilfreiches dabei.

Es ist leider sehr frustrierend, aber was am besten im Entzug hilft sind Geduld und Ruhe. Das kann sehr mühsam sein, weil man schwer zur Ruhe kommt und etwas tun will, dass es besser wird.

Sei möglichst lieb und nachsichtig mit dir - dein Körper macht gerade einiges mit (durch das Absetzen). Versuche ihm die Ruhe und Zeit zu geben, alle dafür notwendigen Vorkehrungen zu treffen, dass er sich an die Dosis gewöhnt.

Alles Gute,
Cat
rezidivierende Depression (seit 2006)/ Bipolar II (2008 - Fehldiagnose?)
Erfahrungen mit Escitalopram (9 Jahre) und kurzfristig auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion, Alprazolam - alles wieder abgesetzt
protrahiertes Entzugssyndrom: wiederkehrende Muskelschmerzen, gelegentlich Panikattacken
Aktuelles Absetzen von Venlafaxin seit 04/2018
für detaillierte Infos: auf "Text zeigen" klicken
► Text zeigen
Link zu meinem Thread

juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Donnerstag, 05.03.20, 19:33

Hallo Cat,

ich habe dieses "Symptom" tatsächlich erst seit Jänner. Hat sich aber schon in den Absetzmonaten davor ganz langsam eingeschlichen. Dann hoffe ich dass es wieder verschwindet wenn mein Körper sich wieder erholt hat. Ich werde die nächste Zeit bei den 12,5mg Sertralin bleiben und hoffen dass sich alles wieder stabilisiert - hatte heute einen recht guten Tag im Vergleich zu gestern.

Hab mir deine Infos was dir hilft durchgelesen und kann bestimmt einiges für mich mitnehmen.

Ich möchte mich von ganzem Herzen bei dir für deine Hilfe bedanken - es tut gut zu wissen dass man mit seinen Problemen nicht allein ist!

Danke Danke Danke
alles Liebe
Julia
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

Straycat
Teamunterstützung
Beiträge: 3199
Registriert: Montag, 10.10.16, 16:51

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von Straycat » Donnerstag, 05.03.20, 22:18

Liebe Julia,

Sehr gerne :hug:
Ich hoffe, der Aufwärtstrend hält weiter an :)

Liebe Grüße,
Cat
rezidivierende Depression (seit 2006)/ Bipolar II (2008 - Fehldiagnose?)
Erfahrungen mit Escitalopram (9 Jahre) und kurzfristig auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion, Alprazolam - alles wieder abgesetzt
protrahiertes Entzugssyndrom: wiederkehrende Muskelschmerzen, gelegentlich Panikattacken
Aktuelles Absetzen von Venlafaxin seit 04/2018
für detaillierte Infos: auf "Text zeigen" klicken
► Text zeigen
Link zu meinem Thread

juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Sonntag, 22.03.20, 21:09

Hallo zusammen,
wollte mich wieder mal melden.. Es ist viel passiert in den letzten Wochen. Habe mich auf 12,5 mg soweit stabilisiert dass die Symptome erträglich sind und ich auch wieder daran denken kann arbeiten zu gehen (hatte 3 Wochen Krankenstand)

Wie lange soll ich eurer Meinung nach auf den 12,5 mg bleiben bevor ich an weitere Schritte denken kann? Habe durch die letzte Erfahrung große Angst vor der nächsten Reduktion und weiß auch gar nicht wie ich das mit der Minidosis anstellen soll? Die Wasserglas Methode hab ich zwar studiert, aber ob ich mich das traue? Hab Angst dass ich falsch berechne und darf ich das Sertralin überhaupt auflösen und wie ist die Wirkung wenn es sich nicht erst im Bauch auflöst?

Bin für alle Ratschläge sehr dankbar.

