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Rauchen, Psychopharmaka und Entzug
Verfasst: 15.05.2017 11:29
von Hummelchen
Hallo
Ich bin jetzt seit 37 Tagen rauchfrei. Bin wirklich sehr stolz... aber was mir aufgefallen ist, ich habe das Gefühl die Wirkung des ADs (Escitalopram 10mg) lässt nach. Kann das sein? Ich habe während des Entzugs von Zigartetten die Dosis nicht verändert.
Ich hab seit knapp 2 Jahren mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Seit der Einnahme von AD sind es nun 20kg. Ich dachte bzw denke, das daher auch der Wind weht, dass ich mich wieder etwas schlechter fühle.
Jedoch direkt nach dem ersten rauchfreiem Tag vor 36 Tagen, bekam ich einen Heulkrampf. Ich saß da und wunderte mich über mich selbst. Was sollte das? Ich hatte noch nicht mal eine Grund zu heulen. Ich stand völlig neben mir, war gar nicht mehr ich selbst.
Seither werde ich grad wieder ekelhaft. Kleinste Dinge nerven mich. Manchmal geht es mir auf den Keks, wenn mein Freund sich mit mir unterhält. Ich würde ihn am liebsten anschreien und rufen: "Halt endlich den Mund und lass mich in Ruhe"
Mein Gott, da gruselt es vor einem selbst
Ich rege mich wieder vermehrt über Dinge und Menschen auf.
Bekomme Momente wo ich heulen könnte und eigentlich kein Grund dazu ist.
Daher die Vermutung, ob Stoffe der Zigartette mit denen des ADs gekoppelt waren?
Ich wollte ja nun eigentlich das AD absetzen und anfangen runter zu dosieren, macht das Sinn?
Ews gibt Tage, da würde ich am liebsten aufs doppelte hoch dosieren, damit ich mich aushalten kann.
Ich bin gespannt, ob mir jemand dazu was sagen kann...
Evtl. ist das Thema hier nicht richtig, wusste nicht recht wo es hingehören könnte.
Re: Raucherentzug beeinflusst Escitalopram?!
Verfasst: 15.05.2017 11:43
von Jamie
Hallo Hummelchen.
Ich habe deinen Beitrag in diese Rubrik verschoben; ich glaube es ist dort besser aufgehoben.
Und ja, es gibt eindeutig Zusammenhänge zwischen AD und Rauchen bzw. Rauchstopp.
Wir haben hier auch ein paar Leute, die ihre Erfahrungen dazu beisteuern können.
Sie werden sich bestimmt melden respektive das Team kann auch noch ergänzen.
Grüße, schönen Tag
Jamie
PS. ein kurzer Rat: Ich glaube, deiner Schilderung nach, dass du noch im Nikotinentzug steckst. Ich würde an deiner Stelle nicht anfangen das Escitalopram zu reduzieren, weil Doppelentzüge kaum zu verkraften sind.
Re: Raucherentzug beeinflusst AD [Escitalopram]?!
Verfasst: 15.05.2017 15:41
von LinLina
Hallo Hummelchen
Über den Zusammenhang von Rauchen und Psychopharmaka habe ich schon ein paar mal recherchiert, da die Frage hin- und wieder aufkommt.
(eine Übersicht gibt diese Präsentation
http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/K ... tionen.pdf Folie 14).
Interaktionen von Medikamenten und anderen Substanzen passieren zumeist über das sogenannte Cytochrom P 450 Enzymsystem, über das Substanzen in der Leber abgebaut werden, kurz CYP genannt. Davon gibt es einige verschiedene, zu Interaktionen kommt es nur wenn das gleiche Enzym betroffen ist.
Escitalopram wird über die Enzyme CYP 2C19, CYP 3A4 und CYP 2D6 abgebaut.
