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Endlich wieder ich selbst - Abilify die Zeit nach 0

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
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crazy
Beiträge: 70
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Endlich wieder ich selbst - Abilify die Zeit nach 0

Beitrag von crazy » Sonntag, 24.03.19, 11:45

Hallo zusammen,
seit knapp 2 Wochen bin ich jetzt komplett auf 0 mg. Ich habe ca. 1 Jahr ausgeschlichen von 5 mg Aripiprazol/Abilify.

Meine Mutter, die mich ja nun wirklich kennt, sagt, endlich bist du wieder mehr wie früher.

Wenn sie und meine Freunde mich nicht unterstützt hätten dabei, zu reduzieren, obwohl ich anfangs eingestellt wurde auf 12,5 mg, dann würde ich das heute noch nehmen.

Sowohl die Klinikärztin als die Tagesklinik danach gingen von einer schweren Psychose aus, in den Arztbericht schrieben sie sogar Schizophrenie. Und das nur, weil ich ehrlicherweise mich selbst eingewiesen hatte, und ehrlicherweise erzählte, ich würde unter anderem etwas hören, von dem ich aber wusste, dass es nicht real sei.

Eigentlich hatte ich mich also hilfesuchend eingewiesen. Und schon kam ich in die Maschinerie der Psychiatrie. Ich war ansonsten sportlich, schlank mit 65 kg, und ja auch halbwegs vernünftig, ich suchte mir ja die vermeintliche Hilfe. Es fand so gut wie keine Therapie statt, wie das in Akutpsychiatrien so ist, aber ich wurde hochdosiert. Anfangs eine gute Erfahrung, die Stimmen waren weg, ich konnte mich wieder besser konzentrieren. Allerdings schon bei anfangs 2,5 oder 5 mg. Man hätte mich an der Stelle auch entlassen können und ambulant weiterbetreuen.

Aber nein, die STANDARDdosis liegt bei Abilify zwischen 10-15 mg, manche Menschen bekommen bis zu 30 mg. Schon die 10 mg und später die 12,5 mg machten mich total platt. Ich schlief nur noch. Klar, angeblich die Negativsymptome. Ich musste in der Psychiatrie in die Psychoedukation, wo ich lernen sollte, wie meine Krankheit funktioniert. Sehr hilfreich, wenn einem Angst gemacht wird, dass man alle paar Jahre einen Schub bekommt und lebenslänglich krank ist, Medikamente nehmen muss.

Bei Diabetes mag das ja Sinn machen, aber die Dopaminhypothese heißt ja Hypothese, weil es wissenschaftlich eben nur eine Annahme ist. Ich frage mich bis heute, ob das wirklich die Ursache für eine Psychose ist. Es weiß ja auch niemand, warum das Dopamin, das angeblich vermehrt ausgeschüttet wird und durch die Neuroleptika wieder blockiert, warum es vermehrt ausgeschüttet wird. Aber anstatt dass Ärzte einem sagen, wir wissen es nicht genau, wird einem lieber das Psychoedukationsfilmchen gezeigt.

Mir leuchten nämlich Erklärungsansätze,die sich mit Viren oder Parasiten oder Infektionen der Mutter in der Schwangerschaft auseinandersetzen, viel mehr ein. Und dann kam in der Psychiatrie natürlich der Drogentest. Na klar, das wäre ja die beste Erklärung überhaupt. Da waren sie ja fast schon enttäuscht, als ich wirklich nichts nahm. Ich war wie gesagt freiwillig in der Psychiatrie, aber ich würde ab dem Zeitpunkt, an dem ich die Stimmen erwähnt hatte, nicht mehr als Mensch behandelt.

Und das kritisiere ich so sehr. Ich meine, es ist schwer genug in so einem Moment zu begreifen, was im eigenen Körper vorgeht. Aber ich würde nicht behandelt, sondern ruhig gestellt und verwahrt.Ich wurde an meinem 30. Geburtstag fixiert, weil der Pfleger in der Nachtschicht nicht mit mir sprechen wollte, nicht verstand, wie es sich anfühlt, an seinem runden Geburtstag in der geschlossenen Psychiatrie festzusitzen. Da kam mein rebellische Geist durch, ich habe die Stationstüre eingetreten. Mit ein bisschen Verständnis wäre das nicht passiert. Wer weiß, der wievielte Nachtdienst des Pflegers das war.
Ich musste Tavor nehmen, sonst hätten sie mir fixiert was gespritzt. Ich kann mich daran erinnern, ich war da zwar wütend, aber rechtlich bin ich mir nicht sicher, ob das in Ordnung war. Ich überlege heute noch, mich wenigstens bei der Beschwerdestelle zu melden.

