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Tapering Strips

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Elefantenfuss
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Tapering Strips

Beitrag von Elefantenfuss » Sonntag, 17.03.19, 14:06

Hallo ihr Lieben,

heute las ich einen sehr interessanten Artikel, in dem es um die Fragestellung ging, ob es bei Psychopharmaka tatsächlich Absetzsymptome gibt und wie man am besten vorgehen sollte. Es wurde auch über das "Tapering Stripes" Projekt gesprochen und ich schaute mir die Seite direkt an. Für alle gängigen Psychomarmaka gibt es mithilfe dieser Streifen, die Möglichkeit, die Dosis minimal zu reduzieren. Die Bestellung ist nicht nur über die Niederlande möglich, um zu bestellen, muss ein Arzt den Bogen ausfüllen. Die Kosten muss man natürlich selber tragen. Leider gibt es bisher keine Erfahrungsberichte und ich würde mich gerne mehr darüber informieren, auch ob die Kassen das Projekt kennen und ggf. die Kosten dafür tragen würden. Hat irgendjemand schon Erfahrungen damit gemacht?
Das wäre so hilfreich und super!

Liebe Grüße
Elefantenfuss
Zuletzt geändert von Jamie am Montag, 15.04.19, 11:10, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: titel korrigiert (strips statt stripes)
- Seit 2011 Mirtazapin 45 mg. Beginn Absetzen 21.04.2017 mit der Wasserlösemethode 40,5mg.
1. Woche: Bisher nur Schwindel, Kopfschmerzen, morgens innere Unruhe, frühes Erwachen, vermehrtes Träumen, gereizter, schneller wieder "Reizüberflutung", wie Watte im Kopf
2. Woche: Immernoch zum Nachmittag hin starke Kopfschmerzen, Schwindel bei körperlicher Belastung und Unruhe weniger geworden. Gereiztheit weniger, wieder ruhigerer Schlaf. Keine Zunahme von depressiven Symptomatiken.

3. Woche: Deutliche Symptomzunahme, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Stimmungsverschlechterung, unruhiger Schlaf
4. Woche: Regulierung der Symptome, deutlich stabiler, nächsten Absetzschritt noch nicht vorgenommen bei 40,5 mg geblieben.
5. Woche: Keine Symptomzunahme, wieder stabil.
6. Woche 02.06.2017: Nächster Absetzschritt auf 37,5mg in Tablettenform. Morgendliche Maddeligkeit und Müdigkeit, keine weiteren Symptome.
ab 8. Woche Symptomverschlechterung, akustische Halluzinationen, Rückfälle
Juni 2017 bei 37,5 mg geblieben



Problem - Die Anpassung ist ein eigenes Lehrfach; der Intelligentere bringt es darin weiter, der Widerstrebende ist ein Problem der Ärzte und Psychologen (Bertold Brecht)

Jamie
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Jamie » Montag, 15.04.19, 11:11

Hallo Elefantenfuß, :)

leider nein :(.
Magst du vielleicht Pionier spielen und das mal ausprobieren und uns berichten?

Ich denke auf jeden Fall, dass die Krankenkasse es nicht bezahlt.
Man muss wahrscheinlich schon dankbar sein, wenn der Arzt kooperiert und den Bogen ausfüllt :wacko:....

Liebe Grüße
Jamie
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Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


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Murmeline
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Murmeline » Montag, 15.04.19, 11:24

Guten Morgen!

Möchte ergänzen, dass es die Infos neu jetzt auch auf deutsch gibt: https://www.taperingstrip.de

Murmeline mit Grüßen
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
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Smilla
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Smilla » Montag, 15.04.19, 12:39

Hallo,

na wenn das nicht die Anerkennung der absoluten Notwendigkeit des Ausschleichens bedeutet ... *Daumen hoch*

Grüße, Smilla

Seid freundlich,denn jeder Mensch, den ihr trefft, hat schwer zu kämpfen.
-Rev. John Watson-

Um Gott zu begegnen, muss man vorher eine Einladung aussprechen, denn ungebeten kommt er nicht.
-Hape Kerkeling-



Am 12.09.19 mit Bromazepam auf Null, am 21.11.19 Rückfall wegen Kreislaufkrise bzw. PA, mit 6 + 6 mg Einnahme.
Erfahrungen mit Trimipramin und Zolpidem.

