Ein Jahr nach dem Entzug von Escitalopram - Erkenntnisse und Schlussfolgerungen von Notalwaysso
Verfasst: 20.08.2018 18:37
Ein Erfahrungsbericht aus dem Forum "survivingantidepressants.org" von User „Notalwaysso“ am 29. August 2017 (übersetzt von mir)
Hier der Originalbericht:
https://www.survivingantidepressants.or ... clusions/
Ein Jahr nach Null - Erfahrungen und Schlussfolgerungen
Mit 1. September 2017 bin ich ein Jahr frei von Lexapro (Escitalopram). (Ich ging auf Null nach 9 Monaten der allmählichen Reduzierung und hatte danach ungefähr 10 Monate schlimme Entzugssymptome). Ich bin sehr froh zu sagen, dass die Dinge viel viel besser geworden sind und dass ich ein Jahr nach dem vollständigen Entzug fast beschwerdefrei bin! All die Symptome, die ich hatte, Wellen, Brain Zaps, Angstattacken, Gefühle des Weltuntergangs, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Depressionen, sind verschwunden.
Ich genieße zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Gefühl von Stabilität und Wohlbefinden.
Das vergangene Jahr war enorm schwierig. Ich bin eine ältere Person und hatte meinen Anteil an schwierigen Zeiten im Leben. Und doch war das anders und lehrte mich doch so viel.
Ich möchte mit dir mein Lernen und einige der Prozesse, die ich durchgemacht habe, teilen.
Einer der Hauptgründe für meine Besserung war dieses Forum. Ich schreibe mit tiefer Dankbarkeit für euch, für das Teilen eures Leidens und eures Wissens und mit dem tiefen Wunsch nach Gesundheit und Wohlergehen für euch alle. Es IST möglich, gesund zu werden.
Im Folgenden findet ihr eine Liste der Faktoren, die mir geholfen haben, den Entzug (das Absetzsyndrom) zu überwinden. Sie sind nicht unbedingt in einer bestimmten Reihenfolge. Es wird ein bisschen lang werden, also entschuldige ich mich im Voraus.
Ich denke, diese Liste bestätigt nur alles, was ich in diesem Forum gelernt habe, aber trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, die Version von jedem Einzelnen zu hören ...
1. DIESES FORUM. Ich stolperte zufällig in dieses Forum, während ich im Internet nach Informationen über den Entzug suchte (es war mein zweiter Versuch, abzusetzen).
Ich fand dieses Forum extrem wichtig in der Bereitstellung von Informationen, Unterstützung, Ideen und HOFFNUNG. Es eröffnete mir eine neue Art zu denken. Es gab Tage in diesem Jahr, an denen das Anmelden und Lesen lebensrettend war. Ich fühlte mich nicht so allein und verrückt. Ich denke, es gibt andere Foren und Seiten, aber SA war meine Rettung, ohne Zweifel.
Ich lerne daraus: Hol dir so viele Informationen wie möglich über deinen Zustand und deine Symptome! Wissen ist Macht. Zweitens: Sei nicht alleine mit deinem Zustand.
Allein zu sein, schwächt und erschreckt dich. Teilen, Fragen stellen, über die Erfahrungen anderer lesen, ist eine starke Quelle der Unterstützung.
2. PHYSISCHE AKTIVITÄT. Es war eines der mächtigsten Werkzeuge in dieser Höllenzeit: Kontakt mit meinem Körper durch tägliche körperliche Aktivität.
In meinem Fall: tägliche Spaziergänge (mit intermittierendem Joggen) und Yoga. Diese Aktivität war sehr hilfreich, um mich von Angstgefühlen und Depressionen zu befreien.
Einfach nur draußen zu sein, etwas Natur zu sehen und zu atmen, hat eine enorme beruhigende Wirkung. Bitte beachten: täglich! Ich habe das tägliche Training nicht aufgehört, obwohl es mir jetzt besser geht, und ich werde nie aufhören. Ich genieße es so sehr.
Ich lernte so gut wie möglich eine starke Verbindung mit meinem Körper aufzubauen. Obwohl unser Körper während dem Entzug leidet, ist er einer unserer mächtigsten Verbündeten. Unser Körper weiß das!
