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Arzneimittel-News / Forschungs-News
Verfasst: 10.10.2013 01:33
von Jamie
In diesem Thread sollen künftig neue Forschungsergebnisse rund um Arzneimittel vorgestellt werden.
Vorrangiges Interesse sollen natürlich Psychopharmaka-Themen haben, aber es gibt auch noch jede Menge relevante andere Medikamente für uns und es lohnt sich Bescheid zu wissen.
Jeder darf gerne etwas posten, allerdings mit der Bitte um eine
seriöse Quelle.
Reine Spekulationen aus Foren oder Diskussionsrunden sowie Einzelmeinungen und unbewiesene Theorien sind der Sache nicht dienlich.
Quellen wie internationale Fachjournale, das Ärzteblatt oder die Pharmazeutische Zeitung, das Arzneimittel-Telegramm, DocCheck etc. sind in der Regel jedoch seriös und verlässlich.
Beiträge ohne Quellenangabe werden kommentarlos gelöscht. Urheberrecht und Seriosität halte ich für gleichermaßen wichtig; ich denke, ihr auch.
Grüße
Jamie
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 10.10.2013 01:42
von Jamie
1. Beitrag: Hypomagnesiämie (Magnesiummangel) unter PPI-Einnahme
Es mehren sich Hinweise, dass Menschen, die langfristig Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wie Omeprazol, Pantoprazol etc. einnehmen, häufiger unter einem signifikanten Magnesiummangel leiden.
Neuste Forschungsergebnisse legen nahe, dass ein Teil der Patienten selbst mit einer Magnesiumsubstitution ihren Mangel nicht ausgleichen können, sodass man über den Abbruch der PPI-Behandlung nachdenken muss.
Gründe, weshalb man erst jetzt diese Erkenntnisse gewinnt, liegen unter anderem darin, dass z.B. Wadenkrämpfe, die häufig durch Magnesiummangel entstehen, dem Arzt nicht gemeldet, sondern selbst behandelt werden (sich in der Apotheke ein Mg-Präparat kaufen), sodass man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen muss.
Wer also dauerhaft PPI einnehmen muss und unter Symptomen eines Magnesiummangels leidet, der sollte unbedingt seinen Arzt kontaktieren und Wert auf eine Magnesiumbestimmung (Bluttest) legen.
Quellen:
1.
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/4 ... nhibitoren
2.
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/i ... p?id=37102
3.
http://www.ifap.de/arzneimitteltherapie ... tiger-ppi/
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 10.10.2013 09:48
von carriecat
Hallo,
danke für die Info. Was heißt in dem Zusammenhang langfristig?
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 10.10.2013 10:04
von Jamie
carriecat hat geschrieben: was heißt in diesem Zusammenhang langfristig?
länger als 3 Monate.
Grüße
Jamie
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 12.10.2013 19:06
von Jamie
2. Beitrag: Die "Pille" (orale Kontrazeptiva) ist / sind Folsäure und Vitamin B- "Fresser"
Es ist schon lange bekannt, dass Frauen, die längere Zeit mit oralen Kontrazeptiva ("Pille") verhüten, häufig einen Folsäure-Mangel aufweisen.
Oft ist dieser subklinisch; das heißt, im Blutbild ist der Folsäurewert im Normalbereich, aber de facto bestehen die Symptome eines Mangels.
Der Folsäuremangel kommt zustande, weil die Hormone die Folsäureaufnahme in der Darmschleimhaut stören bzw. zu einer schlechteren Verwertung führen (das Enzym Folsäure-Dekonjugase wird gehemmt) und zusätzlich wird die Ausscheidung der Folsäure über die Nieren beschleunigt.
Ferner wird bei langjähriger Pilleneinnahme oft auch ein Mangel an B-Vitaminen festgestellt; vor allem das Vitamin B6 fehlt, aber auch die Vitamine B2 und B12.
Wer dauerhaft mit der Pille verhütet, sollte B-Vitamin -und Folsäure- reiche Nahrungsmittel essen und Folsäure am besten auch supplementieren.
In der Regel sind Folsäurepräparate oft auch mit B-Vitaminen kombiniert (z.B. Folio).
Sofern kein Kinderwunsch besteht (besteht in der Regel nicht, wenn man mit der Pille verhütet

...) ist eine tägliche Supplementierung mit 400µg Folsäure ausreichend; wer einen Vitamin B -Mangel vermutet, der kann sich auch zusätzlich ein B-Vitamin-Kombipräparat kaufen.
Aber Achtung

