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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


sag ichs meinen freunden - oder lieber nicht?

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
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dornröschen
Beiträge: 8
Registriert: 27.10.2003 17:06

sag ichs meinen freunden - oder lieber nicht?

Beitrag von dornröschen »

hallo!
ich nehme jetzt ja seit zehn tagen mein citalopram... davor hatte ich remergil.
meinem besten freund habe ich davon erzählt- er kommentierte das mit den worten "das kriegen doch nur kranke, du bist nicht krank, also brauchst du es nicht." aus angst davor dass ich "durchdrehe" gehen wir jetzt nicht mehr zusammen weg.
von meinem neuen medikament habe ich dann erst garnicht erzählt.
heute habe ich dann mal meinen vater zaghaft zum thema depressionen angesprochen- und er meinte "die leute die ihre probleme nur mit medikamenten in den griff kriegen sind schwach und NICHTS WERT!!!"
daraufhin habe ich dann nur verzweifelt gelächelt.

wie geht ihr damit um- "outet" ihr euch oder nicht?
und welche erfahrungen habt ihr damit bis jetzt gemacht?

lg
dornröschen
CloneX
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Beitrag von CloneX »

Hi Dornröschen,

ja, das ist eine etwas problematische Situation mit dem "Outen". Eigentlich ist das dämlich, denn wenn man depressiv ist, dann ist das schließlich auch eine Krankheit und keine Schwäche.
Das Problem ist, dass viele Menschen gar nicht nachfühlen können was Depressionen sind. Da kann man ihnen auch nicht direkt was vorwerfen. Es ist einfach schwer zu verstehen.

Meine Familie und vor allem Mutter weiß von meinen Problemen und zeigt da auch sehr viel Verständnis. Zum Glück. Meinen Freunden habe ich es solange verheimlicht wie es nur ging, weil ich nicht wusste wie sie reagieren würden. Ironischerweise habe ich es ihnen dann erzählt als ich das Medikament abgesetzt habe...das lag daran, dass die Absetzungsprobleme so schwer waren, das es langsam auffällig geworden wäre wenn ich andauernd Ausreden gebracht hätte. Also kam ich raus mit der Sprache und zu meinem Glück haben meine beiden besten Freunde es sehr gut aufgenommen. Ganz verstehen tun sie es sicher nicht...aber sie akzeptieren es und verstehen dass es nicht alles "Schwäche" oder ähnliches ist. Das ist sehr entlastend.

Die Aussage von deinem Vater is natürlich falsch. Obwohl er in einem Punkt Recht hat...wer sich NUR auf Medikamente verlässt und nicht selbst an sich arbeitet, der wählt sicher nicht den besten Weg. Aber sowas wie "NICHTS WERT" is natürlich Blödsinn.

Es kommt immer auf die Personen an. Manche verstehen es, oder sind vielleicht sogar selber betroffen und andere können damit gar nix anfangen.
Hoschi
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Beitrag von Hoschi »

Hi Röschen,

bei mir wissen auch nur meine Freundin, mein bester Kumpel, eine Freundin und meine Lieblingsschwester davon. Nicht mal meinen Eltern habe ich es erzählt. Die werden wahrscheinlich genauso wie dein Vater reagieren. Deswegen lasse ich es lieber. Den auf der Arbeit habe ich erzählt, daß ich Nachts wegen meines Tinnitus (verusacht durch einen Hörsturz) nicht schlafen kann und mich deswegen nicht konzentrieren kann. Ich denke ich werde es keinem weiter erzählen.
dornröschen
Beiträge: 8
Registriert: 27.10.2003 17:06

muss mal präzisieren...

Beitrag von dornröschen »

das problem ist nicht das ich angst habe "durchzudrehen"- das problem ist das mein freund angst hat dass ich "durchdrehe" wenn er mit mir ausgeht. und das war mein bester freund, wir haben uns jahrelang alles erzählt.
nun denkt er durch meine medikamente würde ich irgendwie anders werden... obwohl ich nicht den eindruck habe. er meinte "solange du das zeug nimmst gehe ich nicht mit dir weg"
ich bin total traurig und frustriert darüber. und aus angst das andere auch so reagieren traue ich mich nicht, es jemand anderem zu erzählen- das belastet dann auch die freundschaften weil ich das gefühl habe, etwas wichtiges von mir nicht preizugeben.

habt ihr bei euch "persönlichkeitsveränderungen" durch die medikamente bemerkt?

vielleicht bin ich ja schon anders ohne es zu merken... toll...
Oliver
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Beitrag von Oliver »

Hallo.

Bei mir war es so, daß eh fast mein gesamtes soziales Umfeld in die Brüche gegangen ist, weil ich mich so extrem und so lange zurückgezogen habe. Die paar alten Freunde, die das mit mir durchgestanden haben, wissen über alles Bescheid. Und wenn ich jetzt neue Leute kennenlerne mache ich meist auch keinen Hehl daraus (nur wenn sowas zur Sprache kommt natürlich), daß ich eine veritable Macke habe und auch schon so einiges "eingeworfen" habe. Mir hilft dieser offensive Umgang damit, um mich nicht mehr verstecken zu müssen. Damit mache ich mich natürlich auch angreifbar, aber ich glaube für mich ist es der richtige Weg.

