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Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 18.05.2015 22:35
von Oliver
Bevor die Diagnose Depression (engl. Major Depressive Disorder, MDD) gestellt wird, müssen andere Krankheiten und Zustände ausgeschlossen werden, die depressive Symptome bzw. das klinische Bild einer "endogenen Depression" auslösen können.[1]

Die Behandlung der Grunderkrankung ist dann als kausale Therapie (=die Ursache beseitigende Behandlung) der Symptomunterdrückung durch Antidepressiva vorzuziehen; in manchen Fällen ist der Einsatz psychotroper Substanzen bis zur Beseitigung der Grunderkrankung sinnvoll.

Die folgende Auswahl solcher Differenzialdiagnosen der Depression entstammt der finnischen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Depression und einem Artikel der Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie [3]. In Finnland sind wegen der dort extremen Häufigkeit depressiver Zustände die Erfahrungen und auch die öffentliche Wahrnehmung des Problems weiter entwickelt als in anderen europäischen Ländern.[2]

Krankheiten und Mangelzustände

*Hirninfarkt, Schlaganfall
*Vitaminmangel (B1, B2, B6, B12, Eisen und D)
*Folsäuremangel
*Diabetes mellitus
*Homocysteinämie
*Hypo- und Hyperthyreose (Schilddrüsenerkrankungen)
*Hypo- und Hyperparathyreose (Nebenschilddrüsenerkrankungen)
*Morbus Addison, M. Cushing (Nebennierenerkrankungen)
*Morbus Wilson (Kupferspeichererkrankung)
*Niemann-Pick Typ C
*Parkinson-Krankheit
*Porphyrie
*Koronare Herzkrankheit
*Zustand nach Herzinfarkt
*Krebserkrankungen (besonders Pankreas-Ca)
*Temporallappen-Epilepsie
*Urämie

Pharmakogene Depression

*Anabole Steroide (Anabolika)
*Neuroleptika
*Betablocker
*Östrogene (weibliche Hormone)
*Digitalis
*Clonidin
*Kortikosteroide
*Methyldopa
*Ranitidin, Cimetidin
*Reserpin

Die umfassendste Liste von depressionsauslösenden Medikamenten im deutschen Internet bietet das ADFD unter Pharmakogene Depression.
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... 385#p10385

Drogengebrauch

*Alkohol
*Amfetamine
*Ecstasy (MDMA)
*Kokain

Quellen

* [1] Depression in Primary Care, Volume 1. Detection and Diagnosis. Clinical Practice Guideline, AHCPR (Agency for Health Care Policy and Research, US-Regierungsinstitut)
* [2] Finnische Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Depression (in finnischer Sprache, Auszug übersetzt f. ADFD)
* [3] Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

Category:Informationen

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 18.05.2015 22:37
von Oliver
importiert aus ADFD.wissen

Autor: PhilRS
Erstveröffentlichung: 15.1.2007
Letze Bearbeitung: 19.7.2007

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 27.05.2015 14:54
von Markus 77
Das ist sehr wichtig wenn das passiert denn es passiert soviel blödsinn...!

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 01.07.2015 16:46
von Jamie
Die Liste sollte ergänzt werden mit Vitamin D bei Mangelzuständen.
Das ist mittlerweile gut erforscht.

LG
jamie

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 01.07.2015 17:01
von Oliver
Jamie1979 hat geschrieben:Die Liste sollte ergänzt werden mit Vitamin D bei Mangelzuständen.
Das ist mittlerweile gut erforscht.
Danke Jamie - ist ergänzt.

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 25.01.2016 11:58
von Oliver
Hier ist ein Artikel aus dem Spiegel, der als Beispiel dienen kann, dass Depression oft die einfachere Diagnose ist und vor allem bei Frauen die Ursachenforschung zu schnell eingestellt wird:

Ein rätselhafter Patient: Vermeintlich depressiv

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 25.01.2016 12:45
von LinLina
Ich würde gern noch Eisenmangel zur Liste hinzufügen, was meint ihr?

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 25.01.2016 18:20
von Arianrhod
Mir wurden in der Neurologischen Klinik noch

- Hirntumore (deshalb sollte immer ein Kopf- MRT gemacht werden)
- Hormonumstellung in den Wechseljahren
- Fibromyalgie
- Neuroborreliose

genannt.

Hier ein Überblick, was der Arzt eigentlich alles abchecken müsste, bevor er die Diagnose "Depression" stellt:
http://www.medizin-wissen-online.de/ind ... depression

liebe Grüße Arianrhod

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 25.01.2016 22:06
von Murmeline
Ich setze hier mal noch einen Querverweis auf die Liste der Medikamente, die depressive Symptome auslösen können: http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=6&t=1880

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 06.01.2018 11:18
von Neverthelessw11
Guten Morgen,

bei Mangelerscheinungen: Bei mir verwechselte meine Hausärztin einen massiven Natriummangel mit "rezidivierenden Depressionen" :roll: . Ein Natriummangel kann extreme Müdigkeit, Verwirrtheitszustände und Bewusstseinsstörungen auslösen. Die Apothekenumschau schreibt weiterhin
Bei zu niedrigen Werten können Persönlichkeitsveränderungen, Verwirrtheit, Kopfschmerzen und Bewusstlosigkeit auftreten.
Hier möchte ich auf die Persönlichkeitsveränderung auch nochmal hinweisen!

Gerade, wenn man bereits "psychiatrisch" vordiagnostiziert wurde, sollte man massiv auf die Überprüfung der Blutwerte bestehen, auch wenn vieles für eine Wiederkehr von psychiatrischen Symptomen spricht. Meine Verwirrung, die Denkunfähigkeit und die extremste Müdigkeit verbesserten sich unter Salzeinnahme (eklig, aber hilfreich) deutlich.

Als Info: 135 bis 145 mmol/l wären die normale Natriumkonzentration im Blut. Mein Wert lag bei der extremsten Messung bei nur 117, meine Ärztin meinte, dass es mir noch viel schlechter hätte gehen müssen. Völlig logisch, wenn einem die Wichtigkeit von Natrium und Kalium für die Nervenleitprozesse bewusst ist.

LG Never

PS: Für einen deutlichen Kaliummangel gilt ähnliches.
PPS: Ein Natriummangel ist allerdings in der heutigen Zeit sehr selten (Durchfallerkrankungen, ältere Menschen....). Bevor ihr wie ich eine salzarme Diät macht, um euren Körper vor Bluthochdruck etc zu schützen, lasst den Natriumwert bestimmen! Bei mir ging das total nach hinten los.

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 01.07.2021 22:16
von asiatin
Hallo Oliver,
was für Tests ganz genau müsste man machen lassen, um diese ganze Erkrankungen von deinem allerersten Beitrag in diesem Thema ganz oben ausschließen zu können? Und beim Bluttest was für Werte müssen dafür getestet werden? Bei welchen Spezialisten?
Ich bin eben wegen dem schweren depr. Symptomen noch mehr überfordert, wenn ich diese Liste sehe, zumal ich nicht weiß, was für Erkrankungen von welchen Organen usw. sind. Ich weiß aber, es ist sehr wichtig.
LG

Re: Differenzialdiagnose der Depression

Verfasst: 01.07.2021 22:51
von padma
hallo Asiatin, :)

der Beitrag, den du meinst wurde von PhilRS verfasst, der ist schon lange nicht mehr im Forum. Oliver :) hat ihn nur hier reinkopiert.

Wenn du vermutest, dass etwas davon bei dir vorliegt, besprich das am besten mit deinem Hausarzt.

liebe Grüsse,
padma