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Re: Was ist Akathisia / Akathisie? SSRI/SNRI-induzierte paradoxe Reaktion

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Murmeline
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Re: Was ist Akathisia / Akathisie? SSRI/SNRI-induzierte paradoxe Reaktion

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 30.11.16, 9:35

Originalartikel Akathisia vom RxISK Medical Team
Quelle: http://rxisk.org/akathisia/

Was ist Akathisie?
Akathisie eine komplexe Nebenwirkung von verschiedenen psychotropen Substanzen einschließlich Antidepressiva und Antipsychotika. Es wird oft als ein Gefühl der inneren Unruhe beschrieben.

Es kann sich als körperliches Unbehagen oder als Unfähigkeit zum Stillstand manifestieren, aber es kann auch weniger offensichtlich sein, als ein konstantes und störendes Unbehagen im Geist, bis hin zu einem intensiven emotionalen Aufruhr.

Akathisia kann innerhalb von Stunden nach Beginn der Behandlung auftreten, oder es kann nach Wochen oder Monate erscheinen. Es kann auch bei Dosisänderungen und beim Absetzen auftreten.

Akathisie wird oft irreführend als Bewegungsstörung beschrieben, aber es gibt keine unwillkürliche Bewegungen wie bei tardiver Dyskinesie oder Parkinsonismus. Akathisie ist eher ein emotionaler Zustand als eine motorische Störung, und es ist dieser emotionale Zustand, der zum Bedürfnis führen kann, sich in Bewegung zu halten, um die Spannung zu lindern.

Symptome
Symptome können sein:
  • Angst oder Unruhe
  • Unruhe
  • das Gefühl emotional unruhig oder unzufrieden mit dem Leben zu sein (Dysphorie)
  • Schlafschwierigkeiten (Schlafstörungen)
  • Angst oder Panikattacken
  • Schwierigkeiten beim Sitzen; Gefühl die Notwendigkeit, sich zu bewegen, z. B. vor und zurück zu wippen
  • ein Gefühl aus der Haut springen zu wollen
  • Dunkle und unangenehme Gedanken
Es kann manchmal das Auftauchen von seltsamen und ungewöhnlichen Impulsen umfassen, oft von einer aggressiven Natur. Es kann im Einzelfall auch zu Gewalt und Selbstmord führen.

Akathisie kann sich sehr seltsam und unangenehm anfühlen. Die Betroffenen finden es oft sehr schwierig, genau zu erklären, was falsch ist, obwohl sie in unerträglicher Not sein können.

In leichteren Fällen erkennen manche Leute nicht, wie sehr sie von dem Problem betroffen sind, bis sie das Medikament absetzen oder reduzieren.

Wie häufig ist Akathisie?
Signifikante Symptome der Akathisie treten auf bei:
  • etwa 20% Betroffener bei Antidepressiva.
  • mindestens 50% Betroffene bei Antipsychotika. Bei höheren Dosen steigt diese auf 80% oder mehr an.
Bei Antidepressiva tritt der Zustand am häufigsten bei den Medikamenten auf, die als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bekannt sind. Dazu gehören SSRIs, SNRIs und die meisten Trizyklika. Auch andere Antidepressiva können Akathisie auslösen.

Das Problem kann bei Patienten oder gesunden Probanden auftreten. Bei einer Studie mit gesunden Probanden für das Antidepressivum Zoloft (Sertralin) von 1983, musste der Versuch vor dem Ende der ersten Woche aufgegeben werden, da jeder Teilnehmer Anzeichen von Akathisie zeigte.

Eine Studie von King und Kollegen mit gesunden Freiwilligen mit Haloperidol stellte fest, dass sich bis zu 50% bei der Einnahme von Dosen um die ~4 mg unwohl fühlten, beunruhigt waren und nicht in der Lage, ruhig zu bleiben. Einige Freiwillige fanden es fast unmöglich, im Zimmer zu bleiben, aber es war zugleich schwierig zu erklären, was falsch war (1)

Viele Psychiater, die Antipsychotika versucht haben, haben dies erlebt, und ein Teil hat gesagt, es sei nahe an der schlimmsten Erfahrung ihres Lebens.