Tschüss
Oliver
Hoschi
Beiträge: 30
Registriert: 12.10.2003 12:36
Wohnort: Schleswig-Holstein

Beitrag von Hoschi »

Hi Röschen,

nochmal zum Thema "durchdrehen oder anders werden". Ich habe einer guten Freundin vor einigen Monaten auch noch versucht ihr solche "Psycho-Pillen" auszureden, weil die den Charakter ändern (dachte ich). Als mir die Ärztin dann Citalopram verordnet hat, mußte ich auch sehr lange überlegen, ob ich sie nehmen soll. Letztendlich habe ich sie doch genommen, weil ich einfach so verzweifelt war und endlich aus der Depri raus wollte. Jetzt denke ich ganz anders über diese Pillen. Selbst wenn diese Pillen den Charakter ändern sollten (ist aber bei SSRI's eigentlich nicht der Fall, sondern nur bei Tranquilizern) ist es egal., denn Du willst ja aus dem "schwarzen Loch" raus. Und wenn dein Freund dagegen ist, erkläre es ihm, wie wichtig es Dir ist daraus zu kommen.

Vielleicht hilft Dir das......
Pascal
Beiträge: 41
Registriert: 10.10.2003 21:53

Beitrag von Pascal »

Hallo Dorni,
ich darf Dich doch so nennen. :-)

Bei mir weiss es nur ein einziger Freund. Der akzeptierte das ganz. Sonst wissen es meine Eltern. Die das ganze positiv aufgenommen haben. Im Geschäft oder sonstwo würde ich das nicht kommunizieren. Dann haben die einen Angriffspunkt.

Jetzt hab ichs ja abgesetzt. Aber man weiss nie, ob ichs irgendwann wieder brauche.

Gruss
Pascal
Heidi
Beiträge: 45
Registriert: 13.10.2003 16:27
Wohnort: Bayerbach / Niederbayern

Geschockt

Beitrag von Heidi »

Hallo Röschen,

ich bin geschockt und dermaßen aggressiv!!!

Wie kann ein Mensch sich die Frechheit herausnehmen, einen anderen Menschen (der jetzt alle Hilfe der Welt braucht) so zu behandeln!!!!

Bezeichnest Du sowas als Freund??

Die erste Zeit meiner Kranheitsphase (immerhin 7 jahre) habe ich alles geheimgehalten. Nur meine Familie wußte Bescheid. Jetzt seit ca. 1 Jahr rede ich darüber, aber nur wenn sich das Thema ergibt.

Wer nicht damit umgehen will (es nicht einmal versucht) der soll sich aus meinem Leben schleichen - garantiert -

Den sog. Freund würde ich mir gerne mal zur Brust nehmen. Es kann jedem passieren krank zu werden, immer und jederzeit. Dieser Mensch hat meines Erachtens keinen Charakter.

Ich hatte mal einen Partner, ich dachte wir lieben uns. Ich hatte dann so ca. 1/2 Jahr mit Blasenentzündungen zu tun. Also konnte ich nicht mit ihm schlafen. Aus diesem Grund hat er Schluss gemacht mit mir. War damals ziemlich hart!! - Jetzt kann ich darüber lachen. Ist ein Mensch meine Gefühle wert, der so mit mir umgeht?? Wohl nicht!!!

Machs gut - Heidi
Pascal
Beiträge: 41
Registriert: 10.10.2003 21:53

Beitrag von Pascal »

Hi Heidi und Dorni

echt der Gipfel dieser Freund. Hatten wir gestern im Chat nicht darüber geredet, über die geplatzte Hochzeit...???

Das kann man doch keinen Freund nennen? Jemand der wartet bis Du keine Tabletten mehr nehmen musst. So jemanden muss man in den Wind schiessen. Der steht überhaupt nicht zu Dir und Deinen Problemen!

Das ist übel. Du hast vielleicht pschische Probleme im moment, aber das gibt niemandem das Recht, einen anderen "Lieben" Menschen unter Druck zu setzen.

Du wirst nicht alleine gelassen, Dorni. Gut, das Du darüber hier schreibst.

Pascal
dornröschen
Beiträge: 8
Registriert: 27.10.2003 17:06

danke

Beitrag von dornröschen »

danke für eure unterstützung...
die schlechte reaktion auf mein antidepressivum kam allerdings von meinem besten freund, nicht von meinem ex... der weiß nix von meinen medikamenten- und ich werde es ihm wohl auch kaum erzählen.
es ist echt schlimm wenn man in so kurzer zeit von so vielen menschen enttäuscht wird.
das wünsche ich wirklich keinem.

ich bin so froh dass es euch gibt :-)
Gesperrt