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Jamies "all in a tumble" Thread

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Kaenguru
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Kaenguru » Freitag, 10.05.19, 12:58

Liebe Jamie,

Ich wünsche dir ganz viel Kraft :fly:

Ganz liebe Grüße
Sarah
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Rafa13
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Rafa13 » Freitag, 10.05.19, 17:33

Liebe Jamie,

mein Mitgefühl für all das Leid, was du ertragen hast bzw. ertragen musst. Das meine ich ehrlich, so gut solltest du mich kennen.

Das Leben der Menschen ist unterschiedlich, wir haben ein Leben, das schwierig ist, ich glaube nicht dass wir es uns ausgesucht haben, so spirituell bin ich auch nicht, außerdem wäre man blöd, wozu sollte man sich ein Leben voller Leid aussuchen?

Ich denke, du weißt, dass es auch für mich nicht leicht ist und war und das auch mein Leben lang. Heute ist mein Umgang mit dem Leid ein anderer. Ich spreche normal nicht mehr darüber, es sind auch gesundheitlich so viele Sachen, dass eine Abklärung gar keinen Sinn macht, es kann letztendlich alles - alles sein oder auch nichts.

Meine Erkenntnis ist, dass es keine Empathie gibt und dass die einzige Person, die auf mich sieht oder die ich interessiere ich selbst bin. Diese Sichtweise teile ich übrigens mittlerweile mit "Vielen", die auch größeres Leid erfahren haben, wobei da auch Menschen dabei sind, die noch gute familiäre Strukturen haben.

Für mich gibt es keinen Trost. Ich weiß egal was kommen kann oder wird bzw. was ist, ich habe es so zu akzeptieren, weil da ist nichts und niemand was hilfreich wäre.

Ich weiß, dass dieser Beitrag von vielen falsch verstanden werden könnte, dass ich kalt bin oder eben verbittert, aber das bin ich nicht, weder das eine noch das andere. Mich berühren auch nach wie vor Schicksale anderer Menschen, ich helfe nach wie vor anderen Menschen, wenn ich kann.

Aber für mich selbst habe ich mich sehr zurückgezogen, vor allem in der Kommunikation über mein eigenes Leben. Es interessiert auch niemanden, nicht mal meine Ärzte, selbst die sind glücklich mit mir über alles mögliche zu sprechen nur nicht über Leid.

Wie gesagt mein Ansatz ist ein anderer geworden, ich war früher sehr offen und habe zu viel erzählt, das schadet mir heute übrigens sehr, weil das Stigma des Kranken und des Süchtigen werde ich mein Leben lang nicht mehr los, ich möchte eigentlich kein Opfer sein.

Daher habe ich mich auch von vielen Menschen zurückgezogen, die mich so sehen.

Das was ich tun kann werde ich tun, aber vieles habe ich verstanden, dass ich es nicht beeinflussen kann.

Meine Theorie ist wirklich, dass es ein Teil Schicksal ist, aber viele Probleme von den verschiedensten Medikamenten kamen, die ich im Laufe meines Lebens zu mir nahm und nehme und der Weg zu einer "möglichen" Erleichterung oder Stabilisierung führt für mich nur über Minimalisierung dessen, was ich brauche. Ich glaube heute mehr denn je, dass Medizin in vielen Bereichen deutlich mehr schadet als nützt.

Alles Gute und versuch es anzunehmen wie es ist, weil es verändert sich durch deinen Ärger darüber nichts. Ich glaube auch nicht, dass uns nachdenken weiterbringt, warum es so ist. Jeder hat so gelebt, wie er oder sie es in dem Augenblick für richtig erachtet hat. Da gibt es nichts aus meiner Sicht, wo man mit Wehmut hinsehen soll und sich denken, hätte ich dies oder das anders gemacht. Es war so und vermutlich konnte man einfach nicht anders und selbst wenn, wäre die Frage, wäre dann alles gut?

Alles Liebe und Gute, Kevin
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Smilla
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Smilla » Freitag, 10.05.19, 18:27

Hallo zusammen,
Zitat von Rafa: Ich glaube heute mehr denn je, dass Medizin in vielen Bereichen deutlich mehr schadet als nützt.
Allerdings ist ein Fakt, dass das Gros der Menschen nach Medizin verlangt. Eine Medizin ohne "Medizin", wozu ich den ganzen Technikkram zähle, von dem ich einen großen Teil ebenfalls für überflüssig halte, ist hierzulande nicht vorstellbar.
Zitat von Rafa: Alles Gute und versuch es anzunehmen wie es ist, weil es verändert sich durch deinen Ärger darüber nichts. Ich glaube auch nicht, dass uns nachdenken weiterbringt, warum es so ist. Jeder hat so gelebt, wie er oder sie es in dem Augenblick für richtig erachtet hat. Da gibt es nichts aus meiner Sicht, wo man mit Wehmut hinsehen soll und sich denken, hätte ich dies oder das anders gemacht. Es war so und vermutlich konnte man einfach nicht anders und selbst wenn, wäre die Frage, wäre dann alles gut?
Diesen Gedanken schließe ich mich an, die Aktzeptanz auch dessen, was schief gelaufen ist, kann Frieden vermitteln - nicht unbedingt, wenn man mitten in der Misere drin steckt, aber in der Rückschau - das ist meine Erfahrung.

Liebe Jamie, Du bist sehr tapfer, das fällt mir immer wieder auf.

Grüße, Smilla
Seit dem 12.09.19 mit Bromazepam auf Null.
Erfahrungen mit Trimipramin und Zolpidem.

Merlin2019

Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Merlin2019 » Samstag, 11.05.19, 6:58

Hallo Jamie,

du und dein Vater,ihr habt mein Mitgefühl.

Merlin

Jamie
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Jamie » Sonntag, 12.05.19, 16:46

Hallo,

ich habe versprochen noch einen zweiten Teil zu schreiben.