3. ACHTSAMKEIT. Achtsame Meditation war auch eine Hauptsäule meiner Stärke. Ich meditiere schon seit ein paar Jahren, aber dieses Jahr habe ich mich regelmäßig damit beschäftigt (als Erstes am Morgen, jeden Tag, für mindestens 15 Minuten, bis zu 45 Minuten). Die Wirkung ist nicht nur entspannend, sondern es baut ein beständiges, stabiles, beobachtendes ICH auf, das nicht durch die emotionale Achterbahnfahrt geht. Langsam, aber sicher entwickelte ich ein winziges Ich, das sogar in den schlimmsten Momenten sagen konnte: Ich sehe, dass ich mich wie in der Hölle fühle ... aber ich identifiziere mich nicht mit den schlechten Gefühlen. Ich beobachte sie einfach und lasse sie sich mit der Zeit auflösen.
Ein großer Teil davon ist, nett und nicht urteilend zu dir selbst zu sein.
Ich habe gelernt: Wenn es überhaupt etwas Gutes daran gibt, ist dieser schreckliche Entzug eine tolle Gelegenheit, dich selbst kennen zu lernen und dich mit dir anzufreunden. Achtsame Meditation ist etwas, das ich für immer praktizieren werde. Es ist nicht nur enorm hilfreich, es ist eine Offenbarung. Es ist nichts Geringeres, als sich selbst und den Sinn des Lebens neu zu entdecken.
Übrigens gibt es eine Menge Literatur über die Verwendung von Achtsamkeit in Angst und Depression. Man kann im Internet darüber recherchieren. Ich empfehle Jon Kabat Zinn. Schau ihn dir auf youtube an. Er hat einige sehr gute Bücher geschrieben.
4. VERSTÄNDNISVOLLE MENSCHEN. Mit Menschen zusammen zu sein war im letzten Jahr nicht einfach. Ich distanzierte mich so ziemlich von jedem, bei dem ich aus irgendeinem Grund auch nur leicht eine schlechte Stimmung spürte. Ich ging nicht an belebte und laute Orte. ABER ich hatte das Glück, ein paar gute und großzügige Freunde zu haben, denen ich von meinem Zustand erzählte und die für mich auf viele Arten da waren: Anteil nehmen, telefonieren, bei mir sein, ermutigen ... Meine Familie war eine große Quelle der Hoffnung.
Meine Erkenntnis ist, dass es sehr wichtig war und ist, nicht allein zu sein, wenn das möglich ist. Ich habe gelernt, um Hilfe zu bitten (war bis dahin nicht meine Stärke). In der Tat habe ich gelernt zu akzeptieren, dass ich Hilfe von Menschen brauche. Und so hat mich dieser schreckliche Entzug näher zu meinen Lieben gebracht.
5. MEDIKAMENTE UND NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL. Über Medikamente: Im Laufe des Entzugs habe ich auch die PPI [Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol] entzogen, die ich seit 10 Jahren eingenommen habe (dank den Empfehlungen des Arztes). Ich bin also nun völlig frei von Medikamenten, was mich sehr glücklich macht. Meine Einstellung zu Medikamenten, Pharma, Ärzten und dem gesamten Bereich hat sich radikal verändert. Obwohl mir klar ist, dass es gute und lebensrettende Medikamente und Verfahren gibt, bin ich nun der Ansicht, dass sie nur dann gebraucht werden, wenn es absolut keinen anderen Weg gibt. Ich habe wirklich mein Vertrauen in das medizinische System verloren und werde versuchen, mich so weit wie möglich davon fernzuhalten. Ich werde, sofern es in meiner Macht steht, vermeiden, einen Arzt aufzusuchen. Ich entscheide mich für alternative Gesundheitsversorgung (Naturheilkunde, chinesische Medikamente etc.)
Nahrungsergänzungen: Omega half mir bei den Brain Zaps. Diese blieben mir lange erhalten und besuchen mich immer noch in schwächerer Form hier und da, besonders vor dem Einschlafen. Magnesium half bei Muskelschmerzen in der Nacht. Taurin half bei Morgenangst. Die Informationen über Nahrungsergänzungsmittel habe ich über das SA-Forum erhalten. Ich denke, es ist wichtig, seinen Vitamin-Mineralien-Spiegel zu überprüfen und sich über die Vorteile und Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln zu informieren. Es gibt so viel Hilfe von Ergänzungsmitteln, und die Ärzte wissen in der Regel nichts darüber. Oder lehnen es ab.