Murmeline
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 16.04.19, 7:38

Hier ein zusammenfassender Artikel, wir es funktioniert:
https://www.depression-heute.de/blog/taperingstrip
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

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lionel
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Re: Tapering Strips

Beitrag von lionel » Dienstag, 16.04.19, 10:17

Hallöchen,

ich habe in 2 Wochen einen Termin bei meiner Psychiaterin und werde das Formular mitnehmen und ihr meinen Plan präsentieren. Eigentlich hält sie nichts von Absetzsymptomen, aber reden war schon immer meine Stärke und ich möchte sie davon überzeugen!

Also wenn alles gut geht werde ich Anfang Mai die Tapering Stripes haben und damit beginnen. Habe gerade ein bisschen gespartes auf der Seite und möchte mir das einfach leisten. Würde dann ausführlich im Forum darüber berichten :) Melde mich spätestens in zwei Wochen wieder ;)

Ganz liebe Grüße,
lionel aus Wien
Anfang 2017:
Angstzustände, Schlafstörungen, Depression, Panikattacken.
März 2017:
Von meiner Psychiaterin verschrieben und genommen ab 10. März:
15mg Praxiten (Benzo) 2mal
25mg Sertralin für eine Woche...danach auch 50mg hochdosiert.
NW: große nicht aushaltbare Anspannung in der Nacht, Kopfschmerzen, starke Verspannung beim Genick und Hals, psychosomatische Symptome (Zuckendes Auge, Sprachstörungen, Verkrampfung der linken Gesichtshälfte, Muskeltonus links nicht kontrollierbar, Schwierigkeiten zu stehen.

Ab Ende März: Aufentahlt in der Psychiatrie, 6 Wochen. Benzo wird innerhalb von 2 Wochen abgesetzt und nur noch bei Bedarf, Lyrica wird eindosiert, täglich um 25mg mehr bis zu 200mg und etwas später auf 300mg.

Ab Mai: 50mg Sertralin und 300mg Lyrica und bei Bedarf 15mg Oxazepam

Ab November 2017: 75mg Sertralin und 300mg Lyrica
NW: Einschlafprobleme, lebhafte Träume und Nachtschweiß
Libido kaum vorhanden...

10.3.18: weniger 25mg Sertralin, nun 50mg
NW: sehr trockener Hals -> Halsschmerzen, trockene Lippen, Nase und Augen; Muskelschmerzen am Rücken, sehr lebhafte Träume, dazwischen Kopfschmerzen und Verspannungen beim Hals.

28.3.18: etwas mehr Angstzustände, aber noch im Rahmen, Halsschmerzen und Trockenheit viel besser, Nachtschweiß ubd lebhafte Träume weiterhin vorhanden...

Sertralin wird erstmals nicht weiter abgesetzt!

10.6.18: Lyrica 125-0-150 (25mg am Vm reduziert)
NW: Muskelschmerzen, Darmprobleme und Schmerzen, Verspannungen.

9.7.18: Lyrica 100-0-150 (25mg am Vm reduziert)

10.10.18: Lyrica 100-0-125 (25mg am Abend weniger)

28.12.18: Lyrica 100-0-100 (25mg am Abend weniger)

April und Mai 2019: Unruhe und funktional neurologische "Anfälle" mehrmals wöchentlich. Ab Ende April nehme ich ca. 3mal die Woche Oxazepam 15 mg.

Juni und Juli 2019: Für beide Monate nur insgesamt 45mg Oxazepam.

02.08.19: Sertralin 25mg (25mg weniger)

30.9-8.10.19: mehrmalige funktional neurologische "Anfälle" + 1×7,5mg Oxazepam.

6.12.2019: Reduzierung der Abenddosis Lyrica auf 75mg (um 25mg weniger)

11.4.2020: Reduktion Vormittagsdosis von Lyrica auf 75mg (um 25mg weniger)

Aktuell

Sertralin 25mg und Lyrica 75-0-75mg

Bedarfsmedikation: 7,5mg Praxiten (Oxazepam)

Nahrungsergänzungsmittel
Mönchspfeffer 20mg/Tag, Magnesium 150mg/Tag
Vitamin D3 2000 I.E./Tag + Vitamin K2

Elefantenfuss
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Elefantenfuss » Freitag, 10.05.19, 17:11

Hey ihr Lieben,

@lionel Da drücke ich Dir auf jeden Fall ganz fest die Daumen und bin gespannt, auf Deine Erfahrungen!

