Klick auf das Kreuzchen um das hier auszublenden ->

Liebe Fories, liebe Interessierte,

seit 1.8.2019 gibt es Änderungen im Forum. Es ist nur noch teilweise öffentlich zugänglich. Ohne Anmeldung können nur die Rubriken "Informationen", "Neue Teilnehmer" sowie "Erfahrungsberichte" gelesen werden.

Die anderen Rubriken sind nur noch für registrierte Mitglieder einsehbar. Dazu gehört auch der Bereich "Ausschleichen von Psychopharmaka" mit Dokumentation der einzelnen Verläufe (Tagebücher) zum Absetzen von Antidepressiva, Neuroleptika und Benzodiazepinen. Hier findet Ihr alle Neuerungen und Änderungen. Hier steht alles Wichtige für noch nicht registrierte Interessierte.

Wir sind ein Selbsthilfeforum. Wer sich registriert, um einen eigenen Thread zu eröffnen, entscheidet sich auch dafür, sich aktiv mit den bereitgestellten Informationen auseinanderzusetzen. Neue Mitglieder bitten wir daher, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Grundlagentexte durchzulesen und anzueignen. Wer nach der Registrierung nur still mitlesen will, ist auch willkommen.

Ein Dankeschön an alle, die sich bereits aktiv in den Erfahrungsaustausch einbringen. Gegenseitige Unterstützung stärkt jede Selbsthilfegruppe.

Euer ADFD-Team

Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen

Das Ausschleichen von Antidepressiva, Benzodiazepinen und anderen Psychopharmaka kann schwierig und langwierig sein. Hier findet ihr Artikel, die die jahrelange Erfahrung der Teilnehmer widerspiegeln.
Gesperrt
Hannes Wien
Gründer
Beiträge: 903
Registriert: Montag, 27.10.03, 14:16
Wohnort: Wien

Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen

Beitrag von Hannes Wien » Montag, 31.10.05, 0:11

Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen

WARNUNG
Ein kalter Entzug (also von heute 100% auf morgen 0%) ist auf keinem Fall zu empfehlen, es würde wahrscheinlich viel länger dauern bis Du Dich von den starken Entzugserscheinungen wieder erholt hast und es kann auch sein, dass Du Dich nach einem kalten Entzug nie wieder richtig erholst.

HINWEIS
Die hier veröffentlichten Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen, basieren auf dem sogenannten Ashton Manual (nach Prof. Heather Ashton). Der komplette Text liegt bisher leider nur auf Englisch vor: Zum Ashton Manual auf Englisch
EDIT: Das Manuel auf Deutsch http://benzo.org.uk/german/index.htm
EDIT: spätere Ergänzungen zum Manuel auf englisch: http://www.benzo.org.uk/ashsupp11.htm#supp2 und hier von ADFD-Mitgliedern übersetzt: viewtopic.php?f=16&t=11148

Länge des Absetzens von Benzodiazepinen
Unabhängig davon, wie lange Du schon Benzodiazepine nimmst, ist es wichtig, dass die Reduktion langsam und schrittweise erfolgt. Dabei muss auf die individuellen Entzugserscheinungen eingegangen werden und die Absetzgeschwindigkeit entsprechend angepasst werden. Die schlimmsten Entzugserscheinungen können durch langsames Absetzen vermieden werden.

Bei Einnahmedauern von unter einem Jahr, können Benzodiazepine meist über 4-6 Monate abgesetzt werden. Bei einem Langzeitgebrauch von fünf, zehn oder mehr Jahren muss mit einer Entzugszeit von 18 Monaten oder länger gerechnet werden.

Formen der Abhängigkeit
Man unterscheidet zwischen einer Niedrigdosis-Abhängigkeit (weniger als 30 mg Diazepam täglich) und einer Hochdosis-Abhängigkeit (mehr als 30mg Diazepam täglich).

Bei einer Niedrigdosis-Abhängigkeit sollte man auf jeden Fall die gesamte Benzodiazepindosis LANGSAM auf Diazepam umstellen, siehe Beispieltabellen und Umrechnungstabelle für verschiedene Benzodiazepine nach Valium (Diazepam).

Bei einer Hochdosis-Abhängigkeit wird nur ein Teil (ca. 50-70 %) auf Diazepam umgestellt. Die restlichen Fremdbenzodiazepine werden dann während des Entzuges als Erstes abgesetzt (siehe auch Beispieltabellen). Wichtig ist, dass die Umstellung auf Diazepam schrittweise und langsam erfolgt.

