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Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Verfasst: 25.10.2004 16:33
von Oliver
Was in Deutschland und weltweit von 99,9% der Ärzte geglaubt und vertreten wird, bestimmt eine kleine Minderheit von Meinungsführern, welche als Koryphäen auf Ihrem Gebiet gelten. Bezogen auf Deutschland ist Ulrich Hegerl zweifellos einer der Meinungsführer zum Thema Depressionen und Antidepressiva.

Hier ist eine Auflistung seiner derzeitigen Funktionen:
  • Klinischer Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximlians-Universität München (Leitung der Depressionsstation, Leitung der Abteilung "Klinische Neurophysiologie" sowie der Arbeitsgruppe "Hirnfunktionsdiagnostik", Leitung der Ambulanz für Zwangsstörungen, Leitung der Ambulanz für Rückfallverhütung affektiver Störungen, Leitung der Forschungs-Ambulanz "Psychiatrie und Internet")
  • C3-Professur für Psychiatrie an der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Sprecher und Koordinator des Kompetenznetzes Depression.
  • Initiator und Sprecher der "European Alliance Against Depression".
  • Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Zwangsstörungen
  • Außerordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.
Wann immer in den Massenmedien über Depressionen und deren Behandlung berichtet wird, kann man davon ausgehen, dass Herr Hegerl nicht weit ist. Er wird nicht müde zu berichten, dass Antidepressiva nicht abhängig machen (ein paar Beispiele). Neuerdings meldet er sich auch in der Diskussion über die erhöhte Suizidgefahr zu Wort, weist auch diese Gefahr weit von sich und warnt vor unnötiger Panikmache.

Im Lichte des momentanen Wissensstandes sind die Ansichten des Herrn Hegerl höchst zweifelhaft, haben leider aber ein sehr großes Gewicht. Die große Zahl seiner offiziellen Funktionen mag erklären, warum er wahrscheinlich keine Zeit hat, sich wirklich selber mit den einzelnen Studien und der weltweiten Diskussion zum Thema zu beschäftigen.

Ich möchte zunächst selbst mal seine Stellungnahme ( http://www.kompetenznetz-depression.de/ ... hilfen.htm ) kommentieren. Im nächsten Posting äussert sich dann Peter Ankarberg - klinischer Psychologe in Schweden noch mal zu einer von Hegerls angeführten Studien.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Statement zur aktuellen Diskussion: Antidepressiva und Suizidalität

Die Wirksamkeit der Antidepressiva bei der Behandlung depressiver Patienten ist durch zahlreiche und methodisch recht sorgfältige Studien gut belegt. Zu Verunsicherung der Patienten und auch mancher Ärzte hat jedoch geführt, dass in der Öffentlichkeit in den letzten Wochen verstärkt diskutiert wurde, ob Antidepressiva Suizide und Suizidversuche auslösen können.
Die Verunsicherung ist durchaus berechtigt und die Suizidgefahr ist nur ein geringer Teil der SSRI-Problematik. Die Wirksamkeit der Antidepressiva ist gut belegt, das ist richtig und es ist belegt, dass sie nicht gerade umwerfend wirksam sind. Vor allen dingen ist aber nicht belegt, dass SSRI wirksamer als Trizyklika sind: Trizyklika sollten SSRI vorgezogen werden
In seinen Statements sagt Herr Hegerl "Antidepressiva" meint aber meist SSRI, er ignoriert völlig die Tatsache, dass es seit fast 50 Jahren Trizyklika auf dem Markt sind, welche zwar auch Nebenwirkungen haben, aber nicht in derartig problematischen Regionen wie SSRI. Darüber hinaus gibt es auch noch einige andere Antidepressiva.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Ausgelöst wurde die gegenwärtige Diskussion durch kritische Stellungnahmen von britischen und amerikanischen Arzneimittelbehörden zur Antidepressiva-Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. Diese kritischen Äußerungen basieren vor allem darauf, dass die Wirksamkeit von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen wenig untersucht ist und in mehreren Studien die Wirksamkeit gegenüber einem Scheinmedikament (Plazebo) nicht belegt werden konnte.
Bei Erwachsenen ist die Wirksamkeit von SSRI eigentlich genausowenig belegt, aber das dauert wohl noch eine Weile bis das offiziell anerkannt wird. Hier eine etwas radikalere Sicht auf das Thema Des Kaisers neue Medikamente
Es gibt aber auch Studien, die diese radikale Ansicht durchaus erhärten. Einige davon werden weiter unten erwähnt.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Hinzu kam, dass unter der Behandlung mit SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) bei Kindern und Jugendlichen das Auftreten suizidaler Impulse beobachtet wurde. Auch wenn es im Rahmen dieser Studien nicht zu Suiziden kam, so wurde diese Beobachtung vor dem Hintergrund der ungenügenden Wirksamkeitsbelege zum Anlass genommen, um vor dem breiteren Einsatz von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen zu warnen.
Was ja wohl absolut selbstverständlich sein sollte, wenn man die Wirksamkeit eines Medikaments nicht beweisen kann.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: In der sich entwickelnden Diskussion wurde das Thema dann auch auf die Gruppe der Erwachsenen ausgeweitet und kontrovers diskutiert.
Diese Diskussion gibt es weltweit schon seit mehreren Jahren. Spätestens seit die ersten Betroffenen selber Seiten ins Netz gestellt haben und von der Masse an Feedback von Menschen, die die gleichen Probleme mit SSRI hatten, überwältigt wurden. Die englische Sendung Panorama hat bereits im Jahre 2002 über die Probleme von Erwachsenen im Zusammenhang mit Paroxetin berichtet: Über die Panorama-Sendungen
Ulrich Hegerl hat geschrieben: In dieser Diskussion wurde in den Medien, aber auch von professioneller Seite vor allem die mögliche suizidinduzierende Wirkung von SSRI in den Vordergrund gerückt, z.B. unter Bezug auf einzelne Fallberichte aus den 90er Jahren, in denen unter einer Behandlung mit SSRI eine verstärkte Suizidalität beobachtet worden war.
Das die suizidinduzierende Wirkung in den Vordergrund gerückt wird ist doch klar, weil sensationsträchtig. Das stille Leiden Tausender ist nicht so newsträchtig wie ein einzelner medikamenteninduzierter Selbstmord. Dabei gehen aber leider die anderen Probleme mit SSRI (Abhängigkeitspotential, andere schwere Nebenwirkungen, mögliche Langzeitschäden und zweifelhafte Wirkung) völlig unter, obwohl diese eine weitaus größere Anzahl von Menschen treffen.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Zum Teil wurde gar vor einer eigenständigen suizidinduzierenden Wirkung der SSRI gewarnt und damit zahlreiche Patienten und Ärzte, die mit der Datenlage nicht vertraut sind, verunsichert.
Herr Hegerl ist mit der Datenlage eindeutig auch nicht vertraut. Kann er wie die meisten seiner Kollegen auch gar nicht sein, da die Rohdaten der Studien für Normalsterbliche gar nicht einsehbar sind - und das schließt Ärzte und Regulierungsbehörden ein! Der einzige Arzt den ich kenne, welcher im Rahmen eines Gerichtsverfahrens gegen SmthKline Beecham Einsicht in die Rohdaten der Paroxetinstudien hatte, ist Prof. David Healy und der hat keinen Zweifel mehr daran, dass SSRI sogar bei gesunden Menschen suizidalität auslösen können, er hat sogar ein Buch über die ganze Problematik geschrieben: Let Them Eat Prozac (http://www.healyprozac.com). Healy ist weltweit einer der wenigen anerkannten unabhängigen Experten für SSRI - er hat bisher 12 Bücher und über hundert Veröffentlichungen in großen medizinischen Zeitschriften zum Thema Psychopharmakologie und dessen Geschichte veröffentlicht.
Auch Leute, welche diese Wirkung am eigenen Leib erfahren haben oder es bei Angehörigen und Freunden beobachtet haben, haben keinen Zweifel an der Möglichkeit, dass SSRI Suizidalität ausklösen kann, aber diese Menschen werden ja leider sowieso nicht ernstgenommen.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Hinzu kam der Suizid einer Frau wenige Tage nach Absetzen einer hochdosierten Gabe eines Antidepressivums. Die Frau hatte als gesunde Probandin an einer Medikamentenstudie teilgenommen.
Ja? Und? Das heisst aber nichts, oder was? Es war nur ein ungünstiges Zusammentreffen eines vereinzelten Selbstmordes mit ein paar Studinergebnissen? Diese Frau ist bei weitem nicht die einzige. Es handelt sich hierbei um Tracy Johnson, die sich vier Tage nach dem Absetzen von Duloxetin erhängt hat, falls jemand ein wenig zu diesem speziellen Fall recherchieren will.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Für die Einschätzung und richtige Gewichtung derartiger Berichte müssen die folgenden Überlegungen und Fakten berücksichtigt werden:

- Eine neue, bisher nur auf Kongressen vorgestellte Studie aus Schweden (Isacsson et al) erlaubt die Abschätzung der Gefahr, die von SSRI hinsichtlich Suizidalität ausgeht. Über viele Jahre hinweg wurden in Schweden systematisch bei allen Menschen, die sich das Leben genommen hatten, Medikamentenanalysen durchgeführt. In der Altersgruppe bis 14 Jahre kam es zu 52 Suiziden. Bei 5 dieser Suizidopfer waren Antide-pressiva nachweisbar, bei keinem einzigen jedoch ein SSRI, und dies obwohl in dieser Altersgruppe SSRI am häufigsten zum Einsatz kommen (80%)! Die manchmal reißerisch verstärkte Sorge, dass durch SSRI Kinder in den Suizid getrieben werden, kann demnach zumindest für Schweden sehr klar ausgeschlossen werden.
Peter Ankarberg hat uns im folgenden Posting freundlicherweise aufgezeigt, warum diese Studie in keinster Weise aussagekräftig ist: http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?p=5133#5133
Ulrich Hegerl hat geschrieben: In zahlreichen Studien an Erwachsenen konnte gezeigt werden, dass es unter Behandlung mit SSRI oder anderen Antidepressiva zum Abklingen von Suizidgedanken und –impulsen kommt.
Ja?

Wo denn?

Welche denn?
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Depressionen gehen mit großem Leidensdruck und Hoffnungslosigkeit einher, so dass sich bei einem Großteil der Betroffenen suizidale Gedanken und Impulse einstellen, die nicht selten auch tatsächlich in suizidale Handlungen einmünden. Manche Betroffene mit schwersten Depressionen werden nur durch ihre Antriebslosigkeit an der Ausführung ihrer suizidalen Impulse gehindert.
Das ist das Totschlagargument in dieser Diskussion. wenn alle Stricke reißen, ist der Patient bzw. die Krankheit Schuld. Die zahlreichen Berichte über Menschen die vor der Einnahme von SSRI nicht suizidgefährdet waren (geschweige denn depressiv waren - schließlich werden SSRI ja mittlerweile für eine große Zahl von Symptomkomplexen verschrieben), scheinen Herrn Hegerl überhaupt nicht zu beeindrucken.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Vor diesem Hintergrund kann bei diesen hochgefährdeten Patienten auch die Einleitung einer Behandlung mit Risiken verbunden sein, da die Patienten mit Eintritt der ersten Besserung wieder genügend Antrieb erhalten, um ihre suizidalen Impulse umzusetzen. Dieses Risiko ist bekannt und gilt generell für die Phase der Besserung, gleich ob unter Antidepressiva, Psychotherapie oder in Folge des Spontanverlaufs.
Ich würde sehr gerne mal eine Studie sehen, die beweist, dass in der Besserungsphase einer Psychotherapie die Selbstmordwahrscheinlichkeit steigt, und selbst wenn es eine solche Studie gibt, beweist das noch lange nicht, dass SSRI nicht die Selbstmordwahrscheinlichkeit erhöhen können.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Dass dieses Risiko, wie bisweilen postuliert, unter der Antidepressivagruppe der SSRI größer als unter eher dämpfenden Antidepressiva ist, ist rein theoretisch nicht unplausibel. SSRI können den Antrieb steigern und bei einzelnen Patienten eine innere Unruhe hervorrufen. Die Daten sprechen jedoch dagegen, wie im nächsten Punkt gezeigt.
Diese innere Unruhe kann sogar so extreme Ausmasse annehmen, dass sie zu Gewalttaten, Selbstverletzungen und Mord/Selbstmord führen kann - Akathisie ist der medizinische Begriff dafür. In dem Gerichtsverfahren Tobin vs. SmithKline Beecham (heute Glaxo SmithKline) wurde z.B. Paroxetin für ein Mehrfachmord mit nachfolgendem Selbstmord verantworltich gemacht - das ist auch nicht der einzige Fall.
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?p=5165#5165
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?p=4735#4735
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Von Khan et al (2003) wurden rückwirkend die Studiendaten der amerikanischen Zulassungsbehörde für Medikamente (FDA) ausgewertet. In diesen Studien wurden mehr als 58 000 (!) Patienten mit Antidepressiva behandelt und alle ernsthaften Vorkommnisse genau dokumentiert. Patienten mit ernsthafter Suizidalität wurden in diese Studien aus ethischen Gründen nicht eingeschlossen. Das Suizidrisiko unter SSRI unterschied sich nun nicht von dem anderer Antidepressiva inklusive der älteren tri- und tetrazyklischen Antidepressiva (TZA). Hiermit kann so gut wie ausgeschlossen werden, dass SSRI in nennenswerter Weise Suizidalität neu hervorrufen. Wäre dies der Fall, so müsste sich dies in den Suizidraten zeigen. Allerdings ist auch festzuhalten, dass sich in diesen Studien die Suizidraten unter Plazebo ebenfalls nicht von denen unter einem Antidepressivum unterschieden.
Was die Aussagekraft der Daten in Bezug auf Suizidalität allerdings nicht sehr überzeugend aussehen lässt, ist folgende Passage in der erwähnten Studie:

Kahn et al (2003) hat geschrieben: We could not fully assess overall suicide risk as measured by suicidal ideation, suicidal impulsivity, suicidal gestures or attempts, or the ratio of suicide attempts to completed suicides in the study group, since much of these data were missing. Thus, the only possible conclusion supported by the present data is that prescription of SSRI antidepressants is not associated with greater risk of completed suicide.