Rauchen ist aber als Induktor des CYP 1A2 bekannt (beeinflusst vor allem manche Neuroleptika und Trizyklische Antidepressiva, nicht SSRi), aber beeinflusst soweit mir bekannt nicht die Enzyme, die das Escitalopram abbauen. Allerdings habe ich eine Quelle gefunden, die Kohlenmonoxid, das ja beim Rauchen in den Körper gelangt, als Induktor von CYP 2D6 angibt.
http://www.apotheken-raucherberatung.ch ... ungen.html
Induktor heißt, die Aktivität der Enzyme wird erhöht, dadurch ist der Blutspiegel geringer. Wenn überhaupt, ist zu erwarten dass du jetzt mehr, nicht weniger von dem Medikament in deinem Körper hast. Durch den Rauchstopp sinkt die Enzymaktivität, die entsprechenden Substanzen werden langsamer abgebaut und dadurch hat man einen höheren Blutspiegel.
Ich vermute auch, du leidest vor allem unter einem Nikotinentzug. Das kann einige Wochen bis Monate dauern, ich würde so lange nichts an der Dosis deines Antidepressivums ändern.
Liebe Grüße
Lina
Re: Raucherentzug beeinflusst AD [Escitalopram]?!
Verfasst: 15.05.2017 17:15
von Hummelchen
Vielen lieben Dank Lina.

Re: Raucherentzug beeinflusst AD [Escitalopram]?!
Verfasst: 15.05.2017 21:53
von Hummelchen
Entschuldigt, aber irgendwie hab ich das Gefühl ich falle jeden Tag mehr in meine alten Muster wie vor dem AD.
Der reine Nikotinentzug dachte ich gelesen zu haben, geht ca. 3 Tage. Danach ist alles psychisch.
Ich verstehe, dass man wohl noch etwas zu kämpfen hat. Hin und wieder denke ich schon : Och jetzt eine Zigarette...
Das dauert 1 Min und dann ist das vorbei und wenn ich es rieche find ich es schon ekelig. Mich stört es auch nicht neben einem Raucher zu stehen. Bis auf der Geruch, aber ich hab nie das Gefühl dabei, ich will jetzt auch rauchen.
Daher verstehe ich nicht, warum momentan exakt die gleichen Symptome auftreten wie vor dem AD.
Solche Symptome habe ich so nicht gehört von Exrauchern.
Diese Gefühle, einfach alles, wie früher und man hat das Gefühl es wird immer schlimmer.
Ich sitze so im Zwiespalt, nehm ich die Tabletten gehts mir einigermaßen gut damit (mit Ausnahme der letzen 4 Wochen) und lasse ich sie weg, hab ich angst, ich sitze wieder genauso da wie vor dem AD.

Re: Raucherentzug beeinflusst AD [Escitalopram]?!
Verfasst: 15.05.2017 22:52
von Jamie
Hallo Hummeline,
kannst du bitte konkreter werden, was du meinst mit alte Muster und alte Symptome?
Hättest du Beispiele für uns?
Kennst du unseren Grundlagenartikel "Was passiert im AD Entzug und während der Einnahme?" Das kannst du in Teilen auch auf´s Rauchen übertragen.
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=6&t=8621
spontan finde ich da silvia68, schau doch mal da rein:
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... ug#p188485 und Lillian macht auch schon ewig damit rum, hat aber eine sehr komplexe Vorgeschichte.
Es mag ja sein, dass der gröbste Entzug in 3 Tagen rum ist, aber neurophysiologisch warst du jahrelang von einer psychoaktiven Substanz abhängig und dein Gehirn / ZNS hat sich strukturell umgebaut. Es dauert Monate, bis sich ein neues Gleichgewicht wieder herstellt.
Leider habe ich mit Nikotin keine Erfahrung, aber ich habe hier im Forum schon oft gelesen, dass ein Nikotinentzug nicht in wenigen Wochen gewuppt ist.
Daher verstehe ich nicht, warum momentan exakt die gleichen Symptome auftreten wie vor dem AD.
Theorie: Dein Nikotinentzug triggert diese Symptome? Hast du dich jemals mit den Ursachen befasst, warum es dir damals nicht gut ging? Therapie gemacht?
Viele Grüße
Jamie
Re: Raucherentzug beeinflusst AD [Escitalopram]?!