Warum Diazepam?
Für den Körper ist es jedes Mal ein Schock, wenn die Dosis reduziert wird - er benötigt Zeit, um sich daran gewöhnen zu können. Umso größer die Dosis die auf einmal abgesetzt wird und umso kürzer die Halbwertszeit des jeweiligen Benzodiazepins ist, desto stärker sind die Entzugserscheinungen!

Die meisten Benzodiazepine haben eine kurze bis mittlere Halbwertszeit von ca. 6-30 Stunden und sind nur in Dosierungen erhältlich, die umgerechnet 10mg Diazepam entsprechen. Auch das Äquivalent von 2,5 mg Diazepam (also eine viertel-Tablette, der handelsüblichen Benzodiazepine) sind meist schon zu viel für einen Absetzschritt. Diazepam hingegen ist in 2, 5 und 10 mg Tablettenform sowie flüssig erhältlich und hat eine lange Halbwertszeit von über 100 Stunden.

Wie schnell absetzen?
Man sollte eine bis vier Wochen nach jeder Reduktion abwarten bevor man den nächsten Absetzschritt macht.

Jeder Mensch reagiert verschieden beim absetzen und muss herausfinden welche Dosis die Beste beim absetzen ist!

Empfehlung zu den Absetzschritten

* Bei einer Dosis > 50mg Diazepam: 10mg alle 1-4 Wochen
* Ab 50mg bis 40mg Diazepam: 5mg alle 1-4 Wochen
* Ab 40 mg Diazepam bis 15mg Diazepam in 2mg Schritten alle 1-4 Wochen
* Ab 15mg Diazepam bis 0 Diazepam MAX. 1mg Diazepam Schritten oder weniger alle 1-4 Wochen

Oliver
Gründer
Beiträge: 9079
Registriert: Freitag, 10.10.03, 23:58

Umrechnungstabelle nach Diazepam (Valium)

Beitrag von Oliver » Donnerstag, 30.03.06, 14:24

Benzodiazepine I

Code: Alles auswählen

Wirkstoff                Halbwertszeit (in Stunden)            10mg Diazepam entsprechen
----------------------------------------------------------------------------------------
Alprazolam                 6-12                                    0,5
Bromazepam                 10-20                                   5-6
Chlordiazepoxide           5-30                                    25
Clobazam                   12-60                                   20
Clonazepam                 18-50                                   0,5
Clorazepate                36-200                                  15
Diazepam                   20-100                                  10
Benzodiazepine II

Code: Alles auswählen

Wirkstoff                Halbwertszeit (in Stunden)            10mg Diazepam entsprechen
----------------------------------------------------------------------------------------
Estazolam                  10-24                                   1-2
Flunitrazepam              18-26                                   1
Flurazepam                 40-250                                  15-30
Halazepam                  30-100                                  20
Ketazolam                  2                                       15-30
Loprazolam                 6-12                                    1-2
Lorazepam                  10-20                                   1
Lormetazepam               10-12                                   1-2
Benzodiazepine III

Code: Alles auswählen

Wirkstoff                Halbwertszeit (in Stunden)            10mg Diazepam entsprechen
----------------------------------------------------------------------------------------
Medazepam                  36-200                                  10
Nitrazepam                 15-38                                   10
Nordazepam                 36-200                                  10
Oxazepam                   4-15                                    20
Prazepam                   36-200                                  10-20
Quazepam                   25-100                                  20
Temazepam                  8-22                                    20
Triazolam                  2                                       0,5
Benzodiazepinähnliche Wirkstoffe

Code: Alles auswählen

Wirkstoff                Halbwertszeit (in Stunden)            10mg Diazepam entsprechen
----------------------------------------------------------------------------------------
Zaleplon                   2                                       20
Zolpidem                   2                                       20
Zopiclone                  5-6                                     15
Zuletzt geändert von Oliver am Donnerstag, 30.03.06, 16:32, insgesamt 6-mal geändert.

