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Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Wenn Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
Antworten
Hummelchen
Beiträge: 7
Registriert: Sonntag, 14.05.17, 17:05

Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von Hummelchen » Sonntag, 14.05.17, 17:47

Hallo, ich bin neu hier und möchte kurz etwas zu meiner Geschichte und meinem Vorhaben schreiben. :)

Ich bin 30 Jahre alt und nehme nun seit ca. 2 Jahren Escitalopram 10mg Tabletten.
Ich habe auch den Eindruck, dass sie mir helfen, ABER dieses Gewichtsproblem. :vomit: Ich weiß, das ist nichts neues.
Ich merke wie es mir mental immer schlechter geht. Es nagt an mir, ich werde wütend, man möchte sich kaum zeigen, weil man sich so fett fühlt. Ängste den Patner zu verlieren, weil man nicht mehr attraktiv genug ist.
Mein Hausarzt der mir diese damals verschrieb, sagte, dass wären Tabletten die nicht so zur Gewichtszunahme führen. Nur komischerweise, habe ich seither in den 2 Jahren 20kg zugenommen. Und ich war schon immer ein schlanker Typ, musste nie groß schauen was ich esse. Hinzu kommt, dass ich als Pferdepflegerin arbeite und eher abnahm durch die körperlich Arbeit. Ich arbeite dort seit 5 Jahren und nun vor 2 Jahren seit der Einnahme ging es los mit der Gewichtszunahme und ich mache immer noch das gleiche. Esse auch nihct anders als früher.

Wie dem auch sei. Ich kann das so nicht mehr. Dadurch, dass der Job schon anstrengend ist, kann ich mich auch nicht aufraffen noch zu joggen oder ähnliches. Ich bin einfach kaputt.

Ich habe es zweimal versucht mit dem Absetzen.
Beim 1. Mal habe ich es langsam ausschleichen lassen. Hab mir dazu Escitalopram als Tropfenform geben lassen um es genau zu dosieren.
Als ich dann bei einem Tropfen ankam und diesen ein Weile nahm, hörte ich schließlich ganz auf.
Ich hatte keine Nebenwirkungen, alles perfekt. Ich war begeistert, weil man ja doch viel liest, wie hart es sein kann.
Nach 2 Wochen jedoch, verfiel ich wieder in alte Muster, die bei Einnahme der Tabletten, alle verschwunden waren. Ich litt unter Schwindel den ich vor den Tabletten auch schon hatte, ich regte mich über die kleinsten Dinge auf, wurde weinerlich, sah nur noch schwarz bei dem noch so kleinsten Problem.
Also nahm ich Escitalopram wieder. :frust:

Beim 2. Mal ging ich etwas gröber vor mit dem Ausschleichen. Da kam dann auch direkt nach 2 Tage die Quittung. Ich dachte ich muss in einen Dörnröschenschlaf fallen :bettzeit: Ich war nur noch Müde, aber so müde, dass man gar nicht merh dagegen ankommt. Furchtbarer Schwindel kam hinzu.
Also wieder zu den Tabletten gegriffen.
Beide Male waren ohne ärtzliche Absprache :whistle:

Wie soll das weiter gehen? Soll man den Rest seines Lebens diese Dinger einnehmen? Soll ich demnächst rollen???

Ich habe angst sie abzusetzen, dass es mir psychisch wieder so schlecht geht und andersrum habe ich angst, noch dicker zu werden bzw so zu bleiben.

Vielleicht hat der ein oder andere Anregungen und Tips für mich.

LG
Zuletzt geändert von Jamie am Sonntag, 14.05.17, 17:52, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel ergänzt
2007 Diagnose Depression durch Biografie- Trennung der Eltern im Kindesalter, ganz schlimm war es dann ab 2007 durch den damaligen Partner, Job und allgemeines Umfeld.
2007 dann eine Verhaltenstherapie gemacht. Es ging mir etwas besser.

2011 neuer Partner, komplett neues Leben begonnen 400km entfernt vom alten Zuhause. <3 Jedoch bin ich psychisch von den ganzen Vorgeschichten komplett durch.
Müde (Arzt sagt Erschöpfungssyndrom),
keine Konzentration,
keine Lust zu irgednwas, auch nicht auf die schönen Dingen die einem doch eigentlich Spaß machen.
Schwindel
Heulanfälle
völlige aufgelöstheit bei Problemen
große Reizbarkeit

2015 hier zum ersten Mal zum Arzt wegen der "Beschwerden"
Diangnose: Depression
Medikament:venlafaxin 37.5 mg Retardkapseln überhaupt nicht vertragen, endete dann in der Klinik. :shock:
Medikament neu: Escitalopram Tropfen, damit ich ganz vorsichtig hoch dosieren kann.
Nach ca 6 Monaten dann auf 10mg Tabletten umgestiegen, da Tropfen ekelhaft schmecken.

