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Absetzen von Trevilor (Venlafaxin) GEHT - ein Erfahrungsbericht...

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
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matrix
Beiträge: 1
Registriert: 06.04.2006 19:42

Absetzen von Trevilor (Venlafaxin) GEHT - ein Erfahrungsbericht...

Beitrag von matrix »

liebe leute,
da man leider keinen bericht im subforum "erfahrungsberichte" erstellen kann, kommt mein kleiner beitrag eben hierhin. dieser beitrag ist für alle geacht, die trevilor nehmen, davon aber gerne wegkommen möchten und damit solch heftige probleme haben, wie es sich andereMenschen überhaupt nicht vorstellen können.

allem voran: es geht! die schrecklichen absetzsymptome hören auf. es ist auszuhalten!

ich habe trevilor knapp einundhalb jahre genommen, die erste zeit die kapseln zu 75mg. nach einer von mehreren psychotherapien (anderes thema) habe ich gemerkt, dass mir das trevilor in der ersten zeit wirklich geholfen hat, aber DASS gute stimmung eher mit "verhaltensvorfällen" und schlechte stimmung mit "verhaltensrückfällen" zu tun hat. wie gesagt, das ist ein anderes (vielleicht sogar interessanteres) thema, aber passt jetzt nicht zu diesem beitrag.

jedenfalls hab ich mit der zeit festgestellt, dass ich das trevior nicht mehr "brauche" und gerne ohne leben möchte. doch dann kam der Hammer: der erste Absetzversuch misslang total. Die ersten Tage merkte ich zwar überhaupt nichts und ich war schon total happy, davon los zu sein, doch typischerweise am 3./4. Tag ging es los: Schwindel, das Gefühl nicht da zu sein, ein Gefühl der Leere, noch mehr Schwindel, überhaupt keine Kraft mehr und beim Einschlafen heftigste Zaps. Letztere waren übrigens das aller schrecklichste. Mir kam es immer so vor als hält jemand ein Stromkabel an mein Gehirn und geht auf Vollspannung: das i-Tüpfelchen des Wahnsinns war, dass diese Zaps von einer Körperstarre begleitet waren und ich den "Stromschlägen" hilflos ausgesetzt war und ich mich nicht mehr bewegen konnte. Mein Neurologe "hatte davon noch nie gehört" (und verschreibt dieses Zeugs, ts), gottseidank habe ich im Internet feststellen können, dass es anderen auch so ergeht (sonst hätte ich wohl völlig an mir gezweifelt).

Nun denn, jedenfalls war das keineswegs Auszuhalten und ich hab das Trevilor wieder angefangen. Das wichtige für mich aber war, dass ich wusste, dass es NICHT AN MIR sondern wirklich AM TREVILOR lag. Weitere Absetzversuche folgten, die ähnlich misslangen, obwohl ich mittlerweile so klug war und langsam runterdosierte. Beim letzten Absetzversuch war ich von den 75mg zuerst über mehrere Wochen auf die 37,5 mg Tabletten runter und dann NOCHMAL etwa 1-2 Monate auf "18,75". Das heißt ich hab die 37,5mg also mit einem Tablettenschneider aus der Apotheke geteilt, da die 37,5mg Tabletten ja die kleinste verfügbare Dosiereinheit ist (warum versteh ich bis heute noch nicht, denn auch von den 18,75mg konnte ich immer noch typische Treviloreffekte 1-2 Stunden nach der Einnahme feststellen: gähnen, leichte Nervosität, leichte Übelkeit.

Manchmal ging das Durchtrennen der Tablette daneben (sie teilte sich dann nicht wie gewünscht in der Mitte und ich hab sie dann weggeworfen) aber im Allgemeinen hat das ganz gut funktioniert. Mir war mittlerweile klar, dass ich das Trevilor tatsächlich nur GANZ LANGSAM absetzen kann (auch wenn ich am liebsten SOFORT davon wegwollte) und hab mich insofern recht brav daran gehalten.
Erst nach knapp zwei Monaten startete dann mein letzter Absetzversuch. Dieser war übrigens nicht geplant, aber ich war für ein paar Tage verreist und hatte dooferweise meinen Toilettbeutel inkl. des Trevilors vergessen.

WICHTIG: Auch bei diesem meinem letzten Absetzversuch kam es wieder zu DEUTLICH SPÜRBAREN und UNANGENEHMEN SYMPTOMEN! Dazu vor allem: Schwindel beim Bewegen des Kopfes; das Gefühl, nicht richtig da zu sein (unangenehm); mitunter "innere Leere"; Müdigkeit; Antriebslosigkeit, leichtes Zittern.
Am unangenehmsten dabei war nicht der ständige Schwindel (nur tagsüber, Schlafen ging wunderbar) sondern dieses Gefühl "nicht richtig da zu sein". Ich glaube vor allem deshalb, weil man dazu geneigt ist, dieses Gefühl "auf sich zu schieben" und nicht auf das Trevilor.
ENTSCHEIDEND war aber, dass diesmal KEINE ZAPS auftraten und diese Symptome AUSZUHALTEN waren. Wären die Zaps wieder gekommen hätte ich bestimmt nicht durchgehalten, aber offenbar kommen die (zumindest bei mir) erst ab einer gewissen Dosierung.
Jedenfalls waren auch bei diesem letzten Absetzversuch die unangenehmen Symptome nach ca. 3-4 Tagen eingetreten und hörten ERSTMAL nicht auf. ABER: nach ca. 10 Tagen wurden sie spürbar weniger (es kam immer wieder zu: "ach, ich hab ganz vergessen, dass die Symptome gerade ja gar nicht da sind"-Momenten) und nach geschätzten 3 Wochen waren diese Symptome ganz weg.

Mittlerweile sind knapp drei Monate her und hätte ich gerade nicht eine Trevilorschachtel zufällig gefunden, die mich daran erinnert hat, was für schreckliche Zeiten ich hatte, weil ich mir ganz sicher war, ich komm NIE davon weg, dann hätte ich diesen Artikel hier garnicht geschrieben.

Was ich mit diesem Artikel will ist einfach nur eines:
Euch sagen, dass man davon loskommen kann!
Ich war in den Zeiten, in denen ich mit den Symptomen zu kämpfen hatte, immer wieder viel im Internet "unterwegs" und hab nach Erfahrungstipps gesucht aber vor allem Abschreckendes gefunden!

Ich kann nur von mir sprechen, aber meine Erfahrung ist, dass man durch sehr langsames Aufsetzen auf ein ganz geringes Niveau (wie gesagt die Hälfte der 37,5) absetzen KANN und die Symptome AUSZUHALTEN sind. Es kostet jede Menge Kraft, Nerven, Geduld und einfach Durchhaltevermögen aber es ist machbar!


Sollte jemand Fragen haben stehe ich gerne unter xxx zur Verfügung,
da ich selber endlich weg von jeder Art von Tabletten bin (diverse Neuroleptika, Benzodiazepine und eben SSRI und SNRI) bin ich auch nicht mehr auf diesen Foren,
so, das war mein Beitrag
vielleicht konnt ich ja dem ein oder anderen so ein wenig helfen,
liebe Grüße

Martin
Zuletzt geändert von padma am 24.07.2023 19:17, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Wirkstoffnamen ergänzt, Mailadresse aus Anonymitätsgründen entfernt
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