6. GUTE ERNÄHRUNG. Meine Erfahrung ist, dass eine gute Diät wirklich hilfreich war: Für mich war die Hauptsache die Beseitigung von Zucker aus meiner Ernährung, einschließlich Zucker aus bestimmten Kohlenhydraten, Alkohol usw. Die Vermeidung des Zuckers war sehr wirksam bei der Stabilisierung meines körperlich-mentalen Systems. Die Hauptbestandteile meiner Ernährung waren (und bleiben): Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Fisch. Und Tonnen von Wasser.
7. SCHLAFEN UND RUHE. Im Entzug hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben Schlafprobleme. Ich habe das vorher noch nie erlebt und war daher erschrocken. Ich kam damit zurecht, indem ich alle Arten von natürlichen Ergänzungen ausprobierte und gelegentlich eine Schlaftablette nahm, wenn es ganz schlimm wurde. Eine Zeitlang half Melatonin. Manchmal Baldrian. Dann Taurin und Magnesium zusammen genommen. Die Hauptsache für mich war, NICHT IN PANIK ZU GERATEN, wenn ich nicht schlafen konnte! Ich habe gelernt, wie bei jedem anderen Symptom, dass es sich nach einiger Zeit auflösen wird.
Ich blieb vor dem Schlafengehen fern von Bildschirmen, duschte warm, trank Tee, las gute Bücher, verdunkelte mein Schlafzimmer.
Noch wichtiger - ich habe versucht, mich bei der Arbeit oder anderswo nicht zu überanstrengen. Ausruhen war entscheidend. Ich verlangte nichts von mir, das mir zu schwierig war.
Dem Körper und Geist so viel Ruhe wie möglich zu geben, halte ich für sehr wichtig.
8. SYMPTOME. Die meisten meiner Symptome sind verschwunden. Sie verschwanden langsam und allmählich. Als einziges Symptom kommt mal hier oder da ein schwacher Brain Zap durch. Aber lange nicht wie vorher.
Die Abstände der Wellen und Fenster wurden größer, bis sie komplett verschwunden waren. Im Prozess wurde die Angst irgendwann von Depressionen abgelöst, so dass ich depressive Perioden gegen Monat 10 des Entzugs hatte.
Im Moment leide ich noch an Tinnitus, der beim Reduzieren entstand. Ich weiß nicht, ob es vom Entzug ist oder nicht. Ich versuche, ihn zu ignorieren.
Ich bin noch ziemlich empfindlich bei: lauten Geräuschen, starkem Licht, bestimmten Angst erzeugenden Ereignissen (Trennungen und Enden aller Art), Menschen, die mir nicht gut tun, überfüllte Orte.
___________
So, ich denke, das fasst es zusammen (Möglicherweise habe ich etwas vergessen). Wie ich am Anfang dieser Nachricht geschrieben habe, genieße ich jetzt ein allgemeines Wohlgefühl. Ich bin glücklich, dieses Syndrom überwunden zu haben. Ich behalte jedoch eine vorsichtige Einstellung, denn wer weiß, eine "Welle" kann jederzeit wieder auftauchen. Aber ich fühle mich sicherer, je mehr Zeit vergeht, dass sich mein Körper inzwischen wieder erholt hat und ich etwas Widerstandskraft und einige Werkzeuge bekommen habe, um mit dem fertig zu werden, was kommen könnte.
Ich fühle keine Euphorie oder ein Gefühl von "Happy End"! Das Leben geht weiter, mit seinen Rückschlägen und Frustrationen und guten und glücklichen Momenten. Aber die sehr dunklen und beängstigenden Gefühle und Empfindungen sind verschwunden.
Paradoxerweise schaffe ich es, dankbar dafür sein, dass ich so viel gelernt habe, dass ich neue Bedeutungen für mein Leben entdeckt habe, dass ich herausgefordert worden bin und mir selbst beigebracht habe, mich einer ernsten Herausforderung zu stellen. Herausforderungen werden sicher noch mehr kommen im Leben ...
Danke nochmal an alle Leute, die hier sind. Ich weiß ein wenig, wie ihr euch fühlt. Bitte behaltet euch die Hoffnung und seid geduldig. Die Dinge werden sich ändern, wie sie es immer tun. Auch wenn du jetzt nicht daran glaubst.
Danke an die Moderatoren für diese wichtige und großherzige Arbeit. Ihr habt einen enormen Unterschied für mich gemacht.