Zwei Absetzversuche über ein paar Wochen. Kann leider keine genauen Angaben mehr dazu machen. Außer, dass es wohl zu schnell war und ich sehr schlimmer Absetzsymptome hatte.
Neuer Versuch: Ab sofort :party2:

Momentane Medikamente: Escitalopram 10mg, VelaFee (Pille). Keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel.

carlotta
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von carlotta » Sonntag, 14.05.17, 18:31

Hallo Hummelchen,

herzlich willkommen im ADFD! :)

Gewichtszunahme ist - wie Du ja selbst weißt - eine bekannte und häufige Nebenwirkung von AD, auch den sog. modernen AD (auch wenn Behandler das im Bezug auf letztere gerne bagatellisieren :frust: ). Ich habe das selbst auch erleben müssen und war vor der Einnahme genau wie Du ein schlanker Typ, der sich nie ums Essen Gedanken zu machen brauchte.

AD senken den Grundumsatz. Selbst wenn man regelmäßig dieselbe Menge isst wie vor der Einnahme, kann man daher ordentlich zulegen.

Ich fürchte, Du hast beide Male wesentlich zu schnell reduziert. Dabei spielt es auch kaum eine Rolle, ob Du das mit oder ohne Behandler getan hast, denn diese kennen sich in der Regel mit richtigem Ausschleichen nicht aus, sie lernen es nicht in ihrer Ausbildung.

Empfehlenswert sind Schritte von ca. 5 bis 10 Prozent der letzten Dosis, je nach Verträglichkeit auch noch kleinere. So kann man dem Mittel schonend und nachhaltig Lebewohl sagen. Wichtige Grundlageninfos findest Du über diesen Link, bitte lies Dich ein wenig ein: viewtopic.php?f=18&t=12880

Deine Reaktionen nach dem Absetzen sind höchstwahrscheinlich dem Entzug geschuldet. Dieser kann einen sog. Rebound auslösen, d. h., frühere Symptome schlagen auf einmal geballt und mit voller Wucht zu, oft stärker als vorher. Es können aber auch neue, bisher nicht gekannte Symptome hinzukommen.

Und bitte leg eine Signatur an, in der Du Deine Medikamentenhistorie samt (möglichst genauen) Zeit- und Dosisangaben auflistest. Das ist wichtig für den Überblick. Mehr Infos hier: http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... 5485#p1051

Nimmst Du noch weitere Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel? Wenn ja, führe sie ebenfalls bitte in der Signatur auf.

Hummelchen (süßer Username :) ), man kann die Mittel loswerden, man braucht nur Geduld, damit der Körper sich sanft entwöhnen kann. :schnecke: Es ist auf jeden Fall schon mal gut, dass Du über die flüssige Variante verfügst und sie verträgst, das sind gute Startbedingungen für Dein Absetzvorhaben. :)

Liebe Grüße :group:
Carlotta
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von lunetta » Sonntag, 14.05.17, 18:32

Hallo und willkommen bei uns:)

Also Abnehmtipps kann und will ich dir nicht geben, denn es ist alles so leicht gesagt, aber schwer umgesetzt. Ich bin zwar nicht so arg davon betroffen - bin auch immer ganz zart gewesen, und nun nach bald 2 Jahren Mirta, trotz Entzug, zwar um ein paar Kilos schwerer und wirke durch meine kleine Größe nun auch etwas pummeliger. Mich stört das nicht, da ich eh immer zu dünn war.

Ich denke, dass du immer zu schnell abdosiert hast - wie lange hast du beim ersten Mal abdosiert?
Wir empfehlen ja nur 5-10% der letzten Dosis abzusetzen, und das ist bei den meisten ein Mehrjahresprojekt, denn gerade im unteren Dosisbereich sind noch sehr viele Rezeptoren belegt, dass man dann noch langsamer machen sollte.
Auch in Tropfenform kann man gegen 0 noch immer nochmal verdünnen, sodaß man die letzten Tropfen auch noch sehr langsam absetzen kann.

Leider bringt einen der Wille das Teufelszeug lsozuwerden wieder zurück an den Start, wenn man zu schnell macht, und zu schnell ist es wenn die angeblichen Krankheitssymptome wiederkommen, die dann eigentlich Absetzsymptome sind.

Ich kann dir nur raten es noch einmal zu versuchen und wirklich nach der 10% Regel vozugehen, nach unten zu eventuell nich langsamer.
Und egal wie lange es dauert - alles ist besser als bei den Psychopharmaka zu bleiben!

Alles Liebe und Gute! LG
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von Annanas » Sonntag, 14.05.17, 18:36

Hallo Hummelchen :) , herzlich willkommen im ADFD!
Hummelchen hat geschrieben:Ich bin 30 Jahre alt und nehme nun seit ca. 2 Jahren Escitalopram 10mg Tabletten.
Wogegen hast du diese verordnet bekommen??
Psychopharmaka deckeln im besten Fall nur die Symptome - können aber nicht heilen!
Bei Langzeiteinnahme können sie dagegen sogar die Symptome auslösen, gegen die sie eigentlich verschrieben
wurden.
Hummelchen hat geschrieben:Mein Hausarzt der mir diese damals verschrieb, sagte, dass wären Tabletten die nicht so zur Gewichtszunahme führen. Nur komischerweise, habe ich seither in den 2 Jahren 20kg zugenommen.
Das hört man auch ganz oft, ich habe den Eindruck, daß das manchmal auch absichtlich so gesagt wird, weil sicher
einige Patienten diese Medikamente schon aus dem Grund nicht nehmen würden.