Übersetzung
Wir konnten das Selbstmordrisiko nicht umfassend einschätzen - es wird mittels Selbstmordgedanken, suizidale Handlungen oder Selbstmordversuchen gemessen. Auch das Verhältnis von Selbstmordversuchem zu durchgeführtem Selbstmorden konnten wir daher nicht abschätzen. Die Daten dazu fehlten. Daher ist die einzige mögliche Schlussfolgerung auf Basis der vorhandenen Daten, dass die Verschreibung von SSRI nicht mit einem größeren Selbstmordrisiko einhergehen.
Die Daten fehlten also. Das liegt daran, dass Kahn et al überhaupt keinen Zugang zu den Rohdaten hatten. Die zeigen nämlich eindeutig, dass das Selbstmordrisiko durch SSRI durchaus höher ist, wie z.B. aus folgender Tabelle aus einem Paper von Healy et al 2001/2003 hervorgeht:

Bild

Bezogen auf alle SSRI gibt es also eine mehr als doppelte Erhöhung der Suizidalität im Vergleich zu Placebo. In Ihrem Paper weisen Healy et al unter anderem auch auf die Schwächen von Studien wie der von Kahn hin.

Dazu kommt noch, dass die meisten klinischen Studien die jetzt nachträglich zur Analyse herangezogen werden von vorn herein gar nicht darauf ausgelegt waren, Phänomene wie erhöhte Suizidalität oder Abhängigkeitspotenzial festzustellen. Selbstmordgedanken und Selbstmordversuche werden zum Beispiel gerne als "emotionale Labilität" oder gar nicht erst dokumentiert - wie ja auch aus Kahns obenstehender einschränkender Bemerkung klar wird.

Kahn selbst kommt in anderen Studien übrigens zu ganz anderen Ergebnissen:
( http://www.counterpunch.org/giombetti10292003.html ) hat geschrieben: Last year another Seattle area researcher Dr. Arif Kahn of the Northwest Center for Clinical Research colated the clinical trail data in the public domain for all the psychiatric drugs approved by the FDA for marketing from 1985--2000. Kahn found disturbingly high suicide rates among the 71,604 subjects who took the drugs in the clinical trials.

Übersetzung
Letztes Jahr hat Dr. Arif Kahn vom Northwest Center for Clinical Research die Daten aus allen klinischen Daten der FDA zugelassenen Psychopharmaka (zugelassen zwischen 1985 und 2000) zusammengetragen. Kahn fand erschreckend hohe Selbstmordraten bei den 71.604 Personen, die die Medikamente in klinischen Studien einnahmen.
Eine weitere Studie von Arif Kahn et al kommt zu dem Ergebnis, dass Antidepressiva die Selbstmordrate im Vergleich zu Placebo nicht senken.
( http://my.webmd.com/content/Article/23/1728_56673.htm?printing=true ) hat geschrieben: In the study, researchers analyzed data collected by the FDA from many drug studies over an 11-year period. They found that depressed patients who received a placebo in the studies were not at greater risk for suicide or attempting suicide than those given the actual antidepressant medication being studied. In addition, antidepressants did not reduce symptoms of depression substantially more than placebo.

Übersetzung
In der Studie, haben Forscher Daten von vielen klinischen Versuchen der FDA in einem 11-Jahreszeitraum zusammengetragen. Sie fanden heraus, das depressive Patienten welche Placebo erhielten nicht selbstmorgefährdeter waren als die Patienten welche Antidepressiva erhielten. Darüberhinaus reduzierten die Antidepressiva auch die Symptome der Depression nicht wesentlich.
Diese Studie zeigt also, dass man die Selbstmordrate mit Hilfe von Antidepressiva zumindest nicht senken kann. Auch konnte nicht gezeigt werden, dass Antidepressiva die Symptome der Depression wesentlich verbessern können ... und dies gilt auch für Erwachsene.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: In verschiedenen Ländern ist ein Zusammenhang zwischen der deutlichen Zunahme der Antidepressiva-Verschreibungen und Abnahme der Suizidraten gefunden worden. Derartige Zusammenhänge sind kein Beweis für eine suizidpräventive Wirkung der Antidepressiva, sie sind jedoch schwer mit der Vorstellung zu vereinbaren, dass Antidepressiva das Suizidrisiko erhöhen.
Es ist also kein Zusammenhang herstellbar, aber es besteht trotzdem ein Zusammenhang? Dieses Argument ist ein klassisches Verbrechen gegen die Logik! Ich veranschauliche das am besten an einem Beispiel ... ein fiktives Land - sagen wir mal Nimmerland. Dort nehmen sich in einem Zeitraum von 10 Jahren 1000 Menschen weniger das Leben als in den 10 Jahren davor, und zwar weil es mit der Wirtschaft bergauf geht, die Schulsysteme verbessert werden und Nimmerland halt einfach eine gute Zeit hat. In Nimmerland sind vor zehn Jahren aber auch SSRI auf den Markt gekommen aufgrund deren sich 500 Menschen mehr das Leben genommen haben. Ohne die SSRI hätten sich also 1500 Menschen weniger das Leben genommen. Was beweist das jetzt? Dass derartige Zusammenhänge also sehr wohl mit der Vorstellung zu vereinbaren sind, dass Antidepressiva das Suizidrisiko erhöhen, es handelt sich nur um einen rhetorischen Kniff, weil es einfach keinen Zusammenhang gibt! Es können weder negative noch positive Schlussfolgerungen aus diesen Zahlen gezogen werden, weil die erhöhte Anzahl von Selbstmorden durch SSRI durchaus durch positive Entwicklungen in anderen Bereichen maskiert werden können.

Nur noch eine kleine Anmerkung zum Thema was alles die Selbstmordrate beeinflussen kann: In einem Clinical Review im British Medical Journal von Gunnel et al (2004) (welcher übrigens zu einem ähnlichen Schluss wie ich in meinem Nimmerlandbeispiel kommt), wird angemerkt, dass die gleichbleibende Selbstmordrate bei jungen Männern durchaus eine Kombination aus weniger erfolgreichen Selbstmorden in modernen Autos mit niedrigeren CO Ausstosses in Kombination mit einer erhöhten Selbstmordrate durch SSRI entstehen kann.

Selbstmord ist etwas seltenes. Es bleibt etwas seltenes selbst, wenn sich das Suizidrisiko unter Einfluss von SSRI verdoppelt bis verdreifacht - was eher eine konservative Schätzung ist.

