Fachartikel

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Artikel des Jahres 2007

  • Januar 2007: Anstieg von Antidepressiva-Vergiftungen.
Pharmacoepidemiol Drug Saf. 2007 Jan 3; (Epub ahead of print, PubMed)
In den Jahren 1983-2003 hat sich die Zahl der Vergiftungen mit Antidepressiva in den USA mehr als verfünffacht, was klar mit der gestiegenen Zahl von SSRI-Verordnungen zusammenhängt. Die Rate der Todesfälle durch die Vergiftungen ging relativ zur Vergiftungszahl um 56% zurück - die absolute Zahl ist stark gestiegen.
Weitere Details und Daten bis 2005: USA: Mehr Todesfälle durch SSRI.

Artikel des Jahres 2006

  • Dezember 2006: Schwangerschaft: Genauere Daten zum Missbildungsrisiko unter Paroxetin.
Birth Defects Res B Dev Reprod Toxicol. 2006 Dec 22; (Epub ahead of print, PubMed)
Die Registerdaten von kanadischen Frauen, die während der Schwangerschaft Antidepressiva einnahmen, wurden eingehend untersucht. Es zeigte sich, dass Paroxetin speziell in Dosierungen über 25 mg/Tag das Risiko für Fehlbildungen beim Kind etwa verdoppelt; das Risiko für Herzmissbildungen wird verdreifacht. Erstmals wurde eine Dosis-Wirkungs-Beziehung gezeigt (höhere Dosen sind schädlicher). Ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang gilt in der Pharmakologie als Beweis, dass tatsächlich der untersuchte Stoff für die Schadwirkung verantwortlich ist.
  • Dezember 2006: SSRI verschlechtern die Stoffwechsellage.
J Clin Psychiatry 2006;67(12):1974-82. (PubMed)
Das Journal of Clinical Psychiatry berichtet, dass Langzeiteinnahme von SSRI, besonders von Paroxetin, mit Übergewicht, Cholesterinanstieg und Diabetes einhergeht. Bisher war man davon ausgegangen, dass SSRI eher appetithemmend und gewichtsreduzierend wirken. Diese Annahme beruhte aber nur auf Kurzzeitbeobachtungen.
  • Dezember 2006: Alle Antidepressiva erhöhen die Suizidalität.
Archives of General Psychiatry 2006;63:1358-1367.
Die bisher methodisch beste Studie zum Zusammenhang zwischen Antidepressiva-Einnahme und Suizidalität zeigt eine eindeutige Steigerung der Selbstmordneigung durch neuere und ältere Wirkstoffe. Es war die erste Studie überhaupt, die vom Design her zum direkten Nachweis eines Effekts der Antidepressiva auf die Suizidalität geeignet war - sie hätte die von führenden Psychiatern oft behauptete positive Wirkung der Stoffe nachweisen können, doch das Gegenteil ist der Fall.
Weitere Informationen im ADFD-Forumsbeitrag.
  • Oktober 2006: Nochmals: Missbildungen nach SSRI.
Epidemiology. 17(6):701-704.
Nach epidemiologischen Daten geht Einnahme von SSRI in der Schwangerschaft mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko einher. Bisher besteht nur eine FDA-Warnung für Paroxetin, es sollen allerdings alle SSRI das Risiko erhöhen.
  • August 2006: Schwangerschaft: Einnahme von SSRI schädigt das Kind.
Archives of General Psychiatry 2006(63):898.
In einer methodisch hochwertigen Studie wurde untersucht, wie sich Depression und SSRI-Einnahme der Mutter auf das Kind auswirken. Die Forscher erwarteten, dass die Kinder der mit Medikamenten behandelten Mütter gesünder sein müssten, da Depression ein bekannter Risikofaktor für den Schwangerschaftsverlauf ist. Es stellte sich aber heraus, dass die Kinder der behandelten Mütter eindeutig kränker waren als die Kinder von Müttern, die keine SSRI erhielten. Der Effekt war sogar nach Berücksichtigung der Erkrankungsschwere nachweisbar, d.h. er beruht nicht darauf, dass vielleicht besonders schwer kranke Mütter eher SSRI einnahmen. SSRI sind demnach ein eigenständiger Risikofaktor für die Schwangerschaft und verschlechtern den Zustand des Neugeborenen zusätzlich zur Depression der Mutter.
  • Mai/Juni 2006: Paroxetin erhöht Suizidrisiko bei Erwachsenen.
British Medical Journal 2006(332):1175.
Die Firma GlaxoSmithKline (GSK) musste nach Druck von Gerichten und Zulassungsbehörden alle Studiendaten zu ihrem SSRI Paroxetin herausgeben, auch die bisher unter Verschluss gehaltenen Negativdaten. Die Auswertung ergibt eine 6,7fache Steigerung des Suizidrisikos durch Paroxetin im Vergleich zu Scheinmedikament (Placebo). Die FDA hat GSK zu einer sofortigen Warnung (Dear Healthcare Professional Letter) an alle Ärzte verpflichtet.
Vermutlich bergen alle SSRI und SNRI ein ähnliches Risiko - siehe ADFD-Forumsbeitrag.
  • April 2006: Schwangerschaft: SSRI schädigen das Kind.
American Journal of Obstetrics and Gynecology 2006; 194: 961-966. (PubMed)
Einnahme von SSRI oder SNRI durch die Mutter in der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Früh- und Totgeburten. Die Kinder haben häufiger ein niedriges Geburtsgewicht oder erleiden Krampfanfälle.
  • Februar 2006: Schwangerschaft: Tödliche Lungenschädigungen bei Neugeborenen durch SSRI.
New England Journal of Medicine 2006; 354:579-587.
Eine Fallkontrollstudie zur Prüfung des Schädigungspotenzials von SSRI hat ein alarmierendes Ergebnis: Eines von 100 Neugeborenen kommt mit schweren Lungenschäden zur Welt, wenn die Mutter während der Schwangerschaft SSRI einnimmt. Wiederum jedes 10. betroffene Kind stirbt daran, bei allen geschädigten Kindern ist die Lebenserwartung verkürzt.
  • Februar 2006: Schwangerschaft: Entzugssyndrom bei Neugeborenen nach SSRI-Einnahme der Mutter
Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine 2006; 160:173-176.
Ungefähr jedes dritte Kind leidet nach der Geburt an einem Entzugssyndrom, wenn die Mutter während der Schwangerschaft SSRI oder SNRI einnimmt. In einigen Fällen erreicht die Schwere der Symptome fast die eines Opiatentzuges; die Daten bestätigen in etwa die Häufigkeit von Entzugssyndromen bei Erwachsenen.
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