Eine Ergänzung noch: Nach Absetzen der Pille, um das noch einmal aufzugreifen, ist meine seit 4 Jahren bestehende Migräne in die ewigen Jagdgründe eingegangen. :o
Ich hatte auch die Intuition, dass die Pille evtl. daran schuld sein könnte und sie hat mich nicht getäuscht; ferner finde ich auch, dass man mit Ende 30 keine Hormone mehr nehmen braucht; ich werde auch nicht jünger und man kennt ja die NW der Antibaby Pille.

Mein Alltag besteht nach wie vor aus viel ausruhen, wenn möglich, und Wunden lecken (gesundheitlich sehr unfit) und mich eben um meinen schwerstpflegebedürftigen Vater kümmern und meine Schwester, die mir sehr am Herzen liegt.
Meine Mutter will auch bespaßt werden und so versucht man also alle Bedürfnisse unter einen Hut zu kriegen, wobei da muss man sich nichts vormachen - einem Teil der Menschen ist es nie genug, was man tut und macht und man könnte deren Ansicht nach immer noch mehr für diejenige Person da sein ... - aber da sage ich mir auch: Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um die Kompensation der Leere im Leben meiner Mutter und meines Vaters zu sein! :oops:
Es ist so oder so schon mehr als überlastend für mich.

Meine Hochsensibilität schreitet voran, was mich ebenfalls anstrengt und auslaugt.
Samstags mit meiner Mutter in einem Discounter einkaufen zu gehen ist grausam; ich versuche es zu vermeiden so gut es geht, denn die Reize sind unerträglich.
Ich habe keinen akuten Entzug und mache auch keinen dafür verantwortlich; für mich ist das glasklar in meinem hochsensitiven und stark überreizten ZNS begründet.
Gleiches gilt für Menschen, die ihr unausgeglichenes Gefühlsleben zu sehr nach außen tragen und wo mich dann Wellen an Frust und Negativität anschwappen.
In dem Moment ist es wie, als würde mir jemand alle Lebensenergie aus dem Zellen abziehen und es ist umso schlimmer, je näher mir diese Personen stehen (aber ich denke, einige von euch kennen das auch sehr gut, was ich gerade schildere :roll: ).

Um nicht total mit meiner Schlaflosigkeit und Erschöpfung zu versanden und komplett isoliert zu sein, gehe ich donnerstags abends in eine Chorprobe (Gospelchor) und freitags abends in einen Spanischkurs (Fortgeschrittene). Beides mache ich gerne und ich komme unter Menschen, aber die späte Uhrzeit macht mir zu schaffen. Ich bin danach oft aufgedreht und komme für Stunden nicht zur Ruhe, sodass ich erst spät in der Nacht oder im Morgengrauen in einen unruhigen, fragmentierten Schlaf finde.

Jetzt bin ich angefragt worden, ob ich ehrenamtlich bei einem Projekt mithelfen würde, wo einmal die Woche für 2 Stunden ein Arzt in eine Praxis kommt und man Obdachlose und Menschen ohne Krankenversischerung kostenlos behandelt.
Die Idee finde ich großartig und unterstützenswert und ich habe auch zugesagt.
Es ist so, dass sich genug freiwillige Ärzte dafür gefunden haben, aber es fehlt an medizinischem Personal, die dem Arzt Handreichungen machen können und da kann ich eine Lücke füllen, auch wenn ich eher aus dem pharamazeutischen Bereich komme.
So lange ich da nicht jede Woche hin muss (das wäre mir zu viel)(und danach sieht es glücklicherweise auch nicht aus), würde ich mich sehr freuen mich da nützlich zu machen und ich habe letzten Mittwoch bereits mal reingeschnuppert und es war nett und interessant.

Es ist mir wichtig, nicht nur virtuell zu interagieren.
Das ADFD Forum ist großartig :hug: , aber das reale Leben spielt sich eben woanders ab und die Interaktion von Mensch zu Mensch ist unersetzlich; insofern ist auch das eine Gelegenheit für mich, mal wieder meine Nase ins Leben reinzuhalten und mit anderen in Kontakt zu kommen.

Zuletzt möchte ich erwähnen, jetzt für eine Woche nicht oder nur selten online zu sein.
Ich fahre zu einer Bekannten in den Bayerischen Wald und mache einen kleinen Urlaub - Seele und Kraftspeicher auftanken (hoffentlich!) in den Wäldern zwischen den Bäumen.
Es wird auch ein shinrin - yoku Workshop angeboten; japanisch für Wald(luft)baden - ich bin gespannt und freue mich.
War ewig nicht mehr weg; es ist ja nie Geld da für sowas und das habe ich jetzt viele Monate angespart und freue mich auf den Tapetenwechsel.
So häuslich ich bin - manchmal sehnt sich die Seele auch nach neuen Eindrücken und für mich Stadtkind ist diese wilde, urtümliche Gegend toll - ich liebe Bäume und Wälder, wirklich!
Es ist so abgelegen dort, dass es da nur selten Handyempfang gibt... also... ich hab mehr oder weniger Forenabstinenz :D

Seid herzlich gegrüßt, passt gut auf euch auf und versucht euer Leben anzunehmen, auch wenn es gerade hart ist, denn dagegen in den Widerstand zu gehen wäre verrückt.
Schlimme Dinge zu ertragen ist ohne Frage schrecklich; sie aber mit einer gewissen Langmut und Demut zu ertragen macht es auf jeden Fall ein klein wenig erträglicher als in einen aussichtslosen inneren Kampf und Hadern einzusteigen Dinge ändern zu wollen, die man aber aktuell nicht änder kann, aber das wisst ihr ja... :group:

Ich werde die Zeit im Wald nutzen auch zu meditieren und zu beten - seid euch gewiss, dass ich das Forum in meine Bitten ans Universum mit einschließen werde. <3

Alles Liebe
Jamie
 ! Nachricht von: Moderator Jamie
PS. Wenn ihr hier nach unten scrollt, seht ihr noch eine Auflistung der Symptome nach meinem Benzoentzug, was sich verbessert und verschlechtert hat.
Ich bin auf den Monat genau 5 Jahre auf Null / clean.
https://adfd.org/austausch/viewtopic.ph ... 34#p306234
...........SIGNATUR...............


Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


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Rosenrot
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Rosenrot » Sonntag, 12.05.19, 17:12

Liebe Jamie,

dein neues ehrenamtliches Engagement rührt mich an, aber ich verstehe deinen Wunsch nach direktem Kontakt. Das ist wirklich wichtig und ich wünsche dir dort bereichernde Begegnungen.

Ich freue mich sehr, dass dir jetzt erstmal eine kleine Auszeit vergönnt ist mit viel ursprünglicher Natur und reizarmer Umgebung.

Genieße es, liebe Jamie! :hug:

Alles Liebe!

Rosenrot
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Merlin2019

Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Merlin2019 » Sonntag, 12.05.19, 21:38

Hallo Jamie,

genieße den bayrischen Wald,bei deinem Einsatz für so vieles gönne ich dir das Waldbaden von Herzen und natürlich deine Woche Urlaub überhaupt.
Ich finde auch dein beabsichtigtes Engagement für Odachlose Kranke wunderbar und klasse,weiter so! :fly: :fly:

padma
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von padma » Sonntag, 12.05.19, 22:48

liebe Jamie, :)

ich wünsche dir von Herzen, einen erholsamen, nährenden Urlaub, für Körper und Seele. :hug:

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
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Siggi
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Siggi » Sonntag, 12.05.19, 23:38

Liebe Jamie <3

auch von mir alle meine besten Wünsche für deine, ach so lebensnotwendige Auszeit.
Auch wenn es nur acht Tage sind, so kann aber ein Abstand von all den täglich belastenden Belastungen
kleine Wunder für die gebeutelte Seele bewirken.
Alleine die Freude , mal kurz aus dieser schweren Zeit auszubrechen, kann wieder neue Kraft
zum täglichen Überleben schenken. :sports:

Alle meine liebsten Wünsche begleiten dich <3
Ganz liebe Grüße Siggi :hug: :hug:
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Quietscheentchen » Dienstag, 14.05.19, 0:16

Liebe Jamie,

du bist ein besonderer Mensch mit viel Herz!

Man liest bei dir und kann nur bewundern, wie würdevoll du all das Leid trägst und meisterst.

Ich wünsche dir eine erholsame Zeit und Ruhe zum Durchatmen und Auftanken.

Liebe Grüße
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Kaenguru
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Kaenguru » Dienstag, 14.05.19, 8:13

Liebe Jamie,

Ich wünsche dir einen wunderschönen, erholsamen Urlaub. :hug:

Ganz liebe Grüße
Sarah
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Juna
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Juna » Dienstag, 14.05.19, 9:11

Liebe Kampfhasi2,

Ich wünsche Dir Ruhe, Zeit für Dich, Gesundheit, für Dich passende Bedingungen und Erholung.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du die Zeit für Dich genießen kannst.

Fühl Dich gehalten, getragen und ganz lieb gedrückt,
Ich denke an Dich,

GLG
Juna
BildIch entziehe nicht wie empfohlen, bitte nicht nachmachen!!!Bild

Diagnosen:
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In Behandlung bei einem Psychiater u. Schmerzdoc
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Schmerzpatient Bild

Jamie
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Jamie » Samstag, 01.06.19, 8:44

Hallo,

falls ihr euch fragt, warum man von mir nichts mehr hört.
Mein Vater ist gestorben.
Obwohl schwerst krank, so doch für uns alle sehr plötzlich und überraschend, selbst die Pfleger haben damit überhaupt nicht gerechnet.
Und es war auch irgendwie dramatisch und trotzdem schnell.
Weiß gar nicht, was ich davon halten soll (?) :oops:

Es bleiben Schwere und Ratlosigkeit, Gefühle von Erleichterung und Schuld. Trauer, Überforderung, immer wieder neue Prüfung des eigenen Gewissens und der Gedanken.
War es richtig so? Habe ich mich korrekt verhalten? Hätte es anders sein sollen, sein müssen?
Und Fragen. Viele viele Fragen.

Meinen Thread schließe ich, bis ich noch einmal Kraft gefunden habe etwas Längeres zu schreiben, ich bitte um Verständnis.

:hug:
Jamie

Jamie
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Jamie » Donnerstag, 12.09.19, 17:40

Hallo liebe Fories :)

ich habe mich weit über 3 Monate nicht mehr gemeldet.
Ich versuche noch "dieses Jahr" zu begreifen, das ja gerade einmal zu knapp zwei Drittel voll ist, es ist so anstrengend und schlimm dieses Mal.
Ein Seuchenjahr - sagt mein Ego.
Ein Jahr zum Wachsen und Reifen - sagt das Höhere Selbst.

Den Tod meines Vaters hatte und habe ich noch nicht verwunden, da wurde der schlechte Gesundheitszustand meiner Schwester immer schlimmer und sie landete zweimal nachts mit Schlaganfallverdacht / TIA Verdacht in der Notaufnahme und dann kam die Verdachtsdiagnose Epilepsie obendrauf. Sie ist seit Monaten kreuzunglücklich und nicht mehr arbeitsfähig; Therapie hat sie sich gesucht und Reha steht an, aber zu all dem Stress kommen bei ihr noch partnerschaftliche Sorgen und dann ist da ja auch noch die total kaputte Lunge; immer häufiger sehe ich sie blaulippig (zyanotisch) und mir rutscht vor Angst das Herz in die Hose.

Es kam der super heiße Sommer, wo ich mehrfach während der Hitzewellen mit den Tierchen zu meiner Mutter ziehen musste, was meinem strapazierten Nervenkostüm auch nicht gut tat und mich erschöpfte.
Es ist jedes Mal ein Mini-Auszug, wenn ich beladen mit Ikea Tüten, Käfigen, Spielplätzen etc. den Exodus antreten muss; und dann ist es da ja so heiß schon, wenn ich packe, und mein Kreislauf verabschiedet sich regelmäßig.