Oft geht eine Psychopharmakaeinnahme mit einer Gewichtszunahme einher - es gibt allerdings auch das andere
Extrem, daß sehr viel Gewichtsverlust erfolgt.
Durch ihre Wirkweise haben Psychopharmaka Einfluß auf den gesamten Stoffwechsel und auch auf die Hormonkreisläufe,
deshalb kommt es erstens oft zu einer Gewichtszunahme und zweitens ist es enorm schwierig bis unmöglich, unter
dieser Einnahme abzunehmen (leider auch eigene Erfahrung).
Hummelchen hat geschrieben:Ich habe es zweimal versucht mit dem Absetzen.
Beim 1. Mal habe ich es langsam ausschleichen lassen. Hab mir dazu Escitalopram als Tropfenform geben lassen um es genau zu dosieren.
Als ich dann bei einem Tropfen ankam und diesen ein Weile nahm, hörte ich schließlich ganz auf.
Hummelchen, wie hast du abgesetzt, in welchen Schritten?? Ich befürchte fast, dein "langsam" war trotzdem noch zu
schnell u. du hast danach unter Absetzsymptomen gelitten.

Aber ehe hier der Text zu lang wird, stelle ich dir vorab schon mal unseren Einführungsthread zum AD-Absetzen
hier rein - es gibt darin viele Infos und Erklärungen in kompakter Form:
Erste Hilfe - Antidepressiva absetzen
Lies dir bitte alles in Ruhe durch - wenn du Fragen hast, bitte hier stellen!
Hummelchen hat geschrieben:Wie soll das weiter gehen? Soll man den Rest seines Lebens diese Dinger einnehmen? Soll ich demnächst rollen???
Nein und nein - du wirst davon loskommen, wenn du achtsam absetzt und dann werden auch die Pfunde wieder verschwinden.

Ganz wichtig für uns: erstelle bitte eine Signatur - das "Wie" ist in dem Einführungsthread beschrieben, dankeschön!

Liebe Grüße von Anna

PS: überschnitten mit Carlotta :) u. Lunetta :)
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Vorgeschichte:
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Venlafaxin (225 mg) - Einnahme seit 2007 - Absetzverlauf seit Januar 2016
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28.01.2018 30. Red. 1 mg auf 6 mg - wegen starker Beschwerden am 02.02. auf 6,3 mg aufdosiert
______________________________________________________________________________________
Hinweis:
Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen Anderer ergeben haben.

sandra333
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von sandra333 » Sonntag, 14.05.17, 18:46

Hallo Hummelchen und herzlich willkommen im Forum
Ich nehme auch ein AD (Doxepin) was gewöhnlich auch stark aufs Gewicht schlägt, daher verstehe ich, von dem Medi sind deine Depressionen oder Ängste besser aber man wird wiederum depressiv wenn man zusehends zunimmt :frust:
Ein toller Kreislauf! Tatsächlich würde ich mich heute jederzeit eher für eine Therapie entscheiden, als nocheinmal zu ADs zu greifen. Denn auch so kann man Depressionen oder Ängste ohne Chemie in den Griff bekommen. Ganz oft reicht dabei schon eine Lebensveränderung und die Erkenntnis warum man eigentlich leidet. Nie hätte ich gedacht welche Probleme ich durch die Einnahme eines ADs bekomme :evil: sowie dann durch das Absetzen.

Du schreibst, du hast bereits 2 mal ausgeschlichen....in welchem Zeitraum, wie schnell oder langsam warst du beim reduzieren? Eine Signatur wäre toll damit man sich ein Bild machen kann. Du hast dein ZNS sehr durcheinandergebracht in dem du ausschleichst und wieder eindosierst. Mit der Einnahme eines ADs soll der Serotoninspiegel erhöht werden, natürlich chemisch, lässt du es weg spielt alles verrückt da sich das Gehirn nicht schnell genug anpassen kann. Auch entstehen Entzugserscheinungen die sich auf den ganzen Körper auswirken. Auch Ängste entstehen sehr oft erst beim Absetzen. Deshalb wird ja auch eine ganz langsame Reduktion empfohlen die höchstens 10% von deiner Dosis betragen sollte.

Ich schleiche gerade Doxepin aus, habe immer eine Dosis von 24mg genommen, habe dann den Fehler gemacht immer 2mg Sprünge zu machen, bis 10mg ging alles gut..aber dann kam es faustdick. Ich bin mittlerweilen auf einer niedrigen Dosierung und je niedriger desto schwieriger wird es. Beim Sprung von 10 auf 8mg rebellierte bei mir alles. Magen Darm, Muskeln, furchtbare Erschöpfung usw. Da ich auch unbedingt mein ehemaliges Gewicht wiederhaben wollte, sollte die Reduktion auch schneller stattfinden. Aber es klappte nicht. Ich werde jetzt eine lange Pause einlegen und dann viel langsamer, vielleicht nur 1 mal im Monat um 0,5mg runtergehen.

Machst du eine Therapie? Aus welchem Grund wurde dir genau das AD verordnet? Du solltest um das AD wirklich absetzen zu können, jetzt erst mal eine Dosis nehmen, womit du dich stabil fühlst. Dabei müsstest du dann erst mal eine Weile bleiben bis sich dein ZNS wieder beruhigt hat. Erst wenn das der Fall ist, solltest du in minimalsten Schritten spich maximal 10% von der momentanen Dosis abdosieren. Und absetzen auch immer nur dann wenn du stabil bist. Leider mußt du da absolut Geduld haben, auch wenn das Gewicht erst mal so bleibt. Es wird wieder runtergehen, da bin ich mir sicher, denn wie du beschreibst bist du aktiv und nie dick gewesen. Zudem kann es ja auch nicht an deinen Essgewohnheiten liegen wie du beschreibst.