Aber nochmal: Die Ganze Diskussion um das Selbstmordrisiko verdeckt die weiter oben erwähnten Probleme, welche eine weitaus größere Anzahl von Menschen betreffen und zu der sich weder Herr Hegerl noch irgendein anderer Meinungsführer in Deutschland bisher zufriedenstellend geäußert hat.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Die depressiv Erkrankten neigen dazu, Veränderungen in ihrem Befinden und ihrer Umwelt äußerst negativ und als Ausdruck der Hoffnungslosigkeit der Situation zu interpretieren. Bei schwer Erkrankten genügen oft auch kleinste Anlässe als Anstoß zur Ausführung suizidaler Handlungen. Ein derartiger Anlass können natürlich auch alle, unter Antidepressiva auftretenden, Nebenwirkungen sein, seien dies Mundtrockenheit, Übelkeit, innere Unruhe oder anderes. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass es auch Berichte über einzelne Patienten mit Hinweisen auf einen Zusammenhang zwischen Beginn einer Antidepressivabehandlung und verstärkter Suizidalität gibt. Derartige Berichte könnten auch zu vielen anderen Ereignissen wie zum Beispiel dem Beginn einer Psychotherapie geliefert werden.
Also da bleibt mir die Spucke weg :shock: Mannomann was sind wir Depressiven doch für Weicheier - springen sofort von der Brücke, wenn der Mund trocken ist. Tut mir leid da kann ich wirklich nicht sachlich drauf antworten.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Fazit: Bei schweren Depressionen ist Suizidalität ein ständiger dunkler Begleiter. Zu Beginn der Behandlung einer schweren depressiven Episode ist besondere Aufmerksamkeit nötig, da die antidepressive Wirkung der Pharmako- oder Psychotherapie oft erst nach zwei bis vier Wochen deutlich wird, da auch leichtere Nebenwirkungen von Patienten im Rahmen der depressiven Erkrankung als dramatische Verschlechterung fehlinterpretiert werden können und da mit Besserung des Antriebs möglicherweise suizidale Impulse leichter umgesetzt werden können [...]
... da auch leichtere Nebenwirkungen von Patienten im Rahmen der depressiven Erkrankung als dramatische Verschlechterung fehlinterpretiert werden können ...
Man könnte es auch anders betrachten:
... da selbst massive Nebenwirkungen von Ärzten im Rahmen ihrer Ignoranz und Inkompetenz als nicht weiter wichtig fehlinterpretiert werden können ...
Dadurch nehmen viele Patienten ein Medikament weiter ein, dass ihnen eigentlich eher schadet als hilft und manche treibt es deshalb sogar in den Selbstmord, meist kurze Zeit nach einer Dosisänderung.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Antidepressiva können depressive Episoden zum Abklingen bringen und insbesondere das Risiko des Wiederauftretens reduzieren. Dies ist bei Erwachsenen unbestritten. Da suizidale Handlungen im Rahmen dieser depressiven Episoden auftreten, ist es mehr als plausibel, dass durch eine konsequente Pharmakotherapie Suizide und Suizidversuche verhindert werden können, auch wenn es aus methodischen Gründen schwierig ist, dies statistisch zu belegen.
Wie bereits aufgezeigt ist weder die Wirkung bei Erwachsenen unbestritten noch lässt sich vermuten, dass man mit konsequenter Pharmakotherapie Suizide und Suizidversuche verhindern kann.
Ulrich Hegerl hat geschrieben: Es wäre tragisch, wenn durch eine unausgewogene Diskussion in diesem Bereich Patienten verunsichert und eine oft lebensrettende Behandlung mit Antidepressiva unterbleiben würde.


Es wäre tragisch, wenn der Fokus auf die Suizidproblematik dazu führen würde, dass die Probleme, welche eine weitaus größere Anzahl Patienten betrifft (Absetzsymptome, schwere sexuelle Nebenwirkungen, Akathisie, Depersonalisation, Selbstverletzendes Verhalten, etc.) dadurch völlig unter den Tisch fallen würden. Ich würde gerne mit Herrn Hegerl hier eine ausgewogene Diskussion führen und lade ihn hiermit herzlich dazu ein.

Tatsache ist: SSRI können Selbstmordgedanken auslösen. Das Beweisen die Analysen der Rohdaten der klinischen Studien z.B. von GSK. Sogar gesunde Freiwillige wurden unter dem Einfluss von Paroxetin oder erst kürzlich Duloxetin in Studien suizidal und brachten sich um. Das beweist auch die Beobachtung einiger weniger wacher und kritischer Ärzte die es gottseidank auch noch gibt.

Linda, welche mit eigenen Augen bei ihrer Tochter gesehen hat, dass SSRI Suizidalität auslösen können, hat an Peter Ankarberg, klinischer Psychologe am Samtalscentrum Unga Vuxna, Repslagargatan 5A, S-611 30 Nyköping in Schweden geschrieben. Ein Beitrag von ihm wurde im August 2003 im British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht ( http://bmj.bmjjournals.com/cgi/content/ ... 7409/288-c ). Er kritisiert dort eine australische Studie, die zu ähnlichen Ergebnissen wie die schwedische, kommt.

Ihren Brief und Peter Ankarbergs Antwort darauf könnt Ihr im nächsten Posting lesen. Er zeigt uns in seiner Mail die Schwachstellen der Studien auf, welche Hegerl nennt, um seine Postion zu untermauern.

Alles Gute
Oliver

Verfasst: 25.10.2004 16:34
von Linda
Hier die Übersetzung meiner Mail:
Sehr geehrter Herr Ankarberg,

ich bin Gründerin einer Internet-Selbsthilfegruppe in Deutschland für Menschen, die unerwünschte Nebenwirkungen aufgrund der Einnahme von SSRI erlitten haben. Wir haben über 300 registrierte Mitglieder. Wir haben Verbindungen zu David Healy, Charles Medawar und anderen Gruppen auf der ganzen Welt. Meine 18-jährige Tochter hatte suizidale Tendenzen und extreme Gewaltphantasien während der Einnahme und beim Absetzen verschiedener SSRI. Ihre Symptome wurden von der Ärzteschaft in Deutschland nicht erkannt und unsere Bedenken bezüglich der negativen Auswirkungen der Medikamente abgewiesen. Als Engländerin war ich glücklicherweise in der Lage, Unterstützung in UK und den USA zu finden, da das Bewusstsein, dass diese Medikamente ernsthafte Reaktionen in manchen Menschen auslösen können, dort viel größer ist.

In Deutschland ist es leider der Fall, dass führende Ärzte sich weigern, die Möglichkeit zu akzeptieren, dass diese Medikamente manchen Patienten schaden können. Prof. Dr. Ulrich Hegerl, der das Kompetenznetz Depression in Deutschland mit finanzieller Unterstützung der EU leitet, zitiert öfters eine schwedische Studie von Isacsson et al, die angeblich beweist, dass SSRI nicht zu erhöhter Suizidalität führen kann. Seine Meinung wird öfters in den Medien zitiert. Wir haben Prof. Hegerl angeschrieben, um unsere Bedenken zum Ausdruck zu bringen, da wir der Meinung sind, dass die möglichen Gefahren dieser Medikamente mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden soll, damit die betroffenen PatientInnen mehr Verständnis erfahren. Er hat leider nicht geantwortet.

Da ich Ihren Beitrag in der Augustausgabe des BMJ gelesen habe, und sah, dass Sie in Schweden sind, wollte ich Sie fragen, ob Sie die Ergebnisse der Isacsson Studie kennen, und ob es andere schwedische Studien gibt, die die Möglichkeit untermauern, dass SSRI Suizidalität auslösen können, oder ob die Studie irgendwo diskutiert wird.

Wir wären für weitere Informationen sehr dankbar.

