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Nebenwirkungen "moderner" Antidepressiva

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Oliver
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Nebenwirkungen "moderner" Antidepressiva

Beitrag von Oliver » Montag, 18.05.15, 1:52

Die Nebenwirkungen der neueren Antidepressiva beruhen großenteils auf denselben Wirkmechanismen wie die erwünschten "Hauptwirkungen". In der Fachliteratur wird daher der Begriff unerwünschte Arzneimittelwirkungen (kurz UAW) bevorzugt.

Grundsätze

Die beiden wichtigsten Gruppen der neueren Antidepressiva - die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und die Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) - unterscheiden sich nicht bzw. nicht wesentlich hinsichtlich ihrer unerwünschten Wirkungen [1]. Dieser Überblick erfasst deshalb beide Substanzgruppen gemeinsam; spezielle Risiken weiterer Einzelstoffe wie z.B. von Mirtazapin werden in besonderen Beiträgen erläutert.

Die meisten unerwünschten Wirkungen der neueren Antidepressiva betreffen das Zentralnervensystem (ZNS) des Menschen, in erster Linie das Gehirn und damit die Psyche, aber auch das vegetative Nervensystem und somit weitere Körperfunktionen wie die Verdauung oder den Blutkreislauf, ferner auch das Immunsystem.

Nervensystem und Psyche

Änderungen des Antriebs

Alle SSRI und SNRI können stark antriebssteigernd wirken und innere Unruhe, Agitiertheit ("getriebenes" Verhalten) bis zu verstärkter Angst und Panik hervorrufen. Sie können manische oder hypomanische Zustände auslösen.

Bei manchen Anwendern treten Schläfrigkeit, Benommenheit und andere Bewusstseinsstörungen auf. Fälle von Koma sind beschrieben.

Alle neueren Antidepressiva können Schlafstörungen verursachen, vor allem Schlaflosigkeit und vermehrtes bzw. verändertes Träumen.

Qualitative Bewusstseinsstörungen

SSRI und SNRI können Halluzinationen, Depersonalisations- und Derealisationserleben auslösen. Psychotische Reaktionen sind möglich.

Suizidalität

Alle Antidepressiva - auch die älteren Substanzen - können die Suizidneigung erhöhen oder Suizidgedanken bis zum Selbsttötungsversuch auslösen.

Näheres im Hauptartikel Antidepressiva und Suizidalität.

Entzugserscheinungen

Zu schnelles oder gar abruptes Absetzen der neueren Antidepressiva führt sehr häufig zu Entzugserscheinungen. Näheres im Hauptartikel Entzugssymptome.

Bewegungsstörungen

Alle neueren Antidepressiva können unwillkürliche Bewegungsstörungen verursachen, darunter Akathisie (Sitzunruhe oder Bewegungszwang), Tremor (Zittern) und Symptome ähnlich denen der Parkinson-Erkrankung. Eine bestehende Parkinson-Erkrankung kann durch SSRI und SNRI verschlimmert werden.

Weitere ZNS-Symptome

Kopfschmerzen treten unter den neueren Antidepressiva sehr häufig auf. Epileptische Anfälle sind möglich. Schwindel ist eine häufige Nebenwirkung, ebenso Konzentrations- und Denkstörungen.

Depressionen können durch alle Antidepressiva verstärkt werden. Näheres dazu unter Pharmakogene Depression.

Verdauungssystem

Appetitänderungen

Appetitabnahme und Gewichtsverlust werden unter Einnahme von SSRI/SNRI beobachtet, daneben auch Gewichtszunahme.

Magen-Darm-Probleme

Übelkeit ist unter neueren Antidepressiva häufig. Erbrechen und Schluckstörungen können vorkommen. Durchfälle treten häufig auf.

Weitere Symptome am Verdauungssystem

Mundtrockenheit tritt bei Einnahme neuerer Antidepressiva häufig auf.

Bei Diabetikern kann es zu Hypoglykämien (Unterzuckerungen) kommen.

Blut und Kreislaufsystem

Herz und Kreislauf

Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) und erhöhter Blutdruck können auftreten. Hypertensive Krisen (gefährlich erhöhter Blutdruck) sind beschrieben. Der Blutdruck kann aber auch erniedrigt sein, orthostatische Dysregulation (Blutdruckabfall beim Aufstehen) ist möglich.

Angina-pectoris-Anfälle, Herzinfarkte und Durchblutungsstörungen des Gehirns mit plötzlichem Bewusstseinsverlust (Synkope) können nach Einnahme von SSRI/SNRI auftreten.

Blut

Blutbildveränderungen kommen nach Einnahme neuerer Antidepressiva gelegentlich vor, darunter Verringerung der weißen Blutzellen (Leukopenie) oder der Thrombozyten (Thrombozytopenie).

Gerinnungsstörungen können durch SSRI und SNRI ausgelöst oder verschlimmert werden.

Hyponatriämie (eine lebensgefährliche Elektrolytverschiebung) kann nach Einnahme von Antidepressiva auftreten. Näheres zum Risiko von SSRI und SNRI unter Hyponatriämie.

Gefäßsystem

SSRI und SNRI können eine gefährliche Gefäßentzündung (Vaskulitis) verursachen, welche die Haut und lebenswichtige Körperfunktionen erfassen kann.