Verfasst: 03.06.2017 00:07
von dragon4277
hallo Hummelchen,
nun ich neheme Medikamnte ein und hab ca 80 Zigaretten pro Tag geraucht. Je weniger Medikamente ich einneheme um so weniger rauche ich auch. Heute bin ich bei 40 Zigaretten. Ich kann dir sagen ich habe nichts am rauchverhalten unternommen, rauche trotzdemweniger.
ich weis jetzt deine reduzierversuche und dein reduzierverhalten mit den Medikamenten nicht. Rauchen ist was schlechtes ja. Aber ich empfehle dir mit dem Rauchen erst dann aufzuhöen wenn du mit der reduktion der Medikamente abgeschlossen hast. Zumal du (wenn es wie bei mir sein wird) eh weniger rauchen wirst wenn du die Medikamente reudizierst.
Das du in die alten Rhythemen verfällst ist "normal". Viele wissen nicht das Zigarettenkonsum eine Antidepressive Wirkung hat. Die Antidepressive Wirkung kommt von den Inhaltsstoffen der Zigarette selbst. und von der Verstärkung der Medikamente durch das Rauchen. Ich sage Inhaltsstoffe weil Zigaretten neben Nikotin noch etlich andere Körperaktive substanzen besitzten die du dann inhalierst. Weshalb auch das rauchen an letzter stelle des absetzten kommen sollte, weil es so viele faktoren beinhaltet die man nicht richtig einschätzten kann.
Plötzliches aufhören mit dem Rauchen hat den selben effekt wie plötzlich mit dem psychopharmaka aufzuhören.
Nun du kennst sicherlich die 10% regel

Gilt wohl auch fürs rauchen. Kannst ja damit mal probieren aufzuhören.
LG Dragon
Re: Raucherentzug beeinflusst AD [Escitalopram]?!
Verfasst: 08.06.2017 16:21
von Annanas
Hallo zusammen

,
ich habe hier einen Beitrag gefunden, der besagt, daß ein Rauchstopp Auswirkungen auf
die Wirkung (ggf. höhere Wirkungen/Nebenwirkungen) von Psychopharmaka haben kann,
sobald die Substanzen über die gleichen Enzyme verstoffwechselt werden.
Lina

hatte dazu schon eine Erklärung in einem vorherigen Beitrag abgegeben.
Hier wird das nochmal untermauert.
Angegeben sind zwar nur Duloxetin und Agomelatin - aber ich denke, das Gleiche gilt für die
Psychopharmaka, die auch über die genannten Enzyme metabolisiert werden.
MMn könnte ein Zigarettenverzicht deshalb auch beim Absetzen eine Rolle hinsichtlich
der Symptomatik spielen - wenn ich den Gedanken weiterspinne - würde es so aussehen, daß, wenn man
reduziert u. gleichzeitig mit dem Rauchen aufhört, sich über einige Reduktionen evtl nichts verändert,
weil sich der Wirkspiegel nicht absenkt.
Nun bin ich mittlerweile solchen Veröffentlichungen gegenüber etwas skeptisch - da dieser Beitrag hier
scheinbar auch als Erklärung herhalten kann, Rauchern höhere Dosen Psychopharmaka zu verschreiben.
Deshalb unter Vorbehalt u. zur Erklärung, warum es beim Rauchstopp u. gleichzeitigem Absetzen
ggf eine längerandauernde zusätzliche Symptomatik geben kann.
Duloxetin u. Agomelatin - Interaktionen hinsichtlich Nikotin
Quelle:
http://www.kompendium-newas.de/2009
LG Anna
Re: Raucherentzug beeinflusst AD [Escitalopram]?!