Was bedeutet es denn dauerhaft und generell gesprochen, bei Hitzewellen und in Zeiten der toxischen Erderwärmung nicht mehr in der eigenen Dachgeschosswohnung bleiben zu können, weil selbst die Marken-Klimaanlage nicht mehr gegen die erbarmungslose Sonneneinstrahlung ankämpfen kann und man Angst um Leib und Leben von sich selbst und seinen "Mäuschen" (Sittichen) hat?
Das bedeutet doch neue Wohnung suchen!!! Ich fühle mich entwurzelt.
Ich habe drei Jahre gebraucht letztlich über Vitamin B eine Wohnung zu finden, weil keiner jemandem, der Sozialhilfe bezieht, eine Wohnung vermieten will; zu groß sind die Vorurteile - dabei suche ich doch einfach nur ein ruhiges freundliches Plätzchen, wo ich und die Piepser in aller Stille und Zurückgezogenheit leben können.

Als ich in einer der Hitzewellen noch bei meiner Mutter war, erkrankte plötzlich einer meiner Sittiche. Die niederschmetternde Diagnose war Lebertumor und nur noch wenig Lebenszeit. Ich musste in die Vogelklinik Uniklinik Gießen, weil mein vogelkundiger Tierarzt just zu der Zeit im Urlaub war.
Er ist zwar auch der Meinung, dass es ein Leberproblem ist, aber er meint es kommt durch einen Clostridienbefall und denen könnte man mit Metronidazol zu Leibe rücken und dann sei es keine letale Diagnose mehr. Ich schreibe das, weil es von Relevanz ist und ich gleich darauf zurück komme.

Zwischenzeitlich habe ich im Mai ein Ehrenamt bei uns in der Stadt aufgenommen, es ist mittlerweile die 19. Projektpraxis deutschlandweit der "Malteser Medizin für Menschen", sprich es ist eine Praxis, die kostenlos einmal die Woche für 2h zwischen 17-19h Menschen ohne Krankenversicherung und Obdachlose behandelt.
Anwesend sind immer ein Arzt und eine mediz / pharm. Helferin, also ich zum Beispiel :). Es macht mir super Freude und Spaß, ich finde das mal ein mega sinnvolles und durch und durch gutes Projekt und bringe mich gerne ein.
Hier passierte es mir vor knapp 5 Wochen, dass ich mich während meines Dienstes am Arm verletzte.
Wir müssen da immer schwere Aluschilder durchs Krankenhaus schleifen, weil die Praxis in einem entlegenen Nebenteil der Klinik ist und man sie ohne Ausschilderung nicht finden würde.

Jedenfalls habe ich mir dabei derbst den kompletten rechten Arm von Fingerspitze bis Schulter verhoben / gezerrt. Am nächsten Tag konnte ich nicht mal mehr einen Stift halten und bin dann in die BG Unfallklinik geschickt worden, weil das ja ein spezieller Versicherungsfall ist, wenn man sich während einer ehrenamtlichen Tätigkeit verletzt. Die Klinik meinte, es sind einige Muskelfasern gerissen, es müsse von selbst ausheilen, ich bekam einen Salbenverband mit Voltaren angelegt und sollte 5 Tage Ibuprofen nehmen. Gesagt getan, aber es wurde nicht besser.
Zehn Tage später musste ich erneut zum Arzt, dieses Mal wurde ich zum Durchgangsarzt / Chirurgen geschickt, weil es sich kaum gebessert hat.
Mittlerweile hatte ich durchgängig Kopfschmerzen und war zermürbt, zumal ich kein Ibuprofen mehr einnehmen konnte, weil sich mein Magen in Auflösung.

Der doofe (sorry) Chirurg meinte, das sei gar keine BG Sache, weil ich mich ja einfach nur blöd angestellt hätte, eben halt kein Unfall; da hätte ich schon stolpern müssen oder fallen. Ich habe das zu dem Zeitpunkt das erste Mal gehört, dass das ein Problem mit der Versicherung sei. Die Malteser und mein Hausarzt meinen, das sei Blödsinn, was der Chirurg da erzählt, weil wenn ich nicht ehrenamtlich gearbeitet hätte, hätte ich mich auch nicht verletzt.

Die Schulter hat er geröntgt, konnte aber nichts finden, nur einen Zufallsbefund, dass ich eine Kalkschulter habe, aber das Stück Kalk sitzt an einer Stelle, an der nicht der Schmerz sitzt, den ich habe.
Er meinte es sollen sich jetzt halt die Versicherungen (BG versus meine eigene Krankenversicherung) streiten, ob das eine BG Sache ist oder nicht.
Für meine rasenden Kopfschmerzen sah er sich nicht zuständig und meinte, das sei ja totaaaal komisch, wobei ich ihm deutlichst zu verstehen gegeben habe, dass ich das Gefühl habe, dass durch die Fehlbelastung der Nacken / die HWS was abbekommen hat.
Aber da wollte er nicht mal gucken. :frust:

Jedenfalls sah sich keiner imstande und willens mir Krankengymnastik zu verschreiben, sodass ich meinen Hausarzt unter Tränen angebettelt habe, das zu tun.
Das ist wirklich ein Problem für mich, weil er immer einspringt, wenn andere Ärzte sich mir verweigern und es aber eine gedeckelte Budgetierung gibt.
Wäre es glasklar eine BG-Sache, hätte ich unbegrenzt Anspruch auf heiltherapeutische Anwendungen.