MFG

Linda Best
Gründerin, ADFD
Hier die Übersetzung seiner Antwort, die am nächsten Tag (!) eintraf:
Liebe Linda!
Die Ansichten, die Dr. Hegerl lt. Deiner Mail vertritt, lassen sich wissenschaftlich nicht untermauern. In der von Hegerl zitierten Studie fand Isacsson einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Zunahme von SSRI-Verschreibungen und einer Abnahme der Suizidfälle in Schweden. Das heißt, er hat im Grunde den gleichen Fehler wie Hall et al (1) gemacht, den ich in meinem Beitrag im BMJ kritisiere, auf den Du Dich beziehst. Wie Hall interpretiert Isacsson den zeitlichen Zusammenhang so, dass die SSRI für den Rückgang verantwortlich sind. Wissenschaftlich gesehen ist dies eine ungültige Interpretation, da andere Faktoren, die die Selbstmordrate beeinflussen weder von Isacsson noch von Hall berücksichtigt werden. Zusätzlich sind die Folgerungen von Isacsson nicht durch Daten aus anderen Ländern oder Daten aus klinischen Versuchen untermauert.
Daten aus anderen Ländern innerhalb und außerhalb Europas zeigen, dass eine Zunahme der SSRI-Verschreibungen teils mit einer Zunahme der Selbstmordrate, teils mit einer Abnahme und teils mit einer unveränderten Selbstmordrate einhergeht. Ein Beispiel stellen die Niederlande dar, in denen eine Steigerung der Verschreibungen von Antidepressiva um jährlich 12% stattfand – bei konstant bleibender Selbstmordrate. Eine gute Kritik der Hypothese, dass SSRI die Selbstmordrate verringern, findet man in van Praag (2), der auch eine gute Kritik über Isacsson liefert. Darüberhinaus gilt dies auch nicht für alle Altersgruppen bzw. alle Alters- und Geschlechtskombinationen, wenn in manchen Ländern ein zeitlicher Zusammenhang zwischen vermehrten SSRI-Verschreibungen und einer Abnahme der Selbstmordrate festgestellt wurde. Ein Beispiel ist Australien: Es gibt dort keinen Zusammenhang zwischen SSRI-Verschreibungen und einer Abnahme der Selbstmordrate bei jungen Erwachsenen oder Teenagern. Dort ist es sogar umgekehrt: vermehrte SSRI-Verschreibungen fallen zeitlich mit einer Zunahme der Selbstmordrate in dieser Altersgruppe zusammen. Ein weiteres Beispiel ist Amerika: Eine Zunahme der SSRI-Verschreibungen korreliert mit einer Abnahme der Selbstmordrate bei männlichen Jugendlichen, nicht aber bei weiblichen Jugendlichen (3). D.h., die Ergebnisse der epidemiologischen Studien sind widersprüchlich und unterstützen die Hypothese nicht, dass SSRI die Selbstmordrate senken.
Die Daten aus kontrollierten Versuchen in Amerika und den Niederlanden mit mehr als 60.000 Patienten, die an Depressionen litten (4-6) zeigten, dass die Selbstmordrate bei Patienten, die Antidepressiva nehmen, etwas höher ist als mit Placebo. Der Unterschied fällt statistisch nicht ins Gewicht und man kann nicht sagen, dass Antidepressiva die Selbstmordrate bei Erwachsenen erhöht; man kann aber schon sagen, dass Antidepressiva die Selbstmordrate bei depressiven Patienten nicht verringert. Für Kinder und Jugendliche zeigen die Daten von Studien mit mehr als 4.000 Patienten, dass Antidepressiva ineffektiv sind und das Auftreten suizidaler Symptome und suizidales Verhalten um 2-3% steigern (7-9). Das heißt, wenn man 100 depressive Kinder und Jugendliche, die SSRI einnehmen, mit 100 vergleicht, denen Placebo verabreicht wird, gibt es nach 6 - 8 Wochen keinen nennenswerten Unterschied bei den depressiven Symptomen beider Gruppen. Von der SSRI-Gruppe mit 100 Kindern würden 2 oder 3 mehr Kinder selbstmordgefährdet sein als in der Placebo-Gruppe mit der gleichen Anzahl von Patienten. Diese Daten veranlassten die FDA in den USA dazu, von den Herstellern zu verlangen, dass der Beipackzettel einen schwarz umrahmten Kasten mit dem Vermerk, dass Antidepressiva das Selbstmordrisiko bei Kindern und Jugendlichen erhöhen, enthält(10). Die FDA ist auch besorgt, dass die Hersteller Informationen zurückgehalten haben, und dass suizidales Verhalten in den Versuchen mit Kindern falsch klassifiziert wurde. Erst als unabhängige Forscher die Studien nochmals untersucht haben, wurde es klar, dass das Selbstmordrisiko existierte und auch so groß war. Die FDA wird jetzt die Ergebnisse der Versuche mit erwachsenen Patienten neu überprüfen, um zu sehen, ob suizidale Handlungen dort auch ignoriert wurden.
Wenn man alle Studien in Betracht zieht, wird es klar, dass es keine wissenschaftliche Grundlage für die Hypothese gibt, dass SSRI oder andere Antidepressiva das Selbstmordrisiko in allen Altersgruppen vermindert. Was Kinder und Jugendliche betrifft, wissen wir sogar, dass Antidepressiva das Selbstmordrisiko erhöhen. Da sie darüberhinaus bei Kindern und Jugendlichen ineffektiv zur Behandlung von Depressionen sind, scheint es offensichtlich, dass das Risiko die Vorteile überwiegt, und dass es keinen Anlass mehr gibt, depressiven Kindern weiterhin Antidepressiva zu verschreiben.
Ich hoffe, dass mein Brief informativ war, und dass er Dir hilft, das Bewusstsein für die Risiken der SSRI und andere Antidepressiva in Deutschland zu stärken.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Ankarberg


1. Hall WD, Mant A, Mitchell PB, Rendle VA, Hickie IB, McManus P. Association between antidepressant prescribing and suicide in Australia, 1991-2000: trend analysis. British Medical Journal 2003; 326
2. van Praag. Why has the antidepressant era not shown a significant drop in suicide rates. Crises 2002; 23(2): 77-82.
3. Olfson M et al. Relationship between antidepressant medication treatment and suicide in adolescents. Arch Gen Psychiatry 2003; 60: 978-82.
4 Khan A, Khan S, Kolts R, Brown WA. Suicide rates in clinical trials of SSRIs, other antidepressants, and placebo: Analysis of FDA reports. Am J Psychiatry 2003; 160: 790-92.
5 Khan A, Warner HA, Brown WA: Symptom reduction and suicide risk in patients treated with placebo in antidepressant clinical trials: An analysis of the Food and Drug Administration database. Arch Gen Psychiatry 2000; 57: 311-317.
6 Storosum JG, van Zwieten BJ, van den Brink W, Gersons B, Broekmans AW. Suicide risk in placebo-controlled studies of major depression. Am J Psychiatry 2001; 158: 1271-75.
7. Whittington CJ, Kendall T, Fonagy P, Cotrell D m fl. Selective serotonin reuptake inhibitors in childhood depression: systematic review of published versus unpublished data. Lancet, 2004; 363:1341-45.
8. Jureidini JN, Doecke CJ, Mansfield PR, Haby MM m fl. Efficacy and safety of antidepressants for children and adolescents. BMJ, 2004; 328: 879-883.
9. Lenzer J. FDA panel urges ”black box” warning for antidepressants. BMJ 2004; 329: 702.
10. FDA statement on recommendations of the psychopharmacologic drug and pediatric advisory committees. http://www.fda.gov/bbs/topics/news/2004/NEW01116.html

Verfasst: 25.10.2004 18:53
von Oliver
Hier ist die englische Originalversion des Briefes von Peter Ankarberg.
Dear Linda!