Aber was jetzt ganz wichtig ist...Geduld.
Leider kenne ich mich mit deinem AD nicht aus aber ich weis wie sehr man den Körper belastet indem man die Dosis schwankend nimmt. Du bekommst sicher hier noch fachmännische Antworten :) ich selber bin eine Betroffene die aus eigener Erfahrung berichten kann und die sich auch mit dem Gewicht noch rumärgert :evil: .
Viele Grüße sendet Sandra
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JamieAnnanascarlottaSiggipadma
16.10.12 bis 12.2.13 = 0,5 Tavor wegen Panikattacken (fast 5 Monate täglich) + 50mg Opipramol morgens und abends
12.2. - 23.2. langsame Umstellung auf Diazepam und Umstellung auf Doxepin Anfangs 2,5mg - 26mg aufdosiert
24.2. - 5mg Dia + 50mg Opipramol morgens + 26mg Doxepin (geht mir schlecht)
26.2. - 6mg Dia
Vom 26.2.13 bis 12.3 = 7mg Dia (geht mir damit besser)
Vom 13.3.13 bis 4.4.13 reduziert auf 6,5mg Dia -------------------------Seit 14.7.13 Dox- 24mg
Vom 5.4.13 bis 30.4.13 reduziert auf 6,0mg Dia--------------------------Seit 15.8.13 - 22mg
Vom 1.5.13 bis 17.5.13 reduziert auf 5,5mg Dia-------------------------Seit1.9.13 -18mg
Vom 18.5.13 bis 1.6.13 reduziert auf 5mg Dia---------------------------Seit 6.1.14 -16mg
Vom 2.6.13 bis 13.6.13 reduziert auf 4,5mg Dia-------------------------Seit 30.1.14 -14mg
Vom 14.6.13 bis 3.7.13 reduziert auf 4mg Dia---------------------------Seit 6.3.14 -12mg
Vom 4.7.13 bis 17.7.13 reduziert auf 3,5mg Dia ------------------------Seit 21.3.14 -10mg
Vom 18.7.13 bis 2.8.13 reduziert auf 3mg Dia...............................Seit 12.4.14 -8mg
Vom 3.8.13 reduziert auf 2,5mg. Dia..........................................Seit 21.4.14 -6mg
Am 11.8.13 wieder zurück auf 3mg Dia.......................................Seit 7.5.14 erhöht 14mg
(ging mir nicht gut, zu viel Stress)............................................-Seit 30.5.14 -12mg
Am 23.8.13 reduziert auf 2,7mg Dia
Am 6.9.13 reduziert auf 2,4mg Dia
Am 25.9.13 reduziert auf 2,1mg Dia
Am 9.10.13 reduziert auf 1,8mg Dia
Am 24.10.13 reduziert auf 1,5mg Dia
Am 9.11.13 wieder 0,3 erhöht auf 1,8mg Dia
Am 27.11.13 reduziert auf 1,5mg Dia
Am 11.12.13 reduziert auf 1,2mg Dia
Am 30.12.13 reduziert auf 0,9mg Dia
Am 21.1.14 reduziert auf 0,6mg Dia
Am 7.2.14 reduziert auf 0,3mg Dia
Am 21.2.14 auf 0 Dia

Im März wieder 5mg Dia durch Stress nach Tod meiner Eltern
Diazepam alle 3 Wochen reduziert um 0,5mg
immer wieder ein auf und ab mit Dia
Seit September 2016 komplett frei von Dia

Doxepin 25mg reduziert seit November 2016
immer 2mg Schritte alle ca. 2-4 Wochen
30.4.17 Doxepin auf 8mg

AD Dosis momentan 50mg Opi /50mg Opi/ 8mg Doxepin
Medikamente Euthyrox 75 Schilddrüsenunterfunktion

sandra333
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von sandra333 » Sonntag, 14.05.17, 18:52