Was soll ich sagen. Nach der ersten Behandlung war ich zum ersten Mal einige Stunden kopfschmerzfrei (meine Physiotherapeutin ist auch Osteopathin), nach der zweiten Sitzung waren die Schmerzen komplett weg.
Mein Hausarzt hat nur den Kopf geschüttelt, weil halt niemand das "Gesamtbild" angucken wollte. Ihm hat meine telef. Schilderung gereicht, um ein HWS Syndrom zu diagnostizieren.
Die BG Klinik hatte sich nur auf den Arm gestürzt, der Chirurg auf die Schulter.
Wenn man sich eben nur einzelne Symptome rauspickt, dann übersieht man das Offensichtliche. Tja, ihr wisst sicher, was ich meine.

Rückblickend muss ich sagen, dass genau mit diesem "Ehrenamtsvorfall" sich bei mir eine unheilvolle Kaskade in Gang setzte, die dazu führte, dass ich die letzten Wochen einen der schwersten Zusammenbrüche in meinem Leben hatte.
Der Stress mit meinem Vater und meiner Schwester davor, das mehrfache Umziehen und dann das - und dann ging es nur noch bergab.

Obwohl ich wirklich alles in Bewegung gesetzt habe, dies irgendwie zu stoppen (ich habe bemerkt, dass es nur noch bergab geht), ist es mir nicht gelungen.
Ein zweiter Sittich erkrankte, Pauli, bekam blaue Füße.
Ich Dr. google befragt - wahrscheinlich Herzinsuffizienz. Die blauen Füße als Extremität leiden unter Sauerstoffmangel, daher die Verfärbung von rosa zu blau. Ich stellte ihn meinem Tierarzt vor und nahm seine Partnerin Tiffy als moralische Unterstützung mit. Der Tierarzt horchte sein Herz ab und stöhnte dann laut auf, weil die Herztöne so schlecht waren und er meinte dann noch zwinkernd, dass so mancher seiner Patienten besser in Welli-Krankheitsdiagnostik wären als seine Kollegen. :wink:
Die Laiendiagnose von mir war also richtig, schwere Herzinsuffizienz. Lebenslang morgens und abends fangen und Enalapril in den Schnabel geben, heißt es jetzt.

Ich erzählte dem Tierarzt auch von Tiffys letaler Diagnose durch die Uniklinik und da war sein Interesse geweckt. Da Tiffy seit ich sie habe unter wiederkehrenden Clostridienausbrüchen leidet, hielt er die Clostridien, die zu einer Leberschwellung und Fehlfunktion führen, für sehr viel wahrscheinlicher als Krebs, zumal Clostridien dazu neigen in Leber, Galle und Niere zu schlummern, ehe sie reaktiviert werden.
Er schnappte sich also den Vogel und gab ihm die volle Bandbreite an Medikamenten und Infusionen etc., wie es sie die Veterinärmedizin hergab.
Damit begann allerdings ein unheilvoller unkontrollierbarer Vorgang.

Am nächsten Morgen fand ich Tiffy fast leblos vor. Das Tier war kurz vorm Sterben. Ich sah in das Gesicht des Vögelchens und blickte in das Grauen.
Ich weiß nicht genau, was dann genau passierte, aber als ich sie einfing, um sie zum Tierarzt zu bringen und erlösen zu lassen, klappten mir die Beine weg, ich begann zu schlottern und mein Kreislauf verabschiedete sich. Mein Tierarzt wollte, dass ich sie vorbeibringe, aber ich konnte nicht, ich war absolut fahruntauglich.
(ich muss 50min über die Autobahn zu ihm; unmöglich!)
Er meinte sie habe aufgrund der absterbenden Clostridien und den dadurch entstehenden Toxinen (Metronidazol als AB ist echt heftig!) einen Kreislaufkollaps erlitten und sie brauche dringend Infusionen etc. - ich solle sie wenigstens versuchen einzufangen und ihr Zuckerwasser einzuflößen. Das machte ich dann auch und dann rief ich heulend meine Schwester an zu mir zu kommen.

Ich konnte ab diesem Tag beginnend meine Ausscheidungen nicht mehr bei mir behalten. Ich hatte Symptome eines akuten Brechdurchfalls, ohne krank zu sein. Ich wusste nicht, wo es zuerst rauskam. Ich musste mich gleichzeitig entleeren, übergeben, husten und niesen.
Ich zitterte am ganzen Leib, mir war kotzübel, ich bekam keine Luft. Ich konnte mich nicht auf den Beinen halten, musste mich bei 28 Grad in 2 Decken wickeln und hatte in jeder Faser meines Seins nur noch Grauen Grauen Grauen.
Ein einzelner Gedanke ins Wohnzimmer zu den kranken Tieren zu müssen löste bei mir jedes Mal eine Panikattacke aus, bis ich nur noch aus einer einzigen Panikattacke bestand, ein zitterndes, heulendes, panisches, von Grauen erfasstes Bündel Mensch war ich.

Tiffy überlebte diesen Tag und weiß Gott ich habe richtig entschieden und das Schicksal hat es für mich übernommen, dass ich sie an diesem Tag nicht einschläfern ließ, denn sie lebt noch. Die Clostridientherapie habe ich aber sofort abgebrochen - es bringt das Tier um. Und mich halb mit.

Ich dachte es kann nicht schlimmer kommen, ich setze mich jetzt einfach damit auseinander, dass Tiffy bald stirbt und versuche mich wieder einzukriegen, da bekam Sittich Nummer 3, mein Bourkesittich Mausi, zwei Tage später massive Zuckungen in den Beinen. Das arme Tier zuckte sich die ganze Nacht durch, hielt alle wach samt mir, und ich war schon völlig am Ende. Da wiederholte sich der Kollaps von Mittwoch zum zweiten Mal. Dieses Mal hab ich sofort meine Mutter angerufen. Morgens um fünf. Sie hat sich einen Tag Urlaub genommen und Mausi zum Tierarzt gebracht, ich war immer noch fahrunfähig und am Ende.