Verfasst: 21.09.2017 21:43
von Flummi
Hallo ihr.
meine Erfahrung ist, dass nach dem absetzen der 20 mg citalopram bei mir es einfacher war, mit dem Rauchen aufzuhören. Insgesamt habe ich auch bei meinem neuroleptikum das Gefühl, es bringt mich dazu zu rauchen. Ich nehme aripiprazol und es steigert den Antrieb. Wenn ich nicht rauche (was ich jetzt aufgegeben habe) dann Krieg ich ess Attacken.
schlimmer Zusammenhang....
eure
Claudia
Rauchen und Psychopharmaka
Verfasst: 25.04.2018 11:08
von Arianrhod
ich dachte daran, zu diesem Thema Erfahrungsberichte und Zeitungsartikel zu sammeln, denn es gibt doch einige Raucher unter uns und gerade im Entzug ist es schwierig, an zwei Fronten zu kämpfen.
Umstieg auf E- Zigaretten bzw. Rauchen aufhören = Anstieg von Medikamentenplasmaspiegel
mmer mehr Patienten steigen von Zigaretten auf E-Zigaretten um. Das ist eigentlich erfreulich, denn die Umstellung reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Bei Patienten, die Clozapin und Olanzapin einnehmen, ist aber auch Vorsicht geboten. Die Umstellung kann Auswirkungen auf den Blutspiegel der Medikamente haben......
Rauchen kann den Blutspiegel bestimmter Medikamente wesentlich reduzieren und dazu führen, dass Nebenwirkungen abnehmen. Gleichzeitig nimmt aber natürlich auch die Wirksamkeit ab. Patienten, die wirklich viel rauchen, also in der Größenordnung von einer Packung am Tag, können bei bestimmten Medikamenten den Blutspiegel um bis zu ein Drittel und in Einzelfällen circa um die Hälfte senken......
E-Zigaretten.....reduzieren ... den Blutspiegel von Clozapin oder Olanzapin nicht.
Was geschieht, wenn ein Patient, der Clozapin einnimmt, von normalen Zigaretten auf E-Zigaretten umsteigt?
Genau. Umstieg auf E-Zigaretten -> Keine Enzyminduktion mehr -> kein beschleunigter Abbau des Clozapins mehr -> Anstieg des Clozapinblutspiegels trotz gleicher Dosis.
Ein Fallbericht über einen toxischen Clozapin-Plasmaspiegel nach Zigarettenabstinenz findet ihr hier
file:///sysroot/home/linda/Downloads/nhk_2008-27-Suppl%201_10432.pdf.
http://news.doccheck.com/de/blog/post/8 ... lock=31737
liebe Grüße Arian
Re: Rauchen, Psychopharmaka und Entzug
Verfasst: 25.04.2018 15:30
von Flummi
Hallo,
bei meinem Mann ging der Lithiumspiegel erst einaml nach oben als er mit Rauchen aufhörte.
Grüße,
Claudia
Re: Neuroleptika in Verbindung mit Teekonsum
Verfasst: 21.01.2021 14:49
von darian92
Hallo Anna ,
Danke für die Erläuterung... Meistens hab ich bisher die Medikamente weit weg von den Kaffeekonsum eingenommen.. bei meinen Schilldrüsen Hormon Tabletten sieht das leider ganz anders aus.
Wie schaut das eigentlich bei Nikotin aus wegen Neuroleptika.. man sagt das Olanzapin die Wirkung stark vermindert sein kann... Gilt das eigentlich eher für jedes Neuroleptikum ?!
Danke im vorraus.
LG
Darian
Re: Neuroleptika in Verbindung mit Teekonsum
Verfasst: 21.01.2021 15:27
von Annanas
Hallo Darian

,
das ist jetzt gerade etwas off topic in diesem Thread, aber schau mal hier:
Einige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe im Tabakrauch aktivieren verschiedene Leberenzyme wie z. B. CYP1A2. Substanzen, die über dieselben Enzyme metabolisiert werden, werden deshalb schneller abgebaut. Das bedeutet, dass einige Wirkstoffe bei Rauchern höher dosiert werden müssen als bei Nichtrauchern. Davon betroffen sind z. B. Duloxetin, Propranolol, Verapamil, Ropinirol, Theophyllin oder Olanzapin.
Nikotin selbst zeigt diese Interaktion nicht, deshalb tritt das Problem unter der Nikotinersatztherapie nicht auf.