Ups, toll, du hast schon viele fachmännische Ratschläge bekommen :)
Tolles Forum :group:
16.10.12 bis 12.2.13 = 0,5 Tavor wegen Panikattacken (fast 5 Monate täglich) + 50mg Opipramol morgens und abends
12.2. - 23.2. langsame Umstellung auf Diazepam und Umstellung auf Doxepin Anfangs 2,5mg - 26mg aufdosiert
24.2. - 5mg Dia + 50mg Opipramol morgens + 26mg Doxepin (geht mir schlecht)
26.2. - 6mg Dia
Vom 26.2.13 bis 12.3 = 7mg Dia (geht mir damit besser)
Vom 13.3.13 bis 4.4.13 reduziert auf 6,5mg Dia -------------------------Seit 14.7.13 Dox- 24mg
Vom 5.4.13 bis 30.4.13 reduziert auf 6,0mg Dia--------------------------Seit 15.8.13 - 22mg
Vom 1.5.13 bis 17.5.13 reduziert auf 5,5mg Dia-------------------------Seit1.9.13 -18mg
Vom 18.5.13 bis 1.6.13 reduziert auf 5mg Dia---------------------------Seit 6.1.14 -16mg
Vom 2.6.13 bis 13.6.13 reduziert auf 4,5mg Dia-------------------------Seit 30.1.14 -14mg
Vom 14.6.13 bis 3.7.13 reduziert auf 4mg Dia---------------------------Seit 6.3.14 -12mg
Vom 4.7.13 bis 17.7.13 reduziert auf 3,5mg Dia ------------------------Seit 21.3.14 -10mg
Vom 18.7.13 bis 2.8.13 reduziert auf 3mg Dia...............................Seit 12.4.14 -8mg
Vom 3.8.13 reduziert auf 2,5mg. Dia..........................................Seit 21.4.14 -6mg
Am 11.8.13 wieder zurück auf 3mg Dia.......................................Seit 7.5.14 erhöht 14mg
(ging mir nicht gut, zu viel Stress)............................................-Seit 30.5.14 -12mg
Am 23.8.13 reduziert auf 2,7mg Dia
Am 6.9.13 reduziert auf 2,4mg Dia
Am 25.9.13 reduziert auf 2,1mg Dia
Am 9.10.13 reduziert auf 1,8mg Dia
Am 24.10.13 reduziert auf 1,5mg Dia
Am 9.11.13 wieder 0,3 erhöht auf 1,8mg Dia
Am 27.11.13 reduziert auf 1,5mg Dia
Am 11.12.13 reduziert auf 1,2mg Dia
Am 30.12.13 reduziert auf 0,9mg Dia
Am 21.1.14 reduziert auf 0,6mg Dia
Am 7.2.14 reduziert auf 0,3mg Dia
Am 21.2.14 auf 0 Dia

Im März wieder 5mg Dia durch Stress nach Tod meiner Eltern
Diazepam alle 3 Wochen reduziert um 0,5mg
immer wieder ein auf und ab mit Dia
Seit September 2016 komplett frei von Dia

Doxepin 25mg reduziert seit November 2016
immer 2mg Schritte alle ca. 2-4 Wochen
30.4.17 Doxepin auf 8mg

AD Dosis momentan 50mg Opi /50mg Opi/ 8mg Doxepin
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Hummelchen
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von Hummelchen » Sonntag, 14.05.17, 19:20

Vielen lieben Dank für eure schnellen Antworten. Es motiviert sehr und baut mich auch auf. :)

Als bei dem ersten Absetztversuch, habe ich mir noch echt Mühe gegeben und Tröpfchen für Tröpfchen reduziert. Aber leider immer Ca pro 1-2 Wochen 1-2 Tropfem. Ich dachte damals das ist langsam genug. Aber nach 2 Wochen völliger Abstinenz ging es auf einmal doch los.
Beim zweiten mal, ahb ich die Tablette nur geteilt ne Weile so genommen, dann noch mal gebröselt.... keine Ahnung, was der Quatsch von mir sollte. Ich glaub ich dachte: "Nur die harten kommen in den Garten" 8-) :D

Hummelchen... ja der Name fiel mir dann so ein weil unsere Katze auch etwas zugelegt hat und wir sie Hummelchen Pummelchen nennen. Und da ich auch wie eine Aussehe zur Zeit, passte das. Ganz den Humor verloren habe ich dann doch nicht :lol: :haha:
Es reicht, dass ich an manchen Tagen auf dem Bett sitze, oder vorm Spiegel stehe und anfangen muss zu heulen, weil ich so furchtbar aussehe.

Ja, der Umzug vor 6 Jahren, 400km entfernt von dem ganzen Drama, wo es mir nur noch schlecht ging, ließ mich richtig aufblühen. Man ist das entspannt jetzt! :party2: Nur leider hatte ich ziemlich "Nachwehen" bzw. ist man nun eben durch seine Erfahrungen gebrannt und versucht sich dann selbst zu schützen.

Einen groben Ablauf seht ihr nun in der Signatur. Ich hoffe die passt soweit... ansonsten einfach nochmal schreiben. :)
2007 Diagnose Depression durch Biografie- Trennung der Eltern im Kindesalter, ganz schlimm war es dann ab 2007 durch den damaligen Partner, Job und allgemeines Umfeld.
2007 dann eine Verhaltenstherapie gemacht. Es ging mir etwas besser.

2011 neuer Partner, komplett neues Leben begonnen 400km entfernt vom alten Zuhause. <3 Jedoch bin ich psychisch von den ganzen Vorgeschichten komplett durch.
Müde (Arzt sagt Erschöpfungssyndrom),
keine Konzentration,
keine Lust zu irgednwas, auch nicht auf die schönen Dingen die einem doch eigentlich Spaß machen.
Schwindel
Heulanfälle
völlige aufgelöstheit bei Problemen
große Reizbarkeit

2015 hier zum ersten Mal zum Arzt wegen der "Beschwerden"
Diangnose: Depression
Medikament:venlafaxin 37.5 mg Retardkapseln überhaupt nicht vertragen, endete dann in der Klinik. :shock:
Medikament neu: Escitalopram Tropfen, damit ich ganz vorsichtig hoch dosieren kann.
Nach ca 6 Monaten dann auf 10mg Tabletten umgestiegen, da Tropfen ekelhaft schmecken.

