Klick auf das Kreuzchen um das hier auszublenden ->

Liebe Fories, liebe Interessierte,

seit 1.8.2019 gibt es Änderungen im Forum. Es ist nur noch teilweise öffentlich zugänglich. Ohne Anmeldung können nur die Rubriken "Informationen", "Neue Teilnehmer" sowie "Erfahrungsberichte" gelesen werden.

Die anderen Rubriken sind nur noch für registrierte Mitglieder einsehbar. Dazu gehört auch der Bereich "Ausschleichen von Psychopharmaka" mit Dokumentation der einzelnen Verläufe (Tagebücher) zum Absetzen von Antidepressiva, Neuroleptika und Benzodiazepinen. Hier findet Ihr alle Neuerungen und Änderungen. Hier steht alles Wichtige für noch nicht registrierte Interessierte.

Wir sind ein Selbsthilfeforum. Wer sich registriert, um einen eigenen Thread zu eröffnen, entscheidet sich auch dafür, sich aktiv mit den bereitgestellten Informationen auseinanderzusetzen. Neue Mitglieder bitten wir daher, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Grundlagentexte durchzulesen und anzueignen. Wer nach der Registrierung nur still mitlesen will, ist auch willkommen.

Ein Dankeschön an alle, die sich bereits aktiv in den Erfahrungsaustausch einbringen. Gegenseitige Unterstützung stärkt jede Selbsthilfegruppe.

Euer ADFD-Team

DGPPN: Antidepressiva absetzen – ein heikles Unterfangen mit hohem Rückfallrisiko

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
Antworten
Murmeline
Moderatorenteam
Beiträge: 14951
Registriert: Sonntag, 11.01.15, 13:50

DGPPN: Antidepressiva absetzen – ein heikles Unterfangen mit hohem Rückfallrisiko

Beitrag von Murmeline » Donnerstag, 08.12.16, 20:08

Auf dem Kongress der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde im November 2016 war "Antidepressiv absetzen" offenbar Thema. Darüber gibt es einen aktuellen Artikel.

Quelle: Antidepressiva absetzen – ein heikles Unterfangen mit hohem Rückfallrisiko. Medscape. 08. Dez 2016
http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4905551

Ausschnitte:
Die aktuelle Versorgungs-Leitlinie Depression befürwortet bei rezidivgefährdeten Patienten die Langzeittherapie mit Antidepressiva. Doch ist bislang gar nicht klar, ob dies langfristig wirklich rückfallverhütend wirkt – oder nicht sogar depressogen und das Rezidivrisiko erhöht.
„Ein eklatanter Mangel an Wissen“ bestehe bei diesem Thema, konstatierte Prof. Dr. Henrik Walter, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Charité Berlin, beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkundein Berlin [1 ]. „Wie so oft in der Medizin gibt es kaum Langzeitstudien – die bisherigen dauern ein halbes Jahr oder ein Jahr, und was über zwei Jahre läuft, ist schon ein Kolibri.“
Das hindert Ärzte nicht daran, mehr und mehr Antidepressiva zu verordnen: In den letzten 20 Jahren gab es laut Arzneiverordnungsreport 2015 einen Zuwachs von mehr als 500%. Und dies, „obwohl die Antidepressiva bei erwachsenen Patienten mit Major Depression häufig unzureichend wirken und bei Kindern und Jugendlichen fast gar nicht“, so Walter.
Dass das Absetzen von Antidepressiva mit einer erhöhten Rückfallrate einhergeht, ist unstrittig. Wobei sich die kritische Frage stellt: Ist dieses erhöhte Risiko womöglich auf die Wirkung der Antidepressiva selbst zurückzuführen? Viele Psychopharmaka haben derartige paradoxe Effekte.
Walter erinnerte daran, dass depressive Symptome nach Einnahme von Ecstasy beobachtet worden sind oder eine Zunahme von Angstsymptomen nach Anxiolytika-Absetzen – „warum sollte es bei Antidepressiva anders sein?“, meinte der Psychiater.
Die Überlegung ist, dass Antidepressiva durch Rezeptor-Hochregulation und Induktion intrazellulärer Signalkaskaden ein neues Gleichgewicht schaffen, das bei Absetzen zum Rebound führt. Das könnte außerdem zur Folge haben, dass sich im Laufe der Behandlung Toleranz einstellt, so dass die Wirksamkeit leidet oder die Patienten in eine bipolare Störung switchen.
Vom Rezidiv abzugrenzen sind Entzugssymptome, wie sie etwa bei Therapie mit selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) auftreten können. Das Spektrum reicht von grippeähnlichen Symptomen und Diarrhöen über Benommenheit, Kopfschmerz und Agitation bis hin zu Angst und Dysphorie – die Differenzialdiagnose kann entsprechend schwierig sein, vor allem bei Symptompersistenz. Die Symptome können je nach individueller Disposition Wochen bis Monate anhalten.
Diskutable Ausschnitte:
Für Walter ergibt sich daraus als Konsequenz, dass nicht abrupt, sondern ausschleichend abgesetzt werden sollte. Allerdings machen die Patienten oft den Behandlern einen Strich durch diese Strategie. „Die Erfahrung zeigt, dass Patienten ihre Antidepressiva absetzen, meistens ohne uns zu informieren“, sagte Walter.
Nach seiner Erfahrung treten die ersten Entzugserscheinungen bei den kurz wirksamen SSRI oft schon auf, wenn die Dosis reduziert wird: „Wer da keine Probleme bekommt, kann meistens rasch absetzen.“
(Die Symptome können je nach individueller Disposition Wochen bis Monate anhalten.) Vor allem kurz wirksame Substanzen sind dafür prädestiniert, während das lang wirksame Fluoxetin praktisch nie Probleme mache, berichtete Walter.
„Wenn Antidepressiva positive Effekte haben, beispielsweise auf das neuronale Wachstum im Hippocampus, könnte Absetzen tatsächlich kontraproduktiv wirken“, meinte der Psychiater.
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

Antworten