Aber zurück zum Anfang, zu der Aussage meiner Mutter, dass ich ohne Medikamente endlich wieder ich selbst bin, wie früher. Und darauf kommt es an, dass es mir Jetzt besser geht und ich wieder lebensfroh in die Zukunft sehe.

Und eines habe ich gelernt für meinen Beruf als Sozialarbeiterin, den ich mittlerweile auch wieder ausüben kann. Es gibt für mich nicht mehr die klare Grenze zwischen dem Helfer und dem Klienten, wo der Helfer weiß, wie es geht und der Klient nicht.
Natürlich werde ich keinem Klienten meine Geschichte erzählen, das wäre unprofessionell.
Aber meine Geschichte hat mich geprägt und wenn ich nicht meine Familie und Freunde gehabt hätte, würde ich vielleicht heute auch nicht arbeiten können und bräuchte Sozialleistungen. Das kann jedem passieren.

Warum ich wieder mehr ich selbst bin, ich spiele z. B. wieder Klarinette, ich spiele wieder mit meinen Neffen, ich mache wieder Wäsche und Haushalt und bin nicht zu fertig dazu. Ich lache wieder mehr und meine Stimmung ist stabiler.

Das, was leider nicht wie früher ist, ist das Gewicht, 90 kg, so leicht geht das nicht wieder runter. Vielleicht ist das jetzt dran, 2 Wochen nach 0, wieder Sport zu machen. Aber jeder, der mal mehr gewogen hat, weiß, dass man auch ein bisschen schwerfällig wird. Ich bin gespannt, wie sich dieser Punkt noch entwickelt.

Wer auch hinter mir steht, ist mein Homöopath, er glaubt an eine Behandlung ohne Psychopharmaka, obwohl er auch Psychiater ist. Mit ihm habe ich noch Kontakt.
Mit dem ambulanten Psychiater muss ich noch vereinbaren, ob wir uns nach dem nächsten Treffen überhaupt noch sehen oder nur bei Bedarf. Er ist Schulmediziner, aber auch in Ordnung, war mit dem Absetzen einverstanden und hat mir die Lösung von Abilify verschrieben, was beim Absetzen wichtig war.

Wenn ich also jetzt auch noch mein asltes Gewicht wieder erreichen könnte, dann wäre ich wieder wie früher. Aber ganz die Alte bin ich dann trotzdem nicht mehr, ich habe mich aus der ganzen Sch..... rausgekämpft und das hat mich verändert. Lebendiger bin ich wieder, ja, aber mit mehr Lebenserfahrung, eben nicht wie früher.

Einen schönen Sonntag

Veronika
Zuletzt geändert von Jamie am Sonntag, 24.03.19, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Absätze zur besseren Lesbarkeit eingefügt
2008/09:Klinikaufenthalt mit Verdacht auf Psychose/Anpassungsstörung
Medikation: Zyprexa (0-0-5), nach 2 Wochen abgesetzt
2009: Klinikaufenthalt (psychosomatisch)
Medikation: 1,5 mg Risperidon (0-0,5-1)
2009/10: schrittweise Reduktion von 1,5 mg auf 1 mg auf 0,5 mg Risperidon
2010-2015: keine Medikamente

2015: Stimmenhören verbunden mit sehr belastender Situation, Arbeitslosigkeit. Klinikaufenthalt August 2015, Verdacht auf Psychose, 12,5 mg Abilify
2016/17: schrittweise Reduzierung von 12,5 auf 10 auf 7,5 auf 5 mg.
seit ca. März 2017: stabil auf 5 mg Abilify
Dez. 2017: Absetzversuch auf 3,75 mg dann auf 2,5 mg Abilify, Abbruch wegen erneutem Stimmenhören
Seit Dez. 2017: wieder stabil auf 5 mg Abilify
Symptome: keine
Nebenwirkungen: Müdigkeit, vereinzelt depressive Tage. Kinderwunsch.
sonstige Therapie: ambulante Gruppentherapie