Quelle:
https://www.ptaheute.de/apothekenpraxis ... bakkonsum/
darian92 hat geschrieben: ↑21.01.2021 14:49
Gilt das eigentlich eher für jedes Neuroleptikum ?!
So, wie es oben geschrieben ist, gilt das für Medikamente, die über das/die gleichen Enzym(e) metabolisiert werden.
Für andere NL/Medikamente müßtest du dann recherchieren.
Hier im Forum gibt es auch einen Thread:
viewtopic.php?f=66&t=16643
Runterscrollen zu Wechselwirkungen/Interaktionen - Medikamente u Rauchen.
Liebe Grüße von Anna
Re: Neuroleptika in Verbindung mit Teekonsum
Verfasst: 21.01.2021 15:52
von darian92
Hallo Anna ,
Ganz lieben lieben Dank .. jap risperidon ist mit aufgeführt , das Nikotin bzw Tabakrauch die Wirkung vermindert ... Ich rauche wie ein Schlot
Hier die Tabelle und Seite
http://www.apotheken-raucherberatung.ch ... ungen.html
Tabelle: Wichtige Psychopharmaka, deren Abbau durch Tabakrauch induziert wird (modifiziert nach Desai et al. 2001; Olivier et al. 2007, aus Batra et al. 2014 und Rüther et al. 2014)...
PS. Sorry, das das hier nicht reinpasst... Wollte jetzt kein extra Thema deswegen aufmachen.
LG Darian
Re: Rauchen, Psychopharmaka und Entzug
Verfasst: 21.01.2021 17:32
von darian92
Hallo Anna ,
Danke fürs hierher verschieben.... Ich habe nochmal recherchiert und rausgelesen , das risperidon über den cyp2d6 Enzym metabolisiert wird ... Das ist ja ein ganz anderer ...hm warum wird das dann in der Tabelle angezeigt? ... Bin bissle irritiert
LG
Darian
Re: Rauchen, Psychopharmaka und Entzug
Verfasst: 21.01.2021 18:15
von Dietrich
Hi!
Also ich weiß nicht ob das hier eine Rolle spielt da ich auf 0 bin aber ich hatte im Nov das Gefühl es wird etwas besser. Nach 3 Wochen rauchen bin ich total gecrashed. Seitdem geht es mir wieder schlechter. Mein Nervensystem is einfach in Eimer.
Grüße
Re: Rauchen, Psychopharmaka und Entzug
Verfasst: 23.01.2021 10:39
von Jamie
Hallo darian,
kannst du bitte die Quelle nachreichen, von wo du die Liste hast?
Wegen des Urheberrechts müssen wir hier die Quellenangabe einfügen.
Hallo darian, hallo alle
Es gibt zahlreiche Hinweise, dass Rauchen bei Schizophrenie-Erkrankten und Menschen, die starke NL nehmen müssen, deren Befinden bessert, weswegen sie Rauchen als eine Art Selbstmedikation betreiben.
Offensichtlich kann man durch Rauchen auch die Nebenwirkungen von Neuroleptika dämpfen; es fehlen womöglich klinische Studien dazu, aber es ist längst bekannt aus den Psychiatrien.
Mir hat mal ein Therapeut erzählt, es würden so viele Psychose-und Schizophrenie-Patienten deswegen so starke Raucher sein, weil das Rauchen eben Medikamentennebenwirkungen lindert, was logisch ist, wenn man weiß, dass Rauchen die Wirkung von NL mindert. Dann mindert es auch die NW.
Ich glaube das ist ein heikles Thema; im Entzug muss man sich gut überlegen, ob man auch einen Raucherentzug macht; das ist nichts anderes als ein Zweitentzug von einer hochgradig psychoaktiven Substanz (Nikotin) und verändert bei PP-Einnehmern einiges.
Das deckt sich auch mit der Beobachtung von Dietrich, dass es ihm danach gar nicht gut ging.
Wir haben öfters Beschreibungen, wonach Menschen (Raucher), die in einen PP-Entzug kamen, plötzlich keinerlei Rauchen / Nikotin mehr vertrugen.