Healy und Kollegen erhielten ähnliche Ergebnisse wie die King-Studie, mit dem zusätzlichen Aspekt, dass Beschwerden und Reizbarkeit bei einigen Freiwilligen bis zu einer Woche später noch deutlich waren (2,3,4). Andere Forscher haben ähnliche Effekte (5,6) gefunden.

Beschreibung
Einige der frühesten Beschreibungen von Akathisie gibt es von Menschen bei der Einnahme von Reserpin für Blutdruckprobleme in der Mitte der 1950s (7).

"Erhöhte Verkrampfung, Unruhe, Schlaflosigkeit und ein sehr unangenehmes Gefühl".

"Am ersten Tag der Behandlung reagierte er mit ausgeprägter Angst und Weinerlichkeit, am zweiten Tag fühlte sich so schrecklich mit so markanter Panik in der Nacht, dass das Medikament abgesetzt wurde".

"Die ersten wenigen Dosen machten sie häufig ängstlich und besorgt. Sie berichteten von erhöhten Fremdheitsgefühlen, durch Aussagen verbalisiert wie "Ich fühle mich nicht" oder "Ich habe Angst vor einige der ungewöhnlichen Impulse, die ich habe".


Diagnose
Trotz der hohen Inzidenz (Anzahl neu aufgetretener Krankheitsfälle innerhalb einer definierten Population in einem bestimmten Zeitraum) und Schwere der Akathisie haben sowohl Patienten als auch Ärzte oft ein schlechtes Verständnis für das Problems. Einige Mitarbeiter im Gesundheitswesen haben noch nie davon gehört.

Eine übliche Reaktionen von Ärzten, wenn sie Symptome der Akathisie sehen, ist es, die Dosis zu erhöhen, was dann das Problem verschlechtert.

Wenn Ihre Symptome schwer sind und Sie sich in der Notaufnahme eines Krankenhauses befinden, ist es ähnlich wahrscheinlich, dass Akathisie als eine Verschlechterung Ihrer Krankheit betrachtet wird, es sei denn, Sie sind in der Lage, klar zu erklären, dass Sie eine unerwünschte Arzneimittelreaktion erleiden.

Akathisie kann häufig als falsch diagnostiziert werden als:
  • Verschlechterung der Depression
  • Angststörung
  • Restless Leg Syndrome (Syndrom der ruhelosen Beine)
  • ein nervöser Zusammenbruch
Wenn Sie denken, dass Sie möglicherweise an dieser Nebenwirkung leiden, kann es hilfreich sein, den Begriff "Akathisie" spezifisch zu verwenden, wenn Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Sie könnten auch darum bitten, dass dieser Begriff in Ihren Unterlagen notiert wird, um zu zeigen, dass Sie das Problem eindeutig als unerwünschte Wirkung des Medikaments identifiziert haben.

Wenn zur Beschreibung der Empfindungen allgemeine Begriffe wie Agitation oder Angst genutzt werden, dann wird die Nebenwirkung eher mit einer Stimmungsstörung verwechselt.

Für Freunde und Familie
Wenn Sie einen Freund oder ein Familienmitglied haben, das vor kurzem mit der Einnahme von Antidepressiva oder Antipsychotika begonnen hat, sollten Sie auf Anzeichen von Akathisie achten. Das Problem kann manchmal schwierig bei der anderen Person zu erkennen sein, da es keine offensichtliche Unruhe geben kann. Die Person kann jedoch:
  • einen angespannten Blick haben
  • abgelenkt oder beschäftigt wirken
  • scheinbar nicht ganz bei sich sein
  • schnell reizbar oder impulsiv werden
  • emotional beunruhigt sein
Wenn diese Probleme nur erschienen, nachdem Medikamente angesetzt wurden oder sich verschlechterten, seit die Medikamente eingenommen wurden, könnte die Person an Akathisie leiden.