ich habe nun auch gerade entdeckt, dass es die Bestellformulare und Hinweise jetzt auch auf deutsch gibt :) Sehr erfreulich! Ich habe mir nun alles ausgedruckt und habe in zwei Wochen einen Termin bei meiner Ärztin. Vielleicht lässt sie sich so davon überzeugen und nimmt die Thematik bezüglich Absetzsymptome endlich ernst und unterstützt mich in meinem Vorhaben. Als ich es auf eigene Faust anfing, war sie natürlich nicht sonderlich erbaut davon :o
Ich hatte in meiner Apotheke nachgefragt, ob Ihnen dieses Projekt bekannt ist und ob es so etwas in der Art auch schon in Deutschland gibt. Leider bisher nicht, es gäbe nur die Möglichkeit, bei einigen Medikamenten, die es nicht in Tropfenform gibt, Kapseln herzustellen.
Ich werde vorab noch mit meiner Krankenkasse sprechen, denn in dem Infoblatt steht auch, dass dieses Verfahren, laut eines Urteils des Gerichtshofs der europäischen Union, erstattungsfähig ist. Das werde ich noch mal evaluieren, ob das für alle Kassen gilt und auch in Deutschland.
Ich werde ebenfalls weiter berichten und bin frohen Mutes :D

Ganz herzliche Grüße
Elefantenfuß
Zuletzt geändert von Elefantenfuss am Freitag, 10.05.19, 17:21, insgesamt 2-mal geändert.
- Seit 2011 Mirtazapin 45 mg. Beginn Absetzen 21.04.2017 mit der Wasserlösemethode 40,5mg.
1. Woche: Bisher nur Schwindel, Kopfschmerzen, morgens innere Unruhe, frühes Erwachen, vermehrtes Träumen, gereizter, schneller wieder "Reizüberflutung", wie Watte im Kopf
2. Woche: Immernoch zum Nachmittag hin starke Kopfschmerzen, Schwindel bei körperlicher Belastung und Unruhe weniger geworden. Gereiztheit weniger, wieder ruhigerer Schlaf. Keine Zunahme von depressiven Symptomatiken.

3. Woche: Deutliche Symptomzunahme, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Stimmungsverschlechterung, unruhiger Schlaf
4. Woche: Regulierung der Symptome, deutlich stabiler, nächsten Absetzschritt noch nicht vorgenommen bei 40,5 mg geblieben.
5. Woche: Keine Symptomzunahme, wieder stabil.
6. Woche 02.06.2017: Nächster Absetzschritt auf 37,5mg in Tablettenform. Morgendliche Maddeligkeit und Müdigkeit, keine weiteren Symptome.
ab 8. Woche Symptomverschlechterung, akustische Halluzinationen, Rückfälle
Juni 2017 bei 37,5 mg geblieben



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Elefantenfuss
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Elefantenfuss » Freitag, 10.05.19, 17:19

Smilla hat geschrieben:
Montag, 15.04.19, 12:39
Hallo,

na wenn das nicht die Anerkennung der absoluten Notwendigkeit des Ausschleichens bedeutet ... *Daumen hoch*

Grüße, Smilla
Liebe Smilla,

ja, eindeutig! Das habe ich auch als erstes gedacht. Die Holländer sind da offensichtlich um Einiges weiter, wo Deutschland gerade mal damit beginnt, sich damit auseinanderzusetzen und in der Psychiatrie nur langsam :schnecke: , endlich, immer mehr durchsickert, dass es Absetzsymptome gibt und diese nicht ausgedacht oder mit einer Verschlimmerung der Grunderkrankung zu tun haben. Hoffentlich wird man bald nicht mehr auf so viel Gegenwind stoßen, sondern auf aufgeklärte Ärzte und Therapeuten. :sports:
- Seit 2011 Mirtazapin 45 mg. Beginn Absetzen 21.04.2017 mit der Wasserlösemethode 40,5mg.
1. Woche: Bisher nur Schwindel, Kopfschmerzen, morgens innere Unruhe, frühes Erwachen, vermehrtes Träumen, gereizter, schneller wieder "Reizüberflutung", wie Watte im Kopf
2. Woche: Immernoch zum Nachmittag hin starke Kopfschmerzen, Schwindel bei körperlicher Belastung und Unruhe weniger geworden. Gereiztheit weniger, wieder ruhigerer Schlaf. Keine Zunahme von depressiven Symptomatiken.