Oliver
Gründer
Beiträge: 9079
Registriert: Freitag, 10.10.03, 23:58

Beispielhafte Absetzpläne zur Orientierung

Beitrag von Oliver » Donnerstag, 30.03.06, 14:35

20mg Diazepam + 0,25mg Alprazolam +15mg Zolpiclon: Zur Tabelle

10mg Oxazepam+ 1,5mg Bromazepam abends: Zur Tabelle

1,25mg Alprazolam + 2 mg Lorazepam (entspricht 45 mg Diazepam): Zur Tabelle

1,5 mg Lorazpam (entspricht 15mg Diazepam):Zur Tabelle

3 mg Lorazepam (entspricht 30 mg Diazepam):Zur Tabelle

3mg Bromazepam (entspricht 5 mg Diazepam):Zur Tabelle

75 mg Oxazepam (entspricht 37,5 mg Diazepam):Zur Tabelle

2 mg Lorazepam (entspricht 20 mg Diazepam):Zur Tabelle

255 mg Oxazepam (entspricht 127,5 mg Diazepam):Zur Tabelle

45 mg Oxazepam + 5 Diazepam (entspricht 27,5 mg Diazepam): Zur Tabelle

6,5mg Lormetazepam (Noctamid) (entspricht zwischen 43,5 - 65 mg Diazepam)
In diesem Fall gehen wir auf den LONG-TERM USE des Patienten ein und nehmen 65mg Diazepam: Zur Tabelle

1 mg Lorazepam (entspricht 10 mg Diazepam): Zur Tabelle

50 mg Zolpidem (entspricht 25 mg Diazepam): Zur Tabelle

30 mg Diazepam: Zur Tabelle

0,25 mg Alprazolam: Zur Tabelle

1,25 mg Lorazepam: Zur Tabelle

22 mg Nitrazepam (entspricht 22 mg Diazepam): Zur Tabelle

15 mg Lorazepam, 5mg Fkunitrazepam, 100mg Diazepam (entspricht 300 mg Diazepam): Zur Tabelle

80mg Clorazepate (entspricht 53,3 mg Diazepam): Zur Tabelle

Das-kleine-Runde

Benzo-Absetz-Information

Beitrag von Das-kleine-Runde » Donnerstag, 28.07.11, 12:34

Hallo und herzlich Willkommen :) !

Hier findest Du die wichtigsten Infos zum Absetzen von Benzos auf einen Blick und hast alles Wichtige zur Hand, auch wenn keine erfahrenen Mitglieder online sind. :)

http://www.adfd.org/wissen/Hilfen_zum_A ... diazepinen

Die Werte für die Umrechnung der einzelnen Benzos auf Diazepam sind Richtwerte, es können individuell relativ starke Abweichungen davon nötig sein.
Man sollte vor der ersten Reduktion eine Ausgangsdosis wählen, mit der man völlig frei von Absetzbeschwerden ist.

Die Reduktion erfolgt in 1mg-, im unteren Dosisbereich 0,5mg-Schritten (0,33mg bei bestimmten Flüssigpräparaten) Diazepam im Abstand von 1-4 Wochen.
Richtschnur ist dabei das Vermeiden von Absetzbeschwerden, treten welche auf, bedeutet daß, man geht zu schnell vor und der Körper kann sich nicht so schnell an das geringere Benzo-Angebot anpassen.
(Beim Absetzen von sehr hohen Dosen kann man anfangs evtl. größere Schritte wagen, siehe Tabelle.)

Manche Betroffene stellen nicht auf ein Benzo mit langer HWZ um, sondern lassen von ihrem Präparat immer einen kleinen Teil weg, das klappt zwar bei einigen, ist aber für viele Betroffene aufgrund starker Beschwerden keine Option. Das Ausschleichen mit Diazepam-Substitution wird meistens als schonender empfunden.

Einige Betroffene, die Diazepam nicht vertragen, versuchen es mit Clorazepat (Tranxilium).

Hier wird die Wirkung von Benzos und alle wichtigen Punkte für ein schonendes Absetzen im Detail erklärt:

http://www.benzo.org.uk/german/index.htm

Hier die Ergänzung des Manuels von 2012/2013 übersetzt: viewtopic.php?f=16&t=11148

Allerdings hat sich der Einsatz von modernen AD (SSRI/SRNI/Mirtazapin) als sog. Absetzhilfe in der Praxis als gefährlich erwiesen, weil dadurch Entzugserscheinungen nur überdeckt werden und man die Probleme dann häufig nur zeitlich verschoben beim Absetzen der AD erlebt, evtl. gemischt mit einer AD-Absetzproblematik.