Ich wünsche euch allen Genesung. Mögt ihr gesund und heil sein.
Viel Liebe euch allen
Notalwaysso
Hier der Originalbericht:
https://www.survivingantidepressants.or ... clusions/
Ein Jahr nach Null - Erfahrungen und Schlussfolgerungen
Mit 1. September 2017 bin ich ein Jahr frei von Lexapro (Escitalopram). (Ich ging auf Null nach 9 Monaten der allmählichen Reduzierung und hatte danach ungefähr 10 Monate schlimme Entzugssymptome). Ich bin sehr froh zu sagen, dass die Dinge viel viel besser geworden sind und dass ich ein Jahr nach dem vollständigen Entzug fast beschwerdefrei bin! All die Symptome, die ich hatte, Wellen, Brain Zaps, Angstattacken, Gefühle des Weltuntergangs, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Depressionen, sind verschwunden.
Ich genieße zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Gefühl von Stabilität und Wohlbefinden.
Das vergangene Jahr war enorm schwierig. Ich bin eine ältere Person und hatte meinen Anteil an schwierigen Zeiten im Leben. Und doch war das anders und lehrte mich doch so viel.
Ich möchte mit dir mein Lernen und einige der Prozesse, die ich durchgemacht habe, teilen.
Einer der Hauptgründe für meine Besserung war dieses Forum. Ich schreibe mit tiefer Dankbarkeit für euch, für das Teilen eures Leidens und eures Wissens und mit dem tiefen Wunsch nach Gesundheit und Wohlergehen für euch alle. Es IST möglich, gesund zu werden.
Im Folgenden findet ihr eine Liste der Faktoren, die mir geholfen haben, den Entzug (das Absetzsyndrom) zu überwinden. Sie sind nicht unbedingt in einer bestimmten Reihenfolge. Es wird ein bisschen lang werden, also entschuldige ich mich im Voraus.
Ich denke, diese Liste bestätigt nur alles, was ich in diesem Forum gelernt habe, aber trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, die Version von jedem Einzelnen zu hören ...
1. DIESES FORUM. Ich stolperte zufällig in dieses Forum, während ich im Internet nach Informationen über den Entzug suchte (es war mein zweiter Versuch, abzusetzen).
Ich fand dieses Forum extrem wichtig in der Bereitstellung von Informationen, Unterstützung, Ideen und HOFFNUNG. Es eröffnete mir eine neue Art zu denken. Es gab Tage in diesem Jahr, an denen das Anmelden und Lesen lebensrettend war. Ich fühlte mich nicht so allein und verrückt. Ich denke, es gibt andere Foren und Seiten, aber SA war meine Rettung, ohne Zweifel.
Ich lerne daraus: Hol dir so viele Informationen wie möglich über deinen Zustand und deine Symptome! Wissen ist Macht. Zweitens: Sei nicht alleine mit deinem Zustand.
Allein zu sein, schwächt und erschreckt dich. Teilen, Fragen stellen, über die Erfahrungen anderer lesen, ist eine starke Quelle der Unterstützung.
2. PHYSISCHE AKTIVITÄT. Es war eines der mächtigsten Werkzeuge in dieser Höllenzeit: Kontakt mit meinem Körper durch tägliche körperliche Aktivität.
In meinem Fall: tägliche Spaziergänge (mit intermittierendem Joggen) und Yoga. Diese Aktivität war sehr hilfreich, um mich von Angstgefühlen und Depressionen zu befreien.
Einfach nur draußen zu sein, etwas Natur zu sehen und zu atmen, hat eine enorme beruhigende Wirkung. Bitte beachten: täglich! Ich habe das tägliche Training nicht aufgehört, obwohl es mir jetzt besser geht, und ich werde nie aufhören. Ich genieße es so sehr.
Ich lernte so gut wie möglich eine starke Verbindung mit meinem Körper aufzubauen. Obwohl unser Körper während dem Entzug leidet, ist er einer unserer mächtigsten Verbündeten. Unser Körper weiß das!