The position that Dr Hegerl takes according to your letter is not supported by research. In the study by Isacsson that he quotes Isacsson has found a correlation in time between increasing prescriptions of SSRI and decreasing suicide rates in Sweden. That is he has done much the same as Hall et al (1) that I criticise in the letter in BMJ that you refer to. Like Hall Isacsson interprets the correlation in time to mean that SSRI has caused the drop in suicide rates. This is an invalid interpretation on scientific grounds since there are no way Isacsson or Hall can control for other factors that might affect the suicide rates. In addition to this Isacssons conclusion are not supported by data from other countries or by data from clinical research.
Data from other countries both in Europe and elsewhere show that an increase in SSRI prescriptions sometimes correlates with an increase of suicide, sometimes with a decrease and sometimes the suicide rates do not change at all. One example is the Netherlands where antidepressant use has increased by 12% on a yearly basis at the same time the suicide rates have not changed. A good critique of the hypotheses that SSRIs decrease the suicide rates can be found in van Praag (2) who also gives a good critique of Isacsson. In addition to this it is also the case that even in countries where there is an overall correlation in time between increased SSRI subscriptions and decreasing suicide rates this correlation tends not to be valid for all ages or all combinations of age and gender. One example is Australia where the correlation between SSRI and decreasing suicide rates does not exist for younger adults or teenagers. Here there is the opposite correlation that is increased SSRI correlates with increasing suicide rates. Another example is the USA where increased SSRI prescriptions correlates with decreased suicide rates for adolescent boys but not for adolescent girls (3). To summarise the findings from epidemiological studies they are inconsistent and do not support the hypothesis that SSRI reduce suicide rates.
Data from controlled trials of more than 60 000 depressed patients in the USA and the Netherlands (4-6) show that there is a slight increase in suicide rates among patients that are taking antidepressants compared to those that are taking placebo. The difference is not statistically significant so you can not say that antidepressants increase the suicide rates for adults but you can say that antidepressants do not decrease suicide rates among depressed patients. For children and adolescents data from more than 4000 children in controlled trials show that antidepressants are ineffective and increase the amount of suicide related symptoms and behaviour with 2-3% (7-9). This means that if you compare 100 depressed children and adolescents given SSRI with 100 given placebo there would not be any significant difference in depression after 6 to 8 weeks. Among the 100 given SSRI 2 or 3 more children would have become suicidal as compared to the 100 children given placebo. This is the data that has led the FDA in USA to require all antidepressants to carry a black box on the package where it is written that antidepressants increase suicide risks among children and adolescents (10). FDA is also concerned that drug manufacturers have withheld information and misclassified suicidal behaviour as something else in paediatric trials. It was when independent researchers looked at the studies again that it became obvious that the increase in suicide risk was there and so great. FDA is no going to look at all adult trials in the same way to see if suicide related events have been ignored there as well.
Taken into account all studies it is obvious that there is no scientific support for the hypothesis that SSRI or other antidepressants decrease the risk of suicide in any age group. For children and adolescents we know that antidepressants increase the suicide risk. Since they in addition are ineffective in treating depression among children and adolescents it seems obvious that the risk outweighs the benefits and that there could be no valid reasons to continue prescribing antidepressants to depressed children.
I hope that you find my letter informative and that it will help you in your efforts to increase the awareness in Germany on the risks that SSRI and other antidepressants have.

Best wishes
Peter Ankarberg

[Quellenangaben identisch wie deutsche Übersetzung]

Herr Hegerl ist scheinbar nicht sehr kommunikativ ...

Verfasst: 03.02.2005 19:34
von Oliver
... keine Antwort ist auch 'ne Antwort :?

Zwei Monate sind seit meiner herzlichen Einladung zur Diskussion vergangen und noch länger seit wir Herrn Hegerl angeschrieben haben - er ist wahrscheinliuch einfach zu wichtig :(
Das Statement zur Suiziddebatte steht immer noch unverändert auf der Seite des Kompetenznetzes Depression und auf die ständig neuen Warnungen in Bezug auf Entzugssymptome und Nebenwirkungen wird nirgends auf den Seiten des Kompetenznetzes eingegangen ... was soll man davon halten?

Oliver

Mehr als 1 /12 Jahre gingen nun ins Land

Verfasst: 15.06.2006 22:49
von Oliver
... und das (In)Kompetenznetz Depression ignoriert weiterhin die sich immer weiter häufenden Hinweise auf die verantwortungslose Massenverschreibung von SSRI für alle möglichen und unmöglichen Symptomkonstellationen ...

Echt Peinlich ...
Oliver

Verfasst: 16.06.2006 08:25
von CloneX
Was heißt peinlich... So funktioniert Vertuschung. Und nicht Rede und Antwort zu stehen ist doch ein generelles Prinzip von Leuten, die Dreck am Stecken haben.

Verfasst: 16.06.2006 09:39
von amanda
Stellt euch doch mal vor WAS PASSIERT wenn an die breite Öffentlichkeit kommt daß SSRI/ SNRI und/ oder andere Antidepressiva ein 7 fach erhöhtes Suizidrisiko verursachen?????
Es könnten zahlreiche Hinterbliebene endlich Zweifel bekommen ( wohl mit Recht ) zu Ärzteaussagen wie z.B.:
Ihr Familienmitglied war eben so schwer seelisch krank und deshalb hat er Suizid verübt.......... :evil:
oder : Die Beschwerden sind Krankheitssymptome KEINE Nebenwirkungen oder Absetzsymptome :sick:

Ich weiß bis heute nicht wie ich es geschafft habe damals noch Lebensmut zu haben bei den schweren Nebenwirkungen und Absetzsymptomen.

Aus diesem Grund sollte jeder der Psychopharmaka einnimmt oder einen Angehörigen hat der Psychopharmaka einnimmt sich selbst über die verabreichten Medikamente informieren ( weitere Tips unter dem Thema: Selbstschutz vor Fehlbehandlungen und Fehldiagnosen ( Bereich Diskussionen)

AMANDA :twisted:

Januar 2007

Verfasst: 03.01.2007 12:01
von PhilRS
Inzwischen schreiben wir das Jahr 2007, und die nun als "Kompetenznetz Depression, Suizidalität" firmierende Organisation bietet immer noch keine stichhaltigen Argumente. Vor dem Hintergrund, dass seit Mitte 2006 harte Fakten zur Suizidalitätssteigerung durch Antidepressiva auf dem Tisch liegen, kann ich das nur als beredtes Schweigen bezeichnen.

Bei der Suche nach Äußerungen von Prof. HEGERL findet man nur obiges Statement (Permanentlink).

