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Gesundheit vs. Krankheit

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escargot
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Gesundheit vs. Krankheit

Beitrag von escargot » Mittwoch, 29.08.18, 10:19

Liebe Foris,

was ist für euch Gesundheit? Was Krankheit?

Ist Gesundheit einfach Wohlbefinden und die Abwesenheit von Symptomen und Beschwerden und Diagnosen oder noch mehr...?

Und Krankheit dagegen mit Beschwerden, Schmerzen und Einschränkungen verbunden?

Bin gespannt auf eure Gedanken dazu...
ich habe auf Empfehlung von padma diesen Teil aus meinem persönlichen Thread mal ausgelagert, da dann noch mehr hier vielleicht den Weg her finden.

Herzliche Grüße
escargot
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02.2014-12.2016 Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie
01.2017-heute schizoaffektive Störung
05.2017-Schizophrenes Residuum

MEDIKATION
=> Bedarf max. 1-2 mg Tavor! (selten)

Täglich :
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2 X 425 mg Passionsblume
800 mg Magnesium
Vitamin B12
....
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01.10. 1 mg Olanzapin, 2 mg R, 1 mg T
Unruhe,Angst,Geräuschkulissen
Schlaflosigkeit seit 23.10.
01.11. 0,9 mg Olanzapin, 2 mg R, 1 mg T plus Bedarf
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Re: Gesundheit vs. Krankheit

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 29.08.18, 10:40

Moin!

Ich hab zu diesem Thema hier mal was übersetzt;
https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=50&t=9883

Murmeline
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Re: Gesundheit vs. Krankheit

Beitrag von Daniel89 » Sonntag, 02.09.18, 14:48

Hallo ihr Lieben,

ich finde das Thema sehr wichtig, da vielen Menschen mit psychischen Problemen gesagt wird, dass sie diese ihr Leben lang haben werden, was meiner Meinung nach ein furchtbarer und absolut falscher Zugang ist. Man bekommt Medikamente verschrieben, um Symptome zu lindern und untergräbt damit die menschliche Fähigkeit zur Selbsthilfe. Gleichzeitig wird man als psychisch krank gebrandmarkt und stigmatisiert. Dieses Bild des Kranken oder sogar des ewigen Kranken verändert und stört das Selbstbild nachhaltig. Es wird einem ein Platz zugewiesen, den man nicht einnehmen will. Für mich hat sich dieser sehr schnell falsch angefühlt, aber in meiner damaligen Situation, wurde es zum einzigen Platz der frei war. Und das wurde eiskalt ausgenutzt. So fühlt es sich zumindest an.

Insofern habe ich beschlossen, mich nie wieder als (psychisch) krank zu beschreiben. Denn das skurrile ist ja, dass ich mich nicht als krank empfinde, aber mit denselben Worten über mich gesprochen habe, wie sie Ärzte auf mich angewendet haben. Als müsste ich es mir selbst einreden.
Ich lehne auch meine Diagnosen ab. Bipolar, ängstlich-vermeidende-Persönlichkeitsstörung, Borderline, Narzissmus und vieles mehr, was ich bereits hören musste, um mich als Individuum besser zu verstehen. Ich kann nicht sagen, wie eine Diagnostik auszusehen hat, die den individuellen Problemen eines jeden Menschen gerecht wird. Aber der Ansatz der Kategorisierung, der Zusammenfassung Einzelner in verallgemeinernde ICD-10 Codes, im Glauben, psychische Vorgänge und schlussendlich Menschen dadurch besser verstehen zu können, wird der Komplexität des menschlichen Geistes meines Erachtens nicht gerecht.

Das alles wird schön in der Definition von psychischer Gesundheit der WHO widergespiegelt. Und es bewahrheitet sich wieder, dass der Fisch am Kopf zu stinken beginnt. Danke fürs Teilen Murmeline. Ich hoffe, es ist okay, dass ich die Definitionen fürs bessere Verständnis in diesen Post integriere.
Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine eigenen Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und in der Lage ist, einen Beitrag zu seiner Gemeinschaft zu machen.
Meine Lesart ist, dass eine möglichst schnelle Wiedereingliederung in die Gesellschaft Hauptrang hat. Wiedereingliederung heißt, wieder seinen Beitrag leisten. "Produktiv und fruchtbar zu arbeiten". Das ist für mich aber nicht das Hauptkriterium menschlicher Existenz. Ich will nicht zu sehr abdriften und verzeiht mir, wenn ich hier jetzt zu sehr mein Weltbild breittrete: Ich bin ein großer Freund der Solidargemeinschaft. Für mich geht dieser Begriff weit über das Gesundheitssystem hinaus. Was die WHO mit ihrer Definition aber propagiert, ist eine Neidgesellschaft, eine Gesellschaft der Leistungswilligen und der Leistungsunwilligen. Dieses gesellschaftliche Denkschema führt dazu, dass ich mich als "Kranker" vor dem "gesunden" Teil der Gesellschaft zu rechtfertigen habe, warum ich "krank" bin. Jener der weniger zu leisten im standen ist, ist auch weniger wert. Zur obersten Prämisse wird eine möglichst rasche Genesung, um wieder seinen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu können. Alles auf Kosten der Nachhaltigkeit, wodurch es häufig zu gar keiner Besserung der eigenen Situation kommt. Zusätzlich gerät man in eine Tretmühle, in der man täglich mit dem optimalen Menschenbild konfrontiert wird, das laut der eigenen Definition auch von der WHO mitgetragen wird.