Die neueren Antidepressiva können eine Weitstellung der Gefäße (Vasodilatation) bewirken.

Haut und Hautanhänge

Haut

Großflächige Hautausschläge (Arzneimittelexanthem) können nach Einnahme neuerer Antidepressiva auftreten. Selten, aber sehr gefährlich sind exfoliative Dermatitis und toxische Epidermiolyse (Blasenbildung und Ablösung der Haut).

Vermehrtes Schwitzen kann unter allen Antidepressiva vorkommen. Juckreiz und Urtikaria (Nesselsucht) treten auf.

Haare

Alopezie (Haarausfall) kann nach Einnahme von neueren Antidepressiva auftreten.

Urogenitalsystem

Harnwege

Schwierigkeiten beim Wasserlassen treten unter SSRI und SNRI auf, sie können bis zum Harnverhalt reichen. Vermehrter Harndrang mit Abgabe kleiner Urinmengen (Pollakisurie) ist beschrieben.

Sexualfunktion

Störungen der Sexualfunktion sind unter neueren Antidepressiva häufig, darunter Libidoverminderung, Potenz- und vor allem Ejakulationsstörungen.

Sinnesorgane

Auge

Alle neueren Antidepressiva können Sehstörungen verursachen. Akkomodationsstörungen (v.a. Mydriasis, Weitstellung der Pupille) und verschwommenes Sehen kommen vor.

Tastsinn

SSRI und SNRI können Missempfindungen (Parästhesien), Kribbeln der Haut oder Frösteln verursachen.

Geschmackssinn

Störungen des Geschmackssinns, darunter Geschmacksverlust, sind unter neueren Antidepressiva beschrieben.

Immunsystem

Stoffe, die über die Serotoninwirkung in die Immunfunktion (z.B. über die Thrombozyten) eingreifen, können akute und chronische Immunreaktionen auslösen. Unter einigen SSRI sind Fälle von Serumkrankheit (akute Immunstörung), unter L-Tryptophan sowie Oxitriptan (5-HTP) sind langanhaltende Immunreaktionen mit Muskelschmerzen (Myalgien) beschrieben. Solche Immunerkrankungen mit der Möglichkeit des Übergangs in chronische Autoimmunstörungen sind wegen des Wirkprinzips auch unter SSRI/SNRI denkbar.

Weitere Risiken

Ein Serotonin-Syndrom kann in sehr seltenen Fällen unter alleiniger Einnahme eines Antidepressivums auftreten; die meisten Vorkommnisse sind aber durch Kombination von Antidepressiva mit anderen Wirkstoffen mit Wirkung auf den Serotoninspiegel bedingt.

Näheres im Hauptartikel Serotonin-Syndrom.

SSRI und SNRI in der Schwangerschaft

Die Einnahme neuerer Antidepressiva in der Schwangerschaft ist gefährlich für das Kind! Zu den besonderen Risiken siehe SSRI und Schwangerschaft.

Quellen

[1] Mitteilung von Wolfgang BECKER-BRÜSER, Arzt und Apotheker, Herausgeber des http://www.arznei-telegramm.de, März 2006.

Für diesen Artikel wurden die deutschen Fachinformationen zu Fluoxetin (SSRI), Paroxetin (SSRI) und Duloxetin (SNRI) verwendet, außerdem Informationen aus dem arznei-telegramm.

Category:Warnung Category:Informationen

Oliver
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Registriert: Freitag, 10.10.03, 23:58

Re: Nebenwirkungen "moderner" Antidepressiva

Beitrag von Oliver » Montag, 18.05.15, 1:57

importiert aus ADFD.wissen

Autor: PhilRS
Erstveröffentlichung: 10.12.2006
Letze Bearbeitung: 10.12.2006

Michael808
Beiträge: 77
Registriert: Mittwoch, 18.09.19, 20:02

Re: Nebenwirkungen "moderner" Antidepressiva

Beitrag von Michael808 » Donnerstag, 03.10.19, 17:37

Hallo allerseits,
gibt es die gesonderten Beiträge zu Mirtazapin noch? Ich habe den oben gesetzten Link angeklickt, aber die Adresse scheint nicht mehr zu bestehen und leitet zur Startseite von ADFD weiter.
LG
Michael
Durch Hausarzt wegen Depression Mirtazapin 15mg verordnet bekommen (9.5.2019); erste Woche 7,5mg, dann volle Dosis für 6 Wochen. Antidepressiver Effekt: nicht eingetreten; schlaffördernde Wirkung bereits nach 3. Woche nicht mehr gegeben. Heftige Verspannungen, Muskelzuckungen und Krämpfe stellten sich ein. Nach 6 Wochen begonnen auszuschleichen: Erste 2 Wochen 7,5mg, dann im Abstand von je einer Woche um ca. 1/8 der Gesamtdosis reduziert. Bereits nach Halbierung der Dosis unbegründete Angstattacken, Zucken am Augenlied für 2 Wochen. Verspannungen, Gelenkbeschwerden auch 4 Monate nach Beginn de Einnahme noch vorhanden und gefühlt immer stärker (heute 19.9.2019)

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