3. Woche: Deutliche Symptomzunahme, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Stimmungsverschlechterung, unruhiger Schlaf
4. Woche: Regulierung der Symptome, deutlich stabiler, nächsten Absetzschritt noch nicht vorgenommen bei 40,5 mg geblieben.
5. Woche: Keine Symptomzunahme, wieder stabil.
6. Woche 02.06.2017: Nächster Absetzschritt auf 37,5mg in Tablettenform. Morgendliche Maddeligkeit und Müdigkeit, keine weiteren Symptome.
ab 8. Woche Symptomverschlechterung, akustische Halluzinationen, Rückfälle
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Murmeline » Freitag, 10.05.19, 17:49

Hallo Elefantenfuss!

In Deutschland können Psychiater Individualrezepte ausstellen. Meist muss man für die Herstellung dazu bezahlen. Aber eigentlich kommt man do an jede beliebige Dosismenge. Wenn der Arzt mitspielt.

Hier der Link: http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=19&t=1030
Und hier ein kurzes Video, wie das geht (in der Apotheke): https://www.youtube.com/watch?v=ql7Nw3CY2R8
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Rosenrot
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Rosenrot » Freitag, 10.05.19, 18:29

Hallo,

in Bezug auf Escitalopram wird empfohlen, auf Citalopram umzusteigen. (Escitalopram-Strips werden nicht angeboten).

Geht das wirklich so einfach?

Also ich würde mich nicht trauen, von 5 mg Escitalopram auf 10 mg Citalopram umzustellen.

Was meint ihr?

Dankeschön.

LG Rosenrot
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carlotta
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Re: Tapering Strips

Beitrag von carlotta » Montag, 13.05.19, 16:58

Hallo Rosenrot,

so lautete früher die Standardempfehlung, auch in sog. Absetzforen, von Citalopram auf Escitalopram umzusteigen, weil es letzteres flüssig gab bzw. zur leichteren Dosierung. (Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile auch Citalopram als Tropfen.)

Nach den zahlreichen Erfahrungen, die über die Jahre so gemacht und mitgeteilt wurden, wäre ich mittlerweile auch vorsichtig mit der Umstellung, v. a. ad hoc, da gerade bei einem bereits sensibilisierten ZNS jedwede noch so geringe Veränderung schon spürbare Auswirkungen haben kann. Das sieht man ja schon daran, dass Betroffene immer wieder bei Präparate- bzw. Herstellerwechseln wegen anderer Zusatzstoffe Probleme haben.

Wenn überhaupt, würde ich in solch einem Fall überlappend und ganz langsam umstellen, sofern möglich. Wobei man dann das Ausgangsmedikament, also in dem von Dir genannten Beispiel, das Escitalopram, auch irgendwie "kleinkriegen" müsste.

Alternativ könnte man eben auch auf die flüssige Variante umsteigen, aber auch da wäre ein vorsichtiges Heranführen u. U. vorzuziehen, da sich auch dabei die Zusatzstoffe unterscheiden und flüssige Darreichungsformen anders verstoffwechselt werden bzw. schneller anfluten.

Alles nicht so einfach.

Liebe Grüße
Carlotta
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"We need to stop harming each other in the false name of medicine." (Monica Cassani)

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Elefantenfuss
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Elefantenfuss » Dienstag, 14.05.19, 18:51

Hallo ihr Lieben,

gestern hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit einer total lieben Mitarbeiterin meiner Krankenkasse.
"Tapering Strip" war ihr bisher nicht bekannt und ist in der Datenbank nicht erfasst, sie hat aber sofort recherchiert und heraus gefunden, dass es so ein Angebot in Deutschland tatsächlich noch nicht gibt. Es gibt die Möglichkeit, mit dem Arzt zusammen, einen Antrag zu stellen und das Anliegen detailliert und begründet darzulegen, dann würde nach Einzelfall entschieden. Wenn es von dem behandelnden Arzt indiziert ist, stehe dem aber nichts im Weg.
Sie fand es sehr spannend und war sofort interessiert und sehr offen für die gesamte Thematik.
Abgesehen davon, möchte ich hier am Rande erwähnen, dass ich bei meiner Krankenkasse schon so viele Jahre bin und ich bisher immer gute Erfahrungen gemacht habe, mit allen Anliegen und bisher Kosten immer übernommen wurden, sei es für Klinikaufenthalte oder sonstige notwendige, medizinischen Maßnahmen/Medikamete und möchte an dieser Stelle ermutigen, dass man mit den Krankenkassen durchaus sprechen kann, auch betreffend dieser Thematik.
Das soll erst einmal ein kleiner Zwischenstand gewesen sein :)

Drückt mir die Daumen, dass meine Ärztin ebenso positiv darauf reagiert und den Weg mit mir zusammen geht.