Der Tierarzt war sich nicht sicher, von Magnesiummangel über Schlaganfall bis hin zu Epilepsie, Tumor und Infektionen konnte es alles sein. Epilepsie und Schlaganfall konnten ausgeschlossen werden, Magnesium gab ich ihr mehrere Tage ohne Erfolg, also war es das auch nicht. Die Kotproben waren ohne Befund, sodass als Infektion auch nur wieder Clostridien infrage kommen, die er nicht nachweisen kann, weil sie anaerobe Keime sind und selten ausgeschieden werden.

Die Zuckungen verschwanden, kamen wieder (dritter Kollaps bei mir an dem Morgen, als ich sah, dass sie wieder zuckt) und dann bekam Mausi grässlichen Durchfall, den sie seit über 10 Tagen hat. Dieses Mal konnte der Tierarzt massig Keime im Kot nachweisen, aber das Antibiotikum schlägt nicht an. Kolloidales Silber, auf das ich so große Stücke setze, leider auch nicht.
Momentan sind wir am Überlegen, ob sie möglicherweise ein Nierenproblem hat und zu viel Wasser ausscheidet, sodass es so aussieht, als ob sie Durchfall hat - das AB hätte längst greifen müssen.
Eine geschwollene Niere könnte auch reflektorisch zu den Zuckungen geführt haben und führen, weil sie dann die Beinnerven abdrückt usw.

Was soll ich sagen. Ich schreibe sehr ausführlich, damit man nachvollziehen kann, wie sehr sich alles aufschaukelte und weiter aufschaukelte.
Seit 4 Wochen lebe ich in ständiger Angst um meine Vögel, vor drei Wochen habe ich mich in einer radikalen Aktion entschieden sofort jeglichen Kontakt zu meiner Umwelt einzustellen und nur noch nach mir zu schauen. Ich war mehrmals so weit die Tiere wegzugeben (wohin auch immer) oder mich in eine Klinik einweisen zu lassen.

Ich hatte so krasse Spannungszustände, es fehlen mir die Worte dafür.
Ich wachte morgens schon mit Stuhldrang, massivsten Panikattacken und Angst auf und konnte erst einmal nur würgend zum Klo rasen.
Ich hab mir fast einen epileptischen Anfall herbeigewünscht, in der Hoffnung, dass sich diese fest sitzende Anspannung endlich mal komplett entlädt.
Ich fühlte mich als ob ich nur noch weinen weinen weinen will, aber ich konnte nicht.
Blockiert, zugeschnürt und gefangen war ich.

Ich habe dann alle meine whatsapp Kontakte geblockt, mich bei meiner Familie verabschiedet (abgemeldet) und bin selbst hier ohne groß im Background Bescheid zu geben ausgeschieden.
Habe sämtliche sozialen Kontakte bis auf die Pflichttermine bei der Krankengymnastik und zwei Notfalltermine beim Tierarzt eingefroren und bin jetzt am Ende von Woche 3, wo ich versuche, wieder ich selber zu werden und mit dieser Situation bei mir daheim umzugehen.

Besonders negativ fiel mir auf, dass ich mein destruktives Denken nicht durchbrechen konnte und kann. Es ist immer dieses fiese ängstliche Gefühl bei mir. Wenn ich weggehe und zurück komme, dann überkommt mich im Treppenhaus eine Panikattacke, weil ich Angst habe heim zu kommen und zu sehen, dass es einem der Tiere wieder schlecht geht.
Ich bin so dermaßen zermürbt und verstört, richtiggehend traumatisiert.

Schlimm ist, welche Mühe ich mir gebe und dabei zu bemerken, dass KEINE meiner Strategien, die ich habe, um mit solchen Zuständen umzugehen, noch wirkt.
Momentan geht es etwas besser, aber die ersten zwei Wochen waren der Horror.
Ich habe youtube Meditationen gemacht, mich mit Mutter Erde verwurzelt und imagninär ein Schutzschild um mich aufgebaut, ich habe progressive Muskelentspannung gemacht, bin raus in die Natur ins Grüne spazieren. Ich habe viel mit meinen Engelkarten gearbeitet (ein kleiner Trost), ich habe positive Musik gehört, gebetet. Ich habe Atemübungen noch und nöcher gemacht, und dabei Affirmationen gesprochen. Habe meine Heilsteine gehalten und Rescue Tropfen in rohen Mengen genommen. Alles, was sonst ein wenig hilft, um mich zu beruhigen, funktionierte nicht richtig und das war und ist ja mal so wirklich eine ganz schlimme Erfahrung.

Ich kann jeden hochgradig in einem Angstzustand und Spannungszustand Feststeckenden hier im Forum aus Tiefste nachempfinden, wie es ihm / ihr geht und wie furchtbar das ist und ich habe mir öfters gewünscht, einfach für immer einzuschlafen oder mich dermaßen mit Benzos abzuschießen, dass ich mal einen halben Tag Ruhe habe. Ich hab einen solchen Verzweiflungsgrad das letzte Mal im Jahr 2013 gehabt, als mir gekündigt wurde; ich dachte ich sei seitdem weiter in meiner Entwicklung, aber dem ist entweder nicht so oder das war und ist eben eine ausgesprochen schlimme Krise.

Ich habe nur einen einzigen Wunsch: Dass es meinen Tierchen besser geht. Dann wird es auch mir besser gehen. Und ich bin mir sicher, wenn es mir besser geht, wird es auch ihnen besser gehen. Ich denke wir sind da aufs Engste verwoben. Allerdings sind das zu viele Bedingungen.
Ich muss erst einmal lernen, dass ihnen überhaupt nicht geholfen ist, wenn ich wie ein hysterischer Panik- und Trauerkloß hier zuhause sitze und sie ängstlich beobachte, weil nichts davon wird ihnen helfen. Im Gegenteil wird meine Unruhe sich negativ auf sie auswirken, also sollte ich mal positiv denken, oder zumindest ein wenig vertrauensvoller.
Ihnen ist nicht geholfen, wenn ich mich zitternd und wimmernd im Zimmer nebenan auf dem Bett wälze - nur leider war es in den letzten Wochen so.