Wünsche euch allen einen schönen Abend,
Liebe Grüße, Julia
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

Straycat
Teamunterstützung
Beiträge: 3199
Registriert: Montag, 10.10.16, 16:51

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von Straycat » Montag, 23.03.20, 9:25

Liebe Julia,
juli1 hat geschrieben:
Sonntag, 22.03.20, 21:09
Habe mich auf 12,5 mg soweit stabilisiert dass die Symptome erträglich sind und ich auch wieder daran denken kann arbeiten zu gehen (hatte 3 Wochen Krankenstand)
Das klingt schon sehr gut - ich freue mich für dich :)
juli1 hat geschrieben:
Sonntag, 22.03.20, 21:09
Wie lange soll ich eurer Meinung nach auf den 12,5 mg bleiben bevor ich an weitere Schritte denken kann?
Ein Zeitraum von mindestens 4-6 Wochen ist meistens am besten, damit sich das ZNS an die neue Dosis gewöhnt hat. Aber der Zeitraum kann natürlich auch länger sein. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, warte vielleicht etwas länger, damit du dich wirklich wieder stabiler fühlst.
Wenn du wieder zu arbeiten beginnst, würde ich an deiner Stelle da auch erstmal noch keine Reduktion machen und schauen, wie du zurecht kommst. Da kommt dann oft ja mal erst etwas mehr Stress auf einen zu (egal ob positiver oder negativer Stress). Da kann es gut sein, wenn man die Reduktion nicht zeitgleich vornimmt.
juli1 hat geschrieben:
Sonntag, 22.03.20, 21:09
Habe durch die letzte Erfahrung große Angst vor der nächsten Reduktion und weiß auch gar nicht wie ich das mit der Minidosis anstellen soll? Die Wasserglas Methode hab ich zwar studiert, aber ob ich mich das traue? Hab Angst dass ich falsch berechne und darf ich das Sertralin überhaupt auflösen und wie ist die Wirkung wenn es sich nicht erst im Bauch auflöst?
Ich verstehe deine Unsicherheit - wenn man mal negative Erfahrungen gemacht hat, will man das auf jeden Fall vermeiden.
Aber es ist gut möglich, dass du eine kleinere Reduktion um 10% gut verträgst und sich deine schlimmen Erfahrungen nicht wiederholen.
Die Wasserlösmethode ist meines Wissens nach für Sertralin gut geeignet.
Wenn du dir bei der Berechnung unsicher bist, kannst du sie auch hier in deinem Thread posten und wir schauen noch mal drüber ;-)
Ich bin auch kein Mathegenie und es kann beruhigend sein, wenn jemand die Rechnung nachkontrolliert.

In welcher mg-Größe hast du denn die Sertralin Tabletten?

Liebe Grüße,
Cat
rezidivierende Depression (seit 2006)/ Bipolar II (2008 - Fehldiagnose?)
Erfahrungen mit Escitalopram (9 Jahre) und kurzfristig auch Lamotrigin , Aripiprazol , Trazodon, Bupropion, Alprazolam - alles wieder abgesetzt
protrahiertes Entzugssyndrom: wiederkehrende Muskelschmerzen, gelegentlich Panikattacken
Aktuelles Absetzen von Venlafaxin seit 04/2018
für detaillierte Infos: auf "Text zeigen" klicken
► Text zeigen
Link zu meinem Thread

padma
Moderatorenteam
Beiträge: 20973
Registriert: Sonntag, 06.01.13, 17:04

Re: Juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von padma » Montag, 23.03.20, 19:26

hallo Julia, :)

wenn du dich erst jetzt nach der Erhöhung stabilisiert hast, würde ich noch mindestens 2 Wochen auf der Dosis bleiben.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen
1.1.2020: 0 mg, Die :schnecke: steht auf dem Kilimanjaro :D



Was finde ich wo im Forum
Infoartikel: Antidepressiva absetzen
FAQ: Alles, was Ihr übers Absetzen wissen müsst!




Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.


juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

Re: juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Samstag, 28.03.20, 9:30

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure Ratschläge,

dann werde ich auf jeden Fall noch ein paar Wochen auf meiner Dosierung bleiben. Sicher ist sicher. Bleibt ihr dann so lange auf einer Dosierung bis ihr euch 100% gut fühlt? Ich habe schon noch Beschwerden die ich nicht zuordnen kann.