: Bei manchen Menschen, die Benzos, AD oder NL ausschleichen, verschlimmern sich die Absetzsymptome durch die Einnahme von B-Vitaminen (anderen wiederum hilft es). Also bitte ausprobieren, wie man reagiert.
Quellen:
http://news.doccheck.com/de/14346/pille ... frauber-2/
http://www.biogena.at/media/pts/6/Studi ... oVitB6.pdf
Grüße
Jamie
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 27.10.2013 23:35
von Jamie
3. Beitrag: Erkältungs-Komplex-Präparate
Jetzt beginnt wieder die Zeit der Erkältungen und grippalen Infekte.
In den Apotheken gibt es einige Präparate, die als "all-in-one" beworben werden; zum Beispiel gleichzeitig wirksam gegen Husten, Schnupfen, Schmerzen und Fieber bzw. Halsschmerzen etc.
Einige dieser Präparate enthalten den Nasenschleimhaut-abschwellenden Wirkstoff (Schnupfen-lindernden Wirkstoff) Pseudoephedrin.
Auch ein bekanntes Allergiepräparat bei Heuschnupfen / Pollenallergie enthält als Kombipräparat Pseudoephedrin.
Pseudoephedrin ist ein hoch potentes, zentral wirksames Stimulanz, um das man als AD, NL und Benzo- Einnehmenden einen sehr großen Bogen machen sollte.
Bei Erkältungsbeschwerden kann ich nur den Rat geben, diese symptomatisch zu behandeln (Monopräparate): leichtes Fieber gewähren lassen, da es das Immunsystem stimuliert die Abwehr auf Hochtrab zu bringen, Schmerzen (Kopf, Hals, Glieder) bei Bedarf mit Analgetika (ASS, Ibuprofen oder Paracetamol) behandeln; diese Substanzen sind auch allesamt fiebersenkend.
Die am stärksten fiebersenkende Wirkung hat Paracetamol; zusätzlich entzündungshemmend sind auch ASS und Ibuprofen (Paracetamol nicht!).
Gegen Halsschmerzen schmerzlindernde, desinfizierende oder befeuchtende Lutschpastillen lutschen; starken Schnupfen abends mit abschwellendem Nasenspray bekämpfen (Achtung, Nasensprays machen nach 7-10 Tagen abhängig, es sei denn, man benutzt nur Salzlösung).
Bei Husten in der Apotheke beraten lassen; auch, wenn die Nasennebenhöhlen "zu" sind.
Viel trinken und bitte schonen.
Pressemitteilung MEZIS: Bestandsmarktaufruf unbedingt fortfü
Verfasst: 20.12.2013 12:21
von edgar
Im folgenden könnt ihr die aktuelle Pressemitteilung von MEZIS vom 18.12.2013 lesen:
Ich weiß nicht, wie Euch es nach dem Lesen gehen wird, aber ich hatte schon wieder soooo eine Krawatte, wenn ich sehe, was die GroKo da vor hat.
Bestandsmarktaufruf unbedingt fortführen – Erste Bewährungsprobe für den neuen Gesundheitsminister Hermann Gröhe
Die Große Koalition beabsichtigt, den Bestandsmarktaufruf, d.h. die Nutzenbewertung von bereits zugelassenen Arzneimitteln, zu beenden. Dieser irrationale Rückschritt ist weder medizinisch noch gesundheitsökonomisch nachvollziehbar, sondern allenfalls im Sinne der pharmazeutischen Unternehmen und ihrer Lobbyisten. Arzneimittel mit zweifelhaftem Nutzen gefährden die Patientensicherheit, daher muss an der Bewertung des Bestandsmarkts unbedingt festgehalten werden.
18. Dezember 2013 - Ausgerechnet auf einer Veranstaltung eines Berliner Dienstleistungsunternehmens, das sich laut eigener Darstellung auf „fachliche Fortbildung, zielgerichtetes Lobbying, gesundheitspolitische Unternehmensberatung und marketingorientiertes Projektmanagement“ spezialisiert , brachte der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken, am 26. Juni den „umstrittenen Ablasshandel mit der Pharmaindustrie“ (Markus Grill, Spiegel Online 12.09.2013) ins Spiel.
„Krankenkassen und Gesundheitspolitik konnten sich mit diesem Deal offensichtlich schnell anfreunden, so dass der geplante Rückschritt in die Steinzeit sogar in den Koalitionsvertrag gelangen konnte“, so das Fazit von Dr. Christiane Fischer, der ärztlichen Geschäftsführerin von MEZIS.
Bereits im September wies Prof. Ulrich Schwabe, Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), bei der Vorstellung des aktuellen Arznei-Verordnungsreports darauf hin, dass es beim Bestandsmarktaufruf nicht etwa um Peanuts, sondern um ein beträchtliches Einsparpotenzial geht. "Allein bei den ersten fünf umsatzstärksten Arzneimitteln lassen sich durch den exemplarischen Preisvergleich mit französischen Arzneimitteln Einsparungen von 414 Millionen Euro berechnen", so Schwabe. Es sei ein „Kniefall vor der Industrie“ wenn nun die Chance, den therapeutischen Wert von Arzneimitteln in Frage zu stellen, vertan wird.
Vorstandsmitglieder der AkdÄ bekräftigten im Deutschen Ärzteblatt, dass es sich bei der beabsichtigten Beendigung des Bestandsmarktaufrufs um einen „eklatanten Fehler“ und um einen „Kuhhandel“ mit der Pharmaindustrie handele, darunter Prof. Bernd Mühlbauer.