29.04. Reduktion von 5 mg auf 4,5 mg mit der Wasserlösemethode
04.05. 5mg-5mg-2,5mg im dreitägigen Rhythmus, ø ca. 4,2mg
21.05.18 sehr hohes Schlafbedürfnis auch tagsüber
23.05. Einnahme abends wegen der Müdigkeit
01.06. 5mg-2,5mg im zweitägigen Rhythmus abends
06.06. 2,5mg-5mg-2,5mg im dreitägigen Rhythmus abends
psychotische Symptome:keine
aber: müde, gereizt, weinerlich
Homöopathie: Pulsatilla alle 4 Wochen
06.07.18 Umstellung auf Aripiprazol flüssig
3,0 mg abends
02.09.18 2,75 mg abends
10.11.18 2,5 mg morgens, Urlaub
Übelkeit, geruchsempfindlich, Müdigkeit, Grübeln, kein Kaffee mehr, kein Alkohol
20.11.18 zurück aus dem Urlaub, keine Übelkeit mehr,
Homöopathie: jetzt Calcium Carbonicum
27./28.11.18 Venen-Operation, 1 Nacht stationär, Spinalanästhesie und Novalgin/Ibuprofen
Homöopathie: Arnica, Staphisagria
Probleme mit dem Durchschlafen, tagsüber müde
29.11.18 2,0 mg Abilify morgens, früherer Absetzschritt, weil sowieso krank geschrieben
07.12.18 2,0 mg keine psychotischen Anzeichen, Gewicht: 84 kg
10.12.18 2,0 mg, gehe wieder arbeiten,
nachts noch teilweise Schmerzen, bei Bedarf Ibuprofen abends und Pantoprazol (Magenschutz) morgens
12.12.18 1,8 mg morgens
starke Gefühle, wütend
26.12.18 1,6 mg morgens
:schnecke:
Keine Therapie mehr (wegen Umzug zu weit weg)
09.01.2019 1,4 mg morgens
schlechte Laune, Einschlafprobleme, negative Gedanken, Müdigkeit
23.01.19 1,2 mg morgens
06.02.19 1,0 mg morgens
10.02. auf 11.02. nachts Einschlafprobleme :bettzeit: Baldrian Dispert zum besseren Einschlafen, als das nichts hilft 1,0 mg um 2 Uhr nachts
17.02.19 1,0 mg abends

Endspurt
20.02.19 0,9 mg abends
27.02.19 0,8 mg abends
03.03.19 0,4 mg abends
07.03.19 Medikament vergessen
08.03.19 0,2 mg abends
Homöopathie: veratrum Album C200
keine psychotischen Anzeichen, hohes Schlafbedürfnis, 88-89 kg
09.03.19 träge, komm nicht aus dem Bett, müde, Stimmung aber stabil, friere schnell, leichtes Kratzen im Hals, trockener Mund
Nahrungsergänzung: Floradix Eisen Folsäure Dragees
11.03.19 0,0 mg :party2:
müde, aber gut gelaunt

nach 0:
13.03.19 gar kein Kaffee mehr
14.03.19 mega viel Durst, gute Laune
24.03.19 veratrum album
05.03.19 veratrum album

Smilla
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Re: Endlich wieder ich selbst - Abilify die Zeit nach 0

Beitrag von Smilla » Sonntag, 24.03.19, 15:39

Hallo Veronika,

klingt gut, Gückwunsch!

Ich bin trotz oder mit PP jetzt 5 kg leichter, sogar unfreiwillig - vorher hatte ich mit Teilfasten und mir wohltuenden Lebensmitteln eigentlich mein Wunschgewicht schon erreicht, das war für mich eine ganz leichte Weise, 8 kg abzunehmen. Ich möchte Dir Mut machen, es ist hinzukriegen.

Wer das bisher so geschafft hat wie Du, für den ist bestimmt noch mehr drin.

LG Smilla
Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen. -Epiktet-


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