Zwei Absetzversuche über ein paar Wochen. Kann leider keine genauen Angaben mehr dazu machen. Außer, dass es wohl zu schnell war und ich sehr schlimmer Absetzsymptome hatte.
Neuer Versuch: Ab sofort :party2:

Momentane Medikamente: Escitalopram 10mg, VelaFee (Pille). Keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel.

Hummelchen
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von Hummelchen » Sonntag, 14.05.17, 19:38

Und was mich noch interessieren würde...

Wie macht ihr das mit eurem Job? Man kann sich doch auch nicht ewig krankschreiben lassen, weil es einem wegen dem Mist schlecht geht.
2007 Diagnose Depression durch Biografie- Trennung der Eltern im Kindesalter, ganz schlimm war es dann ab 2007 durch den damaligen Partner, Job und allgemeines Umfeld.
2007 dann eine Verhaltenstherapie gemacht. Es ging mir etwas besser.

2011 neuer Partner, komplett neues Leben begonnen 400km entfernt vom alten Zuhause. <3 Jedoch bin ich psychisch von den ganzen Vorgeschichten komplett durch.
Müde (Arzt sagt Erschöpfungssyndrom),
keine Konzentration,
keine Lust zu irgednwas, auch nicht auf die schönen Dingen die einem doch eigentlich Spaß machen.
Schwindel
Heulanfälle
völlige aufgelöstheit bei Problemen
große Reizbarkeit

2015 hier zum ersten Mal zum Arzt wegen der "Beschwerden"
Diangnose: Depression
Medikament:venlafaxin 37.5 mg Retardkapseln überhaupt nicht vertragen, endete dann in der Klinik. :shock:
Medikament neu: Escitalopram Tropfen, damit ich ganz vorsichtig hoch dosieren kann.
Nach ca 6 Monaten dann auf 10mg Tabletten umgestiegen, da Tropfen ekelhaft schmecken.

Zwei Absetzversuche über ein paar Wochen. Kann leider keine genauen Angaben mehr dazu machen. Außer, dass es wohl zu schnell war und ich sehr schlimmer Absetzsymptome hatte.
Neuer Versuch: Ab sofort :party2:

Momentane Medikamente: Escitalopram 10mg, VelaFee (Pille). Keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel.

carlotta
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Hat sich bedankt: 6203 Mal
Danksagung erhalten: 6052 Mal

Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von carlotta » Montag, 15.05.17, 12:58

Hallo Hummelchen,
Hummelchen hat geschrieben:Wie macht ihr das mit eurem Job? Man kann sich doch auch nicht ewig krankschreiben lassen, weil es einem wegen dem Mist schlecht geht.
Man sollte so vorsichtig und langsam reduzieren, dass man möglichst wenig gesundheitliche Einschränkungen hat. Das ist auch für das ZNS am schonendsten. Ich gehe auch arbeiten, teilweise ist es auch eine Gratwanderung, muss ich gestehen. Ich habe allerdings eine andere Vorgeschichte als Du, habe unwissentlich ein AD vor einigen Jahren völlig falsch abgesetzt und bin dadurch in einen protrahierten Entzug geraten (mit ca. einem Dreiviertel-Jahr Krankschreibung), den ich versucht habe, mit einem anderen Mittel aufzufangen (was nur bedingt geklappt hat). Dieses versuche ich, ganz langsam loszuwerden - was insofern schwieriger ist, weil ich ja die "Altlast" des Langzeit-Entzugssyndroms noch mit hier rumschleppe. Daher gibt es bei mir immer mal Phasen, in denen ich öfter krank bin - leider.

So gesehen, hast Du noch recht gute Voraussetzungen für einen moderaten Entzugsverlauf, wenn Du achtsam vorgehst. :)

Einige Betroffene hier gehen ebenfalls arbeiten, andere in Teilzeit, wen es extrem getroffen hat (meist durch völlig falsches Absetzen) kann u. U. auch längere Zeit nicht arbeiten. Es ist unterschiedlich.

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Hummelchen
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Alte Smptome nach Absetzen vom AD?

Beitrag von Hummelchen » Montag, 15.05.17, 21:40

Hilfe... Ich grübel.

Das man Nebenwirkungen beim Absetzen des ADs bekommt, leuchtet mir ja ein. Aber wieso sollten nach dem Absetzen, die Symptome nicht wieder auftauchen, wie vor der Einnahme von AD?

Kann mir das jemand erklären? Ich versuche viel zu lesen, allerdings verstehe ich als Laie nur Fachchinesisch.
2007 Diagnose Depression durch Biografie- Trennung der Eltern im Kindesalter, ganz schlimm war es dann ab 2007 durch den damaligen Partner, Job und allgemeines Umfeld.
2007 dann eine Verhaltenstherapie gemacht. Es ging mir etwas besser.

2011 neuer Partner, komplett neues Leben begonnen 400km entfernt vom alten Zuhause. <3 Jedoch bin ich psychisch von den ganzen Vorgeschichten komplett durch.
Müde (Arzt sagt Erschöpfungssyndrom),
keine Konzentration,
keine Lust zu irgednwas, auch nicht auf die schönen Dingen die einem doch eigentlich Spaß machen.
Schwindel
Heulanfälle
völlige aufgelöstheit bei Problemen
große Reizbarkeit

2015 hier zum ersten Mal zum Arzt wegen der "Beschwerden"
Diangnose: Depression
Medikament:venlafaxin 37.5 mg Retardkapseln überhaupt nicht vertragen, endete dann in der Klinik. :shock:
Medikament neu: Escitalopram Tropfen, damit ich ganz vorsichtig hoch dosieren kann.
Nach ca 6 Monaten dann auf 10mg Tabletten umgestiegen, da Tropfen ekelhaft schmecken.