3. ACHTSAMKEIT. Achtsame Meditation war auch eine Hauptsäule meiner Stärke. Ich meditiere schon seit ein paar Jahren, aber dieses Jahr habe ich mich regelmäßig damit beschäftigt (als Erstes am Morgen, jeden Tag, für mindestens 15 Minuten, bis zu 45 Minuten). Die Wirkung ist nicht nur entspannend, sondern es baut ein beständiges, stabiles, beobachtendes ICH auf, das nicht durch die emotionale Achterbahnfahrt geht. Langsam, aber sicher entwickelte ich ein winziges Ich, das sogar in den schlimmsten Momenten sagen konnte: Ich sehe, dass ich mich wie in der Hölle fühle ... aber ich identifiziere mich nicht mit den schlechten Gefühlen. Ich beobachte sie einfach und lasse sie sich mit der Zeit auflösen.
Ein großer Teil davon ist, nett und nicht urteilend zu dir selbst zu sein.
Ich habe gelernt: Wenn es überhaupt etwas Gutes daran gibt, ist dieser schreckliche Entzug eine tolle Gelegenheit, dich selbst kennen zu lernen und dich mit dir anzufreunden. Achtsame Meditation ist etwas, das ich für immer praktizieren werde. Es ist nicht nur enorm hilfreich, es ist eine Offenbarung. Es ist nichts Geringeres, als sich selbst und den Sinn des Lebens neu zu entdecken.
Übrigens gibt es eine Menge Literatur über die Verwendung von Achtsamkeit in Angst und Depression. Man kann im Internet darüber recherchieren. Ich empfehle Jon Kabat Zinn. Schau ihn dir auf youtube an. Er hat einige sehr gute Bücher geschrieben.
4. VERSTÄNDNISVOLLE MENSCHEN. Mit Menschen zusammen zu sein war im letzten Jahr nicht einfach. Ich distanzierte mich so ziemlich von jedem, bei dem ich aus irgendeinem Grund auch nur leicht eine schlechte Stimmung spürte. Ich ging nicht an belebte und laute Orte. ABER ich hatte das Glück, ein paar gute und großzügige Freunde zu haben, denen ich von meinem Zustand erzählte und die für mich auf viele Arten da waren: Anteil nehmen, telefonieren, bei mir sein, ermutigen ... Meine Familie war eine große Quelle der Hoffnung.
Meine Erkenntnis ist, dass es sehr wichtig war und ist, nicht allein zu sein, wenn das möglich ist. Ich habe gelernt, um Hilfe zu bitten (war bis dahin nicht meine Stärke). In der Tat habe ich gelernt zu akzeptieren, dass ich Hilfe von Menschen brauche. Und so hat mich dieser schreckliche Entzug näher zu meinen Lieben gebracht.
5. MEDIKAMENTE UND NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL. Über Medikamente: Im Laufe des Entzugs habe ich auch die PPI [Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol] entzogen, die ich seit 10 Jahren eingenommen habe (dank den Empfehlungen des Arztes). Ich bin also nun völlig frei von Medikamenten, was mich sehr glücklich macht. Meine Einstellung zu Medikamenten, Pharma, Ärzten und dem gesamten Bereich hat sich radikal verändert. Obwohl mir klar ist, dass es gute und lebensrettende Medikamente und Verfahren gibt, bin ich nun der Ansicht, dass sie nur dann gebraucht werden, wenn es absolut keinen anderen Weg gibt. Ich habe wirklich mein Vertrauen in das medizinische System verloren und werde versuchen, mich so weit wie möglich davon fernzuhalten. Ich werde, sofern es in meiner Macht steht, vermeiden, einen Arzt aufzusuchen. Ich entscheide mich für alternative Gesundheitsversorgung (Naturheilkunde, chinesische Medikamente etc.)
Nahrungsergänzungen: Omega half mir bei den Brain Zaps. Diese blieben mir lange erhalten und besuchen mich immer noch in schwächerer Form hier und da, besonders vor dem Einschlafen. Magnesium half bei Muskelschmerzen in der Nacht. Taurin half bei Morgenangst. Die Informationen über Nahrungsergänzungsmittel habe ich über das SA-Forum erhalten. Ich denke, es ist wichtig, seinen Vitamin-Mineralien-Spiegel zu überprüfen und sich über die Vorteile und Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln zu informieren. Es gibt so viel Hilfe von Ergänzungsmitteln, und die Ärzte wissen in der Regel nichts darüber. Oder lehnen es ab.