Da sieht man sehr genau, wie die Substanzen miteinander interagieren bzw. bei einem gereizten ZNS auch ihre Wirkung verändern.
Warum rauchen Schizophrenie-Patienten?
https://www.springermedizin.de/warum-ra ... en/8061082
Grüße
Jamie
Re: Rauchen, Psychopharmaka und Entzug
Verfasst: 23.01.2021 11:46
von Annanas
Hallo Jamie

, ich war auch kurz darüber gestolpert,
aber Darian

hat die Quelle etwas weiter oben im Text angeführt.
Liebe Grüße von Anna
Re: Rauchen, Psychopharmaka und Entzug
Verfasst: 24.01.2021 19:26
von darian92
Liebe Jamie ,
Bei mir ist es ja eher eine Fehldiagnose und ich bin immernoch der Meinung , das ich die Krankheit noch nie hatte ... Glaube näheres steht dazu auch in meinen Vorstellungstext.... Aber meine kognitiven Fähigkeiten waren trodzdem sehr reduziert in der Zeit , als ich 2 Neuroleptika in hoher Dosis nahm ... Ich selbst hatte damals keine effekte durch rauchen gespürt ... Zumindest waren sie mir nicht bewusst.
Mit dem absetzen beider Medis und jetzt nur noch risperidon in niedriger Dosis , haben sich meine kognitiven Fähigkeiten und die verbale Kommunikationsfähigkeit stark verbessert... Auch wenn es immernoch nicht vergleichbar ist , wie bei einem PP freien bzw Student.
Gerade jetzt durch die aktuelle Lebensituation und der eventuell vorhandenen Depression ist meine Konzentrationsfähigkeit eher Unterdurchschnittlich. Aber selbst bei so einem Zustand noch nicht so heftig wie damals.
Ich hab hier Mal einen Bericht über die Wirkung von Nikotin mit angehängter Quelle für euch parat ... Also die Wirkung gibt es auch bei Menschen, die keine NL nehmen .... Nikotin zählt ja nicht mehr zu den Genussmitteln ,sondern zu richtigen Drogen.
Wie wirkt Nikotin?
Beim Rauchen werden ungefähr 30 % des in der Zigarette enthaltenen Nikotins freigesetzt. Davon werden bis zu 95 % beim intensiven Inhalieren "resorbiert", also über die Atemwege aufgenommen. 25 % des inhalierten Nikotins erreichen schon innerhalb von 7 bis 8 Sekunden das Gehirn, wo es auf nicotinerge Rezeptoren wirkt und eine Reihe physiologischer Reaktionen auslöst:
Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, und der Hautwiderstand nimmt ab. Da die Hauttemperatur ebenfalls sinkt, frieren Raucher schneller.
Psychisch machen sich die stimulierenden Effekte durch eine erhöhte Leistungsfähigkeit sowie eine verbesserte Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistung bemerkbar. Gleichzeitig werden Appetit, Stress, Angst, Unsicherheit, Nervosität und Müdigkeit unterdrückt.
https://www.drugcom.de/haeufig-gestellt ... t-nikotin/
LG
Darian
Re: Rauchen, Psychopharmaka und Entzug
Verfasst: 27.01.2021 05:48
von Dietrich
Hallo nochmal!
Also es scheint so, als dass ich mich sehr langsam von dem Nikotinausflug erhole. Die Erfolge die ich im Nov' 20 hatte sind erstmal dahin

Ein Entzugsfreund hat mir folgenden Link hierzu geschickt.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2946180/ Hier kurzer Auszug daraus:
"Nicotine may also serve to medicate some psychiatric symptoms. For example, the serotonin and norepinephrine released in the brain by nicotine are similar to the neurochemical effects of some antidepressant medications."
Vom Prinzip nimmt man extremen Einfluss auf seine Gehirnchemie was sich in meinem Fall fatal ausgewirkt hat. Ich hab nach lesen echt gedacht "Fast so als hättest du nochmal ein AD genommen." Ich hoffe trotzdem weiter auf Heilung.
Grüße Dietrich