Der sicherste Weg ist wohl, daß Benzo durch langsames Reduzieren abzusetzen ohne den zusätzlichen Einsatz von Medikamenten.
Manchmal werden im Notfall sedierende Trizyklika wie Doxepin, Amitriyptylin, Trimipramin oder Opipramol eingesetzt, um Absetzerscheinungen zu dämpfen. Das Risiko einer Absetzproblematik ist bei Trizyklika zwar geringer , aber nicht ausgeschlossen.

Immer wieder entstehen ängstliche Fragen, ob ein Benzo-Entzug überhaupt machbar ist und ob man so Schlimmes erlebt, wie in vielen Beiträgen geschildert.
Die schlimmsten Erfahrungen entstehen durch übereilte Entzüge in Kliniken, wer langsam über Monate hinweg ausschleicht, hat gute Chancen, mit wenigen oder keinen Beschwerden absetzen zu können.

Es gibt einige Betroffene, die es nicht schaffen, ohne Benzos zu leben, dabei spielt die persönliche Suchtstruktur eine große Rolle.
Wichtig ist, alterantiv zu den Benzos Wege zu finden, mit Angst und Streß zurechtzukommen, denn wenn das Benzo die einzige Krücke in bestimmten Situationen ist, hilft der schonendste Absetzplan wenig.

Deswegen sollte man ggfs. in einer Psychotherapie an den Ursachen von Depression und Angst arbeiten und Handlungsalternativen erlernen.
Manchmal muß man erkennen, daß Veränderungen im Alltag nötig sind.

Hilfreich sind Sport (allerdings in der Absetzphase nur in Maßen), Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Yoga, Meditation und alle Dinge, die einem persönlich Wohlbefinden bringen.

Manchmal werden pflanzliche Präparate wie Baldrian, Hopfen, Melisse, Passioflora oder Lasea als Unterstützung empfunden.

Hier entsteht ein Erfolgs-Thread mit einige interessanten Berichten:
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=16&t=6441

Ich wünsche Euch

Alles Gute :group:

Das-kleine-Runde

Jamie
Moderatorenteam
Beiträge: 18340
Registriert: Montag, 04.02.13, 22:37

Re: Benzo-Absetz-Information (nicht nur) für neue Mitglieder

Beitrag von Jamie » Donnerstag, 01.08.13, 23:11

Ganz wichtig Nachtrag

Tetrazepam

In der Tabelle wird Tetrazepam nicht aufgelistet.


Die Umrechnung ist, dass 50mg Tetrazepam 10mg Diazepam entsprechen.

Jamie
Moderatorenteam
Beiträge: 18340
Registriert: Montag, 04.02.13, 22:37

Re: Benzo-Absetz-Information (nicht nur) für neue Mitglieder

Beitrag von Jamie » Mittwoch, 09.04.14, 20:55

Ein interessanter, sehr ausführlicher Artikel über Benzos --> Danke an User jollyalong.


Achtung, links gibt es noch acht weitere Teile zum Thema Benzodiazepinabhängigkeit.


Einige Daten dürften veraltet sein, insbes. was die Verschreibungspraxis betrifft, aber die Grundlagen sind gut erklärt:

http://www.btonline.de/sucht/medikament ... ise01.html

padma
Moderatorenteam
Beiträge: 18623
Registriert: Sonntag, 06.01.13, 17:04

Re: Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen

Beitrag von padma » Donnerstag, 17.03.16, 12:06

WICHTIGE MITTEILUNG VON PROFESSOR ASHTON

Professor Ashton möchte auf folgende Punkte besonders hinweisen, die von Ärzten und Patienten nicht immer beachtet werden:

1 Es ist wichtig, den Arzt, der Ihnen die Medikamente verschreibt, darauf hinzuweisen, dass die im nachfolgenden Text ( Edit : hier im vorangegangenen Text)empfohlenen Entwöhnungsschemata nur als generelle Empfehlungen zu betrachten sind. Die Rate der Dosis-Reduktion sollte niemals rigide, sondern stets flexibel sein und unter Kontrolle des Patienten und nicht des Arztes stehen und zwar angepasst an die individuellen Bedürfnisse des Patienten, die von Fall zu Fall unterschiedlich sein können.

http://benzo.org.uk/german/bzcha00.htm

Gesperrt