Ganz liebe Grüße
Elefantenfuß
- Seit 2011 Mirtazapin 45 mg. Beginn Absetzen 21.04.2017 mit der Wasserlösemethode 40,5mg.
1. Woche: Bisher nur Schwindel, Kopfschmerzen, morgens innere Unruhe, frühes Erwachen, vermehrtes Träumen, gereizter, schneller wieder "Reizüberflutung", wie Watte im Kopf
2. Woche: Immernoch zum Nachmittag hin starke Kopfschmerzen, Schwindel bei körperlicher Belastung und Unruhe weniger geworden. Gereiztheit weniger, wieder ruhigerer Schlaf. Keine Zunahme von depressiven Symptomatiken.

3. Woche: Deutliche Symptomzunahme, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Stimmungsverschlechterung, unruhiger Schlaf
4. Woche: Regulierung der Symptome, deutlich stabiler, nächsten Absetzschritt noch nicht vorgenommen bei 40,5 mg geblieben.
5. Woche: Keine Symptomzunahme, wieder stabil.
6. Woche 02.06.2017: Nächster Absetzschritt auf 37,5mg in Tablettenform. Morgendliche Maddeligkeit und Müdigkeit, keine weiteren Symptome.
ab 8. Woche Symptomverschlechterung, akustische Halluzinationen, Rückfälle
Juni 2017 bei 37,5 mg geblieben



Problem - Die Anpassung ist ein eigenes Lehrfach; der Intelligentere bringt es darin weiter, der Widerstrebende ist ein Problem der Ärzte und Psychologen (Bertold Brecht)

top28
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Re: Tapering Strips

Beitrag von top28 » Dienstag, 18.02.20, 20:53

Hallo liebe Gemeinde,
ich habe die Tapering stripes für Mirtazapin bekommen und bin begeistert. Sehr sinnvoll in einer Art "Kalenderrolle" verpackt. Jeder Tag beschriftet und individuell zusammengestellt.
Endlich kein nervendes auflösen und zerkleinern. Kostet 77€ pro 28 Tage. Arzt unterschreibt die Vorlage und schickt es direkt an die Apotheke in den Niederlanden. $ tage später ist es da.
Grüsse
Top
Seit 2010 7,5mg Mirtazapin drei mal die Woche.
Erster Versuch 2015 gescheitert, Kaltentzug.
02.02.2019 auf 3,75mg ohne Probleme.


Seit 01.10.2019 3,75 mg Mirtazapin täglich
01.12.2019 3 mg
01.01.2020 2 mg
17.01.2020 1,75 mg
27.01.2020 1,5 mg
02.02.2020 1,25 mg
09.02.2020 1,00 mg
Tapering Stripes
19.02.2020 0,9 mg
01.03.2020 0,8 mg
08.03.2020. 0.7. mg
14.03.2020. 0,5 mg
14.04.2020 0,4 mg
27.04.2020 0,3 mg
10.05.2020 0,2 mg
20.05.2020 0.1 mg
25.05.2020 0.0 mg
Jede Reduzierung brachte starke Absetzsymptome (Brustengen, Schlafstörung, Nackenschmerzen, Magenprobleme, Unruhe)
Am stärksten nach 5 Tagen.
Plan ist, bis 1 mg pro Woche reduzieren.
Dann alle 2 Wochen um 0,10mg.
Klappt immer besser je niedriger die Dosierung.
Unterstützend: Tilray 10/10 drei Tropfen, hilft bei Übelkeit und Schlaflosigkeit.

Towanda
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Re: Tapering Strips

Beitrag von Towanda » Dienstag, 18.02.20, 21:09

Hallo Top,

konntest Du selber angeben, welche Dosierung Du brauchst? Der vorgegebene Plan von der Firma ist sehr schnell, viel schneller als die hier empfohlenen 10 % alle 4-6 Wochen ......