6. GUTE ERNÄHRUNG. Meine Erfahrung ist, dass eine gute Diät wirklich hilfreich war: Für mich war die Hauptsache die Beseitigung von Zucker aus meiner Ernährung, einschließlich Zucker aus bestimmten Kohlenhydraten, Alkohol usw. Die Vermeidung des Zuckers war sehr wirksam bei der Stabilisierung meines körperlich-mentalen Systems. Die Hauptbestandteile meiner Ernährung waren (und bleiben): Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Fisch. Und Tonnen von Wasser.
7. SCHLAFEN UND RUHE. Im Entzug hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben Schlafprobleme. Ich habe das vorher noch nie erlebt und war daher erschrocken. Ich kam damit zurecht, indem ich alle Arten von natürlichen Ergänzungen ausprobierte und gelegentlich eine Schlaftablette nahm, wenn es ganz schlimm wurde. Eine Zeitlang half Melatonin. Manchmal Baldrian. Dann Taurin und Magnesium zusammen genommen. Die Hauptsache für mich war, NICHT IN PANIK ZU GERATEN, wenn ich nicht schlafen konnte! Ich habe gelernt, wie bei jedem anderen Symptom, dass es sich nach einiger Zeit auflösen wird.
Ich blieb vor dem Schlafengehen fern von Bildschirmen, duschte warm, trank Tee, las gute Bücher, verdunkelte mein Schlafzimmer.
Noch wichtiger - ich habe versucht, mich bei der Arbeit oder anderswo nicht zu überanstrengen. Ausruhen war entscheidend. Ich verlangte nichts von mir, das mir zu schwierig war.
Dem Körper und Geist so viel Ruhe wie möglich zu geben, halte ich für sehr wichtig.
8. SYMPTOME. Die meisten meiner Symptome sind verschwunden. Sie verschwanden langsam und allmählich. Als einziges Symptom kommt mal hier oder da ein schwacher Brain Zap durch. Aber lange nicht wie vorher.
Die Abstände der Wellen und Fenster wurden größer, bis sie komplett verschwunden waren. Im Prozess wurde die Angst irgendwann von Depressionen abgelöst, so dass ich depressive Perioden gegen Monat 10 des Entzugs hatte.
Im Moment leide ich noch an Tinnitus, der beim Reduzieren entstand. Ich weiß nicht, ob es vom Entzug ist oder nicht. Ich versuche, ihn zu ignorieren.
Ich bin noch ziemlich empfindlich bei: lauten Geräuschen, starkem Licht, bestimmten Angst erzeugenden Ereignissen (Trennungen und Enden aller Art), Menschen, die mir nicht gut tun, überfüllte Orte.
___________
So, ich denke, das fasst es zusammen (Möglicherweise habe ich etwas vergessen). Wie ich am Anfang dieser Nachricht geschrieben habe, genieße ich jetzt ein allgemeines Wohlgefühl. Ich bin glücklich, dieses Syndrom überwunden zu haben. Ich behalte jedoch eine vorsichtige Einstellung, denn wer weiß, eine "Welle" kann jederzeit wieder auftauchen. Aber ich fühle mich sicherer, je mehr Zeit vergeht, dass sich mein Körper inzwischen wieder erholt hat und ich etwas Widerstandskraft und einige Werkzeuge bekommen habe, um mit dem fertig zu werden, was kommen könnte.
Ich fühle keine Euphorie oder ein Gefühl von "Happy End"! Das Leben geht weiter, mit seinen Rückschlägen und Frustrationen und guten und glücklichen Momenten. Aber die sehr dunklen und beängstigenden Gefühle und Empfindungen sind verschwunden.
Paradoxerweise schaffe ich es, dankbar dafür sein, dass ich so viel gelernt habe, dass ich neue Bedeutungen für mein Leben entdeckt habe, dass ich herausgefordert worden bin und mir selbst beigebracht habe, mich einer ernsten Herausforderung zu stellen. Herausforderungen werden sicher noch mehr kommen im Leben ...
Danke nochmal an alle Leute, die hier sind. Ich weiß ein wenig, wie ihr euch fühlt. Bitte behaltet euch die Hoffnung und seid geduldig. Die Dinge werden sich ändern, wie sie es immer tun. Auch wenn du jetzt nicht daran glaubst.
Danke an die Moderatoren für diese wichtige und großherzige Arbeit. Ihr habt einen enormen Unterschied für mich gemacht.
Ich wünsche euch allen Genesung. Mögt ihr gesund und heil sein.
Viel Liebe euch allen
Notalwaysso