Ich kämpfe so dermaßen hart jeden Tag um meine Fassung und darum, den Mut und die Hoffnung nicht zu verlieren; ich weiß nicht ob sich das jemand vorstellen kann, was das für ein K.r.a.f.t.a.k.t ist. Ich muss mich und meine Gedanken so krass disziplinieren, weil ich bin momentan wie so eine laufende, imaginär plärrende Sirene mit rotierendem Rotlicht, energetisch gesprochen.
Sowas kann ja nix Gutes anziehen!

Einen Abend vor zwei Wochen habe ich mich in den Chor getraut und war auch unbedingt froh für die Ablenkung - an dem Abend hatte ich Flüssigwaschmittel abgefüllt, das ich jemandem mitgeben wollte. Abgefüllt in eine Wasserflasche, was man ja eh nie machen soll. In meiner geistigen Umnachtung und durstig wie ich war habe ich statt meiner Wasserflasche die Waschmittelflasche angesetzt. Gott sei Dank habe ich kurz vorm Schlucken gemerkt, dass ich einen krassen Geschmack im Mund habe und habe es zurückhalten können, bin losgerannt und habe es ins Waschbecken spucken können, aber ich habe mir durch die Lauge Teile der Mundschleimhaut und die Zunge verätzt.
Das hätte schlimm enden können, Stichpunkt Schaumaspiration, der Himmel hat mit aufgepasst, aber für mich auch nur ein weiteres Zeichen, wie am Ende ich mit allem bin.

Ich bin mir nach wie vor noch nicht sicher, ob ich hier so einsteigen kann wie früher.
Ich bin definitiv noch nicht "über´n Berg".
Bin dünnhäutig, erschöpft, immer noch grundangespannt und ängstlich.
Habe jetzt wieder etwas mehr Kontakt zur Außenwelt, was mir auch gut tut, aber ich muss sehr auf mich achtgeben.

Diesen langen Text habe ich auch zur Aufarbeitung genutzt, wer bis hierher durchgehalten hat - Respekt und lieben Dank :wink: :hug: .

Man liest sich
Jamie
...........SIGNATUR...............


Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



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padma
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von padma » Donnerstag, 12.09.19, 17:56

liebe Jamie, :hug:

ich finde keine Worte,

alles, alles Liebe, <3 dir und deinen Sittichen.
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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15.08.2019: 0,02 mg



Neu: Infos rund um Antidepressiva, Absetzen, Umgang mit Entzug
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Jofab
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Registriert: Mittwoch, 16.08.17, 19:51

Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Jofab » Donnerstag, 12.09.19, 18:08

Liebe Jamie,

auch mir fehlen die Worte !
Aber ich möchte dir wenigstens sagen, wie sehr ich mit dir fühle !

Immer wieder musst du wahre Horrorgeschichten durchstehen – ich denke nur an die Zähne !
Was ist ein Mensch nur imstande, auszuhalten – soviel Leid und Schmerzen !!!

Ich wünsche dir und deinen Lieblingen von Herzen alles Gute !
Ilse :hug:
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loewe55
Beiträge: 318
Registriert: Dienstag, 15.05.18, 19:19

Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von loewe55 » Donnerstag, 12.09.19, 18:18

Liebe Jamie,

ich wünsche dir, dass du bald wieder Kraft schöpfst und finde es richtig, dass du dich „ausgeklinkt“ hast, um dich nur noch um dich und deine Piepsies zu kümmern.

Alles Gute 🍀🍀🍀🍀🍀
Gabi
2013 erste Panikattacke, vom Hausarzt Mirtazapin bekommen, aber nicht genommen
2015 Zuspitzung, ab Dezember 2015 Mirtazapin 30 mg
2016 im Januar 3 Todesfälle in der Familie innerhalb von 3 Wochen, zusätzlich Kündigung erhalten
Nichts geht mehr, ich bestehe nur noch aus Angst
Mirtazapin hilft beim Schlafen
Mai 2016 auf eigenen Wunsch über Notaufnahme in Klinik, dort 7 Wochen stationär
Mirtazapin raus, dafür Citalopram und Pregabalin
Furchtbare 4 Wochen, kein Schlaf, heißes Körperbrennen
Langsame Besserung, Medis helfen, Schlaf kommt wieder
August 2016 für 5 Wochen Tagesklinik, stabilisiere mich
Wirkverlust Citalopram, dafür Venlafaxin ab Januar 2017
Kombination mit Pregabalin hilft, es geht wieder bergauf
Mai/ Juni 2017 Reha, Venlafaxin auf 150, einige Tage 225 mg, geht gar nicht, sofort wieder runter
Bei Entlassung fast symptomfrei, Venlafaxin 112,5 mg, Lyrica 100-0-100,
August 2017 Venla auf 100 mg,
September 2017 90 mg,
Oktober 2017 75 mg,
November 2017 60 mg,
Dezember 2017 50 mg
Januar 2018 Venla auf 45 mg,
Februar 2018 37,5mg, Befinden nicht mehr gut
März 2018 Venla auf 34 mg, dann wieder hoch auf 37,5
April 2018 auf 31 mg
Befinden schlechter, massive Ängste morgens und nachts, bleibe seitdem auf dieser Dosis
16.05.18 Erhöhung um 2,1 mg nach Anmeldung und Beratung im Forum
Venlafaxin jetzt 33,1 mg, Pregabalin 100-0-75 (auf dieser Dosis seit Jahresbeginn)
31.05.18 leichte Erhöhung Venlafaxin um 1,5 mg, bin jetzt bei 34,6 mg
05.06.18 leichte Besserung erkennbar, versuche mich bei 33,45 mg Venla zu stabilisieren
12.07.18 Erhöhung auf 37,5 mg: weder Verschlechterung noch Verbesserung erkennbar, weiterhin Angstzustände im „gewohnten“ Ausmaß
24.08.18 immer noch auf 37,5 es geht mir besser, kurze Angstgefühle, aushaltbar
21.09.18 versuche seit 10 Tagen Pregabalin um 10 mg zu reduzieren, abends von 100 auf 90, Symptome wieder stark: Ängste bis fast zur Panik, werde wieder erhöhen
28.09.18 Ich erkläre meinen Versuch für gescheitert und lege wegen verstärkter Ängste eine Pause ein
Medikation derzeit: Venlafaxin 37,5 mg / Pregabalin 75-0-100 mg
November 2018: 34,26 mg, mache in 5%-Schritten weiter🐌 Dezember 2018: 33,18 mg
01.01.2019: 34,26 mg, wg.Angstverstärkung aufdosiert
31.01.2019: 34,26 mg, Ängste und Daueranspannung
28.02.2019: 34,26 mg, weniger Ängste, dafür Daueranspannung, aber auch viele Fenster
08.03.2019: 34,84 mg, um 2 Kügelchen hoch wegen starker Symptome
29.04.2019: Pregabalin Umstellung auf Wasserlösmethode, Venlafaxin Absetzpause (34,84 mg)
10.05.19: Pregabalin auf 155 mg
Dieses Mal auch körperliche Symptome wie Brain zaps, Nackenschmerzen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Schwäche in den Beinen, Erschöpfung, Schwere
24.06.19: Pregabalin auf 145 mg
16.07.19: Pregabalin auf 137 mg
12.08.19: Pregabalin auf 125 mg
05.09.19: Pregabalin auf 123 mg