Beim nochmaligen Lesen fällt folgende schlimmstmögliche Formulierung ins Auge:
Bei schwer Erkrankten genügen oft auch kleinste Anlässe als Anstoß zur Ausführung suizidaler Handlungen. Ein derartiger Anlass können natürlich auch alle, unter Antidepressiva auftretenden, Nebenwirkungen sein, seien dies Mundtrockenheit, Übelkeit, innere Unruhe oder anderes.
Nur durch die lange Erfahrung mit "Argumentationen" dieser Art kann ich glauben, dass ein angesehener Psychiatrieprofessor diese Sätze ernst meint. Denn es ist ein eindeutiges Anti-Argument, HEGERL bestätigt ja gerade die Antidepressiva als Auslöser: ohne die Medikamente würden demnach solche Suizide nicht vorkommen.

Im übrigen handelt es sich nur um eine Mutmaßung, wie auch dieses gesamte Statement eine substanzlose Zumutung ist. Wenn die Kompetenz nicht ausreicht, wenigstens das eigene Gesicht zu wahren, zu was taugt dann das Kompetenznetz?

Wir warten weiter auf eine Stellungnahme gegenüber der Öffentlichkeit.

-PhilRS.

Update: NERVENARZT 1/2007 - von Hegerl nichts Neues

Verfasst: 23.01.2007 18:51
von PhilRS
WICHTIG: Im aktuellen Heft des DGPPN-Organs Nervenarzt (1/2007) steht ein vermeintlich aktueller Artikel von Prof. HEGERL zum Thema: "Antidepressiva und Suizidalität - Nutzen-Risiko-Abschätzung" [1].

Der Text stammt von vor Juni 2006 (online publiziert 22.6.2006) und geht nicht auf die durch die neuen Daten seit Mai 2006 entstandene Lage [2] ein. Statt dessen wiederholt H. dieselben Mutmaßungen wie 2004 (s.o.). Der Volltext ist unter dem Link kostenfrei abrufbar, und wir könnten ihn sicher an dieser Stelle sezieren. Der Nutzen wäre allerdings gering, da eine Stellungnahme HEGERLs zu den brisantesten Fakten weiterhin fehlt.

Nur zur Illustration der Qualität des Beitrags von H. ein Satz aus dem Abstract:
Bei Erwachsenen gibt es keinen Grund, an der suizidpräventiven Wirkung der Antidepressiva zu zweifeln.
Wenn dem so ist, dann liegen bestimmt beeindruckende Beweise vor?! Dazu schrieb HEGERL kurz zuvor als Co-Autor eines Reviews im US-Ärzteblatt JAMA:
... meta-analyses of RCTs have generally not detected benefit for suicide or suicide attempts in studies of antidepressants in mood and other psychiatric disorders, perhaps due to the low base rate of suicidal behavior and insufficient systematic screening for suicidal behavior since reliance on spontaneous reporting underestimates rates of suicidal behavior. (...) Few studies prospectively identified suicidal behavior as an outcome measure and systematically assessed it throughout the RCT. [3]

(Hervorheb. d.Verf.)
Zu deutsch: Es gibt keine Beweise aus kontrollierten Studien, und man hat nicht mal ordentlich auf suizidales Verhalten geachtet - es könnte sogar verstärkt worden sein, ohne dass es aufgefallen wäre. Im Artikel [1] bemerkt H. nur trocken:
Harte Belege dafür, dass Antidepressiva Suizide verhindern, fehlen jedoch ebenfalls.
Aber niemand soll an der "suizidpräventiven Wirkung" der Antidepressiva zweifeln. Hier wird Wissen durch Glauben "ersetzt" - entgegen der Datenlage.

Problem: Der Nervenarzt richtet sich als DGPPN-Mitgliederzeitschrift an niedergelassene Psychiater. Gerade solche, die von den aktuellen Daten nur vom Hörensagen eine Ahnung haben (solche Hinweise gab's im Forum), könnten HEGERLs Beitrag für eine aktuelle Bewertung halten und sich vielleicht gar danach richten.

Gefährlicher Leichtsinn oder Absicht?

- m.E. auf jeden Fall ein trauriger Vorgang und ärgerlich für Diejenigen, die vom Kompetenznetz-Sprecher eine kompetente Würdigung der aktuellen Entwicklung erwarteten.

-PhilRS.
<hr>
[1] Der Nervenarzt 2007 (1):7. || gespiegelt: Volltext (PDF)
[2] ADFD-Information: SSRI steigern Suizidalität auch bei Erwachsenen (+Folgebeiträge).
[3] JAMA. 2005;294:2064-2074.

EDIT 11.4.2007: PDF-Link zum Hegerl-Statement /EDIT

danke!

Verfasst: 23.01.2007 22:51
von Marsupilami
Hallo Phil und Linda,


<3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3

vom M.!!

Update 9/2007: Nachweis von SSRI bei Suizidopfern

Verfasst: 20.09.2007 12:02
von PhilRS
In seiner oben erwähnten Stellungnahme im "Nervenarzt" zitierte U. HEGERL (erneut) eine 2005 publizierte schwedische Studie, wonach sich bei schwedischen Kindern, die sich suizidierten, kein SSRI im Blut nachweisen ließ. Was HEGERL nicht erwähnt, ist der hohe Anteil von SSRI und anderen Antidepressiva im Blut von erwachsenen Suizidopfern, der in derselben Studie berichtet wird. Demnach hatten von 14.857 erwachsenen Suizidopfern 3.411 (23%) Antidepressiva im Blut, wiederum die Hälfte davon waren SSRI. Das waren mehr als doppelt soviel AD-Nachweise wie in der Kontrollgruppe (1.538).[1]

Im aktuellen J Clin Psychiatry kommt jetzt eine ähnliche Untersuchung zu frappierend ähnlichen Ergebnissen: Bei allen erwachsenen Suizidopfern in New York 2001-2004 wurden Blutproben auf Antidepressiva untersucht und die Tests waren bei 23,1% positiv. Aufgrund einiger Ausschlusskriterien könnte die tatsächliche Zahl höher liegen.[2]

Die am häufigsten festgestellten Substanzen waren hier: Sertralin (5,8%), Citalopram (5,4%), Bupropion (4%), Paroxetin (2,5%), [TZA...], Venlafaxin (2,2%) und Fluoxetin (1,9%). Eine Rangfolge der Gefährlichkeit lässt sich daraus nicht ableiten, dazu müsste man die Verschreibungshäufigkeit berücksichtigen.

Eine weitere forensische Studie zu Stürzen aus großer Höhe (davon etwa 85% als Suizide klassifiziert) kommt aktuell zu ähnlichen Ergebnissen: Benzodiazepine, Antidepressiva und andere Psychopharmaka waren in unterschiedlichem Maße bei über der Hälfte der Suizidopfer nachweisbar.[3]

FAZIT:
Ein weiteres entscheidendes Argument des InKompetenznetz-Sprechers HEGERL verkehrt sich bei genauem Hinsehen ins Gegenteil. Antidepressiva, darunter neuerdings v.a. SSRI, sind bei ca. jedem vierten Suizid im Spiel.


[1] Acta psychiatrica scandinavica 2005;111(4):286. Volltext (PDF)*
[2] Journal of Clinical Psychiatry 2007;68(9):1399. Volltext (PDF)*
[3] Am J Forensic Med Pathol. 2007;28(3):262. PubMed

* Das öffentliche Interesse an lebenswichtigen Gesundheitsinformationen überwiegt das Profitinteresse einzelner Verleger. Darum mache ich in Eigenverantwortung die Texte zugänglich. Aktenzeichen einschlägiger höchstrichterlicher Urteile liegen vor. /-PhilRS.