Zwei Absetzversuche über ein paar Wochen. Kann leider keine genauen Angaben mehr dazu machen. Außer, dass es wohl zu schnell war und ich sehr schlimmer Absetzsymptome hatte.
Neuer Versuch: Ab sofort :party2:

Momentane Medikamente: Escitalopram 10mg, VelaFee (Pille). Keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel.

Jamie
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von Jamie » Montag, 15.05.17, 22:36

Hallo Hummelchen, :)

bitte stelle alle Fragen, die dich zum Entzug interessieren, in deinem Thread.
Ich habe mir erlaubt deine Einzelanfrage aus den Hintergrundinfos in deinen Thread zurückzuverschieben.

Das man Nebenwirkungen beim Absetzen des ADs bekommt, leuchtet mir ja ein. Aber wieso sollten nach dem Absetzen, die Symptome nicht wieder auftauchen, wie vor der Einnahme von AD?
Worauf beziehst du dich?
Also, es kann natürlich sein, dass die Grunderkrankung zurück kommt. Dies ist auch völlig normal, wenn man bedenkt, dass AD keine heilenden Eigenschaften haben. Grunderkrankungen wie Depressionen, Angststörungen etc. müssen in einer Therapie aufgearbeitet werden; anders kommt man nicht an die Wurzel des Übels. Deswegen wirst du hier im Forum auch immer wieder Beiträge finden, wo wir Betroffene fragen, ob sie außer Medikamenten auch Therapie angeboten bekommen haben bzw. sich einen Therapieplatz gesucht haben (?)

Das Forum ist nicht naiv. Uns ist bewusst, dass hier auch Betroffene sind, deren Grunderkrankung sich zurückmeldet. Der weitaus größere Teil denkt aber, die Grunderkrankung sei zurück [vor allem weil die Ärzte es ihnen so erzählen], dabei sind es Absetzsymptome. Besonders auffällig ist das, wenn die Symptome im Entzug sich gar nicht anfühlen wie die Grunderkrankung und davon völlig verschieden sind. Gerade dann ist es sehr naheliegend, dass es Absetzsymptome sind [und eben nicht die Grunderkrankung!]

Beantwortet das deine Frage?

Lesehinweis: Absetzsymptome oder Wiederauftauchen der Grunderkrankung: viewtopic.php?f=19&t=9345

Grüße
Jamie
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Re: Meine Geschichte / Escitalopram, massive Gewichtszunahme

Beitrag von carlotta » Dienstag, 16.05.17, 13:54

Hallo Hummelchen,

die Frage ist auch, wie man "Grunderkrankung" definiert. Der Begriff wird immer so monumental in den Ring geworfen (um es mal blumig zu formulieren), dabei kann man durchaus darüber diskutieren, ob man sog. psychische Störungen überhaupt als Krankheitsbilder definieren kann. Diagnostische Marker sind jedenfalls nicht nachweisbar, psychische Störungen werden anhand von Fragekatalogen "diagnostiziert". Dabei spielt behandlerseitig die subjektive Einschätzung eine enorme Rolle. Und wie ernst zu nehmen Diagnosen sind, die (häufig) nach wenigen Minuten gestellt werden, steht auf einem anderen Blatt.

Offiziell spricht man eben auch von "psychischen Störungen" und nicht von "Krankheiten", letztere sieht das internationale Klassifikationssystem der Krankheiten (ICD-10) nicht vor - wohl, weil sie nicht direkt (bspw. durch Serum-Tests oder bildgebende Verfahren) nachweisbar sind. Zudem stellen die Bezeichungen i. d. R. Symptomatiken dar. (Eine "Angststörung" beschreibt, dass jemand heftig und öfter Angst hat. Wenn einem häufig die Nase läuft und niesen muss, hat man dann eine "Nasenlauf- und Niesstörung"?) Die Diagnosen sind auch letzten Endes Interpretationssache.

Nun möchte ich keinesfalls kleinreden, dass Menschen unter psychischen Krisen (diesen Begriff halte ich für viel passender) sehr leiden können und sie das Leben sehr einschränken können. Ich habe das selbst auch erlebt. Aber so viele Parameter sind unterschiedlich von Mensch zu Mensch, dass es kaum möglich ist zu verallgemeinern. Von Depressionen weiß man bspw., dass sie selbstlimitierend sind, also nicht endlos dauern. Phasen können immer mal wieder auftreten, aber sie gehen vorbei. Allerdings können sie natürlich auch länger andauern, wenn das krankmachende Umfeld nach wie vor da ist und weiter auf die/den Betroffenen einwirkt. Dann wäre eine Änderung der Lebensumstände dringend anzudenken. - Andere Problematiken ergeben sich bspw. durch Traumatisierung, z. B. schon in der Kindheit. Das sitzt dann tief und sollte - wie auch immer - bearbeitet werden. Psychische Probleme haben häufig soziale Ursachen, die es anzugehen gilt. Dabei können Medikamente grundsätzlich nicht "helfen", im Sinne von "heilen". Sie können - wenn's gut läuft - zeitweise Symptome unterdrücken, sodass die betreffende Person bspw. die belastende Umgebung nicht mehr so stark wahrnimmt. Aber eine Lösung auf Dauer ist das nicht.