Weiteren Protest gab es vom Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), Prof. Jürgen Windeler, der betonte, dass der Bestandsmarktaufruf auch aus nicht-monetären Aspekten eine große Bedeutung hat. „Vielmehr brauchen wir die Bewertung, um erstmals feststellen zu können, ob die vielen zigtausend Arzneimittel auf dem deutschen Markt überhaupt einen Nutzen für die Patienten haben“, wird er in der Berliner Zeitung vom 2.12.13 zitiert. „Die Frage der Kosten ist nicht unwichtig, aber eben nur eine, für die Patienten nicht entscheidende Frage.“
„MEZIS bekräftigt die Forderung, am Bestandsmarktaufruf (§35a Abs. 6 SGB V) festzuhalten sowie die bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten (§139a SGB V) dafür zu nutzen, auch indikationsbezogene Vergleiche von Arzneimitteln und damit eine Sortierung des Markts vorzunehmen“, wie Dr. Michael Freitag für MEZIS ausführte. Dadurch ließen sich nicht nur die verfügbaren Ressourcen sinnvoller verteilen und das Regressrisiko der Ärzteschaft reduzieren, sondern auch die Behandlungsqualität und damit die Patientensicherheit erhöhen.
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 07.03.2014 20:40
von edgar
Hallo zusammen,
das Arznei-Telegramm berichtete im November 2013, dass nach wie vor jede 3 bis 4 Studie unveröffentlicht bleibt.
In Diskussionen würden Pharmavertreter immer wieder behaupten, dass wäre früher so gewesen, aber jetzt schon längst nicht mehr.
Es ist also immer wieder das gleiche Spiel, das unliebsame Studien, die das Ansehen der Medikamente beschädigen könnten, unter Verschluss gehalten werden. Wir sprechen immerhin von 25 - 33 % der Studien, die nicht veröffentlicht werden.
Wer da noch sagt, er habe Vertrauen in die Pharmaindustrie, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.
Viele Grüße
edgar
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 11.04.2014 21:29
von edgar
Hallo zusammen,
hier leider ein erschütternder und warnender Bericht:
http://www.welt.de/gesundheit/article12 ... rznei.html
LG
edgar
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 12.04.2014 02:39
von Jamie
Hallo edgar,
ich hab das auch gelesen. Bei spiegel online gab es da einen ausführlichen Bericht.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 63537.html
Ich habe sogar überlegt, ob wir die Warnung vor Paliperidon im NL-Bereich anpinnen sollen (?)
Grüße
Jamie
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 13.04.2014 11:46
von edgar
Hallo Jamie,
ja, hatte ich auch überlegt. Sollten wir machen, damit es hier nicht übersehen wird.
Ich mache da grade mal.
LG
edgar
Re: Arzneimittel-News
Verfasst: 17.04.2014 21:21
von edgar
Leberschäden und Hepatitis durch Pregabalin (Lyr*ca):
Das Arznei-Telegramm berichtet in der April-Ausgabe 2014 über Verdachtsberichte über Leberschäden und Hepatitis in Zusammenhang mit der Einnahme von Pregabalin, die bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA gelistet sind.
In den Fachinformationen über Pregabalin steht bislang dazu nichts.
Viele Grüße
edgar
Verlust der Impulskontrolle auch unter atypischen Neurolepti
Verfasst: 17.04.2014 22:04
von edgar
Das Arznei-Telegramm berichtete in der März-Ausgabe 2014 über den Verlust der Impulskontrolle auch bei atypischen Neuroleptika(am häufigsten bei Aripiprazol, gefolgt von Risperidon, Quetiapin,Amisulprid und Olanzapin.
Zu den Impulskontrollstörungen zählen z.B. Spielsucht, Hypersexualität, Essattacken, zwanghaftes Geldausgeben oder Einkaufen. Bekannt waren diese schon bei Parkinsonmittel, die auch dopaminerg wirken.
Die Impulskontrollstörungen treten hauptsächlich weniger Tage bis Wochen nach Beginn der Einnahme auf oder bei Erhöhungen der Dosis auf, manchmal aber auch erst später (nach Monaten oder sogar Jahren !!!!).
Bei fast allen bessern sich die Symptome, wenn das Medikament reduziert oder abgesetzt wird oder verschwinden völlig.
Viele Grüße
edgar
Re: Arzneimittel-News / Forschungs-News
Verfasst: 21.04.2017 15:06
von Jamie
Gericht in Italien erkennt Schäden durch massive Handyeinwirkung (Strahlung) als Berufskrankheit an:
https://www.nzz.ch/panorama/aktuelle-th ... ld.1288036
LG Jamie
Re: Arzneimittel-News / Forschungs-News
Verfasst: 21.08.2017 19:51
von Nietzsche-Ente
Hallo,
auch wenn ich nicht sicher bin, was ich von Psylex.de halten soll*, poste ich diesen Bericht mal :
Depression: Wirken Antidepressiva nur aufgrund ihrer Nebenwirkungen?
Die Originalpublikation ist auch angegeben, allerdings habe ich die nicht ad hoc gefunden und daher nicht gelesen.
...*zum Thema "Absetzen" steht auf dieser Webseite
Gesundheitstipp: Setzen Sie nicht abrupt Antidepressiva ab
... GesundheitsTIPP ?!?