Fortsetzung: Psychopharmakotherapie als Risikofaktor?

Verfasst: 20.09.2007 13:32
von PhilRS
Entschuldigung: Im Folgenden begebe ich mich auf das Niveau von Spekulationen hinab, wie sie sonst nur in "renommierten" Fachzeitschriften wie dem American Journal of Psychiatry verbreitet werden.
<hr>
Es wird geschätzt, dass 50% aller Suizidopfer sich zum Zeitpunkt der Selbsttötung in psychiatrischer Behandlung befinden.[4]

Dazu zählen zwangsläufig die 23% Suizidanten, die unter Antidepressivaeinfluss Suizid begehen, da Antidepressiva verschreibungspflichtig sind und einen Arztbesuch erfordern.[siehe oben]

Obwohl alle entsprechenden Leitlinien den Einsatz von Antidepressiva bei schweren Depressionen vorsehen und Kampagnen wie die des InKompetenznetz Depression mit hohen Suizidzahlen für den Einsatz von Antidepressiva bei Suizidalität werben, sollen die Verschreibungsraten bei den 50% psychiatrisch behandelter Suizidopfer deutlich geringer sein als 100% (d.h. nicht jeder Behandelte bekam Antidepressiva, woraus folgt, dass die 23% AD-Opfer mehr als die Hälfte der AD-Behandelten ausmachen - Referenzen bei [4], PDF S.11).

Das führt zu folgendem Schluss:
Der größte Teil der Suizidopfer, die zum Zeitpunkt des Todes in medikamentös-psychiatrischer Behandlung sind, nimmt sich unter Antidepressiva-Einfluss das Leben.

Sind Antidepressiva daher der größte Risikofaktor für Suizid während psychiatrischer Behandlung?!


[Spekulation: Ende.]

[4] Annals of General Psychiatry 2007, 6:23. Abstract/Volltext

-PhilRS.

Re: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Verfasst: 30.03.2011 15:19
von bewell
Huurraaa Hurraaaa !!!!!! :o

Ich liebe Euch !!!!

endlich endlich.....hach....Ihr seid KLASSE !! <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3 <3
LG
bewell

ganz hin und wech....

AD-induzierte Suizide - jetzt ist genug Gras drüber gewachse

Verfasst: 17.02.2012 00:25
von xonatas
Suizidgefahr bei Jugendlichen
Entwarnung für Antidepressiva
07.02.2012, 11:04
Von Christian Weber
Jahrelang gingen Psychiater davon aus, dass einige Antidepressiva das Suizidrisiko von Jugendlichen erhöhen. Eine neue Analyse zeigt nun: Die Medikamente verstärken Suizidgedanken bei jungen Patienten nicht. Sie mildern sie allerdings auch nicht - und wirken damit anders als bei Erwachsenen. usw......

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die Mülltonne, aus der ich den Schund herausgekramt habe ..... http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/s ... -1.1277037

Re: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Verfasst: 16.12.2013 07:57
von hannibal
Hi Ihr,

hab mich grad über diesen Unsinn geärgert:
http://www.deutsche-depressionshilfe.de ... 131122.pdf

Es heisst in der Pressemitteilung:
"Diese Zusammenhänge zwischen Änderungen von Verschreibungsraten von Antidepressiva und entsprechende Änderungen von Suizidraten sind eindrücklich, erlauben andererseits aber noch nicht den Rückschluss, dass hier eine direkte kausale Beziehung besteht."
Allerdings hat die Pressemitteilung genau den Zweck diesen kausalen Zusammenhang dem Leser zu suggerieren.

Wenn man sieht, dass seit 2007 die Suizidrate wieder steigt
http://commons.wikimedia.org/wiki/File: ... d80_11.png
und gleichzeitig die AD Verodrnungen rasant zunehmen
http://www.dgppn.de/fileadmin/user_uplo ... Fritze.pdf
ergibt sich nicht mal mehr eine zeitliche Korrelation.

Gruss,
Hannibal

Re: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Verfasst: 16.12.2013 20:46
von Oliver
... der Herr Hegerl wieder *seufz*

danke Hannibal - sieht nicht so aus, als würde sich da mal fundamental was ändern - Über 9 Jahre seit dem ersten Beitrag hier im Thread und die leiern immer noch das gleiche Zeug runter, nur dass es jetzt noch lächerlicher ist als damals :(

Alles Gute
Oliver

Re: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Verfasst: 16.12.2013 22:05
von hannibal
Ja, auch interessant wie Prof. Hegerl die bei leichten und mittelschweren Depressionen nicht nachgewiesene Wirksamkeit von AD wegdiskutiert:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/studi ... n-1.291343

Wer so fadenscheinig argumentiert wie in obiger Pressemitteilung und in dem SZ Interview, scheint keine handfesten Argumente zu haben.

Re: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Verfasst: 17.12.2013 11:00
von Leila
Hallo Oliver,

ich weiß ihr seit die totalen AD Gegner. Nur last mich kurz ein paar Sätze schreiben.

Was macht ihr mit all den Menschen, die, da sie an einer schweren Depression erkrankt sind keine ADs nehmen

und trotzdem massive Suizidgedanken haben?

So ging es mir 1989, da gab es nicht die modernen ADs und ich hatte es ohne Medikamente versucht, der Zustand wurde jedoch immer schlimmer.

Suizidgedanke ist ein Symptom einer ganz schweren Depression.

Leila

Re: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Verfasst: 17.12.2013 11:29
von hannibal
Hey Leila,

inwieweit AD bei sehr schweren Depressionen sinnvoll sind will ich nicht beurteilen.

Es heisst aber, dass es in Deutschland 4 Mio. Depressive gibt und es heisst auch, dass in Deutschland 4 Mio. Menschen AD nehmen.
Vermutlich sind die meisten davon nicht schwer depressiv.

Mich stört schlichtweg, wenn undifferenziert jedem Depressiven geraten wird AD zu nehmen.

Beste Grüsse,
Hannibal

Re: Suiziddebatte - kommentiertes Statement von Prof. Hegerl

Verfasst: 17.12.2013 20:06
von Leila
[Sorry Leila - ich bin zu dohf um "ändern" und "zitieren" auseinanderzuhalten (die Knöpfe liegen beim Admin direkt nebeneinander)- habe auf Deinen Beitrag antworten wollen und ihn stattdessen geändert :(]

und das vermisse ich hier im Forum, hier wird nicht unterschieden zwischen leichter, mittlerer und schwerer Depression.
Das ist auch nicht unser Job.

Das ADFD hat zwei Funktionen:

1. Menschen eine Plattform geben, die sich gegenseitig beim Absetzen von Psychopharmaka unterstützen wollen.
2. Menschen die eine Entscheidung treffen müssen, ob sie mit der Einnahme von ADs beginnen sollen, kritische Informationen zu geben und damit ein Gegenwicht zu den zigtausen AD-Jubelseiten und AD-Jubelforen zu bilden.

Fertig.

Das hier verlinke ich immer wieder gerne: http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=12&t=1811

Alles Gute
Oliver