Gruß, Towanda
► Text zeigen

12.03.20 - 0,75 mg Mirtazapin
12.04.20 - 0,65 mg Mirtazapin
13.05.20 - 0,65 mg Mirtazapin


Weitere Medikamente:
Wegen Fluorchinolone-Schädigung jede Menge NEMs
1 x wöchentlich Mirtazapin C30 5 Globuli
3 x tgl. Thyreoidea comp. 3 Globuli


Wenn eine Schraube locker ist, hat das Leben etwas mehr Spiel.

top28
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Re: Tapering Strips

Beitrag von top28 » Mittwoch, 19.02.20, 10:36

Liebe Towanda,
das ist individuell machbar. Zum Beispiel 28 Tage von 5mg auf 4mg. Dann wieder 28 Tage von 4mg auf 3,5mg. Oder Erhaltungsdosis 14 Tage 3,5mg und 14 Tage 3mg.
Seit 2010 7,5mg Mirtazapin drei mal die Woche.
Erster Versuch 2015 gescheitert, Kaltentzug.
02.02.2019 auf 3,75mg ohne Probleme.


Seit 01.10.2019 3,75 mg Mirtazapin täglich
01.12.2019 3 mg
01.01.2020 2 mg
17.01.2020 1,75 mg
27.01.2020 1,5 mg
02.02.2020 1,25 mg
09.02.2020 1,00 mg
Tapering Stripes
19.02.2020 0,9 mg
01.03.2020 0,8 mg
08.03.2020. 0.7. mg
14.03.2020. 0,5 mg
14.04.2020 0,4 mg
27.04.2020 0,3 mg
10.05.2020 0,2 mg
20.05.2020 0.1 mg
25.05.2020 0.0 mg
Jede Reduzierung brachte starke Absetzsymptome (Brustengen, Schlafstörung, Nackenschmerzen, Magenprobleme, Unruhe)
Am stärksten nach 5 Tagen.
Plan ist, bis 1 mg pro Woche reduzieren.
Dann alle 2 Wochen um 0,10mg.
Klappt immer besser je niedriger die Dosierung.
Unterstützend: Tilray 10/10 drei Tropfen, hilft bei Übelkeit und Schlaflosigkeit.

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Re: Tapering Strips

Beitrag von Towanda » Mittwoch, 19.02.20, 11:08

Hallo Top,

das weiß ich schon, das ändert aber nichts daran, daß diese 0,5-Schritte oft zu groß sind.

Aber wenn Du das genau angeben kannst, was Du willst, also auch kleinere Schritte wie 0,5 und längere Intervalle wie 28 Tage, dann ist das sehr gut.

Grüße, Towanda
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12.03.20 - 0,75 mg Mirtazapin
12.04.20 - 0,65 mg Mirtazapin
13.05.20 - 0,65 mg Mirtazapin


Weitere Medikamente:
Wegen Fluorchinolone-Schädigung jede Menge NEMs
1 x wöchentlich Mirtazapin C30 5 Globuli
3 x tgl. Thyreoidea comp. 3 Globuli


Wenn eine Schraube locker ist, hat das Leben etwas mehr Spiel.

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Re: Tapering Strips

Beitrag von top28 » Donnerstag, 20.02.20, 18:11

Hallo Towanda,
ich habe 0,10er Schritte gewählt.
Grüsse Tobias
Seit 2010 7,5mg Mirtazapin drei mal die Woche.
Erster Versuch 2015 gescheitert, Kaltentzug.
02.02.2019 auf 3,75mg ohne Probleme.


Seit 01.10.2019 3,75 mg Mirtazapin täglich
01.12.2019 3 mg
01.01.2020 2 mg
17.01.2020 1,75 mg
27.01.2020 1,5 mg
02.02.2020 1,25 mg
09.02.2020 1,00 mg
Tapering Stripes
19.02.2020 0,9 mg
01.03.2020 0,8 mg
08.03.2020. 0.7. mg
14.03.2020. 0,5 mg
14.04.2020 0,4 mg
27.04.2020 0,3 mg
10.05.2020 0,2 mg
20.05.2020 0.1 mg
25.05.2020 0.0 mg
Jede Reduzierung brachte starke Absetzsymptome (Brustengen, Schlafstörung, Nackenschmerzen, Magenprobleme, Unruhe)
Am stärksten nach 5 Tagen.
Plan ist, bis 1 mg pro Woche reduzieren.
Dann alle 2 Wochen um 0,10mg.
Klappt immer besser je niedriger die Dosierung.
Unterstützend: Tilray 10/10 drei Tropfen, hilft bei Übelkeit und Schlaflosigkeit.

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