wie absurd ist das denn bitte??...
viele Grüße,
Nietzsche-Ente
Re: Arzneimittel-News / Forschungs-News
Verfasst: 23.01.2018 20:30
von Arianrhod
Leberschäden -
unter anderen auch bei den PP
Bupropion,, Fluoxetin, Risperidon, Sertralin, Chlorpromazin, , allet rizyklische Antidepressiva , und auch Clozapin.
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ ... p?id=30764
liebe Grüße Arian
Re: Arzneimittel-News / Forschungs-News
Verfasst: 04.04.2018 15:52
von Sommersprosse
Hallo Katharina,
Katharina hat geschrieben: ↑04.04.2018 15:40
leider finde ich den preazisen Link noch nicht, auf dieser Seite gibt es einen Bericht
Meinst du evtl. diesen Beitrag ?
Ex-Pharma-Mitarbeiterin: “Wir sind zur Falschinformation verpflichtet”
Liebe Grüße
Sommersprosse (n)

Re: Arzneimittel-News / Forschungs-News
Verfasst: 04.04.2018 16:03
von Sommersprosse
Dankeschön Katharina, das wünsche ich dir auch

Re: Arzneimittel-News / Forschungs-News
Verfasst: 11.04.2018 12:55
von Sommersprosse
Hallo
hier ein Artikel zur Antidepressiva-Forschung:
Pränatale Exposition gegenüber SSRI-Antidepressiva steht in Verbindung mit der Entwicklung des fetalen Gehirns
Antidepressiva und die Gehirnentwicklung
Quelle | psylex.de Quellenangabe: JAMA Pediatrics - doi:10.1001/jamapediatrics.2017.5227 | Artikel vom 10.04.2018
Liebe Grüße
Sommersprosse (n)

Re: Arzneimittel-News / Forschungs-News
Verfasst: 16.09.2018 11:04
von Nietzsche-Ente
Hallo allerseits,
Hier ist eine Übersichtsarbeit zu Abhängigkeit und Entzugssymptomen bei SNRI (englisch):
https://www.karger.com/Article/FullText/491524
Eine (recht knappe...) Zusammenfassung auf deutsch gibt es hier:
https://psylex.de/psychopharmaka/antide ... zug.html#1
Viele Grüße

, Nietzsche-Ente