Wenn ich dann soweit bin an den nächsten Schritt zu denken werde ich mich sehr gerne melden, ich bin echt mies in Mathe und würde meiner Berechnung niemals vertrauen :? Lieben Dank für das Hilfsangebot. Sertralin hab ich in 50mg. Kleiner gibt es leider nicht, bzw habe ich mal gelesen dass es Zoloft Tropfen gibt. Das wäre zwar super, allerdings hab ich dann wieder Angst dass das nicht genau das selbe ist ... Schisser lässt grüßen :lol:

Noch eine Frage zu der Methode mit der Feinwaage. Zerbröselt ihr dann eine Tablette komplett, wiegt die Gramm ab die ihr braucht und dann? Finger drauf und ab in den Mund? Und ist das dann egal wenn es sich schon im Mund "zersetzt". Entschuldigt die blöden Fragen, ich bin nur so verunsichert.

Ich wünsche euch einen angenehmen Tag und bedanke mich nochmals und 1000 Mal für eure Hilfe.

Alles Liebe
Julia
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

padma
Moderatorenteam
Beiträge: 20973
Registriert: Sonntag, 06.01.13, 17:04

Re: juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von padma » Samstag, 28.03.20, 14:22

hallo Julia, :)
Bleibt ihr dann so lange auf einer Dosierung bis ihr euch 100% gut fühlt? Ich habe schon noch Beschwerden die ich nicht zuordnen kann.
Das ist nicht immer möglich. Gut wäre es, überwiegend symptomfrei zu sein ( zu ca 90 %). Mit der Zeit findet man heraus, welche Symptome dauerhaft da sind ( zum Zustand "Entzug normal" gehören) und welche aut nach einer Rdeuktion auftreten und nach einer Stabilisierung wieder abklingen.
Sertralin hab ich in 50mg. Kleiner gibt es leider nicht, bzw habe ich mal gelesen dass es Zoloft Tropfen gibt. Das wäre zwar super, allerdings hab ich dann wieder Angst dass das nicht genau das selbe ist ... Schisser lässt grüßen
Die Umstellung auf Tropfen verträgt in der Tat nicht jeder. Die anderen Methoden (Wasserlösemethode, Feinwaage) sind genau so gut.

Zum Zerkleinern: es gibt verschiedene Möglichkeiten, in Stückchen teilen, abfeilen, zermösern. Zermösern ist jedoch nicht erforderlich. Die Stückchen kannst du in eine Leerkapsel füllen und damit einnehmen. So kannst du auch ein paar Kapseln auf Vorrat anfertigen. Die Kapseln dann am besten in ein verschlossenes Döschen legen. In unserem Feinwaagethread https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=19&t=9608 findest du auch viele Tipps.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
► Text zeigen
1.1.2020: 0 mg, Die :schnecke: steht auf dem Kilimanjaro :D



Was finde ich wo im Forum
Infoartikel: Antidepressiva absetzen
FAQ: Alles, was Ihr übers Absetzen wissen müsst!




Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.


juli1
Beiträge: 7
Registriert: Mittwoch, 04.03.20, 13:32

Re: juli1: Sertralin ausschleichen? Hochdosieren?? Ratlos

Beitrag von juli1 » Sonntag, 29.03.20, 11:58

Hallo Padma,

vielen Dank für den Tipp mit der Leerkapsel, das ist mir gleich viel sympathischer als die Wasserlösemethode. Muss ich nur noch schauen wo man das herbekommt.

Ich werde mich dann mit hoffentlich guten Neuigkeiten melden wenn ich wieder einen Reduktionsschritt gewagt habe.

Danke für alles.

Liebe Grüße
Julia
2012 bis August 2019 - 100 mg Sertralin
Reduzierung alle vier Wochen in folgenden Schritten
100-87,5-75-62,5-50-37,5-25-12,5 - alles in Ordnung (bzw keine Verschlechterung zum Ausgangszustand)
Seit Jänner 2020 bei 7,5mg - 4 Wochen war alles gut, dann Symptome wie extreme Angst, Panik, Weinerlichkeit, Schwindel
03.03.2020 - hochdosiert auf 12,5mg aus Verzweiflung an den Symptomen
04.03.2020 - extremste Müdigkeit, Schwindel, Weinen, keine Panik
05.03.2020 - keine nenneswerten Symptome
06.03.2020 - wieder extremste Müdigkeit und Schwindel
22.03.2020 - stabilisiert auf 12,5 mg - Symptome erträglich

Antworten