lunetta
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Registriert: Montag, 17.08.15, 18:09

Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von lunetta » Donnerstag, 12.09.19, 18:18

Liebste jamie!

Ich kann dir gar nicht sagen wie durch und durch mir dein post eben ging.....

Kann mich in so vielen Punkten wiedererkennen, du hast alle Symptome, die ich auch hatte, als es tiefer nicht mehr ging.

Man kann sich das nicht vorstellen wie es ist, wenn man den Körper am liebsten dem Universum übergeben würde, weil man sich nicht mehr auf ihn verkassen kann, dann ist man psychisch und phsysisch keine Einheit mehr, und das ist wirklich der allerschlimmste Horror.

Und dass du mit den Tierchen im wahrsten Sinne des Wortes "mitleidest" kann man bei deinen Zeilen rauslesen - du hast mein vollstes Mitgefühl!

Ganze sanfte Umarmung und nur die besten Wünsche, Liebelein!

GLG
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.

Muck
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Registriert: Montag, 12.11.18, 15:30

Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Muck » Donnerstag, 12.09.19, 18:47

Liebe Jamie

Auch von mir volles Mitgegühl.
Meine Tiere waren und sind immer mein ein und alles.
Sind sie krank bin ich kränker.
Überlege immer ob meine Liebe Guste wohl die letzte ist weil auch ich immer so
leide wie du. Der ganze Körper dreht durch.

Ich wünsche dir und deinen kleinen Lieblinge alles liebe .

Auch mein Körper spinnt momentan total.
Kann alles nachfühlen.
Halte bitte durch du bist ein so liebenswürdiger Mensch.

Liebe Grüße
Muck
Symptome: (...); Diagnose: (...)


1. Symptome

Schwindel
Benommenheit
Schwitzen besonders stark nachts
Kälteschauer fast nur nachts
Blähungen
Sodbrennen
Muskel und Gelenkschmerzen überall
Zuckungen
Sehstörungen verschwommen oder Dinge bewegen sich
Einschlafen der Hände in der Nacht
Albträume
Akustische Halluzinationen Nachts
Seltsame Wellen durch den ganzen Körper Nachts
Blutdruck schwankend
Lustlosigkei
Gedankenkreisen
Übelkeit
Nesselsucht urplötzlich
Wespenstichallergie
Würgeanfälle
Kalte Hände und kalte Füße
Unruhe
Konzentrationsschwäche
Mundtrockenheit
Mundbrennen
Schwächegefühl in armen und Beinen
Vergesslichkeit
Verspannungen
Schnell Argressiv
Tinnitus
Ohrendruck
Angst mehr als früher
Juckreiz

Diagnose

Fibromylagie
Generalisierte Angststörung
Mittelschwere Depression
Somatisierungsstörungen



Medikation: (Wirkstoff XXmg, Dauer) (>>) (Wirkstoff XXmg, Dauer) >> (usw.)


2. Medikation


Bis Februar 2013 nur immer Naturheilmittel
Februar 2013 Citalopram 20 mg eingeschlichen mit 10 mg
Ca. 2 Jahre genommen dann von heute auf morgen auf10 mg runter
Symptome vor Citalopram und nun kein großer Unterschied
September 2017 oft die Einnahme vergessen dann nicht mehr genommen
Also auf 0 wie ich heute weiß Kalter Entzug
2018 für 6 Wochen Hormonpflaster keine Besserung
13.11.2018 Omep 40 mg Magnetfans 150 mg Passivligatropfen bei Bedarf
Bisoprolol 5 mg

u]Zusätzlich:[/u] (Wirkstoff XXmg, Start (wofür/wogegen));


3. Zusätzliches

Keine

Bisherige Absetzversuche: (Wirkstoff XXmg, wie abgesetzt, warum gescheitert)


4. BieherigevAbsetzversuche

Mein erster

Absetzverlauf (Startdatum, Startdosierung): (Dauer XXmg) (>>) (Dauer XXmg) (>>) (usw.)


5. Absetzverlauf

Siehe Punkt 6

Juna
Beiträge: 805
Registriert: Sonntag, 10.04.16, 13:00

Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Juna » Donnerstag, 12.09.19, 20:29

Liebe Jamie

🤗😘

Mir fehlen die Worte, mehr als die Emojis kann ich Dir Kampfhasi2 nicht schicken.

GLG
Juna 😢
BildIch entziehe nicht wie empfohlen, bitte nicht nachmachen!!!Bild

Diagnosen:
einige Bild

In Behandlung bei einem Psychiater u. Schmerzdoc
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Schmerzpatient Bild

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