Es ist wahrscheinlich, dass Ihre Freunde oder Ihre Familienmitglieder möglicherweise nicht über Akathisie Bescheid wissen und vielleicht nicht verstehen, was mit ihnen geschieht. Es ihnen zu erklären kann Leben retten.

Wenn Sie jemanden kennen, der bereits ein Antidepressivum oder Antipsychotikum einnimmt, dann ist es wichtig, sich bewusst zu sein, dass eine Änderung der Dosis, ein Absetzen des Medikaments oder ein Wechsel zu einem anderen Medikament Akathisie auslösen kann. Daher kann jemand, der derzeit langfristig Medikamente einnimmt und dem es gut geht, immer noch gefährdet sein, wenn Änderungen in der Behandlung vorgenommen werden.

Behandlung
Je nach den Umständen kann die geeignetste Vorgehensweise sein, die Dosis zu senken oder das Medikament vollständig abzusetzen.

Akathisie spricht manchmal auf ein anticholinerges Antidot oder auf Propranolol (Beta-Blocker) an. Eines der wirksamsten Mittel scheint jedoch Rotwein zu sein. Dies ist ein Problem, das buchstäblich zu starkem Alkoholkonsum führen kann. (Gier nach Alkohol ist separates Thema, dass bei SSRIs und SNRIs auftreten kann)

Bei einem Teil derer, die Antidepressiva oder Antipsychotika für eine lange Zeit eingenommen haben, kann es mehrere Monate oder länger nach Absetzen des Medikaments dauern, bis sich die Akathisie zurückbildet. Für einige kann eine Restsymptomatik auf unbestimmte Zeit andauern, so dass die Person sich nicht völlig entspannt fühlt oder emotional zufrieden ist.

1 King DJ, Burke M, Lucas RA. Antipsychotic drug-induced dysphoria. Br J Psychiatry 1995; 167:480–482.
2 Healy D, Farquhar G. The immediate effects of droperidol. Hum Psychopharm 1998; 13:113–120.
3 Jones-Edwards G. An eye-opener. OpenMind 1998; September:12,13,19.
4 Jones-Edwards G. On the receiving end. New Therapist 2000; 7:40–43.
5 Belmaker RH, Wald D. Haloperidol in normals. Br J Psychiatry 1977; 131:222–223.
6 Kendler KS. A medical student’s experience with akathisia. Am J Psychiatry 1976; 133:454.
7 Healy D, Savage M (1998) Reserpine exhumed. Brit J Psychiatry 172: 376–378.
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Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

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Murmeline
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Re: Was ist Akathisia / Akathisie? SSRI/SNRI-induzierter paradoxer Reaktion

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 30.11.16, 9:38

Hier ein Kurzvideo mit Infos

https://www.youtube.com/watch?v=x86aCDtvbT0

Infos auch unter: http://missd.co/
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Re: Re: Was ist Akathisia / Akathisie? SSRI/SNRI-induzierte paradoxe Reaktion

Beitrag von Arianrhod » Mittwoch, 30.11.16, 17:02

Hallo und danke,
ich hatte durch Haloperidol eine Akathisie entwickelt. Ich rannte die ganze Zeit durch die Wohnung und klatschte die Hände gegen die Wände. Mein Bewegungsdrang war so stark , dass ich nicht einmal sitzen und essen konnte. Ein Buch lesen oder Fernsehguc´ken war völlig unmöglich. Wenn Schlaf ging, dann nur so etwas wie durch körperliche Erschöpfung, ich konnte einfach nicht mehr. Ich habe in der Zeit 20 kg im Monat abgenommen ( ich war damals dann zu dünn) und habe täglich eine Tafel Schokolade gegessen, um nicht weiter abzunehmen.
Nach dem Monat haben die Ärzte allerdings Haldol rausgenommen bei mir und gesagt, dieser Zustand hätte keinen Wert.

liebe Grüße Arian
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Jamie
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Re: Was ist Akathisia / Akathisie? SSRI/SNRI-induzierte paradoxe Reaktion

Beitrag von Jamie » Mittwoch, 30.11.16, 21:25

Hallo.