Die neue Definition für mentale Gesundheit finde ich hingegen der Wirklichkeit des Menschseins sehr nahe.
Psychische Gesundheit ist ein dynamischer Zustand der inneren Gleichgewichts, das es einem Individuum ermöglicht, seine Fähigkeiten im Einklang mit der universellen Werte der Gesellschaft nutzen zu können. Zu diesen universellen Werten würden gehören: Respekt und Fürsorge für sich selbst und anderen Lebewesen; Anerkennung der Verbundenheit zwischen den Menschen; Respekt für die Umwelt; Respekt für die eigene und die Freiheit anderer.
Grundlegende kognitive und soziale Kompetenzen; die Fähigkeit zu Erkenntnis, Ausdruck und Selbstregulation der eigenen Emotionen sowie Empathie mit anderen; Flexibilität und die Fähigkeit, wiedrige Ereignisse im Leben und "Funktieren müssen" in sozialen Rollen zu bewältigen und harmonische Beziehung zwischen Körper und Geist sind wichtige Komponenten der psychischen Gesundheit, die in unterschiedlichem Ausmaß dazu beitragen in den Zustand des inneren Gleichgewichts zu kommen.
Das Recht auf die Suche nach innerem Gleichgewicht und die Möglichkeit sich selbst im Einklang mit den universellen Werten der Gesellschaft verwirklichen können! Diese Werte spiegeln für mich wahre Solidarität wider. Die Möglichkeit innerhalb der Gesellschaft diese grundlegenden kognitiven und sozialen Kompetenzen zu festigen und nicht wie es jetzt meist der Fall ist, dass man vom Rand der Gesellschaft aus wieder "fit gemacht" wird, um wieder ihr vollwertiges Mitglied werden zu können.
In dieser Definition sehe ich einen wichtigen Bruch mit den vorherrschenden medizinischen Dogmen; es ist nicht mehr nötig, oder zumindest nicht vorrangig, Menschen Diagnosen aufs Aug zu drücken. Individualität wird respektiert. Inneres Gleichgewicht wird zu einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenspiel und Bedürfnis. Eine Einteilung in "gesund" und "krank" verliert so komplett an Relevanz. Im Vordergrund steht die Stärkung eigener Kompetenz und ein (Selbst-) Verständnis, zu diesem Zwecke auch Hilfe und Zeit in Anspruch zu nehmen.


Ich hoffe, das war jetzt nicht übers Ziel hinausgeschossen.
Würde mich auf alle Fälle freuen, Ansichten von anderen zu hören. :)

Liebe Grüße,
Daniel
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Re: Gesundheit vs. Krankheit

Beitrag von Arianrhod » Sonntag, 02.09.18, 18:57

Hallo,

"Gesundheit" ist für mich, wenn mein Körper so funktioniert wie er sollte,
"Krankheit" ist , wenn diese Funktionen zeitweise unterbrochen sind,
die Definition des "zeitweise" ist wichtig, somit ist der Begriff von "chronischer Krankheit "in meinen Augen ein Oxymoron - das ist dann keine Krankheit mehr, sondern etwas anderes.....
davon zu unterscheiden: Die Behinderung , ich kann behindert sein, ohne krank zu sein und umgekehrt.

Ich halte den Begriff "psychische Erkrankung" für nicht zutreffend, da die Neurotransmittererklärung imho nur bei wenigen Fällen zutrifft. Sind aber Neurotransmitter gestört, hat man es nicht an der Psyche, sondern ein neurologisches Problem. Auch bei Parkinson oder Hirntumoren tauchen psychische
Symptome auf.

Alles andere sind Lebenskrisen, untaugliche Lösungsversuche am untauglichen Objekt, "Irrungen" ( wie schön wir "irre" von "sich verirren " ableiten können ), Verwirrungen, "die dunkle Nacht der Seele",

spirituelle , Lebens - Reifungs und metaphysische Krisen ,

die gar nicht unter den Krankheitsbegriff gehören , und weder in Kliniken noch mit Medikamenten behandelt werden können.

Die alten Kulturen wussten und in den Märchen kommt es auch vor: ZUerst muss man Prüfungen bestehen und durch das dunkle Tal wandern, bevor man zur Weisheit gelangt bzw. die Prinzessin und das halbe Königreich kriegt .

So gesehen sind seelische Krisen die conditio humana, ohne seelische Krisen kein Mensch.

(wie gesagt, die wirklichen Neurotransmitter-Probleme sind da raus, aber wie hoch liegt der Anteil???? )

liebe Grüße Arian
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Re: Gesundheit vs. Krankheit

Beitrag von Eva » Montag, 03.09.18, 14:02

Hallo,

auf den kürztesten Nenner gebracht, ist Krankheit (für mich) ein Gesamt-Zustand, in dem ich nicht teilnehmen kann am normalen Leben. Wobei sich Fragen anschließen wie: Was ist das "normale" Leben, wo macht der Körper nicht mit, was ist möglicherweise doch mehr dem Denken zuzuschreiben, so dass es sich in unguten Gefühlszuständen äußert (sich krank fühlen)? Aber ganz wohl ist mir bei dieser Erklärung nicht. Und: Wäre nach dieser Definition hohes Alter nicht auch eine Krankheit, zumindest bei starker körperlicher Schwäche und anderen Einschränkungen? Und es gäbe sicherlich noch weitaus mehr an dergleichen Überlegungen ...

Ich finde die Frage im Grunde ebenso schwierig zu definieren wie z. B.: Was ist Liebe?
Oder: Was ist Schönheit? Wobei Letzteres a) Geschmacksache ist und b) für jeden etwas anderes bedeuten kann. Krankheit ja vielleicht auch? Also, natürlich nicht Geschmacksache - aber sich als krank zu betrachten, meine ich.

LG Eva
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