Man sollte die Problematik zuerst einmal erkennen (nicht jeder weiß sofort, woher tiefe Ängste etc. rühren), um sie bearbeiten zu können. Dabei kann Therapie nützlich sein. Mittlerweile würde ich aber nicht mehr so weit gehen und sagen, dass Psychotherapie für jeden taugt. Auch kann es eine Riesen-Herausforderung sein, überhaupt einen passenden Therapeuten zu finden (die KK lässt eine Endlossuche ja gar nicht zu, zudem sind die Praxen überlaufen), mit dem die Chemie stimmt. Die Menschen sind einfach zu unterschiedlich, ihre Geschichten ebenso. Es gibt zudem auch diverse Therapiearten, wer nicht so viel reden möchte, kann vielleicht eher etwas mit Gestalttherapie anfangen usw. Andere profitieren davon, Sport zu treiben bzw. ihren Körper in der Bewegung wieder mehr zu spüren. Wieder andere lernen viel über sich in der Meditation oder auch im Yoga. Andere müssen einfach den Arbeitsplatz oder den Wohnort wechseln oder den Partner verlassen, um wieder klarzukommen. - Bei mir hat sich bspw. die Problematik mit einem neuen Partner und familiärer Abgrenzung in Luft aufgelöst. Hätte ich keinen Entzug (mit lauter Symptomen, die ich vor der Medikamenteneinnahme niemals hatte!), ginge es mir gut (was es psychisch trotz Entzug meistenteils tut, meine Entzugssymptome sind vorwiegend körperlicher Natur).

Es mag auch körperliche Ursachen für psychische Problematiken geben, z. B. Schilddrüsenprobleme. Dann sollte man an dieser Stelle ansetzen, das können AD und Co. aber genausowenig, da sie das endokrine System tendenziell komplett durcheinanderbringen und die Probleme langfristig verschlimmern.

Psychopharmaka können darüber hinaus in der Therapie davon abhalten, an den eigentlich belastenden Punkten zu arbeiten bzw. überhaupt zu ihnen vorzudringen. Ich habe auch das selbst erlebt, die "Therapie" ging mehr in Richtung "nettes Geplauder". Was im Argen lag, hat mich gar nicht mehr so interessiert, es war ja "überdeckt".

Daher kann es - je nach Lebenssituation und Ursachen der Problematik - durchaus sein, dass die Probleme nach dem Absetzen gar nicht mehr aufkommen, weil dafür einfach kein Anlass mehr besteht. Wenn das Ganze tiefer sitzt und unbearbeitet geblieben ist (in welcher Form auch immer), kann es natürlich wieder aufkommen. Das kann es aber durchaus auch unter der Medikation. Es wird oft so getan, dass Krisen erst nach null wiederkommen. Dabei zeigen Studien, dass gerade bei Langzeiteinnahme AD genau die Probleme auslösen, die sie eigentlich bekämpfen sollen. Das kommt daher, weil sie die Neurochemie in ein unnatürliches Gleichgewicht zwingen, was sich auch physiologisch abbildet, z. B. durch Herunterregulieren von Rezeptoren. Denn der Körper arbeitet immer gegen das Medikament. Daher ist die erwünschte Wirkung - wenn überhaupt vorhanden - i. d. R. auch zeitlich begrenzt. Wenn sie nachlässt (oder die NW sich mehren oder intensivieren, auch paradoxe Reaktionen), kommen Behandler allerdings meist nicht auf die Idee, dass es am Medikament liegen könnte, sondern interpretieren das als Verschlimmerung der "Erkrankung", dosieren hoch oder wechseln fröhlich Präparate oder geben noch weitere hinzu. Das ist Alltag in den Praxen und stationären Einrichtungen. Einige Ergebnisse kannst Du hier im Forum nachlesen.

Ganz oft ist es auch so, dass viel zu schnell abgesetzt wird und es im Zuge des Entzugs (hatte ich weiter oben schon angesprochen) zu einem sog. Rebound kommt. D. h., Symptome der früheren Problematik kommen geballt zurück. Das ist aber nicht unbedingt als Rückfall zu interpretieren (auch wenn das viele so tun), denn das wäre nicht passiert, wenn achtsam ausgeschlichen worden wäre. Es ist letzten Endes eine körperliche Reaktion auf das zu schnelle Absetzen, die Neurochemie kommt mit dem Umbau (sie strebt ja immer nach einem Gleichgewicht, das muss sie bei Dosisveränderungen erst herstellen) nicht hinterher und es herrscht Chaos im ZNS. Nur weil die Symptome früheren ähneln, heißt das also nicht zwingend, dass die alte Problematik wieder da ist. Ob man noch damit zu tun hat, kann man in der Tat nur feststellen, wenn man längere Zeit stabil (!) auf null war (d. h. ordentlich abgesetzt hat, sodass eine rein neurochemische Reaktion auf den Entzug auszuschließen ist).

Ist also alles nicht so einfach.

Liebe Grüße :group:
Carlotta
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