Auch ich möchte einen Erfahrungsbericht beisteuern.

Es war das Jahr 2005 / 2006 und ich inmitten meiner Magister-Prüfungs-Vorbereitungen an der Uni, als sich mein psychischer Zustand und meine Schlafstörungen weiter verschlechterten, sodass ich in heller Verzweiflung meine Neurologin aufsuchte.
Ich merkte, es ging alles den Bach herunter und ich raste sehenden Auges auf den Abgrund zu, konnte es aber nicht stoppen.

Es folgte ein Feuerwerk an Psychopharmaka; jede Woche saß ich erneut als Notfall, verheult, verquollen und kaum noch eines geraden Gedankens mächtig in der Praxis und musste berichten, dass das nächste Medikament wieder nicht geholfen hatte, sondern stattdessen unaushaltbare Nebenwirkungen (zumeist explosionsartige Unruhe und Panik) eingetreten waren, was für jemanden, der nachts kaum noch 2 Stunden Schlaf findet und dessen Körper 24/7 unter Strom steht, einfach ein GAU mit Ansage ist.

Da zu dieser Zeit auch nicht bekannt war, dass ich paradox auf NL reagiere, mussten erst unzählige Halbkatastrophen eintreten, ehe die Ärztin auf den Tisch haute und sagte "Entweder Sie nehmen jetzt mal ein halbes Jahr Sertralin, oder ich kann Sie nicht mehr weiterbehandeln. Ich kann Ihnen nicht helfen, wenn Sie nicht bereit sind auch mal ein Medikament länger zu nehmen und NW in Kauf zu nehmen."
Das war dann der Anfang vom Ende.

Aufgelöst vor Angst (ich schrieb meine Magisterarbeit zu diesem Zeitpunkt!) und voller Verzweiflung willigte ich in diese Erpressung ein.
Ich nahm ein paar Tage 25mg, ein paar Tage 50mg und dann ging ich hoch auf 100mg. Fast ein Jahr lang nahm ich diese Dosis.

Ich entwickelte eine Essstörung, mir war unter Zoloft (Sertralin) nicht nach essen und ich zitterte tagein / tagaus.
Ich zitterte mir sozusagen die Kilos vom Leib; nicht zu reden von der auch starken motorischen Unruhe.
Nachts bekam ich kein Auge zu, tagsüber torkelte ich völlig übermüdet und gleichzeitig aufgedreht wie unter Drogen (bitteres Lachen, ja, ich stand unter Drogen!) durch die Gegend.
Ich konnte keine Minute stillsitzen oder still liegen. Ich hatte den Kern meines Seins und Friedens verloren. :sad-angel:

Ich tigerte stundenlang wie ein eingesperrtes Raubtier in der Wohnung umher. Ich konnte überhaupt keine Ruhe mehr fühlen, ich war ein nervöses Nervenbündel. Keine Sekunde hatte ich meinen Frieden mehr.
Ich war panisch, verzweifelt, hochgradig erregt und hysterisch.
Ich heulte oder stierte lethargisch, aber immer voller Anspannung, in irgendeine Ecke.

Der Schlaf war vorher schon weg, aber das, was mir mit Sertralin angetan wurde, dafür finde ich keine Worte.
Wenn Leute behaupten, der Körper holt sich seinen Schlaf irgendwann schon, ist das gelogen - zumindest aus meiner Erfahrung.
Meiner holte sich den Schlaf nicht. Ich stand am Ende kurz davor psychotisch zu werden. Mein Kopf war wie in Watte, ich halluzinierte leicht. Ich konnte nicht klar denken; mein Denken hatte sich zu dem Zeitpunkt eh schon völlig verselbständigt und es war überhaupt nicht mehr zu kontrollieren.
Meinen Kopf konnte ich nicht drehen, da war sofort Schwindel da; auch der berühmte Augenschwindel, den viele vom SSRI-Absetzen kennen.
Ich war zu diesem Zeitpunkt fast zugrunde gerichtet.

Es hätte meiner Neurologin auffallen müssen, dass ich eine Akathisie entwickelte. Stattdessen wurde meine Diagnose "Erschöpfungsdepression" umgewandelt in "nervöse / agitierte Erschöpfungsdepression".
:frust: :frust: :frust: :frust: :frust:

Und es wurde auch nichts besser. Man hatte mir gesagt: "Wenn Ihre Depression behandelt wird, wird auch Ihre Schlafstörung besser".
Stattdessen erlebte ich eine fulminante Verschlechterung bis kurz vor den Wahn.
Was niemand (ich auch nicht) erkannte: ich war gar nicht depressiv (ich kaufte zu diesem Zeitpunkt jede Woche einen Blumenstrauß. Tun das Depressive?). Ich war verzweifelt und zeigte depressionsähnliche Zustände, weil ich nicht schlafen konnte. Und weil ich nicht schlafen konnte, ging mein Studium vor die Hunde, was den Verzweiflungsgrad nur noch verstärkte. Aber das ist nicht dasselbe!!!
Depression ist nicht dasselbe wie Verzweiflung !
Die Ursache von all dem war meine unerkannte PTBS / PTSD und weil ich nachts im Schlaf fast gestorben war (2001), machte sich mein Trauma nachts eben auch bemerkbar und ließ mich schlaflos da liegen. Das war der unmittelbare Grund der Insomnie, nicht irgendeine daherfabulierte Depression.

Ich werde niemals vergessen, was mir angetan worden ist.
Diese Ärztin verachte ich zutiefst. Ich hoffe, es gibt so etwas wie eine höhere kosmische Gerechtigkeit und das kommt irgendwann noch mal in Ordnung.

Akathisie und Insomnie - das ist wirklich das Schlimmste, was ich im Leben erleben musste (muss).
Die Akathisie verschwand ca. 6 Monate - 1 Jahr nach meinem Kaltentzug und sie wird niemals wiederkommen, weil ich nie wieder ein Psychopharmakon anrühren werde.

Heute, im Jahr 2016, habe ich halbwegs mein Leben zurück. Ich versuche in meiner Mitte zu bleiben. Ich bin in der Regel freundlich und ausgeglichen. Mein innerer Frieden, ich nenne es gerne auch Seelenheil, ist mein Ein und Alles! Ich bin achtsam und halte viel Ruhe.
Ich hetze mich nicht; ich war viele Jahre eine gehetzte Seele, ich würde das gar nicht mehr aushalten.
Ich schlafe immer noch nicht gut oder kaum, aber es kann mich nicht mehr so angreifen. Ich liege ruhig da; nicht panisch oder verstört.
Ich kämpfe darum ins Leben zurückzufinden. :fly:


Liste eingenommener Medikamente bis zur Eskalation 2006:
Sulpirid, Amitripylin, Insidon (Opipramol), Anafranil (Clomipramin), Doxepin, Trimipramin, Amitriptylin, Promethazin, Levomepromazin, Dominal forte, Mirtazapin, Trevilor (Venlafaxin), Sertralin (Zoloft)
Benzos: Lendormin, Dalmadorm, Alprazolam (alles 3 kurz vor Klinikaufenthalt 1.9.2006)

später (2008 - 2010) : Valdoxan, 5 HTP
parallel ab 2006: 8 Jahre Abhängigkeit von Zolpidem und Zopiclon, am Ende auch Alprazolam.
Zwischendrin: immer mal wieder Diazepam, Oxazepam und auch Lorazepam

aktuell: immer mal wieder Testen von Melatonin / Circadin und Ausschleichen von Amitriptylin


 ! Nachricht von: Jamie
Hinweis. Dieser Bericht steht als eigenständiger Erfahrungsbericht und ggf. zum Austausch hier: viewtopic.php?f=51&t=12478
...........SIGNATUR...............


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Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


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Re: Re: Was ist Akathisia / Akathisie? SSRI/SNRI-induzierte paradoxe Reaktion

Beitrag von Luce » Sonntag, 01.01.17, 17:38

Oh mann Jamie, das klingt ja furchtbar.
Wahnsinn was du schon geschafft hast!

Ich habe nach dem Lesen dieses Threads irgendwie das Gefühl, dass ich auch eine leichte Form der Akathisia auspräge.
Hast du damals versucht das ganze mit Propranolol abzuschwächen? Ich liebäugle schon sehr damit, vorallem weils mir mein Doc mitgegeben hat...
Ich bin zur Zeit echt fast am Druchdrehen, auch bei mir kommt es mit der blöden Doktorarbeit zusammen, die das ganze natürlich verstärkt.
Ach alles mies grad. Nichts desto trotz, alles Liebe und ein schönes neues Jahr euch!
Luce
Achtung ich bin ungeplant schwanger - und versuche ab Nov. (SSW5) schneller abzusetzen als die 10% Regel!

Mein Absetzverlauf davor war innerhalb der 5 % - 10% Regel und hat großartig geklappt. Auch wenn :schnecke: Anders hätte das Vollzeitarbeiten inkl Überstunden und Doktorratstudium fertig machen nicht funktioniert.
Meine Medis, meiner Meinung nach fehldiagnostiziert. Saroten (Amitriptylin - max Dosis 40mg ) und Paroxetin (max Dosis 10 - 5 mg)

Absetzen Paroxetin

Ausgansdosis: ich schätze zwischen 4.5 - 5-5 mg Paroxat (keine Waage vorhanden vor Weihnachten 2016)

Meine üblichen Neben und Absetzsymptome:
Unruhe, wütend, Aggression, weinerlich, erhöhter Puls, Verdauungsstörungen

ab 23.12.16 4.1mg zum Stabilisieren

7.2.17 3.9 mg
6.4.17 3.7 mg
25.4.17 3.6 mg
ZURÜCK da ab 4.5. Nebenwirkungen/Absetzerscheinungen (zuviel Stress und Unruhe im allgemeinen System - der Doktor muss fertig werden)
6.5. ca 3.7 - 3.6 mg
24.5 3.5 mg
(7.6.2017 Einschub Amitriptylin (saroten) von 40 mg --> 35 mg)
8.7. 3.3 mg
6.8. 3.1 mg
9.9. 2.8 mg - 2.7 mg
9.10 2.4 - 2.3 mg

11.11.2017 positiver Schwangerschaftstest

14.11 2 mg
26.11 1.8 mg (2x die Woche 5 Globuli Paroxetin C30)
9.12. 1.5 mg
21.12. 1.2 mg
3.1.18 0.9 mg
(Einschub Ami 20 --> 15)
13.1 0.6 mg
25.1 0.3 mg
7.2 0 mg

Absetzen Amitryptilin (Saroten)
7.6.2017 Einschub Amitriptylin (saroten) von 40 mg --> 35 mg
Kurzschlussreaktion wegen positiven SS Test Reduktion von Amitriptylin (saroten)
11.11. 35 mg --> 25 mg
1.12 20 mg
5.1 15 mg (Wasserlösemethode, ab nun alle 2-3 Tage homöophatische Ami)
x.2 12.5mg
17.3 10mg
11.4 7.5mg
1.5 5mg
21.5 2.5mg
5.6 1.25mg
13.6 0mg

Mein AD Historie bevor ich das Forum gefunden haben
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